Als der
evangelische
Pfarrer
Johann
Reinhold
Forster mit
viel
Einsatz,
aber wohl
ohne große
Befriedigung
die
Patronatspfarre
Nassenhuben
in der
Danziger
Niederung
versah,
konnte er
nicht ahnen,
daß er ein
Jahrzehnt
später einer
der
bekanntesten
Naturforscher
der zweiten
Hälfte des
18.
Jahrhunderts
sein würde.
Seine beiden
Reisen an
die mittlere
Wolga und
mit Kapitän
Cook um die
südliche
Erdhalbkugel,
verbunden
mit seinem
übergroßen
Wissensdrang
und seinem
ungeheuren
Arbeitswillen
waren die
Voraussetzungen
dafür. Seine
und seiner
Familie oft
große
wirtschaftliche
Not war erst
gemildert,
als sein
Leben durch
die
Professur
für
Naturgeschichte
an der
Universität
Halle
(Saale) in
ruhigere
Bahnen
eingelenkt
war.
Johann
Reinhold
Forsters
Geburtshaus
stand am
Markt zu
Dirschau und
soll zur
Zeit des
Deutschen
Ordens
dessen
Komturei
gewesen
sein, muß
also – wie
es ein alter
Stich auch
zeigt – zu
den größten
Häusern des
Ortes gehört
haben.
Dieses Haus
erbte
Forster nach
dem Tode
seines
Vaters Georg
Reinhold
(1693 bis
1753),
verkaufte es
aber. Der
Vater war ab
1733
Bürgermeister
von Dirschau
gewesen. Die
Familie ist
offensichtlich
um die Mitte
des 17.
Jahrhunderts
aus
Schottland
in das
benachbarte
Neuenburg an
der Weichsel
eingewandert,
wo damals
mehrere
schottische
Kaufmannsfamilien
lebten. Die
Schule
besuchte
Reinhold
Forster
zunächst in
Marienwerder
und
wechselte
1745 an das
Joachimsthalsche
Gymnasium
nach Berlin,
wo er bis
1748 blieb.
Schon früh
zeigte sich
seine
Sprachbegabung,
jedoch auch
die Liebe
zur Natur,
die von
Kindheit an
in ihm
erwuchs, da
er nach
einer
Lähmung
seines
Vaters ab
1735 viel
Zeit auf den
Gütern
seines
Onkels
zubringen
durfte. Von
1748 bis
1751
studierte er
in Halle an
der Saale
Theologie,
Philosophie
und
Sprachen. Er
soll in
seinem Leben
17 Sprachen,
darunter
auch
Koptisch,
gelernt
sowie
Griechisch,
Lateinisch,
Hebräisch,
Französisch
und Englisch
nahezu
vollkommen
beherrscht
haben.
Von 1751 bis
1753 war
Forster
Pfarrer bei
den
Reformierten
in Danzig,
wo er als
Prediger
nicht
unbeachtet
blieb, so
daß er 1753
die
Patronatspfarre
in
Nassenhuben
an der
Mottlau,
etwa acht
Kilometer
südöstlich
von Danzig,
auf dem
Territorium
dieser
selbständigen
Stadt
erhielt.
Zwei
Abbildungen
seines
Wohnhauses,
die der
Danziger
Naturwissenschaftler
und
Schulmann
Friedrich
Strehlke
(über diesen
siehe OGT
1997, S.
225-231)
nach
Photographien
von Damme
anfertigen
ließ, sind
bis auf den
heutigen Tag
erhalten
geblieben.
Ein Jahr
später
heiratete
Forster
seine
Cousine
Justina
Elisabeth,
geb. Nicolai
(10.8.1726
bis
6.12.1804),
deren Vater
in
Marienwerder
„Kaufmann
und
Ratsverwandter“
war. Drei
Söhne und
vier Töchter
wurden dem
Ehepaar in
den Jahren
1754 bis
1765
geboren. Den
Unterricht
seiner
Kinder
übernahm er
teilweise
selber,
insbesondere
eignete er
sich
gemeinsam
mit seinem
ältesten
Sohn
hervorragende
Kenntnisse
in den
Naturwissenschaften
an. Dieser
Sohn, Johann
Georg
Forster
(über ihn
siehe OGT
1994, S.
13-18),
sollte als
Naturforscher,
Schriftsteller
und
Revolutionär
seinen Vater
an
Berühmtheit
vielleicht
noch
übertreffen.
Der Vater
wird als
eigensinnig
und
emotional
geschildert,
als jemand,
der sich
nicht
scheute, die
Interessen
seiner
Gemeindemitglieder
gegenüber
der
Gutsherrschaft
zu
vertreten.
Dennoch muß
er sich
nicht wohl
gefühlt
haben in der
Ausübung
seines
Berufes,
denn als
sich die
Möglichkeit
ergab, im
Auftrage der
Zarin
Katharina
II. eine
Rußlandreise
zu
unternehmen,
verließ er
Beruf und
Familie,
obwohl die
Geburt des
siebten
Kindes
unmittelbar
bevorstand
und die
wirtschaftlichen
Verhältnisse
nicht
besonders
gut waren.
Am 5. März
1765 reiste
er in
Begleitung
seines
gerade zehn
Jahre alten
Sohnes
Johann Georg
nach St.
Petersburg.
Im Auftage
der
russischen
Regierung
begab er
sich über
Moskau in
das
Wolgagebiet
bis nach
Saratow, um
die
Existenzgrundlagen
neu
angelegter
deutscher
Kolonien und
die sich
ihnen
bietenden
Entwicklungsmöglichkeiten
zu
untersuchen
und
Verbesserungsvorschläge
zu machen.
Von dieser
Reise und
einer
Exkursion in
die
„Kirgisensteppe“
sowie an den
salzhaltigen,
etwa 15
Meter unter
Meeresniveau
liegenden
Eltonsee
(etwa 150
Kilometer
nordöstlich
von Zarizyn,
heute
Wolgograd)
brachten die
beiden
Forsters
umfangreiches
und seltenes
naturwissenschaftliches
Material mit
nach St.
Petersburg.
Nach
mehreren
Monaten der
Sichtung und
Auswertung
der
Beobachtungen
kam Forster
zu einem für
den Woiwoden
von Saratow
recht
ungünstigen
Ergebnis:
Die
wolgadeutschen
Kolonisten
hatten eine
nur
mangelhafte
Ausstattung
erhalten und
mußten in
Umständen
leben, die
nicht
hingenommen
werden
konnten.
Doch der
russische
Regierungsausschuß
deckte den
Woiwoden;
Forster
erhielt
nicht nur
keine
Anerkennung
für seine
kritische
Stellungnahme
und seine
reichen
naturwissenschaftlichen
Ergebnisse,
auch die
versprochene
Bezahlung
wurde unter
wenig
stichhaltigen
Gründen
nicht in
voller Höhe
geleistet.
Tief
enttäuscht
und in
finanziellen
Schwierigkeiten
wandte
Forster sich
im August
1766 mit
seinem
ältesten
Sohn nach
England, da
seine
Pfarrstelle
in
Nassenhuben
neu besetzt
worden war.
Auf der
sechs Wochen
dauernden
Seefahrt,
auf der
Danzig
offenbar
nicht
berührt
wurde,
gerieten
Vater und
Sohn Forster
mehrmals in
Seenot. In
England
verdienten
sie ihren
Lebensunterhalt
durch einige
Übersetzungsarbeiten
und
schriftstellerische
Tätigkeiten,
die Forster
wohl schon
1769 die
Mitgliedschaft
in der Royal
Society
einbrachten.
Nachdem er
an der
Akademie in
Warrington
(zwischen
Manchester
und
Liverpool)
eine
Lehrtätigkeit
erhalten
hatte, ließ
er im
September
1768 seine
Familie
nachkommen,
die sich in
Nassenhuben
durch den
Verkauf des
Besitzes,
auch der
offenbar
recht
wertvollen
Bibliothek,
ernährt
hatte. Doch
auch in
Warrington
hielt es
Forster
nicht lange,
das geistige
Leben der
Großstadt
lockte ihn
zu sehr, so
daß die
Familie nach
London
verzog, wo
sich
allerdings
erneut
äußerst
schwierige
finanzielle
Verhältnisse
ergaben.
Daher sagte
Forster
sofort zu,
als ihn
Anfang Juli
1772 das
Angebot
erreichte,
Kapitän Cook
auf seiner
zweiten
Weltumsegelung
als
Naturwissenschaftler
zu
begleiten.
Seine
einzige
Bedingung
war, seinen
ältesten
Sohn als
Assistenten
mitnehmen zu
dürfen.
Johann
Georg,
hochbegabt,
aber
praktisch
ohne
Schulbildung,
war noch
keine 18
Jahre alt;
für ihn war
diese Reise
Schul- und
Universitätsbesuch
zugleich. Am
13. Juli
1772 stach
Cook mit den
beiden
Seglern
„Resolution“
und „Adventure“
und 119
Personen von
Spithead/Plymouth
aus in See,
am 30. Juli
1775
erreichte er
mit noch 115
Begleitern
England
wieder.
Beide
Forsters
führten
getrennt
voneinander
wissenschaftliche
Tagebücher
über die
naturwissenschaftlichen
Ereignisse
und
Ergebnisse
der
Expedition,
die sie
zweimal über
den
südlichen
Polarkreis
hinaus
führte und
die
Gewißheit
brachte, daß
der
sagenhafte
Südkontinent,
die „Terra
australis
incognita“,
nicht
existierte,
nachdem
Australien
und
Neuseeland
schon auf
der ersten
Cookschen
Reise
entdeckt
worden
waren.
Allerdings
sahen Cook
und seine
Begleiter
riesige
zusammenhängende
Eismassen,
die ihrem
Weg nach
Süden ein
Ende
bereiteten.
Zahlreiche
bisher
unbekannte
Pflanzen und
Tiere,
Menschen und
ihre
Gebräuche
und Sitten
wurden
entdeckt,
beschrieben
und
erforscht
und große
Mengen
naturwissenschaftlichen
Sammlungsgutes
in den
beiden
Schiffen
verstaut.
Unglaubliche
Strapazen
mußten die
Reisenden
auf sich
nehmen, aber
auch
unvergeßliche
Erlebnisse
und
Eindrücke,
so auf
Tahiti und
auf der
Osterinsel,
prägten sich
ihnen ein.
Nach der
Rückkehr
setzten sich
die Querelen
fort, die
Forsters
Leben bisher
begleitet
hatten: Die
Admiralität
erkannte das
Probemanuskript
seines
Reiseberichts
nicht an,
und aus
Enttäuschung
und Trotz
veranlaßte
er seinen
Sohn, unter
dessen
Namen, aber
wohl mit
Unterstützung
des Vaters,
einen
eigenen
Bericht
herauszugeben.
Nach
achtmonatiger,
überaus
intensiver
Arbeit, die
oft die
Grenzen
seiner
Gesundheit
überschritt,
stellte
Johann
Georg,
nunmehr 22
Jahre alt,
noch sechs
Wochen vor
der
Veröffentlichung
des
offiziellen
Berichts
durch Cook
einen
zweibändigen
Reisebericht
fertig: A
Voyage round
the world,
London 1777.
Dieses Buch
erregte
durch seine
glänzende
sprachliche
Form und
durch seine
gelungene
weltanschauliche
und
philosophische
Einbettung
der
zahlreichen
Erlebnisse
mit Menschen
und Natur
erhebliches
Aufsehen in
der
literarischen
und
naturwissenschaftlichen
Welt; noch
im selben
Jahr
erschien
eine
Übersetzung
ins
Deutsche.
Daß sich in
diesem
Zusammenhang
Fragen der
Urheberschaft
ergeben
haben, mag
hier nur
angedeutet
werden.
Vater und
Sohn Forster
wurden nach
ihrer Reise
und den
daraus
resultierenden
Veröffentlichungen
in ganz
Europa
bekannt und
als Experten
in allen
Fragen, die
die südliche
Erdhalbkugel
betrafen,
von
Gesellschaft
und
Wissenschaft
gesucht.
Dennoch
blieb die
wirtschaftliche
Situation
der Familie
zunächst
äußerst
schwierig.
Zwar erhielt
Georg
Forster 1778
mit knapp 24
Jahren eine
Professur
für
Naturgeschichte
in Kassel
und stand am
Beginn einer
glänzenden
Karriere,
doch gelang
es ihm erst
zwei Jahre
später, auch
für seinen
Vater eine
geeignete
Stelle zu
finden: Mit
der
Übernahme
der
Professur
für
Naturgeschichte
an der
Universität
Halle an der
Saale wurde
Johann
Reinhold
Forster aus
seinen
finanziellen
Nöten
gerettet.
Der
Lehrberuf
und seine
wissenschaftlichen
Arbeiten
verschafften
ihm
offensichtlich
Befriedigung.
Berichte
über weitere
Auseinandersetzungen
oder
finanzielle
Schwierigkeiten
blieben von
jetzt an
aus. In
Halle
gehörte er
zu den
anerkannten
Hochschullehrern.
Zu seinen
bleibenden
Verdiensten
gehört, daß
er – wie
übrigens
auch sein
Sohn – durch
seine
Veröffentlichungen
ganz
entscheidend
zur
Begründung
und
Ausgestaltung
einer
vergleichenden
Völker- und
Länderkunde
beitrug.
Seine Frau,
die in den
ersten 25
Jahren der
Ehe wohl ein
übergroßes
Maß an
Arbeit und
Leiden
tragen mußte,
überlebte
Forster um
sechs Jahre
und starb
1804 in
Halle.
Werke:
Neuentdeckte
Pflanzen.
(J. R.
Forster und
J. G.
Forster.
London und
Berlin
1776). Reise
um die Welt.
(Mitautor
1777). –
Bemerkungen
über
Gegenstände
der
physischen
Erdbeschreibung,
Naturgeschichte
und
sittliche
Philosophie
(1780,
deutsch
1783). –
Allgemeine
Geschichte
der
Entdeckungen
und
Schiffahrten
des Nordens
(1782).
Lit.:
Strehlke,
Friedrich:
Georg
Forster’s
Geburtsort.
In: Neue
Preußische
Provinzial-Blätter,
3. Folge, 8,
1861, S. 189
ff. – Mast,
Peter:
Johann
Georg(e)
Adam Forster
200.
Todestag
1754-1794,
in:
Ostdeutsche
Gedenktage
1994, Bonn
1993,
Kulturstiftung
der
deutschen
Vertriebenen.
–
Reisinger-Weber,
Jutta /
Siemon,
Rolf: Johann
Georg
Forster.
Ausstellungskatalog
des
Westpreußischen
Landesmuseums
im Schloß
Wolbeck,
Münster i.W.
1994. –
Steiner,
Gerhard:
Georg
Forster.
Werke in
vier Bänden.
1. Band,
Insel,
Leipzig
1967.
Hans-Jürgen
Kämpfert