Von Jenas
historischen
Kulturstätten,
die an die
berühmte
”klassische
Zeit” dieser
”Stapelstadt
des Wissens
und der
Wissenschaften”
erinnern,
wie Goethe
Jena
bezeichnete,
und die
weitgehend
den
vernichtenden
Luftangriff
vom Frühjahr
1945
überlebten,
ist auch das
in der
deutschen
Kulturgeschichte
zu einem
Begriff
gewordene
”Frommannsche
Haus” zu
nennen. Es
liegt unweit
vom
Hauptgebäude
der
Friedrich-Schiller-Universität
an Jenas
”via
triumphalis”,
die heute
wieder
Fürstenallee
heißt.
Dieses
”Frommannsche
Haus” hat
keine
geringe
Rolle
gespielt –
”als
Vereinigungspunkt
vieler
Gelehrter
und Künstler
und sonst
angesehener
Personen”,
wie Goethe
sich
Eckermann
gegenüber am
19. Juni
1823
ausdrückte.
Alles, was
”in
Deutschland
Namen hat”,
sei in
diesem
Hause, bei
Frommann,
gewesen. Er
selbst, so
Goethe, habe
”dort gerne
verkehrt.”
Daß dieses
Haus solche
hervorragenden
Geister
anzog und zu
einem
gesellig-geistigen
Mittelpunkt,
nicht nur
für die
geistigen
Größen von
Jenas Alma
mater,
sondern des
deutschen
Kulturlebens
schlechthin
wurde, war
das
Verdienst
des
Buchhändlers
und
Verlegers
Carl
Friedrich
Ernst
Frommann,
des Vaters
von
Friedrich
Frommann,
der am 14.
September
1765 in
Züllichau
geboren
worden war
und dessen
Vater und
Großvater
ebenfalls
Buchhändler
gewesen
waren.
Friedrich
Frommann
trat 1825 in
das
Unternehmen
des Vaters
ein, in dem
er auch
seine
Ausbildung
als
Buchhändler
genossen
hatte. Eine
Gehilfenzeit
bei Perthes
& Besser
sowie eine
Buchdruckerlehre
und Studien
in Berlin
waren
gefolgt.
Vater Carl
Friedrich
Frommann
hatte nach
einer Lehre
bei Mylius
und Vieweg
in Berlin
von seinem
Vater in
Züllichau
die Leitung
einer
Buchhandlung
übernommen,
die seit
1785 im
Familienbesitz
war und die
er zu einem
führenden
Schul- und
Wörterbuchverlag,
der auch
pietistische
Schriften
herausgab,
ausbaute. So
erschien in
seinem
Unternehmen
das erste
griechisch-deutsche
Wörterbuch
von Johann
Gottlob
Schneider-Saxo
(1797). 1798
siedelte
Frommann mit
dem Verlag
von
Züllichau
nach Jena
über, wobei
die Gründe
hierfür
unklar
geblieben
sind; man
nimmt an,
daß eine
Verstrickung
in
freimaurerische
Aktivitäten
ausschlaggebend
war. Einen
bedeutenden
Aufschwung
nahm sein
Jenenser
Unternehmen,
nachdem es
sich Ende
1799 mit der
Chemnitzer
Druckerei
von Carl
Wesselhoeft
verbunden
hatte.
Bereits 1803
beschäftigte
Frommann 13
Gesellen.
Das Programm
des Verlages
umfaßte
neben
theologischen
Werken
zunehmend
auch
medizinische
(Hufeland)
sowie auch
philosophisch-historische
Literatur
(Oken,
Luden).
Frommanns
Druckerei
arbeitete
vorrangig
für den
”Bonaparte
unter den
deutschen
Verlegern”,
Cotta.
Goethe
pflegte
durch die
Hand Riemers
einen regen
Kontakt zu
Frommann,
wie
eindrücklich
der von
Ferdinand
Heitmüller
herausgegebene
Briefwechsel
Aus dem
Goethehaus
(Stuttgart
1892) zeigt.
Am meisten
behagte den
Dichter das
Frommannsche
Haus; ”hier
hing sein
Auge im
Winter
1807-1808 an
der
lieblichen
Erscheinung
von
Frommanns
Pflegetochter
Minchen
Herzlieb”
(welche die
Frommanns
nach dem
Tode ihrer
Eltern als
Neunjährige
zu sich
genommen und
nach Jena
mitgebracht
hatten).
Goethe hat
ihr, von der
”Sonettenwut”
des
vorübergehend
bei Frommann
verkehrenden
Zacharias
Werner
angesteckt,
in
Sonettform
”ein paar
Gedichte
zart
verschleierter
Liebeshuldigung”
(W. Vulpius)
gewidmet. Es
ist wohl als
gesichert
anzunehmen,
daß dieses
Mädchen
späterhin
als Urbild
zur Ottilie
in Goethes
Wahlverwandtschaften
diente. So
jedenfalls
geistert es
auch durch
Louise
Seidlers
Erinnerungsbuch,
dieser
Jenenser
Malerin,
herausgegeben
von Hermann
Uhde (Gustav
Kiepenheuer
Verlag
Weimar
1970).
Dieser
einzigartige
gesellige
Verkehr mit
literarisch
wie
künstlerisch
interessierten
Männern und
Frauen nicht
nur der
Stadt Jena
ist auch dem
Sohn der
Frommanns,
Friedrich
(Johannes)
Frommann,
”Fritz”
gerufen, im
Gedächtnis
geblieben.
”Bei seinen
oft
monatelangen
Aufenthalten
kam...
[Goethe]
gern abends
zur
Teestunde,
wenn er
wußte, daß
er die
Älteren
[Eltern]
allein im
kleinen
vertrauten
Kreise fand,
wobei es ihm
am wohlsten
war und er
gern aus
sich
herausging.
Allem wußte
er einen
Reiz zu
geben und
eine
interessante
Seite
abzugewinnen.
Der Genuß am
Lesen seiner
Schriften
reicht lange
nicht an den
seiner
mündlichen
Unterhaltung.
Er war ein
Meister im
Erzählen; es
ging aus
einem
Gusse...”
Stattgefunden
haben die
Begegnungen
mit Goethe
meistens im
”Blauen
Salon”, der
sich einst
über der
heute noch
bestehenden
Tordurchfahrt
befand.
Nach dem
Tode seines
Vaters 1837
führte
Friedrich
Frommann das
väterliche
Unternehmen
weiter,
schränkte
jedoch die
verlegerische
Tätigkeit
ein –
ausgelöst
wohl auch
durch die
Übersiedelung
des
Verlegers
Gustav
Fischer nach
Jena, der
auf dem
Gebiet der
Buchedition
neue
Maßstäbe
setzte.
Schließlich
verlor die
verlegerische
Tätigkeit
immer mehr
an Profil
und gehörte
bald fast
ganz der
Vergangenheit
an, die
Frommann
noch einmal
mit der
Herausgabe
von
Erinnerungen
an die für
immer
entschwundenen
großen Jahre
beschwor,
die das
Elternhaus
in Jenas
klassischer
Zeit erlebt
hatte (Das
Frommannsche
Haus und
seine
Freunde.
Jena 1872.
2.,
vermehrte
Auflage).
Friedrich
(Johannes)
Frommanns
weitere
Tätigkeit
konzentrierte
sich
verstärkt
auf die
Profilierung
des
”Börsenvereins
der
deutschen
Buchhändler
zu Leipzig”,
dessen 1.
Vorsteher er
dreimal war
(1841-43,
1847-49,
1862-64).
Als solcher
wirkte er
vor allem
entscheidend
bei der
Ausformung
des
deutschen
Urheberrechts
mit und
beeinflußte
als
Mitverfasser
zahlreicher
Denkschriften
Profil und
Geist des
deutschen
Buchhandels
und
Buchgewerbes.
Aus seiner
Feder stammt
die
Geschichte
des
Börsenvereins
der
Deutschen
Buchhändler,
die 1875
erschien. Er
war auch
einige Zeit
als
Redakteur
für
verschiedene
Zeitungen
tätig. Im
übrigen
zählte
Frommann zu
den
führenden
Repräsentanten
der
Jenaischen
Burschenschaft.
Er ist Autor
der Schrift
Das
Burschenfest
auf der
Wartburg
von 1818.
Jahrzehntelang
war
Friedrich
Frommann
Mitglied des
Jenaer
Stadtrats
und des
Weimarer
Landtags.
Auf Antrag
des
Mathematikers
Carl Snell
wurde ihm
1875 durch
die
Universität
Jena als
erstem
deutschen
Buchhändler
die Würde
eines
Ehrendoktors
verliehen.
Übrigens
wohnte die
Familie
Frommann
seit 1830 am
Löbdergraben.
Seine letzte
Ruhestätte
fand
Frommann auf
dem
historischen
Friedhof
nahe der
Johanniskirche.
Noch zu
seinen
Lebzeiten
hatte das
traditionsreiche
Verlagsunternehmen
der Familie
den Besitzer
gewechselt;
der Verlag
ging nach
dem Tode von
Friedrich
Frommann an
Emil Hauff
in Stuttgart
über. Aber
erst 1961
erlosch der
Name
”Frommannsche
Buchhandlung”
in Jena.
Weitere
Lit.:
Richard
Friedenthal:
Goethe. Sein
Leben und
seine Zeit,
München
1982. –
”Mein Jena
lob ich
mir.” Briefe
und Berichte
aus fünf
Jahrhunderten,
zusammengestellt
und
eingeleitet
von Ilse
Knoll, hrsg.
vom
Stadtmuseum
Jena (=
Schriften
des
Stadtmuseums
Jena, Nr.
21), Jena
1975. –
Fritz
Kühnlenz/Paul
Esche:
Jenaer
Porträts.
Die
Saalestadt
im Spiegel
historischer
Persönlichkeiten.
Greifenverlag
zu
Rudolstadt
1969. S. 63
ff.
Bild:
Friedrich
Johann
Frommann
nach einer
Kreidezeichnung
von J. J.
Schmeller
aus dem
Jahre 1825.
Günter
Gerstmann