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Der
Sohn Kurfürst Georg Wilhelms und der pfälzischen Prinzessin Elisabeth
Charlotte, einer Enkelin Wilhelms von Oranien, fand bei seinem
Regierungsantritt 1640 ein durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstetes
und machtloses Kurfürstentum vor. Durch den Westfälischen Frieden (1648)
erwarb er statt der gesamten pommerschen Erbschaft lediglich
Hinterpommern, dazu als Entschädigung für das bei Schweden verbleibende
Vorpommern die Bistümer Camin, Minden, Halberstadt sowie die
Anwartschaft auf Magdeburg.
Im
schwedisch-polnischen Krieg gelang ihm im Frieden von Oliva (1660) die
Befreiung Ostpreußens von der polnischen Lehnshoheit. Nach erfolgloser
Beteiligung an den Auseinandersetzungen mit Ludwig XIV. (1672-75)
kämpfte er erfolgreich gegen die mit Frankreich verbündeten Schweden,
die er nach dem Sieg vom Fehrbellin (28.6.1675) aus der Mark und
daraufhin auch aus Vorpommern und Preußen vertreiben konnte. Dennoch
gelang es ihm nicht, im Frieden von Saint-Germain (1679) Vorpommern in
seinen Besitz zu bringen. Daraufhin schwenkte er auf die Seite
Frankreichs über, wandte sich jedoch 1686 wieder Kaiser Leopold I. zu,
nachdem Ludwig XIV. ihm 1684 die Unterstützung in der pommerschen Frage
versagt und er selbst – entsprechend dem Edikt von Potsdam (1685) – die
aus Frankreich ausgewiesenen Hugenotten aufgenommen hatte.
Der
Hohenzollernstaat, den der Große Kurfürst vorfand, war ein Territorium
der Grenzen. Daraus ergaben sich die Aufgaben der Außenpolitik, der
Gesetzgebung und der Verwaltung. Er war zusammengehungert,
zusammengespart und zusammenerobert worden. Wider alle Vermutung und
wider alle Natur entstand im märkischen Sand eine neue Macht, deren
Grundlagen in entscheidendem Maße durch den Großen Kurfürsten gelegt
wurden. Sein Leben lang pflegte er sich holländisch zu kleiden. An
seinem Hof wehte holländische Luft, der Geist des calvinistischen
Kämpfertums und der kleinen zähen und armen Völker, die sich nach ihrer
Weltansicht mit der Bibel in der einen Hand und dem Schwert in der
anderen gegen die stolzen gold- und purpurglänzenden Großmächte zu
behaupten wußten: die Holländer gegen Spanien und Frankreich, Cromwell
gegen Spanien und Brandenburg-Preußen gegen den Kaiser.
Friedrich der Große hat in seinen Denkwürdigkeiten des Hauses
Brandenburg dem Großen Kurfürsten mit den folgenden Worten du Denkmal
gesetzt: „Seine hervorragenden Fähigkeiten paßten sich immer den
jeweiligen Umständen an, so daß sein Wesen bald heldenhaft erhaben, bald
milde und hilfreich erschien. Es ist nur ein Vorteil, wenn die meisten
Menschen vor der erfolgreichen Verwegenheit ehrgeiziger Naturen auf den
Knien liegen. Der strahlende Glanz kriegerischer Tugenden verdunkelt in
ihren Augen die unscheinbare Art bürgerlicher Tätigkeit. Friedrich
Wilhelm war ebenso bewundernswert an der Spitze seiner Heere wie an der
Spitze seines Geheimen Rates, wenn er seinem Volke Recht sprach. Im
jugendlichen Lebensalter, das sich in der Regel nur durch Verirrungen
kennzeichnet, gab er Proben kluger Umsicht... Sein hochherziger,
gütiger, edler, menschlicher Charakter verleugnete sich niemals. Er ward
der Neubegründer und Verteidiger seines Vaterlandes, der Schöpfer von
Brandenburgs Macht, der Schiedsrichter für seinesgleichen, der Stolz
seines Volkes.“ Als wichtigste Ergebnisse der Regierungszeit des Großen
Kurfürsten, der auch eine erfolgreiche See- und Kolonialpolitik mit
Stützpunkten in Afrika betrieb, sind zu nennen der Wandel von einem „frondierenden“
zu einem dienenden Adel, wodurch die Grundlage für das
brandenburg-preußische Offiziers- und Beamtentum geschaffen wurde, sowie
die Stärkung der Position der Zentralgewalt in innen- und
außenpolitischer Hinsicht. Dadurch legte er den Grundstein für die
Entstehung der Großmacht Preußen.
Lit.: M. Philippson, Der
Große Kurfürst, 3 Bde.
(1897-1903); A. Waddington,
Le Grand Electeur, 2 Bde.
(1905-1908); G. Küntzel, Der Große Kurfürst, in: Meister der Politik 2 (21923);
H. v. Petersdorf, Der Große Kurfürst (Neuausg. 1939); M. Werners, Die
Reichspolitik des Großen Kurfürsten im Rahmen seiner europäischen
Politik von 1679-84 (Diss. Bonn 1937); C. Hinrichs, Der Große Kurfürst,
in: Die Großen Deutschen, Bd. 1 (1965); G. Oestreich, Friedrich Wilhelm,
der Große Kurfürst (1971); E. Opgenoorth, Friedrich, der Große Kurfürst
(1972); F. Schevill, The Great Elector (Chicago 1947).
Konrad Fuchs
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