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Das
vielfältige Werk des leider viel zu früh verstorbenen, zu Unrecht
vergessenen und von der deutschen Literaturgeschichte zu wenig
beachteten Danziger Dichters und Schriftstellers nahm im Laufe der Jahre
einen immer breiteren Raum ein. Seine persönlichen Erlebnisse wie
historische Begebenheiten seiner ostdeutschen Heimat vermochte er mit
farbkräftigem Ausdruck, festem Gottvertrauen, gedanklichem Tiefgang und
allgemeingültigen Folgerungen zu schildern. Die Vielfalt seines
Schaffens dokumentieren Gedichte, Erzählungen, Novellen, Romane,
Grotesken, Schau- und Hörspiele sowie erfolgreiche Jugendbücher und
Biographien. Seine Kindheit und Jugend verlebte der Sohn eines
Industriebetriebsmeisters in Danzig und Oliva. Der begabte Schüler des
Realgymnasiums St. Johann in Danzig nahm in den Jahren 1912 und 1913 an
der Technischen Hochschule in Danzig-Langfuhr das Studium der Mathematik
und Physik auf. Doch sein Drang in die Ferne und der Wunsch, seinen
Gesichtskreis durch Begegnung mit fernen Ländern und Menschen zu
erweitern, ließ ihn sein Studium abbrechen, um als Hauslehrer in ein
Pastorat nach Estland zu gehen. Hier entdeckte er seine erzieherischen
Fähigkeiten, erlebte das dortige gesellschaftliche Leben und legte den
Grundstein für seine kulturkritischen Betrachtungen.
Als
der Erste Weltkrieg ausbrach, versuchte Federau vergeblich, in die
Heimat zurückzukehren. Er wurde von den Russen verhaftet und mußte mit
anderen deutschen Zivilgefangenen vier bittere Jahre in großen Lagern in
Archangelsk verleben. Dort lernte er seine spätere Frau kennen:
Elisabeth, geborene Anger (+ 1991), aus Lodz. Der Ehe entstammten eine
Tochter und ein Sohn. Nach Danzig zurückgekehrt, fand Federau zunächst
bei einer Lebensversicherung, dann bei der Gemeindeverwaltung Oliva eine
Beschäftigung, von wo er als kenntnisreicher und urteilsfähiger
Mitarbeiter, als der er sich erwiesen hatte, in den Dienst des Danziger
Polizeipräsidiums übernommen wurde. Hier stieg er schließlich bis zum
Polizeirat und Abteilungsleiter auf. Außerdem wurde er Mitarbeiter der
Danziger
Beamtenleitung
und
war auch Mitglied der Filmprüfstelle.
Gleichzeitig begann Federau seine schriftstellerische Tätigkeit auf
schöngeistigem Gebiet und fühlte sich darin bestätigt, als seine ersten
Arbeiten in Danziger Zeitungen veröffentlicht wurden und Beifall fanden.
1923 erschien seine Erzählung
Amur und Tamara,
1924
folgten das Gedichtbändchen
Das Herz und die Erde
und
die Prosaschrift
Danziger Dichter und wir. Jubiläumsbilanz
(1930) enthält eine Auswahl mit geistvollem Humor verfaßter
Männergeschichten.
Der ungerechte
Bürgermeister
(1938) hat einen historischen Hintergrund.
Geliebte Kreatur
handelt vom Umgang mit Tieren, und mit feinsinnigen Empfindungen wird in
Sybille und ihr
Soldat
(beide 1940) ein Feldpostbriefwechsel geschildert. Für die Reihe
Deutsche
Landschaftssagen
schrieb er den Band
Sagen aus Danzig,
Westpreußen und dem Warthegau
(1942). Beliebt waren seine Kurzgeschichten in großen Zeitungen, wie der
Woche,
der
Jugend,
der
Leipziger
Illustrierten, Westermanns Monatsheften,
dem
Simplizissimus
und
den Ostdeutschen
Monatsheften.
Anklang fanden auch Federaus Hörspiele.
Die Schiffsschraube
und
die Polizei
als Mädchen für alles
waren im Sender Königsberg zu hören,
Ich und du im Kanu
im
Sender Breslau. Weitere Hörspiele waren
Drei Kreuzer hellblau geschnitten
und
Uns fehlt nur
eine Kleinigkeit - nur Zeit.
Federaus Ehekommödie
Die
fixe Idee
wurde 1944 mit großem Erfolg im Graudenzer Theater uraufgeführt. Das
Kriegsende verhinderte das Erscheinen seines Kriminalromans
Die
Akte Srotta.
1945
verschlug es Federau und seine Familie nach Lübeck. Solgleich griff er
wieder zur Feder, hielt Lesungen in vielen Städten
und
hegte neue Pläne.
Juttas Glück in Afrika
schildert die schicksalhafte Reise seiner Tochter nach Südafrika, 1949
erschienen seine Erinnerungsbücher
„Versunkene Gärten"
und
„Verwehte Spuren";
außerdem schrieb er eine biographische Jugendreihe. Wiederum druckten
viele Zeitungen seine Erzählungen ab. Als er mit seinem Buch
Dichterprofile,
einer Neubearbeitung des Romans von Cooper
Der Bravo,
und
vor allem mit einer dichterischen Aufarbeitung des
Vertriebenenschicksals begann, nahm ihm der Tod die Feder aus der Hand.
Zu seinem 40. Todestag gab seine Witwe eine Auswahl seiner Gedichte
heraus: Du
Mensch, Du Zeit, Du Ewigkeit
und
Te Deum
(1990).
Lit:
Erich Keyser: Wolfgang Federau, ein Danziger Dichter unserer Zeit. In:
Westpreußen-Jahrbuch 1955, Bd. 5. - Altpreußische Biographie, S. 902. -
Westpreußen-Jahrbuch 1977, Bd. 27, S. 155. (Alle geben das von Keyser
erwähnte irrtümlich falsche Geburtsjahr an.) - Kürschn. Dt. Lit. Kai.
Nekrolog 1936 - 70.
Auskünfte:
Sohn
Bernt Federau, Hamburg.
Bild:
Privatphoto.
Hugo
Rasmus
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