Dietrich
Erdmann, der
in Berlin
lebende
Komponist
und Musikpädagoge,
den man als
modernen
„Hofkomponisten“
bezeichnen
könnte,
feiert am
20. Juli
1987 seinen
70.
Geburtstag.
„Hofkomponist“
deshalb,
weil er nach
dessen
Vorbild
einen
Großteil
seiner Musik
für den
Kreis
schrieb, in
dem er
wirkte, für
die Schule
und die
Musikstudenten
der
Pädagogischen
Hochschule
und der
Hochschule
der Künste
in Berlin.
Er ist einer
der wenigen
modernen
Komponisten,
der neben
konzertanten
Werken
bewußt
Stücke für
musizierende
Laien
komponiert,
um die
zeitgenössische
Musik ihnen
zugänglich
zu machen;
sie soll
auch für sie
technisch
und
emotional
nachvollziehbar
sein.
Dietrich
Erdmann fühlt
sich der
schlesischen
Heimat
seiner
Vorfahren
väterlicherseits
eng
verbunden.
Die Familie
war seit
Jahrhunderten
in
Niederschlesien
ansässig,
sein Vater,
Lothar
Erdmann,
wurde 1888
in Breslau
geboren. In
Bonn lernte
dieser seine
spätere
Frau, die
Witwe des im
1. Weltkrieg
gefallenen
Malers
August
Macke,
kennen. Die
ersten
musikalischen
Anregungen
erhielt
Dietrich
Erdmann auch
von ihr, in
seinem
Elternhaus
wurde viel
musiziert,
und auch für
die anderen
Künste war
er sehr
aufgeschlossen
(Malerei,
Literatur).
1925 zog die
Familie nach
Berlin.
Dietrich
Erdmann
erhielt
Klavier-,
Cello- und
Querflötenunterrieht
und nahm als
14jähriger
an
Gruppenkursen
für
Musiktheorie
der
Volksmusikschule
Neukölln
teil, die
von Paul
Hindemith
und Harald
Genzmer
durchgeführt
wurden. 1934
begann er
das Studium
an der
Berliner
Musikhochschule
(Dirigieren:
Walter
Gmeindl,
Chorleitung
und
Komposition:
Kurt
Thomas), das
er 1938 mit
der
Reifeprüfung
abschloß.
Schon 1935
hatte er
einen
„Arbeitskreis
für Neue
Musik“
gegründet
und wagte
es,
Strawinsky,
Bartók und
Hindemith
aufzuführen,
deren Musik
von dem
damaligen
politischen
Regime als
„entartet“
abgelehnt
wurde.
Während
seines
Kriegsdienstes
hatte
Dietrich
Erdmann die
Möglichkeit,
zwischen
1940 und
1942 bei
Paul Hoff er
Komposition
zu
studieren.
Nach dem
Krieg war er
zunächst
als
Musiklehrer
an der
Humboldt-Oberschule
in
Berlin-Tegel
tätig, 1947
bekam er
einen
Lehrauftrag
an der
neugegründeten
Pädagogischen
Hochschule
Berlin,
wurde zwei
Jahre später
Leiter des
dortigen
Musikseminars
und sorgte
für eine
breitangelegte
fachliche
Ausbildung
der
zukünftigen
Musiklehrer.
1954 wurde
er Professor
und 1970
Prorektor
der PH. Seit
1982 ist
Dietrich
Erdmann
Emeritus der
Hochschule
der Künste
Berlin, an
der er
zuletzt
tätig war.
Neben seiner
Lehrtätigkeit
engagierte
er sich auch
als
Komponist in
verschiedenen
Institutionen.
Seit 1963
gehört er
dem Vorstand
des
Verbandes
deutscher
Musikerzieher
und
konzertierender
Künstler (VDMK)
an, 1963/64
war er 1.
Vorsitzender
des
Landesverbandes
Berlin. In
dieser Zeit
gründete er
dort ein
„Studio für
Neue Musik“.
1965-67
führten ihn
Vertrags-
und
Studienreisen
nach
Südamerika.
1972
gründete er
den
„Arbeitskreis
für
Kammermusik“
in
Zusammenarbeit
mit dem
DAAD. Auch
diese
Aktivitäten
zeigen, daß
Erdmann bei
seiner
schöpferischen
Tätigkeit
immer auch
die
pädagogische
Arbeit im
Blick
behält.
Seinen
kompositorischen
Stil
kennzeichnet
Dietrich
Erdmann
einmal
selbst wie
folgt:
Elementare
Freude am
Tänzerischen,
kammermusikalische
Durchsichtigkeit
und Liebe
zur
Farbigkeit,
aber auch zu
formaler
Klarheit.
Abgesehen
von Oper und
Ballett,
sind fast
alle
musikalischen
Gattungen in
seinem
Werkverzeichnis
vertreten:
Klaviermusik,
Lieder,
Kammermusik
für
Streicher
und Bläser-,
Gebrauchsmusik
(Besetzungen
geeignet für
Musikschulen),
Kantaten,
Solokonzerte
und
Orchestermusiken,
überwiegend
für
Kammerorchester.
Daß er gerne
Auftragswerke
schreibt, um
eng mit
seinen
Interpreten
zusammenarbeiten
zu können,
zeigen seine
oft
ausgefallenen
Besetzungen,
beispielsweise
seine
„Sentenzen,
drei Gesänge
für
Mezzosopran,
Klarinette,
Fagott u.
Schlagzeug“
(1984),
deren
Uraufführung
im November
1985 in Rio
de Janeiro
stattfand.
Dietrich
Erdmann ist
ein
Komponist,
der wenig
von sich
reden macht,
aber durch
rege Kontake
zu
Interpreten
im In- und
Ausland
erfahren
seine Werke
bei
Musikfesten,
im Rundfunk
und in
Schallplattenstudios
zahlreiche
Aufführungen.
Lit.: Musik in Gesch. u. Gegenwart, hrsg. von F. Blume, Bd. 16, Supplement,
Kassel/Basel/Tours/London
1979, Sp.
122/123;
Ursula Stürzbecher,
Werkstattgespräche
mit
Komponisten,
Köln 1971,
173-182.
Lioba Speer
(1987)