Der aus
Mähren
stammende
österreichische
Neuropathologe
Sigmund
Freud ist
der
Begründer
der
Psychoanalyse.
Er wurde am
6. Mai 1856
im
nordmährischen
Freiberg im
Haus
Schlossergasse
117 als
erster Sohn
aus zweiter
Ehe des
jüdischen
Kaufmanns
Jakob Freud
geboren.
Über seine
Abstammung
berichtet er
selbst: „Von
meiner
väterlichen
Familie
glaube ich
zu wissen,
daß sie
lange Zeiten
am Rhein (in
Köln) gelebt
hat, aus
Anlaß einer
Judenverfolgung
im 14. oder
15.
Jahrhundert
nach dem
Osten floh
und im Laufe
des 19.
Jahrhunderts
die
Rückwanderung
von Litauen
über
Galizien
nach dem
deutschen
Österreich
antrat.“ Als
Vierjähriger
wechselte er
mit seiner
Familie nach
Wien und
trat fünf
Jahre später
in das
Leopoldstädter
Kommunal-
und
Obergymnasium
in der
Sperlgasse
ein. Eine
besondere
Neigung,
Arzt zu
werden, soll
er nach
eigenem
Bekunden nie
verspürt
haben. Als
siebzehnjähriger
Abiturient
zogen ihn
aber dann
die damals
aktuellen
Lehren
Darwins an,
und
schließlich
inskribierte
er sich,
durch
Goethes
Aufsatz „Die
Natur“
stimuliert,
im Fach
Medizin an
der Wiener
Universität.
Noch während
seines
Studiums
begann er
seine ersten
Forschungsarbeiten
im
Physiologischen
Institut.
Nachdem er
1881 das
medizinische
Staatsexamen
abgelegt
hatte,
arbeitete
Freud als
Internist
und trat
1883
schließlich
in die
Psychiatrische
Universitätsklinik
unter
Theodor
Meynert ein.
Dort
entdeckte er
die
schmerzbetäubende
Wirkung des
Kokains.
Sein
Hauptinteresse
galt damals
der
histologischen
Neuropathologie.
1885 wird er
als
Privatdozent
für
Neuropathologie
bestätigt.
Für seinen
wissenschaftlichen
Werdegang
sind jedoch
andere
Begegnungen
prägend
gewesen.
Sein Freund
Josef Breuer
hatte ihn zu
den Studien
über die
Hysterie
inspiriert.
Im Rahmen
eines
Stipendiums
bei Jean
Marie
Charcot in
Paris und
Hippolyte
Bernheim in
Nancy
erlernte er
die
Behandlungsmethoden
der
nichtorganischen
seelischen
Erkrankungen
durch
Suggestion
und Hypnose.
Die dort
gewonnenen
Erfahrungen
regten ihn
an, zusammen
mit Breuer
1893 die
„Vorläufigen
Mitteilungen“
und 1895 die
„Studien
über
Hysterie“ zu
veröffentlichen.
Beide Werke
stehen für
die Anfänge
der
Psychoanalyse
(zu deutsch:
Seelenzergliederung),
heute ein
anerkanntes
Heilverfahren
bei
Neurosen.
Dabei
handelt es
sich um eine
Methode, die
die
unbewußte
Bedeutung
des
Verhaltens,
der Träume
und der
Phantasien
eines
Menschen zu
ergründen
versucht. Es
ist sicher
unmöglich,
in wenigen
Sätzen diese
Behandlungsmethode
zu
beschreiben.
An dieser
Stelle sei
dazu nur
gesagt, daß
die von
Freud
begründete
Lehre davon
ausgeht, daß
die
neurotischen
Störungen
ihre Ursache
in der
frühen
Kindheit
haben. Diese
Ursachen
sollen
aufgedeckt
werden.
Durch die
Konfrontation
mit den
frühen
Störungen
und die
durch die
eigene
Erfahrung
gewonnene
Einsicht in
ihre
Verursachung
können dann
die
aktuellen
Störungen im
Seelenleben
bewältigt
werden.
Zunächst
stieß Freud
mit seinen
Thesen in
der Wiener
Ärzteschaft
des
ausgehenden
19.
Jahrhunderts
auf
entschiedenen
Widerstand,
insbesondere
weil er
sexuelle
Faktoren bei
der
Entstehung
der Neurosen
annahm. Doch
bald
sammelte er
eine Reihe
von
Wissenschaftlern
um sich, wie
zum Beispiel
Carl Gustav
Jung, Karl
Abraham und
Alfred
Adler. Sie
machten die
Psychoanalyse
weit über
Deutschlands
Grenzen
hinaus
bekannt, bis
sie durch
Eugen
Bleuler
sogar
Eingang in
die
Psychiatrie
fand. Die
Bedeutung
Freuds liegt
insbesondere
darin, daß
er das
Unbewußte in
die
Forschung
der
Psychologie
einführte.
Bereits 1910
wurde die
Internationale
Psychoanalytische
Gesellschaft
gegründet.
Die
Anfeindungen
gegen Freud
und seine
Lehre fanden
nach der
Machtergreifung
der
Nationalsozialisten
in
Deutschland
ihren
Höhepunkt,
als auch
seine
Schriften in
Berlin
öffentlich
verbrannt
wurden. Der
Rassenwahn
unterbrach
zunächst die
Weiterentwicklung
der
Psychoanalyse
in
Deutschland,
sie hat aber
in der Welt
die
Psychiatrie,
Psychotherapie,
Psychologie
und
Literatur
nachhaltig
beeinflußt,
auch wenn
sie nie
unumstritten
war.
1938
emigrierte
Freud noch
rechtzeitig
nach England
und starb
ein Jahr
später an
einem
langjährigen
Leiden in
London. Bis
zuletzt
hatte er
schmerzstillende
Medikamente
abgelehnt,
weil er
befürchtete,
daß diese
seine
geistigen
Fähigkeiten
beeinträchtigen
könnten.
Werke:
S. Freud,
Gesammelte
Werke. Unter
Mitwirkung
von Marie
Bonaparte u.
Anna Freud
(Hg.) Bd.
I-XVIII.
London u.
Frankfurt am
Main
1940-1968.
Lit.:
W.F. Bonin,
Die großen
Psychologen,
Düsseldorf
1983,
104-109. –
T. Brocher,
Sigmund
Freud
(1856-1939),
in: P.
Wiench
(Hg.), Große
Ärzte,
München
1982,
226-245. –
J.H.
Schultz,
Sigmund
Freud, in:
K. Kolle
(Hg.), Große
Nervenärzte,
Bd. I,
Stuttgart u.
New York
1970,
99-114.
Mario
Lanczik