Der
„schlesische
Berliner“
Alexander
Ecklebe ist
in dieser
Eigenschaft
beinahe ein
typischer
Fall, war
doch vor dem
Kriege die
Reichshauptstadt
Berlin der
Ort, an dem
nach Breslau
die größte
Zahl
schlesischer
Komponisten
ein
angemessenes
Wirkungsfeld
und zumeist
auch ihre
zweite
Heimat fand.
Andererseits
ist Ecklebe
dadurch ganz
untypisch,
daß er den
größeren
Teil seines
künstlerischen
Daseins als
freischaffender
Komponist,
also ohne
feste
berufliche
Bindungen,
gestalten
konnte, ohne
jene
Notsituation
zu erfahren,
die für das
Bild des
freien
Künstlerlebens
lange Zeit
als
unvermeidbar
und als
besonders
kennzeichnend
betrachtet
wurde. Aus
der Gruppe
der kurz
nach der
Jahrhundertwende
geborenen
schlesischen
Komponisten
ist der
Lebensgang
Ecklebes
dadurch
gekennzeichnet,
daß er trotz
zweier
Weltkriege
und trotz
politischer
Wirren und
schlimmer
wirtschaftlicher
Krisen
beinahe
gradlinig
und ohne
allzu große
Verluste und
Brüche
verläuft.
Zwar bleibt
auch ihm
nach dem
Zusammenbruch
des
Deutschen
Reiches und
nach der
Entlassung
aus
Kriegsgefangenschaft
eine
zeitweilige
Tätigkeit
als
Barpianist,
Gartenarbeiter
und
Notenkopist
nicht
erspart,
aber bald
kann er in
vertrauter
Umgebung
dort mit
seiner
Arbeit
wieder
anknüpfen,
wo er gegen
Ende des
Krieges
aufhören
mußte,
nachdem er
als
Volkssturmmann
in russische
Gefangenschaft
geraten war.
Er wurde als
Mitarbeiter
zum Berliner
Rundfunk
geholt, bei
dem er
bereits von
1930 bis
Anfang 1945
ununterbrochen
gearbeitet
hatte. Von
1948 bis
1950 war er
hier zuerst
als Referent
für
Kammermusik
und zuletzt
als
kommissarischer
Abteilungsleiter
für die
Ernste Musik
fest
angestellt.
Da ihm die
Verwaltungsarbeit
kaum noch
das
Komponieren
erlaubte,
kündigte er
seine
Anstellung
und wagte
den Schritt
zum
freischaffenden
Komponisten.
Daß dieses
Wagnis
glückte,
beweist
nicht nur
der Umfang
des
Verzeichnisses
der danach
entstehenden
Werke,
sondern auch
die Frische
seiner
Schaffenskraft,
die immer
wieder Neues
entstehen
läßt aus
Freude, sich
seinen
Hörern in
vielfältiger
Weise
mitteilen zu
können. Und
er hat sich
mit seinem
thematisch
weitgespannten
Werk einen
großen
Hörerkreis
erworben.
Ecklebe,
1904 im
oberschlesischen
Cosel
geboren,
übersiedelte
im
Kindesalter
mit seinen
Eltern nach
Breslau.
Früh regte
sich bei ihm
der Wunsch
nach
Beschäftigung
mit der
Musik. Hier
erhielt er
am Breslauer
Konservatorium
Unterricht
in Cello und
Klavier,
später
besuchte er
das
Schlesische
Konservatorium,
das ihm
unter
Leitung von
Hermann
Buchal eine
umfassende
und
gründliche
musikalische
Ausbildung
vermittelte.
Das
theoretische
Handwerk
erlernte er
bei dem
Reger- und
Humperdinckschüler
Adolf
Ehrenberg.
Später
beeinflußten
ihn Gerhard
Strecke und
besonders
Ernst August
Voelkel, der
vor allem
der damals
modernen
Musik
gegenüber
aufgeschlossen
war. Er
legte bald
das
Organistenexamen
ab. Durch
das rege
Musikleben
Breslaus
lernte er
nicht nur
die Werke
fast aller
berühmten
Komponisten
dieser Zeit
sehr früh
kennen,
sondern
erhielt im
Opernhaus
tiefe
Eindrücke
durch Werke
Franz
Schrekers.
Seine
Bewerbung
für einen
Platz in
dessen
Meisterklasse
für
Komponisten
an der
Musikhochschule
in Berlin
war
erfolgreich;
1929
wechselte er
nach Berlin
über, das er
für längere
Zeit nicht
mehr
verlassen
sollte. Die
Lehrzeit bei
Franz
Schreker
hinterließ
bleibende
Wirkungen
auf seinen
Persönlichkeitsstil,
aber auch
seine Liebe
zur
Beschäftigung
mit der Form
der Oper.
Schon in
Breslau
hatten seine
Kompositionen
im
Konzertsaal
und im
Rundfunk auf
ihn
aufmerksam
werden
lassen. Nun
holte sich
der Berliner
Rundfunk im
Jahre 1931
den
Komponisten
noch während
seines
Studiums als
Mitarbeiter
an die
Opernabteilung.
Später war
er auch in
anderen
Ressorts wie
Unterhaltungsmusik,
Oper und
Konzert und
nach dem
Kriege noch
einmal drei
Jahre lang
dort tätig.
Danach
entfaltete
sich sein
kompositorisches
Werk
unabhängig
von
Berufspflichten.
Aus der
Vielfalt von
Gattungen
und Formen
heben sich
drei
Schwerpunkte
heraus,
während die
Großform der
Sinfonie
fast
vollständig
fehlt. Der
erste
Schwerpunkt
ist die
durch sein
gesamtes
Schaffen
reichende
Bemühung um
die Oper,
die sich von
dem
Erstlingswerk
„Genoveva“,
1936
uraufgeführt,
bis „Jungfer
Maleen“,
1974,
dokumentiert,
wozu auch
Funkopern,
Funkmärchen,
Musik zu
Balletten,
zu Filmen
(auch im
Fernsehen)
und zu
Fernsehspielen
treten.
Das zweite
reich
bestellte
Feld ist das
der
Kammermusik.
Es weist
auf: Duos
für die
verschiedensten
Instrumente,
Trios und
Quartette,
wobei die
Streichtrios
und seine
drei
Streichquartette
im
Vordergrund
stehen,
weiter die
vielen
Kompositionen
für
Bläserbesetzungen,
die Klavier-
und
Orgelmusik;
der
musizierende
Laie, aber
auch der
Berufsinterpret
finden in
diesem Werk
ein breites
Angebot
dankbarer,
künstlerisch
anspruchsvoller
Musik.
Ecklebe
dürfte nicht
Schlesier
sein, wenn
das dritte
bevorzugte
Schaffensgebiet
nicht das
Lied wäre.
Dabei
dominiert
das
Klavierlied.
Beinahe die
Hälfte der
von ihm
vertonten
Dichter sind
Schlesier.
Das Sololied
mit
Begleitung
in
verschiedensten
Instrumentalbesetzungen,
die
Liedkantate,
das Chorlied
für
gemischten
Chor und
Männerchor,
a cappella
und mit
Begleitung,
alle diese
Formen sind
reichlich in
seinem Werk
vertreten.
Die enge
Verbindung
seines
Schaffens
mit dem
Lied, vor
allem auch
mit dem
Volkslied
ist ein
tragendes
Element in
seinem
Komponieren
– bis heute.
Ein Grund
dafür ist
sicherlich
die
weiterhin
bestehende
enge
Zusammenarbeit
mit dem
Rundfunk und
die daher
rührenden
Anregungen
und
Aufträge.
Aber die
Bindung an
das
grundschichtige
Singen ist
für den
schlesischen
Musiker ganz
allgemein
charakteristisch.
Im übrigen
ist die
thematische
Spannweite
der Musik
Ecklebes
immer sehr
groß
gewesen. Sie
reicht von
der
geistlichen
Musik über
die Musik im
Konzertsaal
und für die
technischen
Medien, von
Oper und
Ballett bis
zur
Unterhaltungsmusik.
Bis auf
wenige
Ausnahmen
bleibt sie
tonal,
freilich in
einer
erweiterten
Tonalität.
Gekennzeichnet
ist sie
durch
melodischen
Erfindungsreichtum,
rhythmische
Vitalität,
durch
souveräne
Beherrschung
der
instrumentalen
Mittel und
Verwendung
der
Klangfarbe
als subtiles
Gestaltungsmittel.
Aus der
Tradition
der
Spätromantik
wächst
Ecklebe
heraus,
assimiliert
Elemente der
Neuen Musik
und schreibt
auch heute
noch in
bewundernswerter
Schaffenskraft
weiterhin
Werk auf
Werk, immer
mit dem
Ziel, von
einer
möglichst
großen Zahl
von Hörern
verstanden
zu werden.
Lit.:
Selbstdarstellung
„Mein
musikalischer
Werdegang“,
in
„Zeitgenössische
schlesische
Komponisten“
Bd. III;
Laumann
Verlag
Dülmen i. W.
1982. Darin
vollständiges
Werkverzeichnis
(Stand 1981)
und
Literaturverzeichnis.
Riemann-Musiklexikon,
Ergänzungsband;
Mainz 1972.
Frank-Altmann:
Kurzgefaßtes
Tonkünstler-Lexikon,
Ergänzungsband;
Wilhelms-haven
1974. Hans
Joachim
Moser:
Musiklexikon,
4.
Auflage,
Hamburg
1955.
International
Who's Who in
Music and
Musician's
Directory;
Cambridge
1980.
Gotthard
Speer (1983)