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Samuel Fischer wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmannes geboren. Nach
einer Buchhandelslehre in Wien kam er 1880 nach Berlin, wo er 1883
Teilhaber eines Sortimentsgeschäfts wurde. Im September 1886 gründete er
einen eigenen Verlag, der bald durch die verlegerische Betreuung der
Werke von Henrik Ibsen, Leo Tolstoi, Fjodor Dostojewski und Emile Zola
sowie der deutschen Schriftsteller Gerhart Hauptmann, Hermann Bahr und
Arthur Schnitzler ein eigenes Gesicht gewann. Die verlegerische
Betreuung der Literatur naturalistischer Autoren verschaffte ihm den
Ehrennamen eines „Cotta des Naturalismus“ (Thomas Mann). 1896 trat
Moritz Heimann als Lektor in den Verlag ein, der maßgebend das
literarische Programm bestimmte. An neuen Autoren kamen Gabriele
d'Annunzio, Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann, Hermann Hesse, Peter
Altenberg und George Bernard Shaw hinzu. Mit der Volksausgabe der Werke
von Ibsen (1907) und den „Buddenbrooks“ (1901) sowie „Fischers
Bibliothek zeitgenössischer Romane“ (1908ff.) wurde der Verlag in weiten
Kreisen bekannt. Da S. Fischer dem literarischen Expressionismus fern
stand, sind dessen Autoren von ihm vereinzelt verlegt worden. In sein
letztes Lebensjahrzehnt fallen der Erwerb der Deutschen Rechte an Joseph
Conrad und Eugene O'Neill. Als S. Fischer 1934 starb, zeichnete sich
schon die Gefährdung des Verlages durch die NS-Kulturpolitik ab. Sein
Schwiegersohn Gottfried Bermann gründete 1936 in Wien den
Bermann-Fischer Verlag (später in Stockholm), der einen Teil der
Autorenrechte und der Buchbestände des Berliner Verlagshauses übernahm,
während der Verlagsteil, der in Deutschland verblieb, von Peter Suhrkamp
treuhänderisch verwaltet und geleitet wurde. Nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges kam es zu einer Zusammenarbeit beider Verlage, bis im Jahre
1950 die Wiederbegründung des S. Fischer Verlages in Frankfurt am Main
erfolgte. 1974 übernahm Monika Schoeller als geschäftsführende
Gesellschafterin die Verlagsleitung. – Zusammen mit Kurt Wolff, Anton
Kippenberg und Ernst Rowohlt gehört Samuel Fischer zu den großen
literarischen Verlegern Deutschlands in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts.
Lit.:
In memoriam S. Fischer, 24.
Dezember 1859-1959. (Redaktion: Hans-Geert Falkenberg.) Frankfurt/M.
1960; Neue Deutsche Biographie, Bd. 5, 1961; Mendelssohn, Peter de: S.
Fischer und sein Verlag. Frankfurt/M 1970.
Harro
Kieser
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