Unter den
zahlreichen
deutschen
Pfarrerssöhnen,
die von
Gryphius bis
Gottfried
Benn zu
literarischem
Ruhm
gelangten,
weist Georg
Forster die
bestürzendste
Fallhöhe
auf: vom
berühmten
Weltreisenden
und weithin
bewunderten
Schriftsteller
zum
Hochverräter
als Mainzer
Revolutionär.
So
jedenfalls
betrachteten
ihn die
meisten
bisherigen
Freunde,
wenn seine
Aktivitäten,
das
revolutionäre
Mainz an die
französische
Republik
anzuschließen,
zur Debatte
standen. Die
Folgen
dieser
Ächtung sind
bis heute
wirksam. Im
kulturellen
Gedächtnis
der breiten
Öffentlichkeit
existiert
Forster
praktisch
nicht.
Differenziertere
Urteile über
Person und
Werk gab es
nach
Bekanntwerden
seiner
Einstellung
zur
Französischen
Revolution
unter den
Zeitgenossen
nur
vereinzelt.
Am
gewichtigsten
dürfte die
Charakteristik
des jungen
Friedrich
Schlegel
sein, die er
1797 (drei
Jahre nach
Forsters
Tod)
veröffentlichte.
Der führende
Programmatiker
der
Frühromantik
stellt vor
allem
Forsters
Kunst
heraus, die
Menschen am
vielfachen
Fortschritt
der Epoche
teilnehmen
zu lassen:
Forsters
Schriften
„vollständig
zergliedern,
hieße den
Begriff
eines in
seiner Art
vortrefflichen
gesellschaftlichen
Schriftstellers
entwickeln.
Und in
weltbürgerlicher
Rücksicht
stehen
diese, deren
Bestimmung
es ist, alle
wesentlichen
Anlagen des
Menschen
anzuregen,
zu bilden
und wieder
zu
vereinigen,
oben an.
(... ).
Weltbürgerliche,
gesellschaftliche
Schriften
sind also
ein ebenso
unentbehrliches
Mittel und
Bedingnis
der
fortschreitenden
Bildung, als
eigentlich
wissenschaftliche
und
künstlerische.“
(S. 91).
Der hier als
Kosmopolit
charakterisierte
Schriftsteller
kannte in
der Tat die
Welt wie
kein anderer
deutscher
Autor des
Aufklärungszeitalters
und der
anschließenden
Goethezeit.
Und der
Begriff der
Weltliteratur
ist ihm
nicht nur
selbstverständlich,
lange bevor
Goethe ihn
einforderte,
sondern ist
darüber
hinaus
anthropologisch
grundiert in
einer Weise,
die in der
deutschen
Literatur
einzigartig
genannt
werden muß.
Friedrich
Schlegel hat
es in seinem
großen
Forster-Essay
auf den
Punkt
gebracht:
„Nie
beschäftigt
er die
Einbildungskraft,
das Gefühl
oder die
Vernunft
allein: er
interessiert
den ganzen
Menschen.
Alle
Seelenkräfte
aber in sich
und andern
gleich sehr
und
vereinigt
auszubilden;
das ist die
Grundlage
der echten
Popularität,
welche nicht
bloß in
konsequenter
Mittelmäßigkeit
besteht.“
(S. 82). Die
Quintessenz
des Daseins
und Wirkens
von Georg
Forster aber
hat Schlegel
prägnant in
die Formel
gefaßt: „ein
echter
Weltbürger,
deutscher
Herkunft.“
Zunächst
jedoch
deutete
nichts auf
Spektakuläres.
Geboren als
ältestes von
sieben
Kindern des
Dorfpfarrers
Johann
Reinhold
Forster in
Nassenhuben
bei Danzig,
damals
Preußisch-Polen,
war dem
Erstgeborenen
ein eher
bescheidener
Lebensweg
vorgezeichnet.
Der Vater,
ein begabter
Naturwissenschaftler
und ein
Sprachgenie
(nach
eigenen
Angaben
beherrschte
er siebzehn
Sprachen),
verhehlte
nie, daß
eine
Landpfarre
nicht die
ihm
angemessene
Wirkungsstätte
war. Bei
Auseinandersetzungen
zwischen dem
adeligen
Herrn und
den Bauern
stellte er
sich jedoch
auf deren
Seite. Sein
nur 39 Jahre
währendes
Leben lang
wird Georg
Forster
immer wieder
in ein
Wechselbad
der Gefühle
getaucht
werden, was
das
Verhältnis
zu seinem
Vater
anbelangt.
Er kann den
Sohn
begeistern
für die
Erkundung
fremder
Völker, aber
auch
zermürben
mit den
ständigen
Vorhaltungen,
für die
Tilgung
seiner kaum
je
aussetzenden
Schulden zu
sorgen. Das
Verhältnis
zwischen
beiden
bleibt
kompliziert.
Eine
reguläre
Schule hat
Georg
Forster nie
besucht.
Sein Vater
unterweist
ihn zu Hause
– nicht
unbedingt im
Sinne des
üblichen
Elementarunterrichts,
viel eher
den Blick
auf die
Naturvorgänge
und die
Stellung des
Menschen in
der Welt
lenkend.
Hier werden
die
Grundlagen
gelegt für
den
künftigen
Kulturanthropologen,
den
beispielsweise
Alexander
von Humboldt
als seinen
Lehrmeister
bezeichnen
wird. In der
tiefsten
Provinz
Preußisch-Polens
wächst unter
der Regie
eines
eigenwilligen
Vaters nicht
nur „der
unprovinziellste
aller
deutschen
Denker“
(Gordon A.
Craig)
heran,
sondern auch
einer, für
den Denken
ohne Handeln
unvorstellbar
ist. Eine
seltene
Erscheinung
auch in
deutschen
Zentren.
Die ersten
24
Lebensjahre,
also
Kindheit,
Jugend und
frühes
Mannesalter,
verbringt
Forster
nahezu ganz
außerhalb
Deutschlands:
in Rußland,
England und
bei der
Weltumseglung
mit James
Cook. Erst
Ende
November
1778 kehrte
er in ein
für ihn im
Grunde
fremdes Land
zurück, um
in Kassel
für einige
Jahre am
Collegium
Carolinum zu
lehren. Was
er bis dahin
erlebt und
geleistet
hatte, war
mehr als
genug, um
ihn zu einer
allseits
gefragten
und
geachteten
Berühmtheit
zu machen.
Genugtuung
vermochte er
darin
letztlich
nicht zu
finden. Mit
aller
Leidenschaft,
die ihm auch
als
Vatererbe
eignete,
strebte er
eine
kosmopolitische
Erziehung
der
Deutschen
an.
Hochqualifiziert
dafür war er
jedenfalls.
Als der
Vater 1765
den Auftrag
erhielt,
über die von
der Zarin
Katharina
II.
neugegründeten
deutschen
Siedlungen
an der Wolga
ausführlich
zu
berichten,
bat er sich
die
Begleitung
des
zehnjährigen
Georg aus.
Eine Jugend
auf
Weltreisen
mit
Wissenschaftsanspruch
seitens des
Vaters
begann. Die
Trennung von
der Mutter
und den
Geschwistern
wurde für
den
Erstgeborenen
fortan der
Regelfall.
Die
Strapazen
der Reise
durch die
endlosen
russischen
Weiten für
den kleinen
Georg – die
über 700
Kilometer
von St.
Petersburg
nach Moskau
legten sie
in nur
fünfeinhalb
Tagen zurück
– standen
für den
ehrgeizigen
Vater nicht
zur Debatte.
Der Sohn war
vollauf in
den sehr
ernst
genommenen
Auftrag
einbezogen,
die
Situation
der
deutschen
Kolonisten
zu
begutachten.
Sechs
Kolonien
flußabwärts
am
westlichen
Wolga-Ufer
besuchten
die beiden
Forsters.
Die
Lageberichte
unterschlugen,
wie es dem
Charakter
Reinhold
Forsters
entsprach,
nichts. Ihre
Auswertung
und die
Anfertigung
einer
Denkschrift
nahmen
längere Zeit
in Anspruch.
Und so kam
der kleine
Georg zum
einzigen
Schulbesuch
seines
Lebens.
Sieben
Monate lang
besuchte er
die
Petrischule
der
evangelischen
Kirche in
St.
Petersburg.
Der
entscheidende
Ertrag der
erlebnisreichen
Rußland-Expedition
aber war die
aufkeimende
Lust an
naturwissenschaftlichen
und
ethnologischen
Arbeitsweisen,
die bei ihm
als dem
engsten
Mitarbeiter
seines
Vaters in
dieser Zeit
grundgelegt
wurde;
desgleichen
der Blick
für die
Lebensverhältnisse
der
Menschen.
Krasse
Ungerechtigkeit
erlebte er
unmittelbar.
Seinem Vater
wurde von
der
Petersburger
Verwaltung
der
zustehende
Lohn wie die
erwartete
Staatsstelle
vorenthalten.
Der mächtige
Woiwode von
Saratow, den
Reinhold
Forster der
Unterdrückung
der
Kolonisten
angeklagt
hatte,
konnte die
Bürokratie
der Zarin
auf seine
Seite
ziehen.
Verbittert
brach
Forster im
Herbst 1766
nach London
auf. Die
Familie in
Nassenhuben
besuchte er
nicht. Am 4.
Oktober 1766
gingen die
beiden
Forsters mit
einem
Kapital von
4 Pfund an
Land.
In London,
der
Welthauptstadt
des 18.
Jahrhunderts,
in
Warrington
und auf der
zweiten
Cookschen
Weltumseglung
verbrachte
Forster die
nächsten 12
Jahre seines
nicht allzu
langen
Lebens.
Diese Jugend
in England
hat ihn
zusammen mit
den
bisherigen
Erfahrungen
in Rußland
entscheidend
geprägt.
Nicht zum
wenigsten
verbesserte
er durch
Übersetzungen
russischer
und
deutscher
Texte ins
Englische
seine
diesbezüglichen
Sprachfähigkeiten.
Dringend
notwendig
waren sie
auch zur
Verbesserung
der
wirtschaftlichen
Lage der
Forsters.
Als der
Vater
bescheidene
Einnahmen in
Aussicht
hatte, ließ
er seine
Familie
nachkommen.
Im September
1768 sah
Georg
Forster nach
fast
dreieinhalb
Jahren seine
Mutter und
die
Geschwister
wieder.
Das sein
weiteres
Leben
maßgeblich
prägende
Ereignis war
jedoch, auch
nach
Forsters
Selbsteinschätzung,
die
Teilnahme an
der zweiten
Entdeckungsreise
von Kapitän
James Cook,
zu dessen
wissenschaftlichen
Berater die
Britische
Admiralität
1772
Reinhold
Forster
ernannt
hatte. Auf
der
dreijährigen
Weltreise,
die ins
südliche
Polarmeer
bis zu den
Oster-Inseln
und nach
Tahiti
führte,
konnte Georg
Forster
seine natur-
und
menschenkundlichen
Fähigkeiten
vollends
entfalten.
Die 1777 in
London
erschienene
Reisebeschreibung
„A Voyage
round the
World“
(1778-1780
zusammen mit
Rudolf Erich
Raspe ins
Deutsche
übertragen)
zählt auch
literarisch
zu den
Gipfelleistungen
der Gattung
Reiseliteratur.
Forster hat
hier zu der
für ihn
charakteristischen
Gestaltungsweise
gefunden:
der
Verbindung
von genauer
Natur- und
Menschenbeobachtung
mit einer
oftmals
geradezu
poetischen
Darstellung.
Unverkennbar
ist auch der
aufklärerische
Impuls, dem
lediglich
auf
Kenntnisvermittlung
oder
meistens
sogar nur
auf
Unterhaltung
ausgerichteten
Genre
philosophische
Tiefe zu
verleihen.
An den
wirkungsmächtigsten
Teilen des
Werkes, den
drei
„Hauptstücken“
über
Tahiti, ist
dies gut
ablesbar. In
Deutschland
wird
vornehmlich
der
Tahiti-Kenner
gerühmt.
Noch in
Mörikes
einzigem
Roman
„Maler
Nolten“
(1832) ist
dies beim
Entwurf der
„Orplid“-Welt
von
Bedeutung.
Forster war
eine
europäische
Berühmtheit
geworden und
einer der
meistgelesenen
Autoren. Die
wirtschaftliche
Lage der
Familie
blieb
prekär.
Auf der
Suche nach
einer
angemessenen
Stellung für
seinen von
England
enttäuschten
Vater kam
der
Vierundzwanzigjährige
Ende
November
1778
erstmals
nach
Deutschland.
Ein Land,
von dem er
nur gehört
und gelesen
hatte. Die
unerläßlichen
Kontakte für
seine triste
Mission fand
er (dank
seines Rufs)
rasch: in
Düsseldorf
lernte er
den
Philosophen
Jacobi
kennen, in
Göttingen
den
Altphilologen
Heyne und
traf hier
wieder mit
dem schon
von London
her
bekannten
Physiker
Lichtenberg
zusammen. In
Berlin wurde
er in 65
Häuser
eingeladen,
wo er u.a.
auf Nicolai,
Biester,
Spalding
oder Sulzer
stieß. In
Kassel
schließlich
erhielt er
selbst die
Stelle des
Professors
für
Naturgeschichte
am Collegium
Carolinum,
da sie wegen
der zu
geringen
Bezahlung
für den
Vater nicht
in Frage
kam. Für ihn
wird er erst
1780 eine
Professur in
Halle
erbitten
können. Erst
von da an
ist der
sechsundzwanzigjährige
Forster
halbwegs
frei.
In den
Kasseler
Jahren
(1778-1784)
fallen die
Nachtseiten
der
Begeisterungsfähigkeit
Forsters
auf. Der
Anatom
Soemmerring
warb ihn für
den Orden
der
Rosenkreuzer.
Unter dem
Ordensnamen
„Bruder
Amadeus“
zählte
er zum
engsten
Zirkel jener
Eingeweihten
aus der Loge
„Zum
gekrönten
Leben“, die
der prima
materia
wahre
Wunder
entlocken
wollten: der
Urstoff
sollte sich
nach Maßgabe
geheimnisvoller
Rezepturen
in einem
Moment der
Offenbarung
in Silber
und Gold
verwandeln
lassen,
desgleichen
vermöchte
die
„Universal-Medizin“
alle
Krankheiten
zu heilen
und dem
Menschen
ewige Jugend
zu schenken.
Der
Naturwissenschaftler
und exakte
Menschenbeobachter
ist nicht
mehr zu
erkennen.
Nächtelang
steht er mit
seinem
Freund und
Logenbruder
Soemmerring
in der
chemischen
Küche bei
unglaublichen
und überdies
gefährlichen
Experimenten.
Nächtelang
ringt er im
Gebet um
Erleuchtung.
Die
Teilnahme an
90 Sitzungen
seiner Loge
während
dieser Jahre
ist
protokolliert.
Ein
überzeugter
Aufklärer
sieht anders
aus.
Zumindest
die
Radikalität,
mit der er
sich dem
Mystizismus
des Kasseler
Kreises
hingibt,
irritiert.
Bedenkenlos
wird er sich
zunächst
auch gegen
Ende seines
kurzen
Lebens der
revolutionären
Sache in
Mainz
verschreiben,
womit er das
Wohlwollen
seiner
besten
Freunde aus
den Kasseler
Jahren
verspielte.
Jacobi,
Nicolai,
Soemmerring
und
Lichtenberg
wandten sich
ab.
In Kassel
schaffte er
jedoch auch
die Wende.
Großenteils
aus eigener
Kraft, indem
er seine
seriöse
wissenschaftliche
Arbeit
wieder
aufnahm. Die
Abhandlung
„Vom
Brodbaum“
(1784)
zeigt
Forster von
seiner in
ganz Europa
gerühmten
Seite: die
naturkundlichen
Forschungen
sind
umweglos in
den Dienst
des Menschen
zu stellen.
Grundsätzlich
berührt sich
diese
Humanität
mit der
Herders.
Dessen
„Ideen zur
Philosophie
der
Geschichte
der
Menschheit“
(1784)
stießen denn
auch
Forsters
Absprung von
der
Rosenkreuzer-Schwärmerei
entscheidend
mit an. Dazu
kamen
Mißhelligkeiten
in der
Kasseler
Loge selbst.
Ende 1783
erklärte er
seinen
Austritt. Es
war ihm
wichtig, wie
er Jacobis
Schwester
Helene
schrieb, daß
dieser
Schritt noch
vor seinem
30. Jahr
erfolgte.
Als sich
1784 die
Möglichkeit
ergab, an
die neue
Universität
im
polnischen
Wilna zu
gehen, nahm
er (ohne
große
Begeisterung)
an. Bevor er
dort antrat,
reiste der
wiedererstandene
aufklärerische
Humanist
fünf Monate
durch
Mitteleuropa.
Wichtigste
Station war
Wien. Hier
erlebte
Forster eine
kurze Zeit
eines nahezu
ungetrübten
und ihm
bislang
unbekannten
Glücks: im
Umgang mit
charmanten
Wienerinnen,
bei
Theaterbesuchen
oder bei
wissenschaftlichen
Gesprächen
in der
Atmosphäre
der
kultivierten
Wiener
Geselligkeit.
Eine
Konzentration
aller
Vorzüge der
euphorischen
Gesamtstimmung
in Wien
während der
ersten
Regierungsjahre
von Joseph
II. stellten
für Forster
die
Sitzungen
und Bankette
der Wiener
Freimaurerlogen
dar. (Vom
Druck der
Kasseler
Rosenkreuzer
fand sich
hier
nichts.).
Und der
Josephinismus
mit seinen
enervierenden
Schikanen
blieb ihm
erspart.
Wilna
stellte sich
rasch als
Enttäuschung
heraus.
Weder die
Universität
mit ihren
Dozenten und
Studenten
noch die
gesellschaftliche
Atmosphäre
der weit im
Osten
gelegenen
Stadt
entsprachen
den
Ansprüchen
Forsters.
Überdies
löste die
polnische
Regierung
einen
Großteil
ihrer
Zusagen bei
seiner
Berufung
nicht ein.
Eine
Erleichterung
bedeutete
zunächst die
Heirat mit
Therese, der
Tochter des
berühmten
Göttinger
Altphilologen
Christian
Gottlob
Heyne, die
er als seine
Frau 1785 in
die weit vom
europäischen
Geistesleben
abgelegene
Stadt holen
konnte. Die
anspruchsvolle
und
kapriziöse
Heyne-Tochter
wird jedoch
alles andere
als sein
persönliches
Glück
befördern.
Ihre eigene
Bewertung
der Ehe mit
Forster
enthält der
Brief vom
22. Januar
1794 an
ihren Vater,
worin sie
den Tod
ihres Mannes
meldet:
„Unsere
Verbindung
war ein
Rätzel des
Schicksals –
acht Jahr
lang ist
sein Glück
das
heiligste
Geschäft,
der
sehnlichste
Wunsch
meines
Lebens
gewesen, und
nie gelang
er, ewig
stand er mit
meiner Ruhe,
mit meiner
erträglichen
Existenz im
Streit.“
Diese
Verbindung
objektiv
darzustellen,
ist
schwierig.
In den
Wilnaer
Jahren
gewinnt
jedoch
Forsters
Welt- und
Menschenbild
weiter an
Profil. Es
ist das
eines
Unzeitgemäßen.
In dem 1788
entstandenen
Essay „Ueber
leckereyen“
(eine
der
zahlreichen
kleineren
Arbeiten,
die jeweils
einen
unstrapaziösen
Einblick in
Forsters
Denken
ermöglichen)
wird als
Resultat
aller
humanistischen
Bemühungen
nicht
Rousseaus
„Zurück zur
Natur“
angepeilt,
sondern der
„verfeinerte
Mensch“ in
einem
„gesitteten
Leben“. Die
Abhandlung
wendet sich
ebenso gegen
die
moralphilosophische
Maxime des
Entbehrens
wie gegen
den Genuß
als
alleinigen
Lebensinhalt.
Daseinsfreude
und
Sinnenerlebnis
sind
vielmehr
unlösbar mit
fortschreitender
Humanisierung
verbunden.
Nur auf
dieser
Grundlage
ist eine
zunehmend
würdigere
Lebensgestaltung
und höhere
Kultur
insgesamt
möglich. Das
ist ein
Kontrastprogramm
zur Weimarer
Klassik,
berührt sich
aber
vielfach mit
Herders
Anthropologie.
Ein
Lichtblick
in der
geistig-gesellschaftlichen
Öde von
Wilna ist
1787 ein
russisches
Angebot, die
naturwissenschaftliche
Leitung
einer
anvisierten
vierjährigen
Weltumseglung
zu
übernehmen.
Durch den
russisch-türkischen
Krieg im
Herbst 1787
zerschlägt
sich (wieder
einmal) das
Vorhaben.
Forster
konnte
gleichwohl
Wilna
verlassen
und nach
Göttingen,
der Heimat
Thereses,
übersiedeln,
da man ihm
generös die
russischen
Vorschüsse
überließ.
Forster war
erstmals
schuldenfrei.
Bei diesem
einen Mal
blieb es
auch.
Die Suche
nach einer
neuen
Position
endete mit
der
Übernahme
der Stelle
eines
Bibliothekars
an der
Universität
Mainz, die
der
Schweizer
Historiker
Johannes von
Müller 1788
freigemacht
hatte durch
seinen
Eintritt in
die
Regierung
des Mainzer
Kurfürsten
Friedrich
Karl Joseph
von Erthal.
Der
protestantische
Pfarrerssohn
und radikale
Aufklärer im
rundum
katholischen
Mainz: und
dazu noch
als
Bibliothekar!
Der Ausweg
ist erneut
die
intensive
schriftstellerische
Tätigkeit.
Forster
richtete in
den Mainzer
Jahren sein
Interesse
über die
Naturwissenschaften
hinaus auf
Kunst,
Geschichte
und Politik.
Ein
Schlüsseltext
dieser Zeit
ist das
„Fragment
eines
Briefes an
einen
deutschen
Schriftsteller,
über
Schillers
Götter
Griechenlands.“
Ein
aufschlussreicher
Text über
Forsters
politische
und
ästhetische
Ansichten
und überdies
eine
Verteidigung
Schillers
gegen
Friedrich
Stolberg.
Die als
Erholung vom
Bibliotheksdienst
gedachte
dreimonatige
Rheinreise
mit
Alexander
von Humboldt
im Frühjahr
1790
zeitigte
Forsters
zweites
Hauptwerk:
„Ansichten
vom
Niederrhein,
von Brabant,
Flandern,
Holland,
England und
Frankreich
im April,
Mai und
Junius
1790.“
Der
Druck des
Werkes
verzögerte
sich. Band 1
und 2
erschienen
1791 bzw.
1792. Band 3
wurde nie
fertig. Die
revolutionäre
Lage in
Mainz und
Forsters
eigenes
Engagement
im örtlichen
Jacobinerclub
kamen
dazwischen.
Nachdem im
Oktober 1792
eine
französische
Armee unter
Custine
Mainz
besetzt
hatte, war
die
Französische
Revolution
im Rheinland
angekommen.
Georg
Forster
konnte nun,
was er in
seinen
Schriften
oft genug
für
unverzichtbar
erklärt
hatte, vom
Denken zum
Handeln
schreiten.
In rascher
Folge wird
er Berater
des
französischen
Besatzungskommandanten,
erfolgreicher
Agitator in
den
ländlichen
Gebieten um
Mainz und im
März 1793
einer der
drei
Beauftragten
nach Paris,
um der
Nationalversammlung
den Anschluß
des zur
Republik
erklärten
Gebietes
zwischen
Speyer und
Bingen an
Frankreich
vorzutragen.
Von dieser
Reise nach
Paris ist
Forster
nicht mehr
zurückgekehrt.
Mitte 1793
eroberten
die
verbündeten
Mächte Mainz
zurück. Der
Weltbürger
Georg
Forster war
in jeder
Hinsicht
heimatlos
geworden.
Auf seinen
Kopf waren
100 Dukaten
ausgesetzt.
Seine Frau
Therese war
mit den
Kindern um
die
Jahreswende
nach
Neuchâtel in
der Schweiz
gezogen, die
für Forster
damals
unzugänglich
war. Ihr
künftiger
Gatte Ludwig
Ferdinand
Huber (zehn
Jahre jünger
als Forster)
folgte ihr
dorthin. Der
Mainzer
Revolutionär
Georg
Forster
starb am 10.
Januar 1794
(39 Jahre
alt) in
einem
Revolutionsquartier
in der Rue
des moulins.
– Sein Werk
harrt noch
in
wesentlichen
Teilen der
kompetenten
Darstellung
und
Interpretation.
Lit.:
Ausgaben:
Georg
Forsters
Werke.
Sämtliche
Schriften,
Tagebücher,
Briefe.
Hrsg. von
der
Deutschen
Akademie der
Wissenschaften
zu Berlin,
Berlin 1958
ff.;
Einzelausgaben:
Georg
Forster:
Reise um die
Welt. Hrsg.
von Gerhard
Steiner,
Frankfurt/M.:
Insel 1983
(= it 757) –
Georg
Forster:
Ansichten
vom
Niederrhein.
Hrsg. von
Ulrich
Schlemmer,
Stuttgart/Wien
1989. –
Friedrich
Schlegel:
Charakteristiken
und Kritiken
1
(1796-1801).
Hrsg. von
Hans
Eichner,
München u.a.
1967 (=
Kritische
Friedrich-Schlegel
Ausgabe,
Zweiter
Bd.). –
Gerhard
Steiner:
Georg
Forster,
Stuttgart
1977 (= SM
156). –
Gordon A.
Craig: Die
Politik der
Unpolitischen.
Deutsche
Schriftsteller
und die
Macht
1770-1871,
München
1993. –
Klaus
Harpprecht:
Georg
Forster oder
Die
Liebe zur
Welt. Eine
Biographie,
Reinbek 1990
( = rororo
12634).
Bild:
Gemälde
von Johann
Heinrich
Wilhelm
Tischbein,
1782.
Frankfurt/Main,
Museum für
Völkerkunde/Archiv
für Kunst
und
Geschichte,
Berlin.
Walter
Dimter