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Der
Katalog der Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 zeigte auf der
Umschlagseite eine Plastik Kopf von Otto Freundlich. Für die
Kunsthüter von damals galt sein Werk als exemplarisch für den Begriff
„entartet".
Otto
Freundlich wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Holzkaufmanns
geboren. Nach dem Abitur ging er als Volontär nach Hamburg, wo er nach
dem Willen des Vaters in den Holzhandel einsteigen sollte. Doch
interessierte er sich dafür nicht, brach alle Brücken zu seinem
bisherigen Leben ab und ging nach Berlin, später nach München, um
Kunstgeschichte zu studieren. Hier hörte er Vorlesungen von Heinrich
Wölfflin und besuchte, wieder in Berlin, von 1907/08 die Kunstschule von
Lothar von Kunowski, in der er Malen, Zeichnen, Modellieren,
Linolschneiden und weitere Techniken lernte; auch Lovis Corinth wurde
zeitweilig sein Lehrer. Über die herkömmliche Kunstauffassung war er
bald hinausgewachsen. Er strebte nach einem „Komponieren mit konstruktiv
verwendeten Farbflächen ohne naturalistische oder impressionistische
Züge".
Im
Jahre 1908 ging Freundlich mittellos nach Paris. Dort fand er in dem
drei Jahre älteren, aus Stettin stammenden Rudolf Levy einen Freund und
Förderer. Levy verschaffte ihm ein Atelier auf
dem
Montmartre, und Freundlich war bald mit Größen wie Picasso, Braque,
Jacob und Apollinaire befreundet. Die Galerie Sagot stellte seine
Arbeiten aus. Auf einer Reise nach Chartres gaben ihm die Glasfenster
der Kathedrale Anregungen für spätere Arbeiten in leuchtenden Farben und
Mosaiken.
Freundlich hatte Anerkennung gefunden, vielleicht gerade weil er
eigenständig blieb und sich keiner Kunstrichtung anschloß. Den Kubismus
lehnte er ab, weil er sich der rein flächigen Malerei verschrieben
hatte. In seinem Werk erstrebte er Vielseitigkeit. So war er in den
Jahren 1910 und 1911 in den Ausstellungen der Neuen Sezession in Berlin
mit Gemälden und Skulpturen vertreten. Mit der Pariser Avantgarde und
holländischen Künstlern (Johan Thorn-Prikker) stellte er im „Moderne
Kunst Kring" in Amsterdam aus. In der ersten umfassenden Ausstellung
moderner Kunst („Sonderbund-Ausstellung") im Jahre 1912 in Köln hing
neben Bildern von Kandinsky, Marc, Macke und Nolde auch Freundlichs
Ölbild Der Kranke, und in einem Nebensaal waren zwei Masken und
eine Frauenbüste von ihm ausgestellt.
Im
Ersten Weltkrieg war Freundlich Sanitätssoldat in Köln. Ein Ohrenleiden
führte nach einer Operation zu gravierender Schwerhörigkeit. Nach dem
Kriege nahm er an den geistigen und politischen Umwälzungen der Zeit
regen Anteil. Die von Franz Pfempfert herausgegebene Wochenschrift
Die Aktion brachte zur Jahreswende 1918/19 ein Freundlich gewidmetes
Sonderheft heraus. Für die Kunst sah Freundlich jetzt neue
Möglichkeiten. Zusammen mit Gropius arbeitete er im „Arbeitsrat für
Kunst" und trug mit zur Gründung des Bauhauses in Weimar bei. Lehrer am
Bauhaus wollte er jedoch nicht werden, weil das rationalistische Element
dort seiner Mystikernatur fremd war. Sein Abstand zu einer
„sozialistischen Kunst" wuchs mehr und mehr. Durch Freundlichs Arbeiten
zogen sich nun Lebensströme aus Linien, Flächen, Formen und Farben, die
sich dem „Unsagbaren" über den Menschen, dem „Ewigen" zu nähern suchen.
Freundlich war auch ein gewandter Theoretiker. Aufschlußreich sind dafür
seine Schriften Die Wege der abstrakten Kunst (1934) und
Bekenntnisse eines revolutionären Malers (1935). In Paris, wo er
seit 1924 wieder lebte, wurde er vom Zweiten Weltkrieg überrascht und
zunächst interniert. Der Einmarsch deutscher Truppen zwang ihn im Mai
1940 zur Flucht. Er lebte versteckt mit seiner Frau in den Pyrenäen;
eine Flucht in die USA mißlang. In dem
Dörfchen St. Paul-de-Fenouillet arbeitete er unentwegt weiter und
entwickelte seine Kunst zu immer höherer Reife und Abstraktion. Noch
1942 schrieb er seine theoretische Arbeit Ideen und Bilder. Am
21. Februar 1943 wurde er gefunden und verhaftet. Er kam in das Lager
Drancy bei Paris, aus dem er mit der Häftlingsnummer 197 am 4. März nach
Majdanek abtransportiert wurde. Wenige Tage später endete dort sein
Leben.
Ein
monumentales Mosaik (215 x 305 cm) von Otto Freundlich ist seit 1957 in
einem Seitenfoyer des Großen Hauses der Städtischen Bühnen in Köln
angebracht. Er schuf es 1919/20 für das Haus des Kunstsammlers Joseph
Feinhals. Es hat den Krieg überstanden, und die Witwe von Feinhals
schenkte es der Stadt. Es trägt den bezeichnenden Titel: Geburt des
Menschen.
Lit.:
Günter Aust: Otto Freundlich, Köln, M. DUMONT, 1960.
Georg Glatz
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