Walter John
Alexander
Freymann
erhielt früh
Klavierunterricht
und auch
bald
Unterricht
in
musiktheoretischen
Fächern bei
dem
Pädagogen
und auch als
Komponist
tätigen
Robert
Müller und
wirkte im
Kinderchor
des Rigaer
Stadttheaters
mit. Nach
dem Abitur
am
Nikolai-Gymnasium
in Riga
immatrikulierte
er sich zum
Jura-Studium
an der
Universität
Dorpat.
Während der
Studienzeit
setzte er
seine
musikalische
Ausbildung
bei dem
Dorpater
Musikdirektor
Rudolf
Griwing
fort. Nach
Beendigung
des Studiums
ließ er sich
1911 als
Rechtsanwalt
in Riga
nieder. 1912
trat er in
den
Staatsdienst,
war seit
1928
Appellhofrichter
und
Vorsitzender
der Palate
in Riga,
außerdem
seit 1932
Dozent für
Arbeitsrecht
am
Herder-Institut.
1917 hatte
er Wera
Marie Rudolf
(1890-1967)
geheiratet,
eine
ausgebildete
Sängerin,
welche in
jüngeren
Jahren
Gesangsunterricht
erteilte.
1922 wurde
die Tochter
Ingeborg und
1924 der
Sohn Gerhard
geboren.
Freymanns
erste
Kompositionsversuche
gingen in
die Kindheit
zurück.
Seine
Gnomentänze
von 1908
tragen
bereits die
Opus-Zahl
17. Er hat
die Zählung
jedoch früh
aufgegeben
und die
Werke nur
noch
datiert.
Neben den im
jugendlichen
Sturm und
Drang
entstandenen
Opernversuchen
nach eigenen
Texten
Gundhild
(1904) und
Friedmund
und
Siegrunde
(1908),
welche sich
fragmentarisch
erhalten
haben, hat
sich
Freymann
zunächst der
Klaviermusik,
und dieser
in kleinerer
Form,
zugewandt.
Der
spätromantische
Stil seiner
Jugendwerke
ist von
starker
Expressivität,
außerdem
sind früh
Wesensmerkmale
zu erkennen,
welche in
Freymanns
gesamten
Schaffen
auffallend
sind, eine
besondere,
in gewisser
Weise
komplizierte
Harmonik,
dann die von
ihm häufig
verwendete
rhythmische
Disposition
des
Verlängerns
bzw. des
Verkürzens,
um den
Schwerpunkten
des Taktes
auszuweichen,
sowie eine
vornehme
Verhaltenheit
mit der
Bevorzugung
unterer
dynamischer
Bereiche.
Die
Begegnung
mit seiner
Frau führte
ihn zum
Klavier-Lied,
so daß
vierzig
Lieder seine
lyrische
Begabung
belegen,
welche ihn,
mit mehreren
Werken nach
eigenen
Texten, auch
in die
Tradition
der
deutschbaltischen
Liedschule
stellen, zu
deren
typischen
Eigenheiten
der
Dichter-Komponist
gehört.
Neben
einigen
deutschbaltischen
Autoren
(Bruno
Mellin,
Alexander
Arbusow und
anderen)
bevorzugte
er für seine
Lieder
Christian
Morgenstern,
den wohl
meistvertonten
Dichter in
der
deutschen
Musik des
20.
Jahrhunderts.
Mit der
Klaviermusik
bildet die
Kammermusik
einen
Schwerpunkt
in Freymanns
Schaffen,
diese in
klassischen
Formationen
wie
Klavier-Trio,
Klavier-Quartett
und
Streichquartett,
aber auch in
besonderen
Besetzungen,
mit dem Werk
Skirnirsfahrt
für
Streich-Trio
und Harfe
von 1917 und
dem
Divertimento
amabile
für Flöte,
Klarinette,
Violine,
Violoncello
und Klavier
(1937). Sein
freier
Umgang mit
der
Tonalität,
der ihn ins
Bi- bzw.
Polytonale
führte, und
rhythmische
Besonderheiten,
die zunächst
weniger auf
ausgeprägten
diesbezüglichen
Interessen
beruhten,
sondern
häufiger die
Konturen
verschleiern
sollten,
machten ihn
zu einem
Impressionisten.
Als
Repräsentant
dieser
Stilrichtung
in der
deutschen
Musikgeschichte
sollte er
genannt
werden.
Am 5. April
1922 trat
Freymann im
Schwarzhäuptersaal
in Riga
erstmals mit
eigenen
Werken an
die
Öffentlichkeit.
Auf diesen
ersten
Komponistenabend
eines
deutschbaltischen
Komponisten
in dem
neugegründeten
Staat
Lettland
folgte für
Freymann
trotz
begrenzter
Möglichkeiten
eine Zeit
erfüllten
Schaffens.
Enge
Freundschaft
verband ihn
mit dem
Komponisten
Hans von
Dercks
(1885-1947),
mit welchem
er mehrere
gemeinsame
Konzerte
veranstaltete.
Als Leiter
der
Musikabteilung
der Rigaer
Goethe-Gesellschaft
und als
Mitbegründer
des Rigaer
Kammermusikvereins
suchte er
dem
zeitgenössischen
deutschbaltischen
Musikschaffen
ein Podium
zu schaffen.
Es gab
gemeinsame
Konzerte mit
mehreren in
Lettland
ansässigen
deutschbaltischen
Komponisten
- neben Hans
von Dercks
seien
Alexander
Maria
Schnabel und
Gerhard
Kroeger
genannt -
oder auch
mit den
komponierenden
Chordirigenten
Egon
Friedrich,
Alfred
Kirschfeld,
Theodor
Weidenbaum
und Walter
Conradi.
Aber es
wurden auch
Werke
deutschbaltischer
Komponisten,
die in
Deutschland
wirkten,
aufgeführt,
wie von Elsa
von
Oettingen
oder Kurt
von Wolfurt.
1933
erschienen
bei Neldner
in Riga in
Kommission
Drei
Lieder für
mittlere
Stimme,
die einzige
noch
nachweisbare
Drucklegung
zu seinen
Lebzeiten.
Die
Musikzeitschrift
Signale
für die
musikalische
Welt
berichtete
darüber:
"Die
Feinheit und
Echtheit
ihres
Gefühlsgehalts
werden die
Lieder dem
Hörer nahe
bringen". In
den 30er
Jahren
entstanden
umfangreiche
Kammermusikwerke,
denen in
zunehmendem
Maße das
Bemühen um
eine
modernere
Tonsprache
anzumerken
ist. Das
rhythmische
Element
tritt
stärker
hervor und
ein immer
freier
werdender
Umgang mit
der
Tonalität
ist
auffallend.
Dies führte
dann auch zu
kontroversen
Leserbriefen
über seine
Werke in der
Rigaer
Presse: "In
der hiesigen
Musikwelt
hat der
Kompositionsabend
von W. F.
große
Meinungsverschiedenheiten
hervorgerufen
... Und
obgleich
unser Ohr an
solche Töne
nicht
gewöhnt ist,
muß doch die
eigenartige
Schönheit in
der
Atonalität
der Werke
anerkannt
werden."
Die
Umsiedlung
der
Deutsch-Balten
1939 führte
die Familie
nach
Barth/Pommern,
dann nach
Posen. 1942
wurde
Freymann
Richter für
Zivilsachen
in Berlin.
Seine letzte
Lebenszeit
war
überschattet
von den
Abgründen
dieser
Jahre. Nach
dem Verlust
der Heimat
kam das
hoffnungslose
Warten auf
den Sohn
Gerhard, der
seit 1943
vermißt war.
In den
letzten
Lebensjahren
entstand nur
noch
weniges,
vorwiegend
Werke für
Violoncello
und Klavier,
welche er
seinem Sohn
widmete. Am
9. Juni
1945, also
bereits nach
Kriegsende,
wurde er -
er war in
diesen
Wochen als
Dolmetscher
verpflichtet
- nach
Rußland
verschleppt.
Nach 17
Jahren
erhielten
seine
Angehörigen
eine knappe
Nachricht
vom
sowjetischen
Roten Kreuz,
daß Walter
Freymann
noch 1945 in
einem Lager
bei Moskau
verstorben
sei. Seine
letzte große
Hoffnung,
nach dem
Krieg seine
Werke
veröffentlichen
zu können,
sollte sich
nicht mehr
erfüllen.
Die Wohnung
Freymanns in
der
Rembrandtstraße
im Berliner
Stadtteil
Friedenau
wurde nicht
zerstört,
und so hat
sich der
größere Teil
seines
kompositorischen
Schaffens
erhalten.
1986, im
Rahmen der
Baltischen
Kulturtage
auf Burg
Stettenfels,
fand nach
annähernd 50
Jahren
erstmals
wieder eine
Aufführung
eines
Freymannschen
Werkes
statt, zum
100.
Geburtstag
des
Komponisten.
Es war auch
die erste
Aufführung
außerhalb
seiner
Heimat.
Gleichfalls
aus diesem
Anlaß konnte
eine kleine
Monographie
vorgelegt
werden.
Inzwischen
sind in
schon fast
zahlreich zu
nennenden
Konzerten
große Teile
seines
Schaffens
mit Erfolg
vorgestellt
werden, was
im
wesentlichen
ein
Verdienst
des
Malinconia-Ensembles
Stuttgart
ist. 1988
konnte die
Drucklegung
des
Divertimento
amabile
von 1937 in
Verbindung
mit dem
Institut für
Ostdeutsche
Musik
Bergisch
Gladbach bei
der Edition
Gravis
erfolgen.
Walter
Freymann ist
in der
deutschbaltischen
Musikgeschichte
zu einer
wahrnehmbaren
Gestalt
geworden,
und er wird
in dem sich
diesem
Gebiet
zuwendenden
Schrifttum
genannt,
inzwischen
auch in der
lettischen
Musikwissenschaft.
Werke:
Chorwerke,
Lieder,
Kammermusik,
Klaviermusik,
Spieloper
Lelia
(1939), alle
Werke
Manuskript
bis auf:
Drei Lieder
(Neldner
Riga 1933)
u.
Divertimento
amabile f.
Flöte,
Klarinette,
Violine,
Violoncello
u. Klavier
(Edition
Gravis Bad
Schwalbach
1988, hrsg.
H.
Scheunchen)
Lit.:
H.
Scheunchen:
Walter
Freymann -
Leben und
Werk, Kleine
Monographien
zur
dtsch.-balt.
Musikgeschichte,
Esslingen/Burg
Stettenfels
1986. - ders.:
Vorwort
Divertimento
amabile
s.a.o. -
ders.: Die
Musikgeschichte
der
Deutschen in
den
baltischen
Landen,
Dülmen 1990,
S. 165. -
div. Rigaer
Zeitungsartikel
der 20er und
30er Jahre.
Helmut
Scheunchen