Genau 100 Jahre nach der
Geburt des
großen
Sohnes der
Siebenbürger
Sachsen,
Stephan
Ludwig Roth,
wurde jener
Mann
geboren,
dazu noch in
derselben
Stadt, der
die
Beschäftigung
mit Roth zu
seinem
Lebenswerk
machen
sollte.
Prof. Dr.
Otto
Folberth
lebt heute
in Salzburg
und ist
weiterhin
bemüht, der
Roth-Forschung
Impulse zu
geben.
Folberth
möchte aber
nicht nur
als
Roth-Forscher
abgestempelt
werden, denn
sein
Wirkungsfeld
und seine
Verdienste
sind viel
umfassender.
Otto Folberth wurde am 10.
Juli 1896 in
Mediasch als
Sohn des
Arztes Dr.
Otto
Folberth
geboren.
Nach der
Reifeprüfung
und
Teilnahme am
Ersten
Weltkrieg
studierte er
Germanistik,
Romanistik,
Philosophie,
Kunstgeschichte
und
Theologie an
den
Universitäten
Budapest,
Berlin,
Heidelberg,
Klausenburg
und Paris.
1922
promovierte
er mit der
Dissertation
„Meister
Eckehart und
Laotse – ein
Vergleich
zweier
Mystiker“
zum Dr. phil.
mit Summa
cum laude.
Ab 1923
unterrichtete
er am
Mediascher
deutschen
Gymnasium,
dessen
Rektorat er
nach 10
Jahren
übernahm.
Während des
Zweiten
Weltkrieges
diente
Folberth als
Hauptmann
der Reserve
und
Kriegsberichterstatter
in der
rumänischen
Armee an der
Ostfront.
Nach dem
Frontwechsel
Rumäniens am
23. August
1944 wurde
er mit 2000
anderen
Landsleuten
und Rumänen
für
7 Monate im
Aushungerungslager
Caracal an
der Donau
interniert,
um sich dann
nach der
Entlassung
mit der
Familie nach
Österreich
abzusetzen.
In Salzburg
fand er eine
zweite
Heimat. Für
einen
siebenbürgisch-sächsischen
Lehrer galt
es von eh
und je neben
seinem Beruf
als Pflicht,
sich
völkischen
und
kulturellen
Belangen zu
widmen.
Dieser
Tradition
hat der
junge
Gymnasiallehrer
Folberth
vollauf
entsprochen.
In den 20er
und 30er
Jahren
stellte er
seine
Begabung
verschiedenen
kulturellen
Bestrebungen
zur
Verfügung.
Folgende
Schwerpunkte
heben sich
dabei ab:
Tätigkeiten
zur Belebung
des
deutschen
Laientheaters,
Mitarbeit
bei der
Gründung des
„Deutschen
Landestheater
in
Rumänien“,
Förderung
des
heimischen
literarischen
Schrifttums
als
Begründer
und
geschäftsführender
Vorsitzender
der
„Deutschen
Buchgilde in
Rumänien“,
führender
Träger des
um die
Zeitschrift
„Klingsor“
gruppierten
gleichnamigen
Kreises,
Bemühungen
um einen
fruchtbaren
Dialog mit
rumänischen
und
ungarischen
Intellektuellen
(zu nennen
sind vor
allem die
Verbindungen
zum
ungarischen
„Erdélyi-Helikon“-Kreis
und zu dem
rumänischen
Historiker
und
Politiker
Nicolae
Iorga).
Mit seinem Büchlein
„Stürmen und
Stranden.
Ein St. L.
Roth-Buch“
und den
„Liebesbriefen
St. L.
Roths“
(1924)
leitete O.
Folberth
eine wahre
Roth-Renaissance
ein. Durch
positive
Kritiken
ermutigt,
begann er
1927 die
Edition der
siebenbändigen
„Gesammelten
Schriften
und Briefe“
St. L.
Roths. Davon
konnten vor
Ausbruch des
Zweiten
Weltkrieges
sechs Bände
erscheinen;
der siebte
erschien
erst 1964.
Dieses Werk
löste in
Rumänien,
aber auch in
Deutschland
und in der
Schweiz eine
Flut von
Veröffentlichungen
über den
siebenbürgischen
Pestalozzianer
Roth aus.
Über keine
andere
siebenbürgisch-sächsische
Persönlichkeit
gibt es ein
so
umfangreiches
Schrifttum,
wobei
Folberth mit
seinen
Veröffentlichungen
an erster
Stelle
steht. Ein
Kabinettstück
besonderer
Art ist sein
Buch „Der
Prozeß St.
L. Roth“
(1959).
Folberths
Feder
verdankt die
siebenbürgische
Wissenschaft
zahlreiche
kultur- und
kunstgeschichtliche
Beiträge.
Sie fanden
ihre Krönung
in dem Buch
„Gotik in
Siebenbürgen“
(1973). In
der
Vorkriegszeit
trat
Folberth
auch mit
literarischen
Arbeiten vor
die
Öffentlichkeit.
Nach seiner Niederlassung
in Salzburg
stellte sich
Folberth
verantwortungsbewußt
in den
Dienst der
Flüchtlingsarbeit.
Als
Publizist
und
treibende
Kraft der
Österreichischen
Sektion der
Europaischen Forschungsgruppe für
Flüchtlingsfragen
hat er die
Öffentlichkeit
auf das Los
der
Flüchtlinge
und
Vertriebenen
aufmerksam
gemacht und
zu deren
Lösung
zahlreiche
realistische
Vorschläge
unterbreitet.
Folberths Bemühungen
um
Völkerverständigung
finden auch
im heutigen
Rumänien
Anerkennung.
Sie
konkretisieren
sich vor
allem in
fruchtbaren
wissenschaftlichen
Kontakten
und
Besuchsreisen
nach
Siebenbürgen.
Otto Folberth gehört
ferner zu
den
Initiatoren
der
Wiederbegründung
des
„Siebenbürgischen
Landeskundevereins“
in der
Bundesrepublik,
der heute
als
„Arbeitskreis
für
Siebenbürgische
Landeskunde“
eine
beachtenswerte
wissenschaftliche
Forschungsarbeit
aufweisen
kann. Die
Liste von
Folberths
Veröffentlichungen
zählt über
500 Titel.
Durch einen
Überlassungsvertrag
hat Folberth
seine
Bibliothek,
seinen
wissenschaftlichen
und
schriftstellerischen
Nachlaß als
„Stiftung
Otto
Folberth“ in
die auf
Schloß
Horneck in
Gundelsheim
eingerichteten
Institutionen
„Siebenbürgische
Bibliothek“,
„Siebenbürgisches
Archiv“ und
„Siebenbürgisches
Museum“ in
Schüben
eingebracht,
die erst
nach seinem
Tod
abgeschlossen
sein werden.
Dem heute 90jährigen
Otto
Folberth
sind
zahlreiche
Ehrungen
zuteil
geworden.
Mit seinem
Namen
verbindet
sich ein
jahrzehntelanges
Wirken im
Dienste
seiner
siebenbürgischen
Landsleute
und im
Dienste
seiner neuen
österreichischen
Heimat.
Lit.:
Karl Kurt
Klein:
Professor
Otto
Folberth.
In: Südostdeutsche
Heimatblätter,
München,
1956, S.
159-161;
Oskar
Wittstock:
Otto
Folberth.
Zum 70.
Geburtstag.
In:
Südostdeutsche
Vierteljahresblätter.
München
1966, S.
1-8; Rotraut
Sutter:
Siebenbürger
Sachsen in
Österreichs
Vergangenheit
und
Gegenwart.
Innsbruck,
1976, S.
49-52.
Johann
Wolfgang von
Goethe-Stiftung.
Verleihung
der Wolfgang
Amadeus
Mozart-Medaille
an Prof. Dr.
Otto
Folberth,
Salzburg,
18. Feb.
1981 (mit
Laudatio von
Dr. Anton
Schwob und
autobiographischer
Dankrede von
O. Folberth).
Michael
Kroner
(1986)