Der Vater
des am 30.
August 1858
in Gleiwitz
in
Oberschlesien
geborenen
Fritz von
Friedlaender-Fuld,
der jüdische
Kaufmann
Emanuel
Friedlaender,
hatte in den
50er Jahren,
als die
oberschlesischen
Steinkohlegruben
nach
Eröffnung
der
Oberschlesischen
Eisenbahn
und der
österreichischen
Kaiser-Ferdinands-Nordbahn
zum
Bahnverband
und zum
Kohleexport
übergingen,
die erste
Kohlengroßhandlung
in
Oberschlesien
gegründet.
Bereits mit
siebzehn
Jahren trat
der Sohn in
das
väterliche
Geschäft
ein. 1880,
in der
schweren
Krise, die
das deutsche
Wirtschaftsleben
nach den
Gründerjahren
durchmachte,
starb der
Vater und
hinterließ
dem erst
22-Jährigen
das schwer
belastete
Unternehmen.
Friedlaender
gelang es,
durch
Übergang vom
Eigen- zum
Kommissionsgeschäft
in einigen
Jahren die
übernommenen
Verpflichtungen
abzutragen
und Pläne zu
verwirklichen,
die schon
seinem Vater
vorgeschwebt
hatten: die
Einführung
der
Koksindustrie
mit
Gewinnung
der
Nebenprodukte
in
Oberschlesien
und die
Schaffung
einer
eigenen
großen
Kohlenproduktion.
Auf dem
Gelände der
Königin-Luise-Grube
in Zabrze
(später
Hindenburg)
entstanden
an den
Schächten
Poremba
und
Skalley
die ersten
modernen
Koksereien,
die neben
Koks auch
Ammoniak und
Benzol
produzierten.
Darüber
hinaus baute
er mehrere
Kohlengruben
im Rybniker
Steinkohlenrevier
sowie
Anlagen der
chemischen
Industrie in
Oberschlesien.
Friedlaender
gründete mit
Partnern die
Oberschlesischen
Kokswerke
und die
Chemische
Fabriken AG,
die er an
die Börse
brachte. Er
gilt als
Begründer
der
Braunkohlen-
und
Brikettindustrie
in der
Niederlausitz.
In der Liste
der
Vermögenden
in Preußen
kam
Friedlaender
gleich nach
dem Kaiser.
Auf 46
Millionen
Mark
schätzten
Zeitgenossen
seinen
Besitz.
Friedlaender
war
verheiratet
mit Milly
Fuld. Seine
Tochter
Marie-Anna
(1892-1973),
eine
Briefpartnerin
des Dichters
Rainer Maria
Rilke
(1875-1926),
war in
erster Ehe
mit dem
englischen
Adligen John
Mitford (aus
dem Haus der
Barone
Redesdale)
verheiratet,
in zweiter
Ehe mit dem
Diplomaten
und letzten
Außenminister
des
deutschen
Kaiserreichs
Richard von
Kühlmann
(1873-1948)
und
schließlich
in dritter
Ehe Rudolph
von
Goldschmidt-Rothschild
(1881-1962),
den zweiten
Sohn des
Frankfurter
Bankiers
Maximilian
Freiherr von
Goldschmidt-Rothschild
(1843-1940).
Friedlaender
konvertierte
zum
Protestantismus.
Er wurde am
27. Februar
1906 mit
Diplom vom
7. Februar
1910 als
königlich
preußischer
Geheimer
Kommerzienrat
und
Fideikommissherr
auf Gut
Groß-Gorschütz
im
oberschlesischen
Landkreis
Ratibor in
den
preußischen
Adelsstand
erhoben mit
Namensführung
von
Friedlaender-Fuld
(nach seiner
Ehefrau). Er
war Mitglied
zahlreicher
Aufsichtsräte,
unter
anderen der
Deutschen
Bank (um
1912-1915),
war Mitglied
im
Zentralausschuss
Reichsbank
und
niederländischer
Generalkonsul.
Außerdem
gehörte er
in den
Jahren 1916
bis 1918 dem
Preußischen
Herrenhaus
an – eines
der ersten
Mitglieder
jüdischer
Abstammung.
In Berlin
besaß von
Friedlaender-Fuld
unter
anderem ein
Palais am
Pariser
Platz. Er
ließ zudem
in der von
ihm
gepachteten,
zu den
Gräflich
Redernschen
Besitzungen
gehörenden
Herrschaft
Lanke neue
Gebäude
errichten.
Als die
Herrschaft
Lanke 1914
an die Stadt
Berlin
gelangte,
blieb von
Friedländer-Fuld
dort
weiterhin
Pächter. Er
verzichtete
auf sein
Vorkaufsrecht,
ließ sich
aber vom
Magistrat
der Stadt
Berlin das
Wohnrecht
und das
Pachtverhältnis
garantieren.
Schloss
Lanke
bewohnte er
bis zu
seinem Tod
am 16. Juli
1917.
Die Familie
des Fritz
von
Friedlaender-Fuld,
der sich
nicht
zuletzt als
Begründer
der
oberschlesischen
Koksindustrie
in Zabrze/Hindenburg
hohe
Verdienste
erworben
hatte,
sollte sich
wegen
drohender
Anfeindungen
1932
genötigt
sehen,
Deutschland
zu
verlassen.
Bild:
Privatarchiv
des Autors
Michael
Ferber