Als Sohn des
Augsburger
Spielmanns
und
Stadtpfeifers
Jonas
Fischer und
dessen Frau
Maria
geborene
Mayr
erblickte
Johann
Fischer zwei
Jahre vor
dem Ende des
Dreißigjährigen
Kriegs in
Augsburg das
Licht der
Welt. Seine
erste
musikalische
Ausbildung
erhielt er
vom Vater
und bis 1661
in der
evangelischen
Augsburger
Kantorei
unter Tobias
Kriegsdorfer.
Er ging dann
zu dem aus
Schertitz in
Böhmen
stammenden
Hofkapellmeister
und
Komponisten
Samuel
Capricornus
(Bockshorn)
nach
Stuttgart in
die Lehre.
1665 kam er
zu
Jean-Baptiste
Lully nach
Paris, dem
Musikintendanten
Ludwigs XIV.
Lully, der
in dieser
Zeit durch
seine
Zusammenarbeit
mit Molière
große
Triumphe
erlebte -
als die
"deux grands
Baptiste"
wurden sie
gefeiert -,
war auch
außerhalb
Frankreichs
zu einer
Berühmtheit
geworden.
Fünf Jahre
stand
Fischer als
Notist in
seinen
Diensten, wo
er sich die
"liebliche
lullianische
Manier"
aneignen
konnte und
bei dem auf
der Höhe
seiner Zeit
wirkenden
Meister das
"Age d'Or"
der
französischen
Geistesgeschichte
kennenlernte.
Es war das
Zeitalter
von Molière,
Racine,
Lafontaine,
Corneille,
der Madame
de Sévigné,
um einige
Literaten zu
nennen, auch
war es die
Zeit der
Entwicklung
einer
französischen
Nationaloper
durch Robert
Cambert und
Pierre
Perrin, die
Lully den
Weg
bereiteten.
1673 ist
Fischer
wieder in
der
Stuttgarter
Hofkapelle
nachzuweisen.
1674 ging er
in seine
Heimatstadt
Augsburg
zurück, wo
er seit 1677
an der
evangelischen
Barfüßerkirche
angestellt
war. In
diesen
Jahren
entstanden
etwa 60
kirchenmusikalische
Werke. Seine
Frau Antonia
Sybilla
schenkte ihm
zwischen
1675 und
1681 fünf
Kinder, aber
sein
Lebenskreis
war mit der
Rückkehr in
seine
Heimatstadt
nicht
geschlossen,
sein
Lebensweg
sollte ihm
noch mit
einigen
weiteren
Stationen
aufwarten.
1683 wurde
Fischer
Violinist
der
Ansbacher
Hofkapelle,
welche
damals eine
Glanzzeit
erlebte. Für
die
Anstellung
Fischers
waren wohl
auch seine
Pariser
Jahre von
Bedeutung.
Markgraf
Johann
Friedrich
hatte eine
besondere
Vorliebe für
die
französische
Musik,
weshalb auch
im
Anstellungsvertrag
stand, daß
er jährlich
"2 personen
oder mehr à
la françoise
im geigen
informiren"
solle. 1686
übernahm
Fischer
interimistisch
die Leitung
der Kapelle.
Nach dem Tod
von Markgraf
Johann
Friedrich im
selben Jahr
wurde
Fischer
entlassen.
Der
Nachfolger,
Markgraf
Georg
Friedrich,
war der
italienischen
Richtung
zugetan.
1690 wurde
Fischer
herzoglich
kurländischer
Kapellmeister
zu Mitau, wo
damals eine
italienische
Oper
unterhalten
wurde. Er
hatte die
Stelle bis
1697 oder
auch bis
1698 zum Tod
von Herzog
Friedrich
Kasimir
inne.
Fischer
pflegte gute
Kontakte
nach Riga
zur Großen
Gilde, die
ihm "ein
gewisses
Jahrgeld
ausgesetzt,
dafür er
verbunden
gewesen,
ihrem
Collegio
musico alle
Woche was
neues von
seiner
Arbeit
einzusenden.
Offt ist er
auch
deswegen
nach Riga
gereiset und
hat auf die
genaue
Vollziehung
seiner
Sachen gute
Acht
gegeben".
Nach der
Auflösung
der Mitauer
Hofhaltung
1698 lebte
er in Riga.
1698 erhielt
er vom
Rigaer Rat
"zu einer
vorhabenden
Reise nach
Stockholm"
sechs Taler
für eine
Komposition.
Er
musizierte
"vor Ihro
Maj. dem
Könige von
Polen zu
dero hoher
Zufriedenheit",
und er ist
dann 1699
bis 1700 in
Callenbergschen
Diensten,
danach in
Lüneburg
nachzuweisen.
Möglicherweise
hat der
junge J. S.
Bach 1701
bei der
Aufführung
seiner Suite
über "die
weltberühmde
Lüneburger
Sültze"
mitgewirkt.
1701 wurde
Fischer
Kapellmeister
am Hof von
Herzog
Friedrich
Wilhelm von
Mecklenburg
in Schwerin,
wo ebenfalls
die
französische
Richtung der
Hofmusik
gepflegt
wurde. 1704
suchte er in
Kopenhagen
unterzukommen.
Er lebte
dann ohne
feste
Anstellung
in
Stralsund,
Stettin,
Stockholm
und zuletzt
seit 1707
als
Kapellmeister
im Dienst
von Markgraf
Philipp
Wilhelm von
Brandenburg
in Schwedt
an der Oder.
Dort starb
er in guten
Verhältnissen
im 70.
Lebensjahr.
Das in
älterer
Literatur
häufiger
angegebene
Todesjahr
1721 scheint
unrichtig zu
sein.
Mit seiner
meisterhaften
Beherrschung
der
Suitenform
schuf
Fischer in
meist kurzen
Sätzen
"Kleinkunstwerke
von
geschlossener
Schönheit" (E.F.
Schmid). Das
Urteil
Matthesons,
daß Fischer
"leichte und
lustige
Ouvertüren"
bevorzugt
habe, ist
nur mit
Einschränkung
zu
übernehmen.
Zum einen
ist sein
kirchenmusikalisches
Schaffen
bisher nicht
untersucht
worden, zum
anderen
zeigen
beispielsweise
Sätze in
seinem
Divertissement
mit 2
Stimmen
(1699/1700)
durchaus
starken
melancholischen
Ausdruck,
auch ist
diesen
Sätzen eine
Vertiefung
des Gehalts
eigen.
Bemerkenswert
ist die wohl
auch von
Fischer
vorgesehene
Aufführungsmöglichkeit
in reiner
Zweistimmigkeit
ohne
Generalbaßergänzung.
Besondere
Bedeutung
kommt
Fischer für
die
Entwicklung
des
Streichquartetts
zu, durch
das
Hervorheben
der Taille,
jener durch
die Bratsche
besetzten
Mittelstimme.
Interessant
ist auch
seine
Beschäftigung
mit der
Scordatur
(Umstimmen
von Saiten
von ihrem
Grundton),
welche er in
seinem Werk
Das
Eins-Drei
oder
Drei-Eins
oder der
habile
Violist
aufzeigt.
Hier ist er
mit J.H.
Schmelzer,
H.I.F.
Biber, jenen
Hauptmeistern
der
altösterreichischen
Geigenschule,
zu nennen.
Als
Vertreter
des
süddeutschen
Barockstils
in seiner
französischen
Prägung ist
dem Wirken
Fischers in
mehreren
Städten des
Ostseeraums,
so vor allem
in Mitau und
Riga sowie
in
Norddeutschland,
besondere
Beachtung zu
schenken.
Werke:
Ouvertüren,
Suiten,
Tänze,
Divertissements,
Tafelmusiken,
kirchenmusikalische
Werke,
weltliche
Kantaten und
Gelegenheitswerke.
Lit.:
J.G.
Walther:
Musicalisches
Lexicon oder
musicalische
Bibliothek
usw.,
Leipzig
1732, ND
Kassel 1953,
246. -
J.H. Zedler:
Grosses
vollständiges
Universal
Lexicon
etc., Halle
u. Leipzig
Bd. 9 1734,
Sp. 998. -
J. Mattheson:
Grundlage
einer
Ehrenpforte,
Hamburg
1740, 61ff,
283f. -
M. Rudolph:
Rigaer
Theater- und
Tonkünstler-Lexikon,
Riga 1890,
ND
Hann.-Döhren
1975. - E.F.
Schmid: J.
Fischer in:
MGG. -
Riemann
Musik
Lexikon. -
H.
Scheunchen:
Lexikon
deutschbaltischer
Komponisten,
in Vorb. -
N. Busch:
Johann
Fischer, ein
herzoglich
kurländischer
Kapellmeister
des 17.
Jahrhunderts,
in:
Rigaische
Rundschau,
6. März
1929. -
G. Fock: Der
junge Bach
in Lüneburg
1700 bis
1702,
Hamburg
1950, 47,
79. -
H.
Scheunchen:
Die
Musikgeschichte
der
Deutschen in
den
baltischen
Landen,
Dülmen 1990,
141f.
Helmut
Scheunchen