Ferdinand
Friedensburg
entstammt
einer
Juristenfamilie,
die in
liberalen
Traditionen
wurzelte.
Sein Großvater,
ursprünglich
Rechtsanwalt,
war
Oberbürgermeister
von Breslau,
der Vater,
eher
deutschnational
eingestellt,
war
Landrichter
in Gleiwitz
und später
am
Reichsversicherungsamt
in Berlin
tätig. Die
entscheidenden
Jugend- und
Schuljahre
verbrachte
Ferdinand
Friedensburg
in Berlin,
wo er das
berühmte
Steglitzer
Gymnasium
besuchte,
von dem am
Anfang des
20.
Jahrhunderts
der
Wandervogel
ausging, dem
Friedensburg
allerdings
nicht
angehörte.
Naturwissenschaftlich
interessiert,
studierte
Ferdinand
Friedensburg
Bergbau
Wissenschaft
in Berlin.
Nach dem
Ersten
Weltkrieg,
den
Friedensburg
zum Teil in
britischer
Gefangenschaft
in Gibraltar
verbracht
hatte,
wandte er
sich der
Politik zu.
Unter dem
Eindruck des
Kapp-Putsches
trat er 1920
der
liberalen
Deutschen
Demokratischen
Partei bei.
Von
1921-1925
war er
Landrat in
Rosenberg
(Ostpreußen),
1925-1927
Vizepräsident
der Berliner
Polizei und
von
1927-1933
Regierungspräsident
in Kassel.
Von den
Nationalsozialisten
entlassen,
widmete er
sich von
1933 bis
1945
schriftstellerischen
und
bergbauwissenschaftlichen
Arbeiten.
Nach dem
Zusammenbruch
1945
begründete
er die CDU
in der
Sowjetischen
Besatzungszone
mit. Schon
früh bemühte
er sich um
die
Wiederherstellung
der
deutschen
Einheit. Auf
seine
Anregung
fand im
November
1947 am
Wannsee eine
gesamtdeutsche
Tagung
statt, die
allerdings
erfolglos
blieb.
Ferdinand
Friedensburg
war von 1946
bis 1951
Stellvertretender
Bürgermeister
von Berlin
und von 1952
bis 1965 als
Berliner
Abgeordneter
Mitglied des
Deutschen
Bundestages.
Er leitete
das Institut
für
Wirtschaftsforschung
in Berlin
und war seit
1953
Honorar-Professor
für
Bergbauwesen
an der
Technischen
Universität
Berlin.
Im
Lebenslauf
Ferdinand
Friedensburg
spiegelt
sich der
Ablauf der jüngeren
deutschen
Geschichte
exemplarisch
wider.
Politisch
war er Ost-,
Mittel- und
Westdeutschland
verbunden.
Liberale und
nationale
Haltung
prägten
seine
politische
Einstellung,
humanistische
Bildung,
verbunden
mit
naturwissenschaftlichen,
technischen,
juristischen
und
wirtschaftlichen
Interessen
kennzeichnen
die
vielseitige
Persönlichkeit,
die sich
durch
umfassendes
Wissen und
vielseitige
Bildung von
heutigem
Spezialistentum
unterscheidet.
Ferdinand
Friedensburg
entstammt
jenem
wilhelminischen
Bürgertum,
das im
positiven
Sinne durch
Besitz und
Bildung
geprägt war.
Heute
erscheint
dieses
Bürgertum
vielfach als
Zerrbild,
wie es
insbesondere
in den
Darstellungen
von Heinrich
Mann in
„Professor
Unrat" und
im
„Untertan"
vorgestellt
wurde. An
den
Lebenserinnerungen
von
Ferdinand
Friedensburg
wird aber
deutlich,
welches Maß
an
Gelehrsamkeit,
klassisch-humanistischem
Erbe,
gepaart mit
Zivilcourage
und
nationaler
Gesinnung,
in diesen
Kreisen
vorhanden
war, die
alle
Schilderungen
des
Untertanentums
als
Karikatur
entlarven.
Für
Friedensburg
gab es eine
klare
Wertefolge:
Staatsbewußtsein
und
Verantwortungsbereitschaft,
Zivilcourage
und
Traditionsbewußtsein
waren die
Basis dieser
Haltung. Die
Erinnerung
an Ferdinand
Friedensburg
kann zur
Stärkung des
Verantwortungsbewußtseins
der
Bundesrepublik
Deutschland
und der
deutschen
Einheit
gegenüber
beitragen.
Lit.: Ferdinand Friedensburg: Lebenserinnerungen, Frankfurt a.M., Bonn
1969; drs.:
Es ging um
Deutschlands
Einheit,
Berlin 1971;
ders.:
Politik und
Wirtschaft,
Aufsätze
und
Vorträge,
Berlin 1961
Photo:
BTA,
Bundesbildstelle,
Nr.
19868/21.
Hans-Helmuth
Knütter