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Eine ganze Generation von Rundfunkhörern in Südwestdeutschland aus den
Jahrzehnten nach 1930 kennt noch seinen Namen und erinnert sich seiner
Stimme. Den Kindern als „Gute-Nachtlied-Onkel“, den Erwachsenen als
Gestalter und Sprecher der Sendung „Unsere Hauspostille“ beim
Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, und beim Südwestfunk Baden-Baden ist
er noch lange nach seinem Tode lebendig geblieben, und dies nicht nur,
weil es auch Tonaufnahmen von ihm gab und gibt.
Gurt Elwenspoek, der sich als Schriftsteller auch Christoph Erik Ganter
nannte und der seine väterlichen Vorfahren auf Gustav Wasa, seine
mütterlichen auf den Maler Lucas Cranach zurückführte, war ein Mann von
ungewöhnlich liebenswürdiger Weisheit, dem aber auch kritische Neigungen
und maßvolle Strenge im kantischen Sinne nicht fremd waren. Als
Schriftsteller, Dramaturg, Regisseur und Rundfunksprecher ist er immer
etwas von dem allen gewesen, und das zeichnete im Grunde seines Herzens
ihn als Freund der Menschen und vor allem der Kinder aus.
Gurt Elwenspoek wurde am 28. Mai 1884 in Königsberg i. Pr. geboren. Er
absolvierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Osterode ein juristisches
Studium an den Universitäten Tübingen, Berlin, München und Königsberg,
das er 1908 mit dem Dr. jur. abschloß. Nach kurzer Zeit als
Gerichtsreferendar verzichtete er auf eine weitere Laufbahn im Rechts-
und Gerichtswesen und ging zum Theater. Er wurde Schauspieler, Regisseur
und Dramaturg in Glogau, Tilsit, Amsterdam, Köln und Mainz, bis der
Erste Weltkrieg, an dem er teilnahm, hier zunächst einen Einschnitt
brachte. Nach dem Kriege finden wir ihn als Oberregisseur an den
Theatern in Wiesbaden und Mainz wieder, schließlich ist er von 1922 bis
1923 Intendant in Kiel, anschließend Oberspielleiter am Schauspielhaus
in München und endlich 1924 Chefdramaturg und Regisseur am Stuttgarter
Staatstheater. Hier prägt er den Spielplan vor allem in den nächsten
sechs Jahren, bis er im Zweiten Weltkrieg als Mann des Rundfunks in Oslo
und Berlin eine besondere Aufgabe bekommt. Dem Rundfunk, vor allem dem
Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, war er längst verbunden. Ihn hatte
das damals neue Medium gereizt, und er hat später zur Dramaturgie des
Hörspiels manche kluge, gelegentlich auch umstrittene Anmerkung
publiziert. Nach dem Kriege kann er im Stuttgarter Funkhaus seine
Tätigkeit bald fortsetzen und daneben auch für das inzwischen errichtete
Landesstudio Tübingen des Südwestfunks Baden-Baden tätig sein. Im Jahre
1954 siedelt er ganz nach Tübingen, seiner einstigen Universitätsstadt,
über und arbeitet nun von hier aus weiter für die beiden benachbarten
Rundfunkhäuser, bis eine längere Krankheit ihn zur Aufgabe zwingt. Er
stirbt kurz vor der Vollendung seines 75. Lebensjahres am 13. April 1959
in Tübingen.
Gurt Elwenspoek hat eine große Zahl von Bühnenstücken, Hörfolgen und
Hörspielen geschrieben, auch Essays und Aufsätze aller Art, nicht
zuletzt (zwischen 1935 und 1949) sechs Romane, schließlich biographische
Werke über den Schinderhannes, Jud Süß Oppenheimer, Charlotte von
Mexiko, Christian Dietrich Grabbe und Rinaldo Rinaldini. Seine letzten
Werke vermitteln besonders deutlich das Bild seiner Persönlichkeit, etwa
der Novellenband „Arme kleine Iphigenie“ (1951), „Pflücke die Rose.
Kleine Fibel der Lebenskunst“ (1953) oder „Hauspostille des Herzens“
(1956).
Nach seinem Tode erschien im Herder-Verlag noch sein Essay-Band „Meine
letzte Hauspostille des Herzens“ (1959), eine Sammlung seiner
sonntäglichen Rundfunksendungen vom Januar 1958 bis zum März 1959. Hier
spricht noch einmal der Philosoph, der er war, liebenswürdig und gütig,
verhalten humorvoll und im letzten auch immer ein wenig als Erzieher,
niemals aber als alles besser wissender Schulmeister. Für den Rundfunk
war und bleibt Curt Elwenspoek so etwas wie ein Erkennungszeichen von
seltener, nicht wiederholbarer Einmaligkeit.
Lit.:
Curt Elwenspoek: Drama und Bühne, Stuttgart 1931. – Internationales
biographisches Archiv (Munzinger-Archiv), Konstanz, Lfg. 41/59 vom 10.
10. 1959, Nr. 6124.
Heinz
Rudolf Fritsche
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