„wohr
[Wenn] heüte
gegen Mittag
die Sone
Scheint, So
werde ich
ausreiten.
Kome doch am
fenster! Ich
wollte Dihr
gerne Sehen;
aber das
fenster mus
feste zu
bleiben und
in der Camer
mus Strak
[starkes]
feüer Seindt!“
Diese in
unbeholfenem
Deutsch
verfassten
Zeilen
Friedrichs
des Großen,
nach Richter
zu datieren
auf
„zweite
Hälfte April
1754“
(siehe
Richter,
Johannes
[Hrsg.]: Die
Briefe
Friedrichs
des Großen
an seinen
vormaligen
Kammerdiener
Fredersdorf,
Berlin 1926,
Brief 179,
S. 281282,
S. 281)
richtete der
König an
eine
weitgehend
im
Verborgenen
wirkende und
dennoch oder
gerade
deshalb am
Hofe des
Königs als
sehr
einflussreich
geltende
Person, den
„Geheimen
Camerier und
Obertresorier“
Michael
Gabriel
Fredersdorf.
Die Rolle,
die Voltaire
später mit
„le grand
factotum du
roi
Frédéric“
bezeichnete
und damit
andeutete,
dass
zwischen
offizieller
Stellung und
tatsächlicher
Bedeutung
eine enorme
Diskrepanz
bestand, war
Fredersdorf
freilich
nicht in die
Wiege
gelegt.
Vielmehr ist
sein
Aufstieg aus
kleinen
Verhältnissen
ein
Paradebeispiel
für die
Möglichkeiten,
die sich,
trotz aller
vermeintlichen
Abgeschlossenheit
der
ständischen
Gesellschaft
im Zeitalter
des
Absolutismus,
dem
Individuum,
wenn
persönliches
Geschick und
Fortune
zusammenwirkten,
insbesondere
im 18.
Jahrhundert
boten.
Fredersdorf
wurde als
Sohn eines
Stadtmusikus
wohl im
Sommer 1708
im
pommerschen
Garz an der
Oder geboren
und schlug
die
Militärlaufbahn
ein. 1730
finden wir
ihn als
Oboist im
Musketierregiment
Schwerin in
Frankfurt an
der Oder.
Curt
Christoph
Graf von
Schwerin war
es dann
auch, der
den begabten
und
geistreichen
jungen Mann
dem damals
in Küstrin
arretierten
Kronprinzen
Friedrich zu
gemeinsamem
Musizieren
und als
Gesellschafter
empfahl.
Nach
Aufhebung
der
Festungshaft
erwirkte
Friedrich
die Lösung
Fredersdorfs
von seinen
dienstlichen
Verpflichtungen
und nahm ihn
mit,
zunächst
nach Ruppin,
wo er seit
1732 als
Regimentskommandeur
stationiert
war, dann,
ab 1736, als
Lakai und
Kammerdiener
nach
Rheinsberg.
In Folge der
Thronbesteigung
des
Kronprinzen
avancierte
Fredersdorf
1740 zum
Geheimen
Camerier
und
Obertresorier
des
Königs,
erlangte
jedoch bald
eine weit
darüber
hinausgehende
Stellung am
Hofe. Dies
drückt sich
bereits in
der im
gleichen
Jahr
erfolgten
Verleihung
des
Rittergutes
Zernickow an
Fredersdorf
aus, eine
der ganz
seltenen
Ausnahmen,
in denen
Friedrich
der Große
solches
einem
Bürgerlichen
zugestand.
Fredersdorf
zeigte rasch
ökonomische
Fähigkeiten
und
Engagement,
er
begründete
eine
Ziegelei,
legte
Maulbeerpflanzungen
für die
Seidenraupenzucht
an und
richtete in
Köpenick und
Spandau
Brauereien
ein, in den
Fredersdorfer
Bier
hergestellt
wurde.
Außerdem
erwarb er
sogar eine
Plantage in
NiederländischGuyana
und kaufte
das
Frachtschiff
„Gans“,
mit dem er
im
Ostseeraum
an
Handelsaktivitäten
beteiligt
war.
Unklar ist,
ob er
tatsächlich
auf
Veranlassung
Friedrichs
1743 von der
kinderlosen
Freiin von
Trachenberg
adoptiert
wurde und
damit nicht
nur die
Anwartschaft
auf deren
Güter im
Obererzgebirge,
sondern auch
eine Art von
persönlichem
Adel erwarb.
Eindeutig
gesichert
ist dagegen
seine am 30.
Dezember
1753 in
Potsdam
erfolgte
Vermählung
mit Caroline
Marie
Elisabeth
Daum, der
Tochter
eines
Potsdamer
Bankiers und
Gewehrfabrikanten,
die ihm eine
hohe Mitgift
mit in die
Ehe brachte.
Das Paar
unterhielt
ein Anwesen
in der
Friedrichstraße
210 in
Berlin und
zudem ein
unweit des
Brandenburger
Tores
gelegenes
Stadtpalais
(Viereck Nr.
4).
Fredersdorfs
umfangreiche
und
weitgespannte
Aufgaben
erforderten
aber häufig
auch nach
der
Vermählung
dessen
Anwesenheit
in der Nähe
des Königs.
Als Camerier
war er in
Verwaltungsabläufe
des Hofes
eingebunden
und u.a. für
die Bauten
des Königs,
beispielsweise
die neue
Oper in
Berlin oder
auch die
Wasserkunst
für Schloss
Sanssouci,
und die
Organisation
von dessen
privaten
Gesellschaften,
wobei ihm
insbesondere
deren
Zusammenstellung
und
Einladung
oblagen,
zuständig.
Daneben
kümmerte er
sich um
sämtliche
Personalfragen
im
Zusammenhang
mit dem
Theater und
war wichtige
Anlaufstelle
bei dem
König zu
übermittelnden
Eingaben. So
nahm z.B.
1747 der
Fasanenmeister
Tichy
Fredersdorfs
Vermittlung
an, um dem
Monarchen
100
böhmische
Bauernfamilien
zur
Ansiedelung
in Preußen
zu
empfehlen.
In den
Zuständigkeitsbereich
des
Obertresoriers
fiel die
Verwaltung
der sich aus
52.000
Talern
Handgeld und
10.000
Talern
Monatsgeld
zusammensetzenden
persönlichen
Mittel des
Königs.
Neben der
Aufsicht
über den
Haushalt und
das Personal
beschäftigte
er sich mit
der
Bereitstellung
von Pferden
und Wagen
bei Reisen
Friedrichs
des Großen,
er
beschaffte
Güter,
insbesondere
Lebensmittel,
für die
königliche
Tafel und
war in die
Abwicklung
des Erwerbs
von
Kunstwerken
einbezogen.
Letzteres
führte ihn
nicht nur in
Kontakt mit
dem Pariser
Kunsthändler
Petit,
sondern auch
mit dem
Handelshaus
Splitgerber
& Daum, das
1748 Kopien
antiker
Plastiken
aus Italien
lieferte,
und damit
mit seinem
künftigen
Schwiegervater.
Daneben
wurden
Fredersdorf
von
Friedrich
dem Großen
eine Fülle
von
Sonderaufgaben
übertragen,
die
lediglich in
seinem engen
Verhältnis
zum
Monarchen
wurzelten.
Im
Kriegsjahr
1744 war es
der
Geheime
Camerier,
der
Tafelsilber
aus den
königlichen
Schlössern
zur
Umprägung in
die Münze
überführte,
er half dem
König bei
seinen
Plänen,
ungarischen
Wein in
Preußen
anzupflanzen
und
versuchte,
der
Finanzknappheit
Preußens
gerade in
Kriegszeiten
durch
Projekte von
ihm
protegierter
Alchimisten,
die glaubten
oder
vorgaben,
Gold
herstellen
zu können,
zu begegnen.
Die
wichtigste
seiner
„inoffiziellen“
Tätigkeiten
war
zweifellos
die
Koordination
nachrichtendienstlicher
Aktivitäten.
Er warb
Spione für
den König an
und hielt
mit diesen
diskreten
Kontakt, so
beispielsweise
in den
Jahren
174648, als
es
Fredersdorf
gelang,
einen
Agenten in
der Umgebung
des Leiters
der
österreichischen
Gesandtschaft
in Berlin,
des Grafen
Bernes, zu
platzieren,
den er 1753,
dann in
anderer
Funktion,
nochmals
kontaktierte.
1754
schließlich
schleuste
Fredersdorf
eine ihm
gefällige
Person als
Ausschreibenden
Sekretär in
die Prager
Regierung
ein.
Trotz oder
wegen dieser
vielfältigen
Aktivitäten
verließ
Fredersdorf
Berlin und
Potsdam nur
selten. 1740
war er noch
in
Begleitung
des jungen
Königs in
Straßburg
und Wesel,
dann ist
erst wieder
1751 ein
mehrmonatiger
Aufenthalt
in Paris
bezeugt,
wohin er
sich zu
ärztlicher
Behandlung,
aber auch
zum Zweck
von
Einkäufen
auf dem
dortigen
Kunstmarkt
für seinen
königlichen
Herrn,
begab. Ob
darüber
hinaus eine
diplomatische
Mission, die
Beförderung
eines
angestrebten
preußischfranzösischen
Handelsabkommens,
vorlag, ist
nicht
eindeutig zu
klären. Im
folgenden
Jahr finden
wir ihn dann
noch in
Aachen und
Spa, wo sich
der stets
kränkelnde
Fredersdorf
zu einer Kur
aufhielt.
Mit Beginn
des
Siebenjährigen
Krieges
verschlechterte
sich der
Gesundheitszustand
Fredersdorfs
erheblich.
Er kam am 9.
April 1757
um
Entbindung
von seinen
Amtsgeschäften
ein und
starb am 12.
Januar 1758
in Potsdam.
Bestattet
wurde er im
Erbbegräbnis
an der
Pfarrkirche
zu Zernickow.
Michael
Gabriel
Fredersdorf
ist wohl am
ehesten mit
dem Begriff
eines
„Vertrauten“
Friedrichs
des Großen
zu
beschreiben.
Aus dem
Hintergrund
wirkend,
sich aber
stets loyal
verhaltend,
kam ihm eine
entscheidende
Schlüsselstellung
im privaten
Haushalt
Friedrichs
des Großen
zu. Der
König
vertraute
Fredersdorf
fast
unumschränkt;
dieser hielt
sich dafür
weitgehend
aus dem
politischen
Ränkespiel
und
höfischen
Intrigen
heraus. Als
integerer,
lauterer
Charakter,
dazu
stattlich an
Wuchs und
Gestalt, war
er der
richtige
Mann am
richtigen
Platz.
Insbesondere
der
erhaltene
Briefwechsel
zwischen
Friedrich
dem Großen
und
Fredersdorf
zeigt das
auch
persönlich
enge
Verhältnis
der beiden,
die sich
auch
emotional
sehr
nahestanden.
In
Fredersdorf
hatte
Friedrich
einen
Menschen
gefunden,
der bereit
war, auf
äußere
Karriere und
Ruhm zu
verzichten,
um sich ganz
der
Aufgaben,
die der
König ihm
stellte, zu
widmen. Wenn
irgendjemand
das Prädikat
„Freund“
Friedrichs
des Großen
verdient,
dann Michael
Gabriel
Fredersdorf.
Lit.:
Eberhard
Cyran,
Preußisches
Rokoko. Ein
König und
seine Zeit,
Berlin 1979.
– Friedrich
Freiherr von
Eelking
(Red.), Das
Geheimnis
von Zernikow.
Das Dokument
im
Kirchturmknopf
– Ein
erbitterter
Erbschaftsstreit,
in: Deutsche
Illustrierte,
12. Juli
1927, S. 15.
– Eberhard
Grünert,
Fredersdorff
– das
Faktotum,
in: Helmut
Schnitter,
Karl Heinz
Schmick u.a.,
Gestalten um
Friedrich
den Großen.
Biographische
Skizzen (=
Friedrich
der Große in
Zeit und
Geschichte,
Band 1;
zugleich:
Schriftenreihe
der
Forschungsstelle
der
Militärgeschichte
Berlin, Band
1),
Reutlingen
1991, S.
114121. –
Johannes
Richter
(Hrsg.), Die
Briefe
Friedrichs
des Großen
an seinen
vormaligen
Kammerdiener
Fredersdorf,
Berlin 1926.
Bild:
Kulturstiftung.
Bernhard
Mundt