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Der
Sohn des späteren Kaisers Wilhelm
I. und der Augusta von Sachsen-Weimar, als Kronprinz Friedrich Wilhelm
genannt, hatte nach seiner militärischen Ausbildung an der Universität
Bonn studiert und an den Kriegen von 1866 und 1870/71 als Armeeführer
teilgenommen. Ein Feldherr im eigentlichen Sinne dieses Wortes war er
gleichwohl nicht; vielmehr blieb er von seinem Generalstabschef Leonhard
Graf von Blumenthal abhängig. Der Kronprinz „Fritz“ war volkstümlich.
Seine Neigungen galten sozialen
und künstlerischen Fragen,
weshalb er auch seit 1871 als Protektor der königlichen Museen wirkte.
Als er nach dem Tod seines Vaters am 9. März
1888 dessen Nachfolge antrat, war während der 99 Tage seiner
Regentschaft seine Gemahlin Viktoria Adelheid Maria Luise, Tochter der
englischen Königin Victoria, die maßgebende Persönlichkeit. Friedrich
II., der ihr in sentimentaler Anhänglichkeit verbunden war, wurde von
ihr beherrscht. Dazu mag beigetragen haben, daß er bei seinem
Regierungsantritt bereits ein todkranker Mann war. Die betreuenden
deutschen Ärzte hatten die Bösartigkeit seines Leidens frühzeitig
erkannt und gemeint, ihn durch eine Kehlkopfoperation retten zu können.
Die Vorbereitungen für die Operation waren schon getroffen, als die
Kronprinzessin verlangte, auch noch einen englischen Arzt zu
konsultieren. Dieser, Mackenzie, bestritt die Bösartigkeit der Krankheit
und verbürgte sich für einen guten Ausgang. Auch der bedeutende deutsche
Mediziner Rudolf Virchow bestritt nach einer mikroskopischen
Untersuchung eines Kehlkopfstückes des Kronprinzen, daß Spuren von Krebs
vorhanden wären. Doch hatte Virchow es unterlassen, sich davon zu
überzeugen, daß das ihm zur Untersuchung übersandte Stück von der
kranken Stelle stammte.
Als
die Heiserkeit und die Schmerzen des Kronprinzen zunahmen, begann
Mackenzie an seiner Diagnose zu zweifeln. Der schließlich
konsultierte österreichische Larynologe Schröter erklärte nach einer
Untersuchung, daß der Kronprinz noch 18 Monate zu leben habe. Über die
Durchführung einer Operation, deren Erfolg zweifelhaft sei, müsse der
Patient selbst entscheiden. Der Kronprinz lehnte einen Eingriff jedoch
ab. „Er litt und starb in beeindruckender Größe“ am 15. Juni 1888 nach
nur 99 Tagen der Regierung. Fürstliches Selbstbewußtsein und liberale
Neigungen hatten bei ihm stets im Widerstreit gelegen. Es ist daher auch
ungewiß, ob seine liberalen Freunde, darunter Franz von Roggenbach,
Gustav Freytag und Albrecht von Stosch, nachhaltigen Einfluß auf die
Reichspolitik hätten nehmen können, falls Friedrich III. ein längeres
Leben beschieden gewesen wäre.
Lit.: M. v. Poschinger, Kaiser Friedrich III., 3 Bde. (1899/1900); H. O.
Meisner, Der preußische Kronprinz
im Verfassungskampf (1931); G. Beyerhaus, Die Krise des deutschen
Liberalismus und das Problem der 99 Tage, in: Preuß. Jbb. 239 (1935); W.
Richter, Kaiser Friedrich III. (Zürich 1938); M. Freund, Das Drama der
99 Tage (1966); vgl. dazu auch S. 242.
Konrad Fuchs
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