Julius
Fröhlich
gehörte zu
jener
Generation
der
Deutschen
Südosteuropas,
die entlang
ihres Lebens
zwei
Weltkriege
erlebten und
aus
geopolitischen
Gründen die
Staatsbürgerschaft
viermal
wechseln
sollten
(geboren in
der k.u.k.
Monarchie,
1919
Königreich
Rumänien,
1940 Ungarn
und 1945
Österreich).
Geboren
wurde er im
damaligen
Königreich
Ungarn am
8.2.1881 in
Schäßburg
(rum.
Sighişoara,
ung.
Segesvár) –
dem „Rothenburg
ob der
Tauber
Rumäniens“,
einem der
besterhaltenen
mittelalterlichen
Städte des
Landes
(siehe OGT
2001/02) –
als
Nachkomme
einer alten
siebenbürgisch-sächsischen
Intellektuellenfamilie.
Sein Vater
Josef
Fröhlich
(1844-1925)
war
Gymnasialprofessor
in Schäßburg
und später
Pfarrer in
Keisd (rum.
Saschiz,
ung.
Szászkézd)
und
Reichesdorf
(rum. Richiş,
ung.
Riomfalva);
seine Mutter
(geb.
Maurer) war
eine
Kaufmannstochter
aus Birthälm
(rum.
Biertan,
ung.
Berethalom).
1899 legte
Fröhlich am
Evangelischen
Gymnasium in
Schäßburg
die
Reifeprüfung
(Matura) ab,
um
anschließend
(1899-1900)
als
Einjährig-Freiwilliger
in der
österreichischen
k.u.k. Armee
beim
Artillerie-Regiment
Nr. 16 in
Kaschau
(damals
Nordungarn =
Kassa, heute
Slowakei =
Košice) zu
dienen,
wonach er –
verdiensthalber
– außer der
Reihe zum
Leutnant der
Reserve
befördert
wurde. Wie
die Mehrzahl
der
damaligen
siebenbürger-deutschen
Forstmänner
belegte er
1900 einen
Studienplatz
für
Forstwesen
an der
Königlich
Ungarischen
Akademie
für Bergbau
und
Forstwissenschaften
in Schemnitz
(damals
Selmecbánya
in
Oberungarn,
heute Banská
Stiavnica in
der
Slowakei).
Seine
forstwissenschaftliche
Ausbildung
setzte er
1901 bis
1904 an der
Hochschule
für
Bodenkultur
in Wien –
der
renommierten
Alma
mater
viridis
– fort, die
er als
Diplom-Forstingenieur
abschloss.
Die
berufliche
Laufbahn
begann er
1905 als
Forstpraktikant
im
bosnisch-herzegowinischen
Staatsdienst
in Sarajewo.
Nach dem
Russisch-Türkischen
Krieg
(1877/78)
wurde auf
dem Berliner
Kongress
1878
Bosnien-Herzegowina
unter
österreichisch-ungarische
Verwaltung
gestellt.
Nun begann
allmählich
die
Erschließung
der
unendlichen
Urwälder
dieses
Großraumes,
die unter
der
osmanischen
Herrschaft
nicht
genutzt
wurden, da
die Bringung
große
Investitionen
und
berufliches
Können
voraussetzten.
Hier sollte
Fröhlich,
zusammen mit
seinem
Kommilitonen,
dem späteren
Universitätsprofessor
Dipl.-Ing.
Dr. Dr. h.c.
Leo
Tschermak
(1882-1969),
die ersten
Untersuchungen
zur Kenntnis
des
südosteuropäischen
Urwaldes
durchführen.
Darüber
schreibt
Prof.
Tschermak
1922:
„Als ich vor
18 Jahren in
einem
Urwaldlande,
Bosnien, die
Beobachtungen
zu sammeln
begann, auf
Grund deren
ich später
meine
Erstlingsarbeit
1910
verfasste,
war Herr
Dipl.-Ing.
J. Fröhlich
mein
Kollege.
Während ich
das
Urwaldland
nach
zweieinhalbjährigem
Aufenthalte
wieder
verließ, hat
Dipl.-Ing.
J. Fröhlich
seither
ununterbrochen
eine reiche
praktische
Tätigkeit im
Urwalde
Bosniens und
in jenen
seiner
siebenbürgisch-sächsischen
Heimat
entfaltet“.
Fröhlich
sollte sich
– bis zur
großen
Flucht 1944
aus seiner
Heimat
Siebenbürgen
– intensiv
der
wissenschaftlichen
Erfassung
der letzten
Urwälder und
deren
forstlicher
Praxis,
widmen.
In Sarajewo
heiratete
Fröhlich
1907
Charlotte
Leicht (*
1887); aus
der Ehe
gingen zwei
Söhne
hervor. Ein
Jahr darauf
(1908) wurde
ihm die
Leitung der
k.u.k.
Forstdomäne
Pribinič
übertragen
(Forstamtsleiter,
nach
heutigem
Status =
Forstoberrat);
1911 zum
Oberförster
ernannt (=
Forstdirektor),
übernahm er
die Leitung
der
Forstverwaltung
Prača,
später dann
(1913)
Sjutline in
Bosnien.
Hier
vertiefte er
seine
fachlichen
Kenntnisse
und
Erfahrungen,
durch die er
später zum
bedeutendsten
Forstexperten
Südosteuropas,
Kleinasiens
und
Nordost-Afrikas
werden
sollte. Hier
schrieb er
auch seine
ersten
Erkenntnisse
zum Problem
der
Buchen-Urwälder
unter dem
Titel Aus
dem
bosnischen
Buchenwalde
nieder.
Den Ersten
Weltkrieg
machte er
als
Oberleutnant
der Reserve
mit, wobei
er vor allem
als
Verbindungsoffizier
und
Dolmetscher
(deutsch,
serbo-kroatisch,
ungarisch,
rumänisch),
zuletzt beim
deutschen
Oberkommando
in Serbien,
eingesetzt
war.
Enttäuscht
vom
Kriegsausgang
und dem
Zusammenbruch
der
Österreichisch-Ungarischen
Monarchie
1919, kehrte
er in seine
Heimat
Siebenbürgen
(nun zum
Königreich
Rumänien
gehörend)
zurück. Hier
war er
zunächst bis
1921 im
rumänischen
Staatsforstdienst
(Forstamt
Schäßburg)
tätig. Im
Sommer
desselben
Jahres
wechselte er
als
Forstinspektor
zur
Ersten
Sächsisch-Regener
Floßhandelsgesellschaft
mit Sitz in
Răstoliţa
(ung.
Ratosnya) in
den
Ostkarpaten
(Kelemen-Gebirge,
rum. Munţii
Călimani);
die
Geschichte
dieser
siebenbürgisch-deutschen
Gesellschaft
(gegründet
1866) sollte
sein
Landsmann
und spätere
Nachfolger
H.F.E.
Czoppelt
(1905-1994)
veröffentlichen
(siehe OGT
2005/06).
1922
wechselte
Fröhlich zur
Foresta
Romānă
mit
Hauptsitz in
Bukarest –
der größten
Holzindustrie
A.G.
Südosteuropas
– wo er bis
1940
Forsttechnischer
Leiter
(Leitender
Forstingenieur)
war. Es ist
zu erwähnen,
dass dieser
Riesenbetrieb
(25
Großsägewerke
mit 110
Vollgattern)
nach dem
Ersten
Weltkrieg
aus der
Firma P. &
C. Götz &
Cie mit
Zentralsitz
in Wien,
hervorgegangen
ist. Seine
zusätzliche
Betätigung
als
Gutachter
bei
Schätzungen,
Erschließungen
und
Forsteinrichtungskampagnen
ausgedehnter
Urwaldgebiete,
führten ihn
in dieser
Zeit auch
nach Polen,
Ungarn,
Italien
und
Jugoslawien.
Als Fachmann
von
inzwischen
internationalem
Ruf (genannt
Urwald-Fröhlich)
war er in
der Zeit von
1930 bis
1940
mehrfach mit
großen
forstlichen
Begutachtungen
(forstliche
Erschließungen
großer
Urwaldflächen)
in
Kleinasien
(Türkei) und
Nordost-Afrika
(Abessinien)
betraut.
Durch den
Zweiten
Wiener
Schiedsspruch
wurde
Nordsiebenbürgen
im Jahre
1940 Ungarn
zugesprochen.
Fröhlich
quittierte
den Dienst
bei der
Foresta
und
entschied
sich für
Ungarn, wo
er 1940/41
als
Vertretender
Direktor (=
Leitender
Forstdirektor)
an der
königlich
ungarischen
Forstdirektion
Klausenburg
(ung.
Kolosvár,
rum. Cluj)
tätig war.
1942 wurde
er in das
Ungarische
Forstministerium
als
Ministerialrat
nach
Budapest
berufen. Im
Zuge der
Evakuierung
der
deutschen
Bevölkerung
Nordsiebenbürgens
im Herbst
1944 kam
seine
Familie aus
Sächsisch
Regen nach
Ödenburg
(ung.
Sopron).
Kurz vor dem
Zusammenbruch
des Dritten
Reiches
flüchtete
Fröhlich am
15. Februar
1945 mit
seiner
Familie nach
Österreich.
Er ließ sich
in
Altmünster
bei Gmunden
nieder, wo
er neben
gelegentlichen
forstlichen
Beratungen
von
Großwaldbesitzern
als
Schlossverwalter
und
Revierförster
bei der
Herrschaft
Ebenzweiter
im
Salzkammergut
arbeitete.
Julius
Fröhlich
starb am 31.
Mai 1957 an
den Folgen
einer Sepsis
(Blutvergiftung)
in Linz und
wurde am 3.
Juni in
Altmünster
am Traunsee
zu Grabe
getragen.
Dort wurden
auch eine
Straße und
ein Wald zur
Erinnerung
an diesen
verdienstvollen
Forstmann
nach ihm
benannt.
Fröhlich ist
als einer
der
fruchtbarsten
deutschsprachigen
Forstfachschriftsteller
Südost-Europas
anzusehen.
Seit dem
Jahre 1905
veröffentlichte
er in
österreichischen,
deutschen,
schweizerischen,
ungarischen,
rumänischen
und
jugoslawischen
Fachzeitschriften
weit über
300
Arbeiten.
Sein
Hauptwerk
Urwaldpraxis
(1954), in
dem seine
40-jährige
Erfahrung
zusammengefasst
wird, ist
auch heute
noch in der
Fachliteratur
betreffend
den Urwald
als
Standardwerk
anzusehen.
Bis zum
Erscheinen
dieser
Arbeit lagen
aus den noch
existierenden
Urwäldern
Europas
keine mit
dem
notwendigen
Zahlenmaterial
ausgestatteten
Untersuchungen
vor. Erst 40
Jahre später
(1995)
veröffentlichte
Prof. Dr.
Stefan
Korpel (Zvolen/Slowakei)
das Werk
Die Urwälder
der
Westkarpaten
sowie 1997
Dr. G.M.
Smejkal und
Mitarbeiter
Banater
Urwälder
(Rumänien).
Beide
Arbeiten
beschränken
sich auf
eine relativ
kleine
Urwaldfläche.
Sein Buch
Urwaldpraxis
widmete J.
Fröhlich
seinem Sohn
und
Mitarbeiter
Paul, der zu
den rund
9.000
rumäniendeutschen
Gefallenen
der
Waffen-SS im
Zweiten
Weltkrieg
zählt.
Als
leidenschaftlicher
Weidmann
veröffentlichte
Fröhlich
auch
zahlreiche
Fachartikel
u.a. in der
Österreichischen
Forst- und
Jagdzeitung
(Wien),
Der Anblick
(Graz),
Wild und
Hund
(Berlin und
Hamburg)
etc.; 1947
erschien aus
seiner Feder
in Bad Ischl
sein Buch
Jagderlebnisse
und
Abenteuer.
Ein
Jägerleben
in
Bosniens
Wäldern.
Er war auch
ein emsiger
und
begeisterter
Märchensammler;
so
veröffentlichte
er außer in
Zeitungen
und
Zeitschriften,
auch seine
Märchensammlung
Bosnische
Geschichten
(1939; 2.
Aufl. in
Gmunden/Österreich).
Fröhlich war
der erste
und letzte
Forstmann
Europas, der
in der
ersten
Hälfte des
20.
Jahrhunderts
die örtlich
großflächig
noch
bestehenden
Urwälder
bereiste und
vor allem
die nötigen
dendrometrischen
Vermessungen
dieses
ehemaligen
Urwaldreichtums
festhielt.
Seine
waldbaulichen
Konzepte
erlauben uns
heute, die
noch
existierenden
Reste dieser
einstigen
Naturpracht
schonend und
naturnah zu
schützen und
zu
bewirtschaften.
Werke:
Ein
Verzeichnis
der
Veröffentlichungen
von J.
Fröhlich
siehe bei H.
Hienz
(1998),
S.158-163.
Lit.:
J.
Fröhlich,
Aus der
Urwaldpraxis.
Erfahrungen
und
Beobachtungen
aus den
Urwäldern in
Bosnien und
Siebenbürgen,
in: Allgem.
Forst- u.
Jagd-Ztg,
40, Wien
1922, S.
226, 232,
238. – J.
Fröhlich,
Aus den
südosteuropäischen
Urwäldern,
in:
Forstwiss.
Centralbl.,
48, Hamburg
u. Berlin
1926, S.
305-328. –
J. Fröhlich,
Urwaldpraxis.
40jährige
Erfahrungen
und Lehren,
Radebeul u.
Berlin 1954,
200 S. – F.
Hafner,
Oberforstrat
i.R.
Dipl.-Ing.
Julius
Fröhlich †,
in: Allgem.
Forstztg,
68. Jg.,
Wien 1957,
S. 208. – H.
Heltmann,
Gefragtester
Forstfachmann
Ing. Julius
Fröhlich,
in: Siebenb.
Ztg, 56.
Jg., 4,
München
2006, S. 8.
– H.A. Hienz,
Julius
Michael
Fröhlich.
Schriftsteller-Lexikon
der
siebenbürger
Deutschen,
Bd. VI,
1998,
Köln-Weimar-Wien,
S. 158-163.
– A.H. (A.
Hönig),
Oberforstrat
Ing. Julius
Fröhlich.
Ein Nachruf,
in: Siebenb.
Ztg., 7,
München
1957, S. 4.
– S. Korpel,
Die Urwälder
der
Westkarpaten.
Stuttgart-Jena-New
York 1995,
310 S. – G.
Nussbächer,
Der große
Stadtbrand
von
Schässburg.
OGT
2001/2002,
Bonn, S.
324-328. –
R. Rösler,
Zur
Forstgeschichte
Rumäniens.
News of
Forest
History 28,
1999, Wien,
76 S. – R.
Rösler,
Studierende
aus dem
Südost-Karpatenraum
an der
Königlich
Ungarischen
Berg- und
Forstakademie
Schemnitz,
in: Siebenb.
Familienforschung,
21. Jg., 2,
2004,
Köln-Weimar-Wien,
S. 72-78. –
R. Rösler,
Julius
Michael
Fröhlich.
Oberforstrat
und
Urwaldfachmann,
bekannt als
„Urwald-Fröhlich“,
in:
Agrar-Information
86, 2007,
Spraitbach,
S. 55-57. –
G.M. Smejkal,
C. Bindiu u.
D.
Vişoiu-Smejkal,
Banater
Urwälder.
Ökologische
Untersuchungen
in Rumänien,
Temeschwar
1997, 198 S.
Bild:
Kulturstiftung.
Rudolf
Rösler