Das
Städtchen in
der Liptau,
also der
Nordslowakei
(bis 1919
Nord-Ungarn),
hatte zur
Zeit der
Reformation
eine
deutsche
lutherische
Gemeinde,
die in der
Region bis
1900 noch
1167 Seelen
betrug. Im
18.
Jahrhundert
wanderten
viele Juden
aus Mähren
ein und 1720
siedelten
sich
jüdische
Kaufleute
auch in St.
Nikolaus,
auch
Mikulasch
genannt, an.
So war die
Zahl der
deutschen
Juden im
Bezirk mit
1611 Seelen
um 1900 noch
höher. Diese
bekannten
sich zur
deutschen
Sprache und
Kultur, bis
dann in
der zweiten
Hälfte des
19.
Jahrhunderts
die
Madjarisierung
und nach
1919 die
Slawisierung
einsetzte.
Die
deutschsprechenden
Juden
hatten in
Liptau St.
Nikolaus
eine eigene
Volksschule
und eine
eigene
deutschsprachige
Realschule
sowie von
1776-1860
eine
Jeschiwa,
also eine
jüdische
Talmudhochschule.
Unter dem
Einfluss von
Mendelsohns
Bibelübersetzungen
sprachen die
Juden ein
reines
Deutsch,
also kein
„Jiddisch“,
und
begannen,
deutsche
Zeitungen,
meist Wiener
Blätter, zu
lesen.
In dieser
durchaus
liberalen
Stadt wurde
1859 Samuel
Fischer
geboren. Er
wurde
zunächst
Buchhändler
in der
kleinen
Buchhandlung
in Mikulasch,
ging aber
bald, wohl
im Sommer
1874, in die
kaiserliche
Hauptstadt
Wien. Samuel
Fischer
schrieb
dazu: „Ich
war vierzehn
Jahre alt,
ganz allein
und gänzlich
mittellos.
Eines Tages
stand ich
vor dem
Schaufenster
einer
Buchhandlung.
... Ich
fragte, ob
man mich
nicht als
Lehrling
nehmen
wolle. Man
nahm mich.“
Am 8.
Februar 1879
starb
plötzlich
sein Vater.
Da sein
älterer
Bruder
Firmenleiter
einer
Glaswarenfirma
in Berlin
war, zog es
den
Zwanzigjährigen
in die
Reichshauptstadt
Berlin.
Schon im
Jahre 1883
wurde im
„Börsenblatt“
Nr. 219 die
„Verlagsbuchhandlung
Hugo
Steinitz &
Co.“
vermerkt und
der
Compagnon
war Samuel
Fischer. Am
31. August
1886 teilte
das
Börsenblatt
mit, „daß
ich unter
der Firma S.
Fischer,
Verlag, W.,
Mohrenstraße
10, eine
Verlagsbuchhandlung
errichtet
habe.“
Diesen
eigenen
Verlag
führte er
bis zu
seinem Tode
am 15.
Oktober
1934.
Fast fünfzig
Jahre lang
verlegte S.
Fischer die
Werke
weltbekannter
Autoren. Das
erste Buch
seines
Verlages war
1887 das
Schauspiel „Rosmersholm“
von Henrik
lbsen, es
kostete eine
Mark. Dann
folgte
lbsens
„Wildente“,
einige
Wochen
später
erschienen
das Drama
von Emile
Zola
„Therese
Raquin“ und
von Leo
Tolstoi „Die
Macht der
Finsternis“,
ein
„dramatisches
Sittenbild
aus dem
russischen
Volksleben“.
Dann
erschien das
teuerste
Buch zum
Preise von
fünf Mark
„Der Circus
und die
Circuswelt“
von Signor
Domino. Im
Jahre 1888
brachte er
Dostojewski
heraus.
Im Jahre
1889
entstand die
fruchtbare
Verbindung
mit Gerhart
Hauptmann,
vor allem im
Zusammenhang
mit der von
Otto Brahm
und Samuel
Fischer
gegründeten
„Freien
Bühne“, um
moderne
Theaterstücke
zur
Aufführung
zu bringen.
Die
zugehörige
Zeitschrift,
die später
„Neue
deutsche
Rundschau“
hieß, wurde
zum
Sprachrohr
des
Naturalismus.
Neben
Gerhart
Hauptmann
kamen hier
die
wichtigsten
zeitgenössischen
Schriftsteller,
wie Peter
Altenberg,
Hermann
Bahr, Hugo
von
Hoffmannsthal,
Alfred Kerr,
Thomas Mann,
Arthur
Schnitzler,
Bernhard
Shaw, Jakob
Wassermann
und viele
andere zu
Wort.
S. Fischer
verlegte vor
allem
Gerhart
Hauptmann,
dann das
Gesamtwerk
von Richard
Dehmel,
Bernhard
Shaw und
Thomas Mann.
Als um 1900
in der
Literatur
die
neuromantisch-symbolische
Richtung
üblich war,
gab er
Hermann
Hesse, Jakob
Wassermann
und Hugo von
Hoffmannsthal
heraus, dann
kamen die
Expressionisten
wie Georg
Kaiser und
die Romane
von Alfred
Döblin.
Als in den
zwanziger
Jahren die
neue
Sachlichkeit
aufkam,
erschienen
im
Fischer-Verlag
die Werke
von Hermann
Broch,
Ferdinand
Bruckner,
Hermann
Billinger,
Anna Seghers
und Heinrich
Hauser.
Von sechs
Titeln im
Gründungsjahr
stieg die
Verlagsproduktion
im S.
Fischer
Verlag auf
rund 28
Neuerscheinungen
im Jahr;
1905 waren
es 34 Titel,
1907 dann 40
und 1909 gar
55 Titel. Es
vollzog sich
auch eine
Verlagerung
von
ausländischen
Werken, also
Übersetzungen,
auf deutsche
Autoren.
Obwohl er
kein
politischer
Mensch war,
brachte er
auch die
Werke von
Rathenau,
Max Born,
Alfred Weber
und anderer
Politiker
und
Wirtschaftler
heraus.
Die
Schriftsteller
waren seine
Freunde, er
war nicht
nur deren
Verleger,
sondern auch
Mäzen, sie
nannten ihn
liebevoll
„Sami“. Sie
„verehrten
diesen
klugen Mann
mit dem
kahlen,
kugeligen
Kopf, der
leicht
lispelte und
dessen große
Augen
schelmisch
blinzelten.“
Viele
empfing er
in seiner
Villa in
Grunewald,
die seine
musikliebende
Ehefrau
Hedwig
betreute,
besonders
auch seine
Lektoren
Moritz
Heimann und
den Lyriker
Oskar
Loerke. Sein
Credo war.
„Die Pflege
der
Dichtkunst
als Zweig
des
Buchhandels
gehört zu
den
persönlichsten
Aufgaben des
Verlegers.
Hier handelt
es sich
darum, die
verborgenen
Kräfte zu
erkennen und
zu fördern.“
Samuel
Fischer war
nicht nur
ein
erfolgreicher
Verleger
sondern ein
geistvoller
und
vielseitig
aufgeschlossener
Förderer
vieler
geistig
Schaffender.
Das Berlin
vor 1933
genoß mit
seinen
Theatern,
Zeitungen
und
kulturellen
Institutionen
Weltruf.
Bekannt war
das
„Romanische
Cafe“; es
war eines
von denen,
wo sich
Literaten,
Schriftsteller
und
Journalisten
und andere
Künstler
trafen.
Samuel
Fischer
wollte zum
Ende der
zwanziger
Jahre nicht
an Verfall
und
Untergang
glauben,
obwohl er
selbst immer
kränklicher
wurde.
Thomas Mann
berichtete:
„Bei unserem
letzten
Zusammensein
war er sich
schon nicht
mehr jeden
Augenblick
ganz klar
darüber, in
welcher
Stadt er
sich befand.
...
Plötzlich
begann er
über einen
gemeinsamen
jungen
Bekannten zu
urteilen:
,Kein
Europäer,
von großen
humanen
Ideen
versteht er
nichts.‘“
Samuel
Fischer
starb am 15.
Oktober
1934, ein
gütiges
Schicksal
hatte ihn
davor
bewahrt, am
eigenen
Leibe die
Schmach
seiner
Glaubenbrüder
zu erfahren.
Gerhart
Hauptmann
sagte nach
dessen Tod:
„Er ist nun
dort, wo es
weder Völker
noch
Parteien,
weder eine
innere noch
äußere
babylonische
Sprachverwirrung
gibt, in
einem Reich,
in das wir
einst alle
ohne
Ausnahme
nachfolgen.“
Nach dem
Tode von
Samuel
Fischer
übernahm
Gottfried B.
Fischer den
Verlag,
mußte aber
1936
Deutschland
verlassen.
Damals
entstand die
von Peter
Suhrkamp
geleitete S.
Fischer
Verlags-K.G.
(ab 1942
Suhrkamp
Verlags-K.G.).
Orte der
Verlagsarbeit
waren neben
Berlin auch
Wien,
Stockholm,
Amsterdam
und New
York. Im
Jahre 1947
firmierte
der Verlag
unter
Suhrkamp
Verlag,
vorm. S
.Fischer. Ab
1965 kam er
zur
Verlagsgruppe
Georg von
Holtzbrinck
und daraus
entstand
dann die
Fischer
Taschenbuch
Verlags
GmbH.
Lit.:
Michael
Schwarz: Von
Liptau St.
Niklas nach
Berlin, in:
Karpatenjahrbuch
1965, S.
39-46. –
Ladislaus
Guzsak: Der
Verleger S.
Fischer, in:
Süddeutsche
Vierteljahresblätter,
München
1984.
Bild:
Archiv des
Autors
Hans
Kobialka