Siegfried
stand in
einer Phase
des Umbruchs
innerhalb
des
Deutschen
Ordens. Seit
die
christliche
Position im
Hl. Land
sich
unaufhaltsam
verschlechterte,
sich
andererseits
die
Situation in
Preußen
immer mehr
zugunsten
des Ordens
wandelte,
ergab sich
für den
Orden die
Spannung
zwischen
jenen beiden
Polen. Im
Mittelmeerraum
lag der
Ursprung des
Ordens, das
ideelle
Zentrum
Jerusalem
und eine
stets
brisanter
werdende
Heidenkampfsituation.
Doch auch in
Preußen gab
es den
Kreuzzug,
das Land bot
als
autonomes,
aus der
Lehnshierarchie
des Reiches
herausgelöstes
Gebiet für
einen
Territorialbesitz
erstrebenden
Orden weit
bessere
Ausbaumöglichkeiten
als der
Mittelmeerraum.
So
existierten
im Deutschen
Orden zwei
einander
widerstrebende
Richtungen,
die eine für
den
mediterranen
Ansatz, die
andere für
die
Ostseeländer
Preußen,
aber auch
Livland.
Exponent der
für den
Ostseeraum
eintretenden
Partei war
Hochmeister
Konrad von
Feuchtwangen
(1291-1296),
wobei man
wohl sagen
darf, daß
der Verlust
Akkons und
damit
Palästinas
für die
Christen
1291 gerade
rechtzeitig
kam, um den
Deutschen
Orden vor
der
Zerreißprobe
zu bewahren.
Konrad von
Feuchtwangen
verlegte den
Hochmeistersitz
nach
Venedig,
also in ein
zwar dem
Mittelmeer
zugehörendes,
aber
ebenfalls
aus dem
Reichsverband
gelöstes
Territorium.
Dies war
wohl der
Kompromiß,
obwohl
Konrad die
Verlegung
der
Hochmeisterresidenz
nach Preußen
bereits
geplant
haben
dürfte. Dies
vollendete
aber noch
nicht sein
Nachfolger
Gottfried
von
Hohenlohe
(1297-1303),
sondern erst
sein zweiter
Nachfolger
Siegfried
von
Feuchtwangen.
Über ihn
wissen wir
sehr wenig.
Vom Namen
her schließt
man auf die
Verwandtschaft
mit Konrad
von
Feuchtwangen
und nimmt
an, er eine
Generation
jünger
gewesen sei.
Als
Herkunftsort
wird das
fränkische
Feuchtwangen
gesehen,
doch
aufgrund
eines
weiteren
Namensträgers
im Orden im
2. Drittel
des 13.
Jahrhunderts
und der
Affinität
aller drei
zur
Ordensballei
Österreich
kann auch
Viechtwang
in Kärnten
in Betracht
gezogen
werden.
Siegfried
begegnet uns
jedenfalls
erst als
Deutschmeister
1298-1299,
anschließend
1299 und
1300 als
Komtur von
Wien. Nach
dem
Rücktritt
Gottfrieds
von
Hohenlohe
vom
Hochmeisteramt
wählt das
Generalkapitel
zu Elbing
1303
Siegfried
zum
Hochmeister.
Er ist der
erste in
Preußen
gewählte
Ordensobere,
und der Ort
des
Generalkapitels
zeigt, daß
sich die
Ordenspolitik
immer mehr
diesem Land
als Zentrum
der
Ordensexistenz
zuwandte. Es
bedurfte
allerdings
noch eines
Zeitraums
von sechs
Jahren, bis
die
endgültige
Entscheidung
fiel: Im
September
1309 zog
Siegfried
von
Feuchtwangen
in die
Marienburg
ein, die bis
1457
Ordenszentrale
blieb, dafür
gab es zwei
aktuelle
Rahmenereignisse.
Das eine war
das Vorgehen
des
französischen
Königs und
der Kurie
gegen die
Templer, das
später bis
zur
Aufhebung
des ganzen
Ordens
führte. Ein
ähnliches
Schicksal
ließ sich
von Preußen
aus viel
leichter
abwenden als
von Venedig.
Zum zweiten
war das die
Eroberung
Pommerellens
1308 durch
den
Deutschen
Orden und
damit eine
erhebliche
Vergrößerung
des
Staatsgebietes;
mit der
Eroberung
von Schwetz
gehörte ihm
das gesamte
ehemalige
Herzogtum,
im selben
Monat kam
Siegfried
von
Feuchtwangen
in seine
neue
Residenz,
die nun
ziemlich in
der Mitte
des neuen
Gesamtterritoriums
lag. Dieser
Schritt
hatte
weitreichende
Folgen. Zum
einen wurde
Preußen
Zentrum des
Deutschen
Ordens und
Ziel der
Kreuzzüge
nördlich der
Alpen. Das
bedingte
gleichzeitig,
daß die
Ordensbesitzungen
im
Mittelmeerraum
an die
Peripherie
rückten und
allmählich
dem Orden
verlorengingen.
Zum zweiten
wurde die
Marienburg
als
Residenz
eines
Territorialfürsten
ausgebaut,
so daß sie
einschließlich
der
Vorburganlagen
zur größten
Landburg
Europas und
einem Juwel
der
Backsteingotik
wurde. Das
bedingte,
daß sie über
die Existenz
des Ordens
dort bzw. in
Preußen
hinaus zum
politischen
Symbol mit
Wirkkraft
bis in
unsere
Gegenwart
wurde. So
wenig wir
von
Siegfried
von
Feuchtwangen
wissen, so
war doch
seine
Entscheidung
für Preußen
auf
Jahrhunderte
hinaus von
tragender
politischer
Bedeutung.
Siegfried
starb am 5.
März 1311 in
der
Marienburg
und wurde im
Dom zu
Kulmsee
beigesetzt.
Lit.:
Walter
Raddatz, Die
Übersiedlung
des
Deutschen
Ritterordens
von
Palästina
nach Venedig
und
Marienburg
(1291-1309),
Diss. phil.
Halle-Wittenberg,
Halle 1914;
Crome, S.v.F.,
in: Altpreuß.
Biographie
I, hg. v.
Christian
Krollmann,
Königsberg
1941, S. 181
(mit Lit.);
Kurt
Forstreuter,
Der Deutsche
Orden am
Mittelmeer
(Quellen und
Studien zur
Geschichte
des
Deutschen
Ordens 2),
Bonn 1966;
Udo Arnold,
Konrad von
Feuchtwangen,
in:
Preußenland
13, 1975, S.
2-34; Werner
Üblich,
Konrad und
Siegfried
von
Feuchtwangen,
Hochmeister
des
Deutschen
Ordens,
Feuchtwangen
1983.
Udo Arnold