Friedrich
Foertsch –
nicht zu
verwechseln
mit seinem
älteren
Bruder,
General der
Infanterie
Hermann
Foertsch –
war Sohn
eines
Mitarbeiters
der
Staatlichen
Verwaltung
der
Preußischen
Ansiedlungskommission
für Posen
und
Westpreußen.
Er besuchte
die
Gymnasien in
Hohensalza
und Graudenz,
wo er im Mai
1918 die
Reifeprüfung
ablegte.
Anschließend
trat er als
Fahnenjunker
in das
Ersatzbataillon
des 8.
Westpreußischen
Infanterie-Regiments
Nr. 175 (Graudenz)
ein, um nach
seiner
Rekrutenausbildung
noch die
letzten
Kämpfe des
Regiments in
der Wotan-
und
Hermann-Stellung
an der
Schelde,
nordöstlich
von Lille,
mitzuerleben.
Nach einem
Einsatz beim
Grenzschutz
Ost in
Westpreußen
tat er beim
Sturm-Bataillon
des
Freikorps
Hindenburg
in Kolberg
Dienst und
nahm ab Mai
1920 an der
Kriegsschulausbildung
in München
und Wünsdorf
teil. Am 1.
Januar 1921
in das
Reichsheer
übernommen,
wurde
Foertsch am
1. April
1922 zum
Leutnant
befördert
und in das
Jäger-Bataillon
des 17.
Infanterie-Regiments
in Goslar
versetzt.
Nach
zehnjähriger
Verwendung
im
Truppendienst
als
Zugführer,
Skilehrer
und
Bataillonsadjutant
bestand
Foertsch im
Frühjahr
1932 in
Hannover die
Wehrkreisprüfung
und besuchte
anschließend
die 1935 in
„Kriegsakademie“
umbenannten
„Offizier-Lehrgänge“
mit dazu
gehörigen
Kommandos
zur
Artillerie,
zur
Nachrichten-
und zur
Kraftfahrtruppe.
Im April
1935 wurde
er als
Generalstabsoffizier
zur
Festungskommandantur
in
Königsberg
i. Pr.
versetzt.
Nach nur
einjähriger
Verwendung
als Chef
einer
Infanterie-Panzerabwehr-Kompanie
in Frankfurt
a.M.
(14./I.R.81)
wurde er im
Herbst 1938
als Major
zum
Generalkommando
des III.
Armeekorps
in Berlin
versetzt, in
dem er als
2.
Generalstabsoffizier
(Quartiermeister)
mit
Versorgungsfragen
des
Korpsbereichs
beschäftigt
war.
Als 1.
Generalstabsoffizier
der aus der
Gruppe
Eberhardt
(vorher
Kommando der
Landespolizei
Danzig)
hervorgegangenen
60.
Infanterie-Division
wurde
Foertsch im
Frankreichfeldzug
mit der
Spange zum
Eisernen
Kreuz II.
Klasse und
dem Eisernen
Kreuz I.
Klasse
ausgezeichnet.
Unmittelbar
nach
Beendigung
des
Feldzuges
als
Generalstabsoffizier
für
Demobilmachungsfragen
beim
Stellvertretenden
Generalkommando
III in
Berlin
eingesetzt,
wurde er am
1. Oktober
1940 zum
Gruppenleiter
I beim Stab
des Chefs
der
Heeresrüstung
und
Befehlshabers
des
Ersatzheeres
ernannt. Als
solcher
hatte er
Organisations-
und
Ausbildungsangelegenheiten,
insbesondere
für die
Neuaufstellungen
von
Divisionsverbänden
und
Heerestruppen
zu
bearbeiten.
Am 1. Juni
1942 wurde
Foertsch 1.
Generalstabsoffizier
im
Oberkommando
der vor
Leningrad
eingesetzten
18. Armee
und am 1.
Dezember
1943 Chef
des
Generalstabes
dieser
Armee. In
dieser
Verwendung
war es nicht
zuletzt
seiner
Führungskunst
zu
verdanken,
daß der
taktische
Zusammenhalt
der Armee an
der
Leningrader
Front
während der
Rückzugskämpfe
zum
Peipus-See
und
schließlich
durch das
Baltikum bis
zur Bildung
des
Kurland-Kessels
gewahrt
wurde. Am
25. Januar
1945 zum
Chef des
Generalstabes
der von der
sowjetischen
Armee
eingeschlossenen
Heeresgruppe
Kurland
ernannt,
nutzte er
seine seit
dem Juni
1942
gesammelten
Erfahrungen,
um in
mehreren
schweren
Abwehrschlachten
seine Front
zu
behaupten,
bis die
Heeresgruppe
am 8. Mai
1945 auf
Grund der in
Berlin-Karlshorst
erfolgten
Kapitulation
der
deutschen
Wehrmacht
geschlossen
in die
sowjetische
Gefangenschaft
ging.
Foertsch
teilte mit
den
Offizieren
und
Mannschaften
der
Heeresgruppe
Kurland das
Schicksal
der
Kriegsgefangenschaft.
Als die
Prozesse
gegen
deutsche
Soldaten
wegen
Kriegsverbrechen
begannen,
wurde
Foertsch
vorgeworfen,
„daß die ihm
unterstellten
Truppen und
Verbände die
Städte Pskow,
Nowgorod und
Leningrad
zerstört und
historische
Denkmäler in
den Städten
Gatschina,
Peterhof,
Pawlowsk und
Puschkin
vernichtet
haben“ (Der
Spiegel
Nr. 41/1962,
S. 39).
Foertsch,
der den Rang
eines
Generalleutnants
erreicht
hatte und
mit dem
Ritterkreuz
ausgezeichnet
worden war,
wurde nun
von dem
sowjetischen
Gericht zum
Tode
verurteilt,
dann aber zu
25 Jahren
Haft
begnadigt.
Nach
zehneinhalbjähriger
Gefangenschaft
kehrte er
auf Grund
der
Vereinbarung
zwischen
Bundeskanzler
Adenauer und
der
sowjetischen
Regierung
ungebrochen
in die
Heimat
zurück.
Foertsch war
einer der
wenigen spät
heimgekehrten
Generale,
die sich um
eine
Verwendung
bei der in
Aufstellung
befindlichen
Bundeswehr
bewarben.
Nach seiner
Überprüfung
entschied
der
Personalgutachterausschuß:
„Die
persönliche
Eignung des
GL aD Friedr.
Foertsch für
eine
Einstellung
in die
Streitkräfte
wird
bejaht.“
(BA-MA, Pers
1/14126) Als
Kommandeur
der 2.
Panzergrenadier-Division
(Gießen)
vorgesehen,
wurde
Foertsch
zunächst im
November
1956 mit der
Wahrnehmung
der
Geschäfte
des
Kommandierenden
Generals des
II. Korps
(Ulm)
beauftragt,
um im April
1957 seine
Division in
Gießen zu
übernehmen.
Ab 1. Juni
1958 wurde
er „für eine
Verwendung
in leitender
Funktion bei
einem
integrierten
Stab“
vorgesehen
und zunächst
„zur
Vervollkommnung
der
engl[ischen]
Sprachfertigkeit
für 7 Wochen
nach
England“
kommandiert.
Am 1. Januar
übernahm er
das Amt des
Stellvertretenden
Chefs des
Stabes Plans
and Policy
im
Nato-Hauptquartier,
dem Supreme
Headquarters
Allied
Powers in
Europe (SHAPE).
Für diese
Verwendung
kamen ihm
und seinem
aus
alliierten
Offizieren
bestehenden
Stab seine
während des
Krieges, vor
allem im
nördlichen
Rußland
gesammelten
Erfahrungen
zugute.
Foertsch
drang
bereits bei
SHAPE auf
die
Durchsetzung
der
Vorwärtsverteidigung
an der
Zonengrenze,
die auch von
den
Generalen
Heusinger
und Dr.
Speidel
gefordert
und
schließlich
von der NATO
genehmigt
wurde. Wie
sehr er von
seinen
amerikanischen
Vorgesetzten
geschätzt
wurde, ist
aus den
folgenden
Beurteilungen
ersichtlich.
General
C.V.R.
Schuyler
urteilte am
15. Oktober
1959: „Durch
sein
sicheres und
klares, aber
auch
verbindliches
Auftreten
bewirkte er
die
harmonische
Zusammenarbeit
der ihm
unterstellten
Dienststellen
und erwarb
sich die
Achtung und
Verehrung
von
Vorgesetzten
und
Untergebenen
gleichermaßen“.
General
Norstad
fügte hinzu:
„Ich bin
glücklich,
mich im
Hauptquartier
von SHAPE
auf sein
erfahrenes
Urteil
stützen zu
dürfen.“
(BA-MA, Pers
1/14126,
Hauptteil
B).
Am 1. April
1961 trat
Foertsch
unter
Beförderung
zum
IV-Sterne-General
die
Nachfolge
General
Heusingers
als
Generalinspekteur
der
Bundeswehr
an. Dieses
Amt
bekleidete
er nach
Verlängerung
seiner
Dienstzeit
bis zum 31.
Dezember
1963. Als
Generalinspekteur
war er kein
unmittelbarer
Vorgesetzter,
sondern
wirkte in
erster Linie
als
verantwortlicher
militärischer
Berater der
Bundesregierung.
Während
seiner
Amtszeit
fand das
erste große
Manöver, „Fallex
62“, statt.
Während sich
der
Bundeskanzler
und der
Bundesverteidigungsminister
in ihre
Urlaubsorte
zurückzogen
und sich in
ihrer
Manöverrolle
durch hohe
Beamte
vertreten
ließen, der
amerikanische
Verteidigungsminister
Mc Namara
dagegen
zeitweise
persönlich
dem Manöver
beiwohnte,
verfolgte
Foertsch in
der
Manöverleitung
gespannt den
Ablauf des
Manövers,
das den
Zweck hatte,
„die
militärische
Bereitschaft
der Nato und
die
Funktionsfähigkeit
der
Führungsstäbe
zu prüfen
sowie vor
allem die
Notstandsplanung
für die
Bevölkerung
zu
exerzieren“
(Der
Spiegel,
Nr. 41/1962,
S. 32 f.).
Als Ergebnis
des Manövers
wurde der
Bundeswehr
nach
siebenjährigem
Aufbau nur
die Note
„zur Abwehr
bedingt
geeignet“
zugesprochen.
Als „festen
Bestandteil
des
Arbeitsprogramms
der
Bundeswehrführung“
betrachtete
Foertsch die
Kommandeurtagungen,
die in
regelmäßigen
Abständen
mit
verschiedenen
Schwerpunkten
stattfanden,
wie „Die
innere
Situation
der
Bundeswehr“
(Stuttgart),
„Weiterer
Aufbau der
Teilstreitkräfte“
(Mainz),
„Die
Bewältigung
der Technik
in der
Bundeswehr“
(Hannover)
oder
„Vorwärtsverteidigung
in den
verschiedenen
Befehlsbereichen“
(Dortmund).
In seinen
ausführlichen
Ansprachen
setzte sich
Foertsch
unter
anderem mit
Fragen der
Tradition,
dem
Verhältnis
Bundeswehr –
Wehrmacht,
dem Aufbau
einer
demokratischen
Armee
auseinander
und
beklagte,
daß sich „zu
wenige... um
eine
objektive
Wertung
unserer
jüngsten
Vergangenheit“
bemühten
„und Presse,
Radio und
Fernsehen...
eine
Gesundung
oft recht
schwer“
machten
(Rede in
Dortmund am
6. Juni
1963, in:
BA-MA, BW
2/20373).
Dabei ist zu
berücksichtigen,
daß in der
Zeit des
Kalten
Krieges die
militärische
Führung, die
sich mit der
atomaren
Kriegführung
und der mit
ihr
verbundenen
psychischen
Belastung zu
befassen
hatte, vor
kaum zu
lösenden
Problemen
stand.
Nach seiner
Pensionierung
zog sich
Foertsch in
seine
Leutnantsgarnison
Goslar
zurück und
starb dort
im Alter von
76 Jahren.
Quelle:
BA-MA, Pers
1/14126; RW
2/20373.
Lit.:
Der Spiegel,
Nr. 41/1926:
Bedingt
abwehrbereit
(S. 32-53).
– Friedrich
Foertsch (ebda,
S. 39). –
Munzinger-Archiv,
Lieferung
4/77-P-8761IVa
vom
22.1.1977. –
Friedrich-Christian
Stahl:
Foertsch,
Friedrich,
in:
Altpreußische
Biographie.
Bild:
Friedrich
Foertsch
nach einem
Gemälde von
Kurt
Weinhold.