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Weihbischof Joseph Ferche, von Jugend auf zum Priester bestimmt und
schon als Schüler regelmäßiger
Teilnehmer an den Gymnasiasten-Exerzitien in der Wallfahrtsgemeinde
Grulich, der östlichsten Stadt Böhmens im Adlergebirge, wurde am 9.
April l888 in der 1922 polnisch gewordenen oberschlesischen
Bergarbeiterstadt Pschow im damaligen Kreis Rybnik geboren. Vom
Gymnasium im benachbarten Gleiwitz aus ging der Abiturient mit 19 in das
Theologen-Konvikt in Breslau, um an der
Schlesischen-Friedrich-Wilhelm-Universität bis 1910 katholische
Theologie und Philosophie zu studieren. Nach dem Eintritt in das
Priesterseminar Anfang Oktober 1910 in Breslau wurde er von Kardinal
Kopp, dem damaligen Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, am 22.
Juni 1911 in der Kreuzkirche zu Breslau zum Priester geweiht.
Wenige
Wochen später erhielt er seine
Anstellung als Kaplan in der gemischtsprachigen Industriegemeinde
Schomberg bei Beuthen in Oberschlesien, wurde bald nach Beginn des
Ersten Weltkrieges Kaplan an der Pfarrei St. Hedwig in Königshütte, von
wo er nach der Abtretung
Ostoberschlesiens an den neu entstandenen polnischen Staat am 1. Oktober
1922 die Pfarrei in Ohlau bei Breslau
übernahm. Knapp fünf Jahre später wurde
er Pfarrer in der oberschlesischen Kreisstadt Cosel, bis ihn Kardinal
Bertram am 30. September 1931 als Domherr an die Kathedrale in Breslau
berief. Schon 14 Tage später ernannte ihn der Kardinal zum Rat im
Generalvikariat und machte ihn 1933 zum Diözesanförderer der
katholischen Aktion. Im Jahre 1936 übernahm Ferche auch die Leitung der
Diözesan-Bonifatius-Vereine und wurde zum Kurator der Kongregation der
Marienschwestern bestellt.
Papst
Pius XII. ernannte ihn am 16. August 1940 zum Weihbischof von Breslau
und zum Titularbischof von Vina. Am 29. September 1940 wurde er im Dom
zu Breslau feierlich konsekriert. Weihbischof Ferche blieb in Breslau,
bis er im September 1946 den Ausweisungsbefehl der polnischen
Staatspolizei erhielt. Zusammen mit dem evangelischen Stadtdekan
Professor Dr. Joachim Konrad und ihren Begleitern Kanonikus Kramer und
Pfarrer Hornig war er während der
Belagerung der zur Festung erklärten schlesischen Landeshauptstadt
Breslau der Sprecher jener Gruppe mutiger Geistlicher beider
christlicher Konfessionen, die am 4. Mai 1945 den Festungskommandanten
General Hermann Niehoff angesichts der verzweifelten Lage der
Zivilbevölkerung baten, sich zur Kapitulation zu entschließen und damit
den aussichtslos gewordenen Kampf zu beenden.
Nach
vorübergehendem Aufenthalt im
Görlitzer Restteil der Diözese Breslau und nach erfolglosen Versuchen,
in den Diözesen Fulda und Würzburg ein Unterkommen zu finden, erklärte
der Kölner Kardinal Frings sich bereit, den Breslauer Weihbischof Ferche
aufzunehmen. Durch die Vermittlung des Kardinals ernannte Papst Pius
XII. ihn am 27. März 1947 zum Weihbischof und Domkapitular von Köln.
Hier starb er am 23. September 1965 im 54. Jahr seines Priestertums. Als
späterer Protektor des Heimatwerkes schlesischer Katholiken hatte er
sich bis zuletzt für seine schlesischen Landsleute eingesetzt.
Kardinal Frings sagte über ihn in
seiner Leichenrede: „Es ist gut zu verstehen und es gehörte auch zu
seinem Auftrag, daß er sich besonders der Heimatvertriebenen und in
erster Linie seiner schlesischen Landsleute annahm. In den 18 Jahren,
die er hier im Westen gewirkt hat, ist er geradezu zum Mittelpunkt für
die Heimatvertriebenen, besonders für die Schlesier, geworden, und sie
verlieren in ihm Unersetzliches.“
Weihbischof Ferche wurde am 29. September 1965 in der Kölner
Domherrengruft beigesetzt. Zu seinem Universalerben bestimmte er das
„Schlesische Priesterwerk“.
Lit.:
Robert Samulski: Die Breslauer Weihbischöfe,
1. Teil. In: Schlesisches Priesterjahrbuch 3/4 (Stuttgart 1964), S. 95,
Anm. 61. – Kurt Engelbert: Weihbischof Joseph Ferche (1888-1965). In:
Schlesische Priesterbilder, hrsg. von Joseph Gottschalk (Aalen 1967), S.
29-36. (Sebastian Holzbrecher, Weibischof Joseph Ferche (1888-1965).
Seelsorger zwischen den Fronten, Münster 2007.
Heinz Rudolf
Fritsche
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