Mit Kurt
Forstreuter
ging 1979
nicht nur
der letzte
Archivar
dahin, der
auf einen
langjährigen
Dienst im
Preußischen
Staatsarchiv
Königsberg
zurückblicken
konnte.
Gleichzeitig
endete ein
weiterer
Abschnitt
Königsberger
Archivgeschichte,
denn wenige
Wochen nach
seinem Tod
wurde mit
der
Verlagerung
der
Königsberger
Archivbestände
nach
Berlin-Dahlem
nach
25jährigem
Bestehen das
Staatliche
Archivlager
in Göttingen
aufgelöst,
das ganz
wesentlich
unter
Forstreuters
Einfluß
zunächst bis
1962 als
Direktor,
danach auch
in der Zeit
seines sog.
Ruhestandes
ein Zentrum
zur
Erforschung
der
Geschichte
des
Preußenlandes
gewesen war.
Forstreuter
war ein
Ostpreuße
Salzburger
Herkunft, in
Tilsit
machte er am
Realgymnasium
sein Abitur.
1916 begann
er in
Königsberg
das Studium
der
Germanistik
und
Geschichte,
wurde jedoch
bald Soldat,
setzte 1919
das Studium
zunächst in
Königsberg,
seit 1920 in
Berlin fort.
1923
promovierte
er bei dem
Germanisten
Julius
Petersen zum
Dr. phil.
Der
Bibliotheksdienst
blieb ihm
verschlossen,
daher nahm
er nach dem
philologischen
Staatsexamen
am
Vorbereitungskurs
der
preußischen
Archivverwaltung
in
Berlin-Dahlem
von
1925-1927
teil.
Seitdem
entwickelte
sich die ihn
auszeichnende
Hingabe für
den
Archivarsberuf,
den er in
seiner
Ostpreußischen
Heimat
ausüben
wollte. 1927
begann er
seinen
Dienst beim
Staatsarchiv
Königsberg,
1931 wurde
er zum
Staatsarchivrat
ernannt.
Neben
Archivdirektor
Max Kein (+
1949) wurde
er zur
tragenden
Säule des
Archivs.
Regional war
er für das
östliche
Ostpreußen
zuständig,
so daß er
die Bestände
„Kriegs- und
Domänenkammer
Königsberg"
und
„Regierung
Gumbinnen"
neben
anderen
ordnete und
verzeichnete.
Auch an den
Ordnungs-und
Verzeichnungsarbeiten
des
zentralen
Aktenbestandes
„Etats-Ministerium“
(1525-1804)
hatte er
wesentlichen
Anteil. In
weniger
guter
Erinnerung
blieb ihm
die
verordnete
Mitwirkung
bei der
Umbenennung
undeutsch
klingender
Ortsnamen
1938, wobei
er nur
darauf
achten
konnte, daß
sprachlich
oder
historisch
einigermaßen
sinnvolle
Namensformen
geschaffen
wurden.
„Die Memel
als
Handelsstraße"
(1931) war
nach der
Dissertation
sein erstes
Buch. Die
Memel führte
seinen Blick
über die
Landesgrenzen
hinaus, er
lernte
Polnisch,
Russisch und
ein wenig
Litauisch.
Das
wichtigste
Ergebnis
wurde das
Buch
„Preußen und
Rußland im
Mittelalter"
(1938,
Neubearbeitung
1955).
Besonderes
Interesse
hatte er für
bildungsgeschichtliche
Themen.
Seine
Verlagsgeschichte
„Gräfe und
Unzer"
(1932)
entsprach
dieser
Neigung. Zu
den
Kriegsverlusten
gehört sein
von
Generaldirektor
Albert
Brackmann
angeregtes
Manuskript
über die
deutsche
Kulturpolitik
im sog.
Preußisch
Litthauen.
Verloren
ging auch
eine
Materialsammlung
zum Ende des
preußischen
Ordensstaates;
auch wenn
der schmale
Band „Vom
Ordensstaat
zum
Fürstentum"
(1951) nur
wenig mehr
als eine
Gedächtnisniederschrift
sein konnte,
erlangte er
noch eine
größere
wissenschaftliche
Bedeutung.
Als er 1946
aus
jugoslawischer
Kriegsgefangenschaft
entlassen
wurde, ging
er über
Leipzig nach
Berlin, wo
er seit 1947
am damals
sog.
Hauptarchiv,
dem Geheimen
Staatsarchiv,
eine neue
berufliche
Existenz
aufbaute.
Trotz seines
zunächst
sehr
angeschlagenen
Gesundheitszustandes
beteiligte
er sich an
den
anstrengenden
Bergungsmaßnahmen
innerhalb
und
außerhalb
von Berlin.
Unter
schwierigen
Arbeitsbedingungen,
weil immer
wieder mit
Eingriffen
der
Besatzungsmacht
zu rechnen
war, galt
sein
besonderer
Einsatz dem
Wiederaufbau
der
Dienstbibliothek
des Archivs.
Seine
Heimatliebe
führte dazu,
daß er dabei
mitwirkte,
daß in
Dahlem auc
einzelne
Archivalien
aus den
Ostprovinzen
gesammelt
wurden.
Dieses
Interesse
ließ ihn
nicht
zögern, als
die in den
Westen
verlagerten
Königsberger
Archivbestände
in deutsche
Hände
übergehen
sollten und
der spätere
Ministerialrat
Rudolf
Grieser, der
Leiter der
niedersächsischen
Archivverwaltung,
Forstreuter
als alten
Königsberger
Kollegen und
Freund zum
Direktor des
Staatlichen
Archivlagers
zunächst
1952 nach
Goslar
berief, ehe
1953 diese
Dienststelle
mit ihm nach
Göttingen
umzog. In
seinem
längst
vergriffenen
Buch „Das
Preußische
Staatsarchiv
in
Königsberg"
(1955) zog
er Bilanz
nach den
Umbrüchen
und
Verlusten
des Zweiten
Weltkrieges.
Die
Entwicklung
eines
eindrucksvollen
Benutzungs-
und
Forschungsbetriebes
gelang ihm
wesentlich
durch eine
intensive
Zusammenarbeit
mit der
Historischen
Kommission
für ost- und
westpreußische
Landesforschung
und mit
anderen
Organisationen.
Ihm gelang
der
Neuaufbau
einer
Dienstbibliothek,
die in
Königsberg
begonnenen
Ordnungsarbeiten
wurden
fortgesetzt.
Neu war die
Editionsreihe
„Die
Berichte der
Generalprokuratoren
des
Deutschen
Ordens an
der Kurie",
von der er
und sein
Amtsnachfolger
Hans Koeppen
(+ 1977)
1960-1976
vier Bände
in sechs
Teilen
veröffentlichten.
Bei der
Quellenerschließung
nutzte er
u.a. erste
Beziehungen
zu den seit
1945 in
polnischer
Hand
befindlichen
Archiven.
Die
Beziehungen
des Ordens
nach Süden
ließen
seinen Blick
entsprechend
seiner
Reiselust
weit
schweifen.
Als
bedeutendes
wissenschaftliches
Ergebnis ist
das Buch
„Der
Deutsche
Orden am
Mittelmeer"
(1967)
hervorzuheben.
Seinen
bildungsgeschichtlichen
Interessen
entsprangen
kleinere
Arbeiten zur
ostpreußischen
Pressegeschichte
und über den
preußischen
Astronomen
Nicolaus
Copernicus.
Letzterem
war eine
Archivalienausstellung
gewidmet,
die er 1973
für seine
alte
Dienststelle
bearbeitete.
Mit Fritz
Gause (+
1973) hat er
die
„Altpreußische
Biographie"
mit Bd. 3
(1975) zu
einem
vorläufigen
Abschluß
gebracht und
das
Mitteilungsblatt
„Preußenland"
1963-1973
redigiert.
Als Archivar
war
Forstreuter
in erster
Linie
bemüht,
Quellen zu
erschließen.
Mit größter
Bereitwilligkeit
stellte er
sein Wissen
zahlreichen
Kollegen und
Benutzern
zur
Verfügung.
Generationen
von
Forschern
aller Art
haben aus
seiner
Hilfsbereitschaft
reichen
Gewinn
gezogen. Als
Historiker
zeichnete er
sich durch
eine
thematische
Vielfalt in
seinen
Veröffentlichungen
aus, mit
denen er
zahlreiche
Anregungen
zur weiteren
Erforschung
der
Geschichte
des
Preußenlandes
gegeben hat
und noch
heute gibt.
Lit.:
Bernhart
Jähnig: Kurt
Forstreuter
zum
Gedächtnis,
in: Blätter
für deutsche
Landesgeschichte
115. 1979,
S. 169-174.
– Rudolf
Grieser:
Kurt
Forstreuter
+, in: Der
Archivar
33.1980, Sp.
475-478. –
Werkverzeichnis
durch
Bernhart
Jähnig:
Bibliographie
Kurt
Forstreuter,
in: Kurt
Forstreuter:
Wirkungen
des
Preußenlandes.
(Studien zur
Geschichte
Preußens 33)
Köln, Berlin
1981, S.
428-446.
Bernhart
Jähnig