Fritz Erich
Fellgiebel war Sohn des Rittergutsbesitzers Albert Fellgiebel und
seiner Ehefrau Minna, geborener Schmitz. Er wuchs mit vier
Geschwistern auf dem elterlichen Gut Poklatki zu Buchenhagen in der
Provinz Posen auf. Die im Posenschen verbrachten Jahre seiner
Kindheit und Jugend erklären es, daß er fließend polnisch sprach.
Fellgiebels
besondere Begabung lag auf naturwissenschaftlichem Gebiet, doch
hinderte ihn das nicht, auch den humanistischen Fächern gegenüber
aufgeschlossen zu sein, außerdem war er musisch begabt. Die
vielseitigen geistigen Veranlagungen ermöglichten es ihm, sich eine
ebenso umfassende wie gründliche Bildung anzueignen. Daneben fand er
genügend Zeit, sich dem Reiten zu widmen. Wie seine Geistesgaben, so
bildete er auch seine reiterischen Fähigkeiten zu einer
bemerkenswerten Perfektion aus, was seine zahlreichen Preise, die er
beim Jagdspringen errang, eindrucksvoll beweisen.
Am 19. September
1905 trat Fellgiebel als Fahnenjunker in das Telegraphen-Bataillon 2
zu Frankfurt an der Oder ein. Nachdem er 1914 Funkoffizier beim
höheren Kommando von der Marwitz gewesen war, wurde er 1916 als
Hauptmann Funkerkommandant bei der Armee von Mackensen.
Nach dem
Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 gehörte Fellgiebel der aus
Resten des kaiserlichen Heeres und der Marine gebildeten Reichswehr
an. Zwischen 1918 und 1933 war er abwechselnd in Truppen- und
Generalstabsstellungen tätig. Den geringen Aufstiegsmöglichkeiten
entsprechend, die die Reichswehr bot, wurde er, der 1915 Hauptmann
geworden war, erst 1928 zum Major befördert.
Unmittelbar nach der
Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933
wurde Fellgiebel als Oberstleutnant zum Chef des Stabes des
Inspekteurs der Nachrichtentruppen ernannt, am l. Oktober 1934 zum
Oberst befördert. Zunächst mit der Wahrnehmung der Geschäfte des
Inspekteurs der Nachrichtentruppen beauftragt, erfolgte kurze Zeit
darauf die Berufung in diese Dienststellung. Seit dem 1. März 1938
bekleidete er den Rang eines Generalmajors. Für Fellgiebel eröffnete
die durch den Nationalsozialismus eingeleitete Wiederaufrüstung
Deutschlands die Möglichkeit „der Modernisierung, Vergrößerung und
Nutzbarmachung der Nachrichtenmittel für eine technisierte Armee“.
Dies führte dazu, daß sich der Umfang der Nachrichtentruppe in
wenigen Jahren verzehnfachte. Eine derartige Entwicklung brachte es
mit sich, daß Fellgiebel, nachdem er 1938 Generalmajor geworden war,
am 1. Februar 1940 zum Generalleutnant und ein Jahr später zum
ersten General der Nachrichtentruppen ernannt wurde. Als
eindrucksvollste Leistung Fellgiebels als Nachrichtenspezialist wird
gewertet, daß es ihm im August 1939 gelang, die gegen Polen
aufmarschierten deutschen Armeen, denen der Angriffsbefehl bereits
erteilt worden war, infolge der politischen Entwicklung zum Stehen
zu bringen. Der Angriff sollte am 26. August um 3.30 Uhr beginnen.
Die Nachrichtentruppe Fellgiebels schaffte das als unmöglich
Erscheinende, nämlich sämtliche Truppenteile zu erreichen und den
Angriff zu stoppen. Allein deshalb ist Fellgiebel ein „Meister
operativer Nachrichtenverbindungen“ genannt worden. Fellgiebel stieß
früh zu den Gegnern Hitlers, ja er gehörte zu den Initiatoren des
Widerstands, der sich seit 1938 um Beck, von Kleist, von Witzleben,
Oster und anderen bildete. Die Offiziersverschwörung war jedoch mit
erheblichen Hemmungen belastet. Um etwa den Eid- und Meutereikomplex
zu überspielen, war der Putsch an den „legalen Staatsstreich“
gebunden. Fellgiebel hat die hieraus sich ergebende Problematik klar
erkannt. Doch wie wenig
auch er selbst sich der
„Lebensumständlichkeit“ der Verschwörer zu entziehen vermochte, geht
daraus hervor, daß er, nachdem es ihm am 20. Juli 1944 vorübergehend
gelungen war, die Nachrichtenkontakte des Führerhauptquartiers in
Ostpreußen zu unterbinden, die ihm unmittelbar vor seiner Verhaftung
angebotene Pistole mit dem Hinweis ablehnte, so etwas tue man nicht.
Mit dieser „elementaren Moralität“ hatte es wohl nicht zuletzt zu
tun, daß im Verlauf des Putschversuchs kein Schuß fiel, wodurch
sicher einige seiner Erfolgschancen vergeben wurden.
Am 4. September 1944
wurde Fritz Erich Fellgiebel in Berlin durch den Strang
hingerichtet. Hinzuweisen gilt es darauf, daß dem respektheischenden
Widerstand Fellgiebels und seiner Mitverschwörer seit 1938 ein
ebenso opportunistisches wie kurzsichtiges Zusammengehen mit Hitler
von 1933 bis 1938 vorausgegangen war.
Lit.:
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Heinrich Bücheier: Carl-Heinrich von Stülpnagel. Soldat, Philosoph,
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Konrad Fuchs