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In seiner Widmung – „der Heimat Johann Georg von Schills, die auch meine
Heimat ist, dem Egerland, den Egerländern und allen Sudetendeutschen“ –
schrieb Anton Ernstberger:
„Wir sind vom Boden, den unsere Vorfahren in jahrhundertelangem,
nimmermüden Bauernfleiß gerodet und in unaufhörlicher Bürgerarbeit
ausgebaut haben, verstoßen und verbannt. Wir sind Heimatvertriebene. Die
innere Verbindung aber ist nicht abgerissen. Sie wird und kann niemals
abreißen. Wer könnte auch seine Heimat vergessen?“ Diese Heimatliebe
verband der Historiker Ernstberger mit einem weiten Horizont für
geschichtliche Strukturen und dem Wissen des Eingebettetseins lokaler
Geschichte in große Schicksalszusammenhänge.
Der zunächst an der Universität Wien, dann nach dem Ersten Weltkrieg
(schwere Verwundung mit Lungendurchschuß) in Prag als
Rechtswissenschaftler, danach an den Universitäten Wien, Berlin und
London (Rockefeller-Stipendium) als Historiker ausgebildete Ernstberger
wurde 1931 Assistent am Historischen Seminar in Prag, 1933 Dozent, 1935
außerordentlicher, 1942 ordentlicher Professor für neuere deutsche
Geschichte. Er war im hervorragenden Ensemble deutscher Historiker an
der altehrwürdigen Deutschen Karls-Universität als jüngster zugleich der
blendendste Vermittler seiner Wissenschaft. Obzwar er in den Jahren nach
1938 verfolgten Juden geholfen hatte, kam er zunächst in ein
tschechisches Konzentrationslager. Bei der geglückten Flucht nach Bayern
half ein Fachkollege, ein amerikanischer Offizier. Ernstberger konnte
nach 1945 eine neue Karriere als Universitätsprofessor an den
Hochschulen Regensburg, Bamberg, schließlich Erlangen beginnen. Er war
Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften und Künste und der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bereits 1930 war er Mitglied
des Instituts for Historical Research London geworden. Der Freistaat
Bayern und seine Landsleute zeichneten ihn aus.
Als aufrechter Verfechter des Rechts hatte er bereits mit sachlich
unanfechtbaren Argumenten nach dem Ersten Weltkrieg im sogenannten
Prager Universitätsstreit im Kampf um die rechtliche Nachfolge der Alma
Mater Pragensis, der von Karl dem Vierten gegründeten und nach ihm
benannten Universität, eingegriffen. Schwerpunkte in Ernstbergers
historischem, rechts- und wirtschaftsgeschichtlichem Lebenswerk waren
das Böhmen zur Zeit Wallensteins und der Freiheitsbewegung gegen
Napoleon sowie die bayerische und insbesondere die fränkische
Geschichte. Aus heimatlicher Verbundenheit interessierte ihn die
aus dem Egerland stammende Familie des Freikorpsführers Ferdinand
Schill, der er nachging, unter Hervorhebung des Vaters, des gleichfalls
in der Abwehrbewegung gegen den Korsen engagierten Johann Georg Schill
aus Kokaschitz bei Tepl im Egerland (geboren 1736).
Als Ernstbergers Standardwerk kann aus der Rückschau der Band „Die
Deutschen Freikorps 1809 in Böhmen“ angesehen werden. Joseph
Freiherr von Eichendorffs Gedicht „Klage“, aus dem Jahr 1809 und
heute von fast beklemmender Aktualität, hat er dem Band vorangestellt.
Zum 60. und zum 65. Geburtstag haben ihm Fachkollegen Festschriften
gewidmet. 1937 redigierte er seinem Mentor und Kollegen an der Prager
Universität, dem Historiker Wilhelm Wostry, eine Festschrift.
Veröffentlichungen:
Wallenstein als Volkswirt im Herzogtum Friedland. Dissertation 1926.
Österreich-Preußen. Von Basel bis Campoformio 1795-1797: Der Westen.
Krieg und Frieden mit Frankreich, 1932. Johannes Nysius, eine Gestalt
aus Böhmens Gegenreformation 1937. Die deutschen Freikorps 1809 in
Böhmen, 1942. Hans de Witte, Finanzmann Wallensteins, 1954. Eine
deutsche Untergrundbewegung gegen Napoleon 1806 bis 1807, 1955. Europas
Widerstand gegen Hollands erste Gesandtschaft bei der Pforte (1612),
1956, Ferdinand von Schills Nachlaß, 1958. Abenteuer des
Dreißigjährigen Krieges. Zur Kulturgeschichte der Zeit – Franken,
Böhmen, Europa, 1967. Zahlreiche Beiträge zu Sammelbänden, u.a. den
Festschriften für Heinrich Ritter von Srbik, Erich Gierach, Theodor
Mayer, und Zeitschriften.
Bild:
Hedwig Selenka, Bochum
Ernst Schremmer
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