Blickt man zurück auf die Kulturgeschichte der einstigen
Länder der böhmischen Krone – Böhmen, Mähren und
Österreichisch-Schlesien, etwa der heutigen
Tschechischen Republik entsprechend – und konzentriert
man sich auf Wissenschaftler und Forscher, so hat man
keine Mühe, eine stattliche Anzahl an höchst bedeutsamen
Geistesgrößen zu ermitteln. Ein Fachbereich
jedoch stellt geradezu eine Ausnahme dar, denn die
Wissenschaftler unter den Geographen und
Forschungsreisenden werden nur von einigen wichtigen
Experten vertreten, so z. B. von dem Sudetendeutschen
Gustav Fochler-Hauke.
Fochler-Hauke wurde in Katharein geboren, wird aber
bisweilen als Troppauer registriert, da man seinen
Geburtsort nach Troppau eingemeindete. Der Junge war
bereits mit zwei Jahren Vollwaise und wurde adoptiert.
So erklärt sich sein Doppelname. Nahe Verwandte in
Niederlindewiese bei Freiwaldau nahmen sich seiner an.
Bei ihnen wuchs er auf, besuchte die Volksschule und
zuletzt das Unter-Realgymnasium in Freiwaldau.
Vielfältige Unternehmungen erfolgten bereits während
seiner Lehre als Buch-, Kunst- und Musikalienhändler in
München in Form ausgedehnter, oft abenteuerlicher
Wanderfahrten. Er studierte in München Geographie,
Geologie, Meteorologie und Ethnologie und promovierte
1934 „summa cum laude“ zum Dr. phil. Auf einer
anschließenden Forschungsreise umrundete er den Globus,
wurde sodann Assistent am Geographischen Institut und
schließlich Hochschullehrer. Ab 1940 leistete er
Wehrdienst und kehrte erst 1946 schwer kriegsbeschädigt
aus der Gefangenschaft zurück. Nunmehr in München
wohnhaft, begann er aufs neue, sich eine Existenz
aufzubauen. Zunächst folgte er einer Berufung an die
Universität Tucumán, Argentinien. Von 1954 bis 1973
lehrte er in München, unternahm wiederum Reisen und
Expeditionen aller Art und sammelte dabei erneut
Material für seine umfangreiche wissenschaftliche
Arbeit. Er war u. a. Herausgeber des Bandes „Geographie“
des „Fischer-Lexikons“. Als besonderes Verdienst kann
die Begründung des Fischer-Weltalmanachs gelten, als
dessen Herausgeber er ebenfalls fungierte.
Fochler-Hauke gehörte einer Reihe renommierter
Fachgremien an, u. a. der Sudetendeutschen Akademie der
Wissenschaften und Künste (München), und wurde 1969 mit
der Verleihung des Sudetendeutschen Kulturpreises
geehrt. Er starb am 20. Januar 1996 in München und wurde
auf dem Westfriedhof, Baldurstraße, beigesetzt. Als
Vermächtnis hinterließ er zahlreiche Buchpublikationen
und unzählige Abhandlungen und Darstellungen in
deutschen und ausländischen Fachzeitschriften.
Lit.:
Ernst Schremmer, Gustav Fochler-Hauke, in: Viktor
Aschenbrenner (Hrsg.), Fruchtbares Erbe, München 1974. –
Herbert Gröger, Erinnerung an Prof. Fochler-Hauke, in:
Josef Walter König (Hrsg.), Nordmährisches Heimatbuch
1997, Nürnberg 1997.
Werke:
Deutscher Volksboden und deutsches Volkstum in der
Tschechoslowakei (Habilitationsschrift), 1939. – ...
nach Asien!, Heidelberg 1951. – Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erde, Köln 1955. – Die geteilten Länder,
München 1967. – Das politische Erdbild der Gegenwart, I.
Völker und Staaten der „Dritten Welt“, II. Die
Machtblöcke des Ostens, Berlin 1968 und 1970. – Die Welt
unserer Zeit, 3 Bde., Helsinki 1975/76 (finnisch). – Der
Fischer Weltalmanach, Frankfurt/M. (auch finnisch und
schwedisch).
Bild:
Privatarchiv des Autors.
Josef-Walter
König