Die
Verwurzelung
des im
pommerschen
Greifswald
geborenen
Malers mit
dem
heimischen
Lebensraum
seiner
Familie ist
in der
Malereigeschichte
insofern ein
Novum, als
ein Künstler
sein eigenes
Schaffen
nunmehr
schicksalhaft
empfindet
und in der
nachgestalteten
Landschaft
Motive des
eigenen
Lebens
wiedererkennt
oder
beispielhaft
zu
bedeutungsträchtigen
Bildaussagen
verallgemeinert.
Die
Stationen
des „äußeren
Lebens" (wie
es sein
Freund Ernst
Moritz Arndt
umschrieben
hat) sind
mit wenigen
Worten
umrissen:
Nach
anfänglicher
Ausbildung
bei dem
Universitätszeichenlehrer
Quistorp in
seiner
Heimatstadt,
bezieht der
junge Mann
die damals
für viele
deutsche
Romantiker
maßgebliche
Akademie in
Kopenhagen.
Doch dort
fehlte
damals im
Lehrbetrieb
noch die
unmittelbare
Arbeit vor
der freien
Natur, was
vor allem
Friedrich,
wenig später
auch den
Kopenhagen
angelangten
Landsmann
Philipp Otto
Runge
Widerspruch
herausfordern
sollte. Das
auf langen
Wanderungen
eingeholte
Skizzenmaterial
diente
nämlich als
Grundlage
für die
Atelierarbeit
und kann als
Vorstufe für
die
Freiluftmalerei
des
ausgehenden
19.
Jahrhunderts
betrachtet
werden. Im
weiteren
Verfolg
suchte
Friedrich
die Dresdner
Kunstakademie
auf, wo es
bereits eine
Professur
für
Landschaftsmalerei
gegeben
hatte. In
der näheren
Umgebung
dieser
kulturell
sehr
anregenden
Stadt boten
sich – bis
nach
Böhmen
hinein –
zahlreiche
Motive, die
den Künstler
reizten und
die damals
erst von
wandernden
Malern und
Dichtern
entdeckt zu
werden
begannen.
Dennoch
verlor die
pommersche
Boddenlandschaft
nicht an
Anziehungskraft
für
Friedrich:
wiederholte
Reisen
führten ihn
zurück,
namentlich
auf die
Insel Rügen,
jenen
Anziehungspunkt
für die noch
junge
Romantik,
deren
jungfräuliche
und spröde
Natur als
herbe
Alternative
mit dem
gängigen
Ideal
italienischer
Veduten in
Wettbewerb
treten
konnte.
Friedrich
suchte nicht
das
Gefällige,
sondern die
ernsthafte
Gebärde.
Eine
Romreise,
wie sie fast
alle anderen
romantischen
Maler
Deutschlands
anstrebten,
lehnte er
dementsprechend
schroff ab,
dasselbe tat
er
angesichts
des
Konvertitentums,
was ihn
ebenfalls
deutlich von
den
Nazarenern
absetzt.
Friedrich
blieb
Protestant
und wollte
mit seinen
zahlreichen
religiösen
Bildinhalten
eine
Erneuerung
der
christlichen
Kunst von
anderer Art
herbeiführen
als die
Retrospektive
der
Nazarener.
Am klarsten
wird das vor
seinem
Haupt-Werk,
dem „Tetschener
Altar"
(Gemäldegalerie
Dresden),
mit dem er
den – auf
Dauer
mißglückten
–
Versuch
unternahm,
eine
evangelische
Altarkunst
zu schaffen.
Die Resonanz
auf Seite
der Kirchen
blieb
nämlich aus
und
Friedrichs
Bilder waren
fortwährend
dazu
verurteilt,
reine
Galeriekunst
zu bleiben.
Sein kühner
Griff, die
Landschaftallegorie
anstelle
eines
Historienbildes
oder einer
biblischen
Erzählung
auf den
Altar zu
erheben,
wurde von
den
Theologen
nicht
verstanden.
Der Mensch
ist in den
von
Friedrich
geschaffenen
Landschaften
eine seltene
Erscheinung.
Meist als
Rückenfigur
blickt er,
vom
Betrachter
abgewandt,
in das Bild
hinein und
fordert auf
diese Weise
auf, sich in
die Szenerie
hineinzuversetzen
und zu
versenken.
Man hat
daraus
schließen
wollen, daß
Figurenmalerei
nicht die
stärkste
Seite des
Künstlers
war, dabei
aber
übersehen,
daß er eine
Reihe von
Selbstbildnissen
aus
verschiedenen
Lebensaltern
hinterlassen
hat, die
seine
seelische
Entwicklung
wiederspiegeln
und eine
völlig
andere Linie
in seinem
Schaffen
dokumentieren.
Die
wechselvolle
Rezeptionsgeschichte
und
schrittweise
Erschließung
des
Friederich‘schen
Oeuvres nach
einem
Halbjahrhundert
der
Vergessenheit,
die heute
immer noch
nicht ganz
zuende
geführt ist,
lehrt uns,
daß die
Interpretationsmöglichkeiten
seiner Kunst
— namentlich
der Aspekt
seiner
Bodenverbundeheit
– noch
längst nicht
Aspekte
differenzierend
genug
beleuchtet
hat, einmal
ganz
abgesehen
von dem
kulturpolitisch
verfälschenden
Versuch, ihn
als frühen
Vorboten des
DDR-Deutschen
hinzustellen,
der sich
ausschließlich
auf dem
Territorium
dieses durch
Zufall
entstandenen
Staates
bewegt hat.
Das
ausgeprägt
politische
Engagement
des
Künstlers
bewegte sich
ja anderer
Richtung.
Ähnlich wie
seine
versteckten
theologischen
Bildaussagen,
wollen seine
patriotischen
und mitunter
gesellschaftskritischen
Hinweise
behutsam,
aber
rückhaltlos
angesprochen
werden. Tief
ergriffen
von den
stürmischen
Impulsen der
Befreiungsriege,
hält er an
diesen nur
wenig später
diffamierten
Idealen fest
und versteht
es, sie als
Botschaften
mittels
seiner
Bilder –
beispielsweise
„Huttens
Grab"
(Staatl.
Kunstsammlungen
Weimar) dem
Publikum vor
Augen zu
führen.
Neuerdings
erkennt man
auch im
Spätwerk von
der
Pinseltechnik
her, einen
starken
Schritt
voraus: Noch
zu Beginn
der
dreißiger
Jahre, in
deren
weiterem
Verlauf eine
Krankheit
den Künstler
mehr und
mehr zur
Aufgabe
seiner
Arbeit
zwingt, ist
ein
Neubeginn zu
vermerken,
was auch für
die
Farbigkeit
gilt.
Insofern
greift „Das
große
Gehege"
(Gemäldegalerie
Dresden) der
weiteren
Entwicklung
der
Malerei im
19.
Jahrhundert
vorauf,
indem es
Lichtspiegelungen
in einer
Koloristik
bringt, wie
wir sie erst
Jahrzehnte
danach bei
den großen
Meistern der
Landschaftskunst
erwarten
würden. Die
tragische
Isolierung
hat dem
gedanklich
und
künstlerisch
seiner Zeit
weit
vorauseilenden
Maler den
Pinsel aus
der Hand
genommen.
Zahlreiche
Apotheosen
seiner
Heimatstadt
Greifswald
waren dazu
angetan,
diese ins
Bild
umgesetzten
Empfindungen
eines
Künstlers,
in breiten
Schichten
der dem
Osten
verbundenen
Bevölkerung
nachzuvollziehen.
Der
geistesverwandte
Ernst Moritz
Arndt hat
die
adäquaten
Verse dafür
gefunden. An
dieser
Stelle
„Ostdeutscher
Gedenktage"
darf nicht
unerwähnt
bleiben, daß
Caspar David
Friedrich
emotionelle
Leitbilder
hinterlassen
hat, die
zahllose
heimatverbundene
Menschen
ansprechen
mußten und
ihnen etwas
zu geben
vermochten,
was ihnen
keine Macht
der Welt zu
rauben in
der Lage
war. Und
gerade an
diesem Punkt
trifft
sicherlich
die
Ausdeutung –
selbst in
ihrer
einfachsten
Form – die
Intention
und
ursprüngliche
Gefühlslage
des
Künstlers.
Lit.: Helmut
Börsch-Supan/Karl
Wilhelm
Jähnig,
Caspar David
Friedrich.
Gemälde,
Druckgraphik
und
bildmäßige
Zeichnungen,
München
1973;
Gerhard
Eimer,
Caspar David
Friedrich
und die
Gotik,
Hamburg
1963; Caspar
David
Friedrich.
Auge und
Landschaft.
Zeugnisse in
Bild und
Wort.
Interpretiert
von Gerhard
Eimer,
Frankfurt/M.
1974;
Herbert von
Einem,
Caspar David
Friedrich,
Berlin 1939;
Jens
Christian
Jensen,
Caspar David
Friedrich.
Leben und
Werk, Köln
19742.
Gerhard
Eimer