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Abraham Esau wurde am 7. Juni 1884 in Tiegenhagen, ca. 4 km nördlich von
Tiegenhof, in dem Teil des Kreises Marienburg in Westpreußen geboren,
der seit 1920 zum Freistaat Danzig gehörte. Seine Eltern bzw. Vorfahren
waren mennonitische Bauern- und Predigerfamilien mit hier im Großen
Marienburger Werder so bekannten Namen wie Wiebe und Regier (aus
letzterer stammte auch seine Mutter, die bereits mit 30 Jahren, 1892,
verstarb).
Nach seiner Gymnasialzeit studierte Esau Mathematik und Physik an der
Universität Berlin und der 1904 neu gegründeten TH Danzig, arbeitete bei
K.E.F. Schmidt an der Universität Halle und als Assistent bei Prof. Max
Wien in Danzig. 1908 hatte er in Berlin zum Dr. phil. promoviert.
Als er 1912 Laboratoriumsleiter bei der Firma Telefunken wurde, erhielt
er aufgrund seiner Arbeiten zur Entwicklung der drahtlosen
Nachrichtenübermittlung schon ein Jahr später den Auftrag zum Aufbau
einer Großfunkstation in Kaminz in der deutschen Musterkolonie Togo.
Unmittelbar nach Fertigstellung wurde sie bei Besetzung der Kolonie
durch die Franzosen im August 1914 völlig zerstört. Esau selbst wurde in
französischer Gefangenschaft in Nordafrika gehalten, aus der er erst
1917 nach Deutschland ausgetauscht wurde. In dieser Zeit traf ihn ein
zweiter Schicksalsschlag durch den frühen Tod seiner 1886 geborenen Frau
Nora geb. Marcus.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Esau Chef sämtlicher
Telefunken-Laboratorien, veröffentlichte weitere Arbeiten auf dem Gebiet
der Hochfrequenztechnik und nahm in den Jahren 1921 und 1922
Großfunkstationen in Argentinien und Brasilien in Betrieb. 1925 kehrte
er an die Universität zurück, wurde a.o. Professor für Technische Physik
in Jena und zwei Jahre später ordentlicher Professor. 1932 wurde er
Rektor und bewährte sich durch organisatorische und menschliche
Qualitäten.
Im Jahre 1939 schließlich wurde Esau Ordinarius für Fernmeldetechnik an
der TH Berlin-Charlottenburg, dieses und weitere verantwortungsvolle
Ämter verwaltete er vorbildlich bis 1945. Als der Nobelpreisträger Prof.
J. Stark 1939 von seinem Amt als Präsident der Physikalisch-Technischen
Reichsanstalt zurücktrat, wurde Esau in dieses verantwortungsvolle Amt
berufen und hatte damit u. a. 80 Laboratorien zu betreuen. Esau wurde
Mitglied des Reichsforschungsrates für Motoren der Deutschen Akademie
für Luftfahrtforschung und im Kriege schließlich Bevollmächtigter für
Hochfrequenzforschung in Deutschland. Seine Ideen fanden jedoch in
Deutschland nicht die nötige Unterstützung, so daß die Entdeckung des
Radargerätes und die kriegswichtige Entwicklung der Radartechnik und der
Radarverteidigung in England erfolgte. Wegen seiner Ämter wurde Esau
nach Kriegsende von 1945 bis 1948 in den Niederlanden als
„Kriegsverbrecher“ inhaftiert. Hier übersetzte er das Geschichtswerk
eines amerikanischen Historikers über die Mennoniten ins Deutsche, das
auch seine Heimat an der unteren Weichsel betraf.
Nach seiner Rehabilitierung gelang Esau ein Neuanfang mit einer
Honorarprofessur für Ultrakurzwellentechnik und Ultraschall im Jahr 1949
an der TH Aachen. Zusätzlich war er ab 1950 Gastdozent an der
Technischen Akademie Bergisches Land und übernahm 1953 die Leitung des
Instituts für Hochfrequenztechnik in Mülheim (Ruhr), einer Abteilung der
Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Sein 70. Geburtstag wurde mit
einem Festkolloquium in Bonn und im Kloster Maria Laach durch seine
Schüler, Doktoranden und Freunde feierlich begangen. Er erhielt aus
diesem Anlaß die Ehrendoktorwürde der medizinischen Fakultät an der
Universität Freiburg – für seine Entwicklung von Methoden zur
medizinischen Kurzwellenbestrahlung. Am 12. Mai 1955 verstarb Abraham
Esau in Düsseldorf an einer Embolie nach einer Operation. Esau war
Wegbereiter der modernen UKW-, Dezimeter- und Zentimeterwellentechnik,
deren Anwendung für Rundfunk und Funkmeßtechnik er untersuchte. Wichtige
Grundlagen schuf er zur Einrichtung des Überseefunkverkehrs, des
Fernsehens und zur biologischen und therapeutischen Anwendung der
Ultrakurzwellen.
Als Fachwissenschaftler und als Mensch war er gleichermaßen hochgeehrt
und anerkannt.
Werke:
Zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften über: Skineffekt,
Selbstinduktions- und gegenseitigen Induktionskoeffizienten
verschiedener Leiterformen, atmosphärische Einflüsse auf Sender und
Empfänger, Rahmenantennen, Richtcharakteristiken von verschiedenen
Antennensystemen, z. B. „Ortung mit elektrischen und Ultraschallwellen“,
in: Technik und Natur, 1953, „Die Bedeutung des Ultraschalls für
technische Anwendungsgebiete“, in: Naturwissensch., 1956.
Lit.:
H. Gerlach, in: Westpreußen-Jahrbuch, Band 27, S. 57, Münster 1977; H.
Rindfleisch, in: Physikalische Blätter, Heft 11, S. 318, Mosbach (Baden)
1955.
Hans-Jürgen Kämpfert
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