Nach und
neben dem
Baron Hans
Ernst von
Kottwitz
(1757-1843)
gilt der
Pfarrer
George
Friedrich
Fickert als
Schlüsselfigur
der frühen
Erweckungsbewegung
in
Schlesien.
Dabei weist
der Baron
mit seinem
sozial
akzentuierten
Engagement
bereits hinüber
zur Inneren
Mission,
während der
Pfarrer sich
auf die
geistlich-religiöse
Erneuerung
der vom
Rationalismus
beherrschten
Kirche
konzentrierte.
Auf diese
Weise ist
Fickert zum
Initiator
der
theologischen
Wende der
schlesischen
evangelischen
Kirche weg
vom Geist
der
Aufklärung
hin zum
Geist der
frommen
Erweckung
geworden.
Miterlebt
hat er diese
Wende, die
ab etwa 1830
datiert
werden kann,
nicht mehr.
Er selbst
hatte diesen
Umbruch
während
seines
Theologiestudiums
in Halle
bereits für
sich
persönlich
vorweggenommen.
Sein
Biograph
Hellmut
Eberlein
zitiert
einen
Bericht, der
diesen
Vorgang in
der Sprache
der
Erweckung
als
Rückwendung
zum
lutherischen
(Herzens-)Glauben
beschreibt:
„Während
seines
dortigen
Aufenthaltes
(in Halle)
geriet er,
der von Haus
aus dem
alten
lutherischen
Glauben
zugetan war,
… unter den
Einfluss der
rationalistischen
Theologie
eine Zeit
lang in
völligen
Unglauben
und noch
länger in
allerlei
quälende
Zweifel und
Anfechtungen.
Aber auf
eine … ihm
unverdiente
Weise wurde
er durch
Gottes Gnade
wieder zum
Glauben
zurückgeführt
und zwar zu
dem
lebendigen
Glauben an
die Sünden
tilgende
Sühnkraft
des Blutes
Christi, wie
sie in der
hl. Schrift
als dem
Brunnquell
der Wahrheit
zur
Seligkeit
bezeugt
wird. Nun
hatte er den
Frieden
Gottes,
welcher
höher ist
als alle
Vernunft,
gefunden und
fortan
brannte in
seinem
Herzen das
Feuer, von
dem Jesus
geredet, das
er
anzuzünden
in die Welt
gekommen
sei, das
Feuer der
Liebe Gottes
und der
Bruderliebe,
darin zu
leben und
davon zu
zeugen
seines
Lebens
Inhalt sein
sollte“.
Mit dem
„alten
lutherischen
Glauben“
ist die
Grundeinstellung
gemeint, die
sich Fickert
als Kind und
junger
Mensch aus
dem
Gesangbuch,
der Bibel
und dem
lutherischen
Katechismus
im
Wesentlichen
als
Autodidakt
selbst
angeeignet
hatte. Die
Eltern haben
ihn religiös
nicht
gefördert.
Der Vater,
George
Friedrich
Fickert, war
Freistellenbesitzer,
Schneidermeister
und
Gerichtsgeschworener
in Bartsdorf
bei Striegau;
die Mutter,
Elisabeth,
eine
geborene
Fichtner. In
Bartsdorf
wurde unser
George
Friedrich
Fickert am
20. November
1758
geboren.
Erst mit 13
Jahren
schickten
ihn die
Eltern auf
die
Stadtschule
in Striegau,
drei Jahre
später auf
das
Gymnasium in
Schweidnitz.
Am 2. Mai
1781, mit 22
Jahren,
begann
George
Friedrich in
Halle sein
Studium.
Nach sechs
Semestern
nahm er eine
Hauslehrerstelle
an. Zwölf
Jahre musste
er warten,
bis er 1795,
mit 36
Jahren,
seine erste
Pfarrstelle
in Reichau
im Kreis
Nimptsch
erhielt. Im
selben Jahr
verheiratete
er sich mit
Christiane
Dorothea
Laengner,
Tochter
eines
Vorwerksältesten
in Goldberg.
Aus der Ehe
gingen sechs
Kinder
hervor, von
denen zwei
jung
starben.
1810 erhielt
Fickert
einen Ruf
nach
Groß-Wilkau,
ebenfalls
Kreis
Nimptsch.
Hier ist er
am 6. Mai
1815 im
Alter von 56
Jahren
gestorben.
Die
Todesnachricht,
die der
Superintendent
am 18. Mai
1815
herausgab,
lässt auch
heute noch
aufhorchen.
Denn dort
wird gesagt,
dass
Fickerts
früher Tod
eine Folge
„seines
häuslichen
Grams“
gewesen sei.
Damit ist
die äußere
und die
familiäre
Not
umschrieben,
mit der der
Pastor
Fickert
während
seiner
Berufstätigkeit
zu kämpfen
hatte.
Ursache
dieser Not
war die
große Armut,
in der die
Familie
leben
musste. Die
Pfarrwidmut
warf nicht
viel ab, die
Pfarrhäuser
waren in
schlechtem
Zustand, die
Bauern
unwillig zur
Abgabe des
Dezem und zu
Hilfeleistungen,
zu denen sie
eigentlich
verpflichtet
waren. Dazu
kamen
Missernten,
aber auch
die
napoleonischen
Kriege, die
Schlesien
hart trafen.
Groß-Wilkau
wurde von
französischen
Truppen
besetzt, im
Dorf wütete
eine
Feuersbrunst.
Die Bewohner
mussten sich
in den
umliegenden
Wäldern in
Sicherheit
bringen.
Viel
schlimmer
als das
alles aber
war der
Kummer über
die
unglückliche
Ehe, die die
Fickerts
führten.
Christiane
Dorothea
hatte für
die
religiös-erweckliche
Art ihres
Mannes kein
Verständnis,
war grob zu
den
Gemeindegliedern,
uninteressiert
an seinem
Beruf. Es
ist möglich,
dass sie
psychisch
krank war.
Nach 18
Jahren Ehe
kam es zur
Trennung.
Frau Fickert
ging zu
ihren Eltern
nach
Goldberg
zurück. Die
Gemeinde
hielt zu
ihrem
Pastor. Auf
seinen
Grabstein
setzte sie
die Worte
„Ein
gesegneter
Seelsorger“.
Offensichtlich
ist es die
Gemeindearbeit
gewesen, in
der Fickert
Stärkung und
Freude
gefunden
hat. Der
Gottesdienstbesuch
nahm zu,
nachdem er
eine für die
damalige
Zeit
ungewöhnliche
Neuerung
eingeführt
hatte,
sonntägliche
katechetische
Stunden, die
dann zu
Bibelstunden
und
Bibelbesprechstunden
im Pfarrhaus
ausgeweitet
wurden.
Stärkung und
Freude
bedeutete
ihm darüber
hinaus die
Herausgabe
der
Christlichen
Wochenblätter.
Hier konnte
Fickert
seine
schriftstellerischen
und
dichterischen
Fähigkeiten
voll
entfalten
und für das
Reich
Gottes
einsetzen.
Die
Predigten,
Berichte,
Glaubenszeugnisse,
Anekdoten,
geschichtlichen
Betrachtungen,
die hier
gedruckt
wurden,
waren in
einer
anschaulichen,
herzenswarmen
Sprache
abgefasst
und
unterschieden
sich schon
dadurch von
Stil und
Inhalt der
Predigten
dieser Zeit.
In den
Wochenblättern
hat Fickert
auch
Gedichte/Kirchenlieder,
eigene und
fremde,
veröffentlicht;
seine
eigenen
durchweg
anonym.
Forschungen
haben
ergeben,
dass 22,
möglicherweise
auch 26
Gedichte von
ihm selbst
sein
könnten.
Sechs wurden
in
Liedersammlungen
aufgenommen,
darunter das
bekannte
Missionslied
O dass
doch bald
dein Feuer
brennte
von 1812,
das
heute noch
im
Evangelischen
Gesangbuch
(Nr. 255) zu
finden ist.
Durch den
Weltgebetstag
hat es
weltweite
ökumenische
Bedeutung
erlangt.
Systematische
Auswertungen
über die
Verbreitung
der
Wochenblätter
gibt es
nicht. Es
scheint
aber, dass
sie viel,
auch in
Gruppen
gelesen, zum
Teil auch
weitergegeben
wurden. Der
für die
kirchliche
Zensur
zuständige
Breslauer
Kircheninspektor
David
Gottfried
Gerhard
(1734-1808)
begleitete
sie mit
seinem
Wohlwollen.
Die
Herrnhuter
schätzten
und
verbreiteten
sie in ihren
Arbeitsfeldern,
auch im
Ausland. So
waren sie
zum Beispiel
in Livland
bekannt.
Insgesamt
sind die
Christlichen
Wochenblätter
eine
wichtige
Stimme des
Pietismus in
Schlesien.
Erscheinen
konnten sie
überhaupt
nur, weil es
Fickert
gelungen
war,
Sponsoren zu
finden, die
für die
Kosten
aufkamen. Er
selbst hat
sie in den
Jahren 1806
bis 1815
redigiert.
Verdient hat
er daran
nichts. Nach
seinem Tod
sind die
Wochenblätter
bis 1827
weitergeführt
worden –
unter dem
Titel:
„Christliches
Wochenblatt
für
gesammelte
und
zerstreute
Kinder
Gottes und
alle, die
den Herrn
von ganzem
Herzen
suchen. 11.
Jahrgang
1816,
Fortsetzung
der bis zum
Juni 1815
vom seligen
Herrn Pastor
Fickert in
Groß-Wilkau
unter
demselben
Titel
herausgegebenen
Schrift“.
Lit. in
Auswahl:
Ausführliches
Verzeichnis
in Handbuch
zum
Evangelischen
Kirchengesangbuch
II/1,
Göttingen
1957, 273
f., III/2.
ebd. 1990,
120 ff. –
Chr.-E.
Schott, Art.
George
Friedrich
Fickert, in:
Schlesisches
Musiklexikon,
hrsg. von L.
Hoffmann-Erbrecht,
Augsburg
2001, 163. –
H. Eberlein,
George
Friedrich
Fickert.
Leben und
Wirken eines
schlesischen
Erweckungspredigers,
Liegnitz
1933. – A.
Büchner, Das
Kirchenlied
in Schlesien
und der
Oberlausitz,
Düsseldorf
1971, 257ff.
(Das Ev.
Schlesien
VI/1) –
Schles.
Prov.Bl.
1822,
83.277;
1827, 52.94;
1838, Okt.,
Anh. 161.
Christian-Erdmann
Schott