Aus alter
ostpreußischer
Familie
stammend,
wirkte
Eduard
Heinrich v.
Flottwell
als
typischer
Vertreter
des
preußischen
höheren
Verwaltungsbeamtentums
im
Grenzbereich
ostdeutsch-slawischer
Schicksalsgemeinschaft.
Er studierte
in Königsberg
Rechtswissenschaften.
Vorlesungen
bei Kant
prägten den
jungen
Studenten,
ehe er im
Jahre 1804
in den
preußischen
Justizdienst
trat. 1808
tat er
Dienst in
seinem
Geburtsort
Insterburg.
Mentor und
späterer
Freund
Flottwells,
Theodor von
Schön,
befürwortete
die
Übernahme in
den
preußischen
Verwaltungsdienst.
Rottwell
wurde so im
Jahre 1812
als Rat an
die
Regierung
nach
Gumbinnen
berufen.
Schön,
der seit
1816
Oberpräsident
von
Westpreußen,
seit 1824
Oberpräsident
der
Provinzen
West- und (Ost-)Preußen
war, 1840
Staatsminister,
holte
Flottwell
1816 an das
westpreußische
Oberpräsidium
nach Danzig.
1825 wurde
er
schließlich
Regierungspräsident
in
Marienwerder.
Eduard
Heinrich von
Flottwell,
der sich die
liberalen
Anschauungen
und
Verwaltungsvorstellungen
Theodor v.
Schöns
zu eigen
machte, war
ein
hervorragender
Organisator.
Das zeigte
sich vor
allem
während der
großen
Hungersnot
1827 in
Westpreußen
und der
großen
Wassernot
1829 in den
Weichselniederungen.
Es konnte
nicht
ausbleiben,
daß man in
Berlin auf
ihn
aufmerksam
wurde. Nicht
verwunderlich
war es
daher, daß
bei der
polnischen
Erhebung im
Jahre 1830
Flottwell
zum
Oberpräsidenten
der
preußischen
Provinz
Posen
ernannt
wurde. Der
dortige
Statthalter
Fürst Anton
Radziwill
war zuvor
abberufen
worden.
Durch
Einsatz von
Truppen, vor
allem aber
durch
geschickte
und
versöhnende
Verwaltungspolitik
gelang es
Flottwell,
einen
Aufstand in
Posen zu
verhindern.
Unterstützt
wurde er in
seinen
Bemühungen
durch den
kommandierenden
General des
V.
Armeekorps,
General v.
Grolman.
Eduard
Heinrich v.
Flottwell
betrachtete
es als seine
Hauptaufgaben,
einerseits
die Provinz
Posen dem
preußischen
Staat voll
und sicher
einzugliedern
und
andererseits
dies mit
einer
versöhnenden
Politik
gegenüber
den Polen zu
verbinden.
Er sah die
Chance der
Eingliederung
nur in der
Versöhnung
der Polen
mit dem
preußischen
Staat.
Preußische
zentrale
Verwaltung
und
Ausschaltung
einer
polnischen
nationalen
Bewegung
gingen dabei
Hand in
Hand. So
geriet
Flottwell
bald in
Auseinandersetzung
mit der
katholischen
polnischen
Geistlichkeit
und dem
polnischen
Adel, weiten
Kreisen der
polnischen
Szlachta und
den
Magnaten.
Die Ernennung
der Landräte,
die
Einsetzung
staatlicher
Polizeidistriktkommissare,
um die
polizeiliche
Exekutive zu
gewährleisten,
waren
Maßnahmen,
die neben
dem Aufbau
von
bäuerlichen
Betrieben
und
Städte-Ordnungen
sowie einer
weitgehenden
Emanzipation
der Juden
den
tradierten
Vorstellungen
des
polnischen
Adels und
der
katholischen
Geistlichkeit
widersprachen.
Das äußerte
sich vor
allem in
einer
angestrebten
Reform des
Schulwesens
durch
Flottwell,
das bald von
der
katholischen
Geistlichkeit
unter
Führung des
Erzbischofs
Marcin
Dunin-Sulgustowski
bekämpft
wurde.
Flottwells
Bemühungen,
die Provinz
Posen dem
preußischen
Staat
einzugliedern,
zeitigten
einen großen
wirtschaftlichen
Erfolg, der
für die
Jahre 1830
bis 1840 für
die Provinz
bestimmend
wurde. Doch
1840
scheiterte
die Politik
Flottwells,
da mit
Regierungsantritt
Friedrich
Wilhelms IV.
der
preußische
Staat die
sogenannte
Versöhnungsära
gegenüber
dem
polnischen
Adel und der
Geistlichkeit
einleitete.
Flottwells
Mission war
damit in
Posen
beendet.
Noch im
Jahre 1840
wurde er
Oberpräsident
der Provinz
Sachsen.
Über
Stationen u.
a. des
Finanzministers
(1844), des
Oberpräsidenten
von
Westfalen
(1846),
Oberpräsidenten
von
Brandenburg
(1850) wurde
er
schließlich
im Kabinett
Manteuffel
für eine
kurze Zeit
preußischer
Innenminister
(1858), doch
kehrte er
bald darauf
wieder auf
seinen
Oberpräsidentenposten
nach Potsdam
zurück. Im
Jahre 1862
trat Eduard
Heinrich v.
Flottwell in
den
Ruhestand.
1865 starb
er in
Berlin.
In der
Person des
von Schön
geprägten
liberalen
Eduard
Heinrich v.
Flottwell
dokumentiert
sich ein
wesentliches
Stück
preußischer
Politik,
gerade in
der
deutsch-slawischen
Schicksalsgemeinschaft.
Lit.: Clara Hegel, geb. v. Flottwell, Das Flottwellsche Elternhaus
– aus eignen
Erlebnissen
und Briefen,
Diesdorf
1897;
Manfred
Laubert,
Eduard
Flottwell.
Ein Abriß
seines
Lebens,
Berlin 1919;
Hans
Rothfels,
Aus dem
Briefwechsel
der
Oberpräsidenten
Theodor v.
Schön und
Eduard
Flottwell,
in: Dt.
wiss.
Zeitschrift
f. Polen,
Heft 29
(1935), S.
101-107;
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
VIII, S.
280;
Altpreußische
Biographie
I, S. 188f.
Hubertus
Neuschäffer