Als man nach
dem Krieg
daran ging,
die Trümmer
der
zerbombten
Gebäude in
Deutschland
abzuräumen,
um neu
aufbauen zu
können,
glich die
deutsche
Kunstszene –
symbolisch
betrachtet –
nicht minder
einem
Trümmerfeld.
Damals
schienen
Johnny
Friedlaenders
Malerei und
vor allem
seine
Farbradierungen
wegen der
eingängigen
malerischen
Handschrift,
dem
Impressionismus
verwandt,
und der
vielfältigen
phantasiereichen
Formen
besonders
geeignet,
eine Brücke
zwischen der
zwölf Jahre
lang in
einem
künstlerischen
Getto
gehaltenen
Bevölkerung
und einer
neuen
„abstrakten“
Sehweise
bauen zu
können.
1948 hatte
Friedlaender
in der
Pariser
Galerie
„La Hune“
seine erste
Einzelausstellung,
der dort ein
Jahr danach
eine zweite
folgte;
bereits 1950
wurde seine
Kunst durch
die „Bibliotheque
Française“
dem
deutschen
Publikum in
Nürnberg
nahegebracht.
Man konnte
seine
lyrisch-kammermusikalischen
und in einer
sensiblen
Palette
Komponierten
Arbeiten in
den nächsten
Jahren in
den
Staatlichen
Museen
Berlin
(1957), im
Museum
Braunschweig
(Retrospektive
1949-1960),
in der
Oberbeck-Gesellschaft
in Lübeck
(1965) und
in
verschiedenen
Privatgalerien
sehen.
Mit der Zeit
wurde es um
diesen
stillen
Maler auch
in der
Bundesrepublik
stiller.
Nicht nur,
weil die
sogenannte
abstrakte
Kunst mit
ihren
inzwischen
mannigfaltigen
Varianten
sich einen
festen Platz
auch im
westlichen
Teil
Deutschlands
erobert
hatte. Auch
die schier
grenzenlose
westliche
Kunstszene
– von Op und
Pop Art bis
zum
Neo-Realismus
und den
Jungen
Wilden – war
zu einem
unübersehbaren
Panorama
angewachsen.
Es ist das
Verdienst
der Künstlergilde
Esslingen,
Johnny
Friedlaender
durch die
Verleihung
ihres
Lovis-Corinth-Preises
1982 wieder
ins Licht
der
Öffentlichkeit
gerückt zu
haben. Das
gilt nicht
allein für
das
malerische
und
grafische
Œuvre dieses
in Paris
lebenden
Künstlers.
Nun
erinnerte
man sich
auch seiner
Herkunft aus
Oberschlesien.
Weitgehend
war
Friedlaender
– besonders
bei jenen,
denen der
Reisepaß
mehr gilt
als
Geburtsort
und
Volkszugehörigkeit
– als
Franzose
abgestempelt.
In Pless/Oberschlesien
1912
geboren,
studierte er
an der berühmten
Breslauer
Kunstakademie
bei Otto
Mueller und
Carlo Mense,
lebte bis
1934 in
Dresden und
emigrierte
als
deutscher
Jude in die
Tschechoslowakei
(wo er in
Mährisch-Ostrau
seine ersten
Radierungen
ausstellte)
und von dort
1937 über
Österreich,
die Schweiz
und Belgien
nach
Frankreich.
Der Versuch,
hier Fuß zu
fassen,
gelang, und
bald
stellten
sich Erfolge
ein
(Ausstellungen,
Tätigkeit
als
Illustrator
u.a.), doch
bei
Kriegsausbruch
wurde er als
politischer
Flüchtling
in
verschiedenen
Lagern
interniert.
Nachdem er
die
französische
Staatsbürgerschaft
erworben
hatte, wurde
er in das
moderne
Pariser
Kunstleben
integriert;
er stellte
in Schweizer
Museen aus,
im Modernen
Museum zu
Sao Paolo,
in Rio de
Janeiro, in
Brüssel, in
Jugoslawien
und in
zahlreichen
weiteren
europäischen
und
amerikanischen
Kunstzentren.
1958
repräsentiert
er
Frankreich
auf der
Biennale in
Venedig,
1957 erhielt
er den Preis
der Biennale
in Tokio,
1974 steht
eine
Ausstellung
der
Bibliothèque
Municipale
Colmar unter
dem Titel
„Hommage à
Friedlaender“.
Als Meister
der
Farbradierung
betätigte
sich
Friedlaender
wiederholt
als
Pädagoge:
1949
gründete er
in Paris
eine Schule
der
Radierung,
1959 erhält
er durch die
UNESCO einen
Lehrauftrag
in Rio de
Janeiro,
1966 und
1967 ist er
Professor an
der
Sommerakademie
in Salzburg.
Neben seinen
„abstrakten“
Bildtiteln
erscheinen
oft konkrete
wie Blumen,
Landschaft,
Vögel –
freilich in
französischer
Sprache.
Fragt sich,
ob dieser
Künstler
sich aus
absoluten,
inneren
Visionen und
Träumen der
Wirklichkeit
näher, oder
umgekehrt,
also
abstrahiert.
Dabei spielt
die Musik
für ihn eine
wichtige
Rolle, wie
man
das nicht
zuletzt von
seinen
Bildunterschriften
„Scherzo“,
„Fuge“,
„Kontrapunkt“,
„Accord vert“,
„Stockhausen-Microphocie“
ablesen
kann.
Friedlaender:
„Bedenken
Sie bitte,
daß die
Musiker uns
schon seit
langem damit
vertraut
gemacht
haben,
Visuelles in
Akustisches
zu
transponieren.
Möge der Tag
kommen, wo
ein
Komponist
uns die Töne
zurückgibt
...“
1969 verlieh
der Bundespräsident
dem
„Franzosen
aus
Oberschlesein“
Johnny
Friedlaender
das
Bundesverdienstkreuz.
Lit.: R. Schmücking „Johnny
Friedlaender.
Werkverzeichnis
der
Radierungen“,
Braunschweig,
Bd. I
„1930-1972“,
Bd. II „1973
bis 1976“,
Bd. III
„1977-1981“
– J. F. in
Ausstellungskatalogen:
Meisterwerke
der
Druckgraphik
des 20.
Jahrhunderts
aus dem
Besitz der
Ostdeutschen
Galerie
Regensburg,
1984 – „10
Jahre
Lovis-Corinth-Preis
der
Künstlergilde“,
Esslingen,
1984 –
„Kunst in
Schlesien –
Künstler aus
Schlesien,
Regensburg
1985.
Günther Ott