Georg
Forster
stammt aus
dem Danziger
Werder.
Seine
Heimatdörfer
Nassenhuben
(hochdeutsch
auch
Nassenhof)
und Hochzeit
liegen etwa
zwölf
Kilometer
südöstlich
von Danzig
an der
Mottlau. An
der
Patronatskirche
in
Nassenhuben
war Forsters
Vater,
Johann
Reinhold
Forster
(geboren
1729 in
Dirschau),
seit 1753
reformierte
Pfarrer; der
Sohn ist im
Pfarrhaus in
Hochzeit
geboren. Die
Familie war
schottischer
Herkunft und
lebte seit
der Mitte
des 17.
Jahrhunderts
in
Polnisch-Preußen.
Mehrere
ihrer
Mitglieder
waren
Bürgermeister
von Dirschau
gewesen,
Kaufleute,
studiert,
teilweise
auch mit
wissenschaftlichen
Interessen.
Georgs Vater
machte diese
neben der
Theologie zu
seiner
Profession.
Er hatte
das
Joachimsthal
sehe
Gymnasium zu
Berlin
besucht
sowie in
Halle
studiert und
bekam
schließlich
ebendort
eine
Professur
für
Naturgeschichte
und
Mineralogie
übertragen
(gestorben
im Dezember
1798).
Im Gegensatz
zu seinem
Vater (von
dem er
zeitlebens
nicht
wirklich
frei
geworden
ist) erfuhr
George
Forster
niemals eine
methodische
Ausbildung;
im übrigen
war er - bei
all seinen
großen
Kenntnissen
- eher
Publizist
und
Schriftsteller
als
Gelehrter.
Er folgte
seinem
Vater, der
auf der
Suche nach
beruflicher
Befriedigung
aus seinem
Pfarrerdasein
herausdrängte,
in sehr
jungen
Jahren nach
Rußland und
später nach
England.
1772 bis
1775 nahm er
mit ihm an
der zweiten
Entdeckungsreise
James Cooks
teil. Danach
machte er
sich in
England
sofort an
die
Niederschrift
eines
Reiseberichtes,
der 1777 in
London in
zwei Bänden
unter dem
Titel A
voyage round
the world
erschien
(deutsch
1778/80) und
in seiner
realistischen,
aber auch
romantisierenden
Schilderung
von Mensch,
Gesellschaft,
Natur und
Landschaft,
die
Einflüsse
Rousseaus
und Buffons
verriet,
seinen
literarischen
und
wissenschaftlichen
Ruf
begründete.
1778
erlangte
Forster eine
Professur
für
Naturgeschichte
an der
Ritterakademie
(Carolinum)
in Kassel,
die ihn
freilich
gänzlich
unbefriedigt
ließ; sein
einziger
Trost
bestand
darin, mit
dem Pferd in
knapp sechs
Stunden die
Universitätsbibliothek
in Göttingen
erreichen zu
können. 1784
folgte er
einem Ruf an
die
Universität
Wilna. 1785
heiratete er
Therese
Heyne, eine
Tochter des
an der
Universität
Göttingen
wirkenden
Altphilologen
Heyne.
Forster
behagte es
indessen in
Polen und
speziell an
der
ehemaligen
Jesuitenuniversität
Wilna nicht.
Er ließ sich
daher 1787
von der
Zarin
Katharina
dazu
verpflichten,
als
Wissenschaftler
an einer
Weltreise
teilzunehmen
(wobei er
auch
aufgehäufter
Schulden
ledig
wurde);
allerdings
kam das
Unternehmen
infolge des
im selben
Jahre
ausgebrochenen
russisch-türkischen
Krieges
nicht
zustande. So
trat er 1788
als
Universitätsbibliothekar
in den
Dienst des
Kurfürsten
von Mainz.
Eine mit
Alexander
von Humboldt
im Frühjahr
1790
unternommene
Reise
verewigte er
in seinem
dreibändigen
(unvollendet
gebliebenen)
Werk
Ansichten
vom
Niederrhein,
von Brabant,
Flandern,
Holland,
England und
Frankreich
im April,
Mai und Juni
1790,
das zwischen
1791 und
1794 in
Berlin
erschien. In
ihm kamen
Forsters
deutscher
Stil (seine
Muttersprache
war deutsch,
der Vater
korrespondierte
mit ihm
immer
englisch)
und seine
schriftstellerische
Begabung
voll zur
Entfaltung.
Forsters
Sprache ist
anschaulich,
bildhaft;
seine
Beschreibung
steht mit
romantischen,
fast
impressionistischen
Schilderungen
bei
unverkennbarem
Festhalten
am
klassizistischen
Kunstideal
am Beginn
moderner
Landschafts-
und
landeskundlicher
Darstellung.
Die berühmt
gewordene
Schilderung
des Kölner
Doms ist die
erste eines
gotischen
Innenraumes.
Sie sollte
wesentlich
zur
Wiederentdeckung
der Gotik
(die Forster
vor allem
aus England
kannte)
beitragen.
Im übrigen
hat Forster
literarisch
durch
zahllose,
oft über den
jeweiligen
Anlaß
hinausgreifende
Rezensionen
in den
führenden
Publikationsorganen
seiner Zeit
auf das
Publikum
gewirkt.
Hinzu traten
philosophische,
ästhetische
und
literarische
Aufsätze
sowie
Arbeiten zur
Länder- und
Völkerkunde
und
Naturgeschichte.
Von Rang ist
auch der
Übersetzer
Forster. Von
Interesse
sind ferner
seine 1793
erschienenen
Erinnerungen
aus dem Jahr
1790,
ein
Gedenkbuch
auf das
nämliche
Jahr mit
Nachrichten
über
Ereignisse
und
Personen. Im
übrigen sind
Forsters
Briefe
(insbesondere
die aus der
Revolutionszeit)
wichtig, die
erstmals
1829 in
Leipzig,
herausgegeben
von seiner
Frau
Therese, die
selbst
schriftstellerisch
tätig war,
in zwei
Bänden
erschienen.
In Mainz
wurde
Forster aus
Begeisterung
für die
Französische
Revolution
zum
Politiker
und trat
nach der
Einnahme der
Stadt durch
französische
Truppen im
Herbst 1792
in den
dortigen
Jakobinerklub
ein. Er
wurde dessen
bewegender
Geist und am
l. Januar
1793 dessen
Präsident
sowie im
folgenden
Vizepräsident
des
„Rheinisch-Deutschen
Nationalkonvents“,
als dessen
Abgesandter
er nach
Paris
reiste, um
den Anschluß
der im März
1793
gegründeten
„Rheinischen
Republik“ an
Frankreich
zu
betreiben.
Er empfand
sich zu
dieser Zeit
als
Franzose,
vertrat
einen
radikalen
Republikanismus
mit einer
Tendenz zum
Terrorismus
im Sinne
Dantons und
Robespierres
und einen
weltverbessernd-humanitären
Moralismus
mit
utopischem
Einschlag.
Indessen
entrissen
preußische
Truppen im
Sommer 1793
Mainz den
Franzosen
wieder, so
daß Forster,
zumal er
unter die
Reichsacht
gefallen
war, kein
Zuhause mehr
hatte. Zudem
verlangte
seine Frau,
die er aus
Sicherheitsgründen
mit den
Kindern nach
Straßburg
geschickt
hatte, von
wo sie
jedoch nach
Neuenburg in
der Schweiz
gegangen
war, die
Scheidung,
was auf eine
seit
längerem
wirksame
Entfremdung
der
Ehegatten
zurückging.
Sie verband
sich, ohne
daß es zu
einer
förmlichen
Trennung von
Forster
gekommen
wäre, nach
dessen Tod
mit einem
Hausfreund
der Familie,
den
Schriftsteller
Ludwig
Ferdinand
Huber (1764
- 1804). Die
Katastrophe
in Forsters
Leben
bestand aber
darin, daß
er an der
Französischen
Revolution
irre
geworden war
und so seine
republikanischen
Ideale
zerstört
sah. In
einem Brief
vom 16.
April 1793
an seine
Frau, zu der
er trotz
ihres
Scheidungsbegehrens
ein
vertrauensvolles
Verhältnis
unterhielt,
schrieb er:
„O, seitdem
ich weiß,
daß keine
Tugend in
der
Revolution
ist, ekelt
mich's an.
Ich konnte
fern von
aller
idealistischen
Träumerei
mit
unvollkommnen
Menschen zum
Ziele gehen,
unterwegs
fallen, und
wieder
aufstehen,
und wieder
gehen. Aber
mit Teufeln,
und
herzlosen
Teufeln, wie
sie hier
alle sind,
ist es mir
eine Sünde
an der
Menschheit,
an der
heiligen
Mutter Erde
und an dem
Lichte der
Sonne.... Je
edler das
Ding und je
allmächtiger,
desto
fürchterlicher
und
teuflischer
ist der
Mißbrauch.
Brand und
Ueberschwemmung,
die
schädlichen
Wirkungen
von Feuer
und Wasser,
sind nichts
gegen das
Unheil, das
die Vernunft
stiften wird
- wohl zu
merken, die
Vernunft
ohne Gefühl,
wie sie nach
den
Merkmahlen
dieser Zeit
uns
bevorsteht,
...“
Politisch
und
menschlich
gescheitert,
beschloß
Forster,
nach Indien
zu gehen,
und widmete
sich dem
Studium der
morgenländischen
Sprachen.
Doch da
setzte nach
einer
allgemeinen
Schwächung
wahrscheinlich
eine
Lungenentzündung
seinem
unglücklichen,
oft
gequälten
Leben ein
Ende.
Forsters
Name und Ruf
sind in
Deutschland
rasch
verblaßt.
Die lobenden
Stimmen
Friedrich
Schlegels
und
Gervinus'
fanden auf
die Dauer
kein Gehör.
Forster, an
dessen
Andenken
nicht
zuletzt der
Makel des
Vaterlandsverrats
haftete,
galt bald
weithin
nicht mehr
als der
klassische
Prosaist,
als den ihn
Schlegel in
seinem
berühmten
Porträt vom
Frühjahr
1797
bezeichnet
hatte. Denn
man meinte,
wie der
Historiker
und
Publizist
Alfred Dove
1878
schrieb,
„aus der
orientierenden
Ferne
deutlich die
Gebrechen
seines
Stils“ zu
erkennen,
„in denen
sich die
unfertige,
tiefbegründeter
Einheit
entrathende
Natur des
Mannes
widerspiegelt,
jene
Ungleichheit
der
Behandlung
und selbst
des
Ausdrucks,
welche
flache
Arbeit mit
übertriebenem
Hochrelief
abwechseln
läßt, jene
bloße
Vermengung
anstatt
innerer
Verbindung
der
Gedankenstrenge
mit der
Gefühlswärme.“
Auch
Schlegel
hatte an ihm
„die
gewaltige
Selbständigkeit
der
schöpferischen
Kraft“
vermißt,
„ohne die es
unmöglich
ist, ein
großes
wissenschaftliches,
künstlerisches
oder
geschichtliches
Werk zu
vollenden.“
Doch kam
Forster
seiner
Meinung nach
kein
deutscher
Prosaist „an
Weltbürgerlichkeit,
an
Geselligkeit“
auch nur
nahe, an
„universeller
Empfänglichkeit
und
Ausbildung“.
Schlegel
dürfte damit
das
Bleibende an
Forster
berührt
haben; er
ist darin
jedenfalls
von der
modernen
Forster-Forschung
bestätigt
worden, die
auf dem
entscheidenden
Umstand
aufbauen
konnte, daß
Forsters
Werk heute
in einer
philologisch
gesicherten
Gestalt
vorliegt.
Daß es eine
Forster-Forschung
und eine
Forster-Philologie
gibt, ist
dem
politischen
Interesse zu
danken, das
die DDR an
Forster
nahm, den
sie zu einem
ihrer
Ahnherren
erkor. Sie
setzte ihm
mit einer
(nunmehr vor
dem Abschluß
stehenden)
fast
zwanzigbändigen
historisch-kritischen
Ausgabe
seiner Werke
ein Denkmal.
Im Lichte
dieser
politischen
Inanspruchnahme
sind
gewisse,
auch mit
Hilfe alter
Ostberliner
Kader
unternommene
Versuche,
die Mainzer
Republik,
die doch nur
mit Hilfe
französischer
Bajonette
bestehen
konnte, als
„Wiege der
Demokratie“
in
Deutschland
erscheinen
zu lassen,
von einiger
Fragwürdigkeit.
Der
literarische
Rang
Forsters
bleibt davon
unberührt.
Werke:
Georg
Forsters
Werke.
Sämtliche
Schriften,
Tagebücher,
Briefe; hrg.
v. der
Berlin-Brandenburg.
Akad. der
Wiss., 18
Bde., Berlin
1958ff. -
Georg
Forster.
Werke in
vier Bänden,
hrg. v. G.
Steiner,
Frankfurt a.
M. 1967 -
1971.
Lit.:
H. Fiedler:
G.-F.-Bibliogr.
1767 - 1970,
Berlin 1971.
- S.
Merz-Horn:
G.-F-Bibliogr.
1971 - 1989,
in: Georg
Forster. Die
Kasseler
Jahre,
Kassel 1990,
S. 154 -174.
- G. M.
Bertschinger:
The
Portraits of
Johann
Reinhold
Forster and
Georg
Forster.
A Catalog
with
Discussions
on the
Origin of
Each
Portrait,
Los Gatos
1988. - G.
Steiner:
Georg
Forster,
Stuttgart
1977 (Slg.
Metzler, Bd.
156). - Ders.:
Johann
Reinbold
Forsters und
Georg
Forsters
Beziehungen
zu Rußland,
in: Studien
z. Gesch.
der russ.
Lit.des 18.
Jahrhunderts,
Bd. 2,
Berlin 1968,
S. 245
-311,430
-450.-P.
Zincke: -
Georg
Forster nach
seinen
Originalbriefen,
2 Tle.,
Dortmund
1915. - K.
Kersten: Der
Weltumsegler.
Johann Georg
Adam
Forster.
1754 - 1794,
Bern 1957. -
L. Uhlig:
Georg
Forster.
Einheit und
Mannigfaltigkeit
in seiner
geistigen
Welt,
Tübingen
1965. - R.-R.
Wuthenow:
Vernunft und
Republik.
Studien zu
Georg
Forsters
Schriften,
Bad Homburg
v. d. H.,
Berlin,
Zürich 1970.
- K.
Harpprecht:
Georg
Forster oder
die Liebe
zur Welt.
Eine
Biographie,
Reinbeck
1987. - J.
C.
Beaglehole (Hrg.):
The Voyage
of the
Resolution
and
Adventure
1772- 1775,
Cambridge
1961 (The
Journals of
Captain
James Cook
on his
Voyages of
Discovery,
Bd. 2). - M.
E. Hoare (Hrg.):
The
Resolution
Journal of
Johann
Reinhold
Forster.
1772 - 1775,
4 Bde.,
London 1982.
- H. Scheel:
Die Mainzer
Republik
III. Die
erste
bürgerlich-demokratische
Republik auf
deutschem
Boden,
Berlin 1989.
- F. Dumont:
Die Mainzer
Republik von
1792/93.
Studien zur
Revolutionierung
in
Rheinhessen
und der
Pfalz, 2.,
erw. Aufl.,
Alzey
1993. - Die
Mainzer
Republik.
Der
Rheinisch-Deutsche
Nationalkonvent,
hrg. vom
Landtag
Rheinland-Pfalz,
Mainz 1993.Bild:
Stahlstich
(1854),
vermutlich
nach einem
Gemälde von
A. Graff
(1784,
verschollen)
Peter Mast