Zu den
verdienstvollen
und von
ihren
Mitmenschen
hochgeschätzten
Persönlichkeiten
Siebenbürgens
des 19.
Jahrhunderts
gehört auch
der
Botaniker
und
Volkskundler
Franz
Friedrich
Fronius. Mit
einer
ungewöhnlichen
Beobachtungsgabe
ausgestattet,
gelang es
ihm, sich
nicht nur
von der
reichhaltigen
heimischen
Pflanzenwelt
umfassende
Kenntnisse
zu erwerben
und darüber
eine Reihe
von Arbeiten
zu
veröffentlichen,
sondern sich
auch
meisterhaft
in das
Volksleben
und die
Seele der
ihm als
Lehrer und
Pfarrer
anvertrauten
Gemeindeglieder
zu
vertiefen,
ihre Sitten
und
Gebräuche zu
erforschen.
Verdienstvoll
war sein
Wirken auch
im Rahmen
mehrerer
wissenschaftlicher
und
wirtschaftlich
ausgerichteter
Vereine
Siebenbürgens.
Franz
Friedrich
Fronius
wurde am
9.1.1829 als
Sohn des
Pfarrers
Johann Georg
Fronius in
Nadesch
geboren.
Seine
schulische
Ausbildung
begann er in
der
Volksschule
seines
Geburtsortes
und besuchte
von 1838-1847
das
Schäßburger
Gymnasium.
Danach bezog
er im Herbst
1847 die
Universität
Leipzig, wo
er sich
durch seine
theologischen,
philologischen
und
naturwissenschaftlichen
Studien auf
seinen
künftigen
Beruf als
Lehrer und
Pfarrer
vorbereite Im November 1849 kehrte er in seine Heimat zurück,
war zunächst
als
Hauslehrer
in
Hermannstadt
tätig, wurde
aber schon
sechs
Monaten als
Lehrer an
das
Schäßburger
Gymnasium
berufen.
Hier hat er
im Zuge der
Neuorganisierung
des
Gymnasiums
über acht
Jahre vor
allem
Naturwissenschaften
unterrichtet.
In seiner
Freizeit
widmete er
sich
vorrangig
botanischen
Studien und
unternahm –
zur
Erweiterung
seiner
pflanzlichen
Kenntnisse
Bereicherung
seiner
Pflanzensammlung
–
wiederholte
Male
Exkursionen
mit M. Fuss,
E. A.
Bielz und L.
Reissenberger
in die Ost-
und
Südkarpaten
Siebenbürgens.
Den Aufruf
des Siebenbürgischen
Vereins für
Naturwissenschaften
in
Hermannstadt
folgend,
begann auch
Fronius
naturwissenschaftliche
Beobachtungen
in Schäßburg
und seiner
Umgebung
durchzuführen.
Diesbezügliche
Ergebnisse
hat er in
seiner
Arbeit
„Beobachtungen
während des
Jahres 1855
über
periodische
Erscheinungen
im Tier- und
Pflanzenreiche
aus der
Umgebung von
Schäßburg“
in den
Verhandlungen
und
Mitteilungen
des oben
genannten
Vereins 1857
mitgeteilt.
Diese
Beobachtungen
hat er 1857
und 1858
fortgesetzt.
Ebenfalls in
den
Verhandlungen
und
Mitteilungen,
aber auch im
Archiv für
Siebenbürgische
Landeskunde
hat Fronius
ausführlicher
über seine
botanischen
Exkursionen
in
verschiedene
Teile
Siebenbürgens
berichtet.
Als Synthese
seiner
botanischen
Untersuchungen
erschien
1858 im
Schäßburger
Gymnasialprogramm
sein
botanisches
Hauptwerk,
die „Flora
von
Schäßburg.
Ein Beitrag
zur Flora
von
Siebenbürgen“,
in dem er
nicht nur
die
wildwachsenden
Pflanzenarten
dieses
Gebietes,
sondern auch
die
Kulturpflanzen
aufzählt und
kurz
beschreibt.
Auch Angaben
über die
Lage, die
geologischen
und
klimatischen
Verhältnisse
von
Schäßburg
sind hier
enthalten.
Wertvoll
sind für uns
heute auch
zahlreichen
siebenbürgisch-sächsischen
Pflanzennamen,
die Fronius
hier
anführt.
l
In einer
weiteren
Arbeit, die
1873 im
Archiv für
Siebenbürgische
Landeskunde
erschienen
ist,
würdigt
er die
ungewöhnliche
Leistung des
Schäßburger
Arztes und
Botanikers
Johann
Christian
Baumgarten
(1765-1843),
des
Verfassers
der 1816 in
erschienenen
ersten Flora
von
Siebenbürgen.
Einen guten
Überblick
über die
Flora dieses
Landes
vermittelt
schließlich
sein Beitrag
„Zur
Charakteristik
der
siebenbürgischen
Karpathenflora“,
erschienen
1881 im 1.
Jahrbuch des
Siebenbürgischen
Karpatenvereins.
In Arkeden,
wo Fronius
seit dem Frühjahr
1859 als
Pfarrer
wirkte,
erhielt er
tieferen
Einblick in
das Leben
der
Landbevölkerung
dieses Ortes
sowie in
deren Sitten
und Bräuche.
Seine
diesbezüglichen
Erkenntnisse
und
Erfahrungen
zu Themen
wie „Das
sächsische
Bauernhaus
und seine
Bewohner“,
„Kinderlust
und
Kinderleben
unter
sächsischen
Bauern“,
„Die
Bruderschaft“,
„Die
Nachbarschaft“,
„Eine
sächsische
Bauernhochzeit
im
Haferland“,
„Sächsisches
Bauernleben
daheim und
im Feld“,
„Tod und
Begräbnis
bei
sächsischen
Bauern“ u.a.
veröffentlichte
er zunächst
im Kalender
„Sächsischer
Hausfreund“.
Später
erschienen
sie
geschlossen
in dem Band
„Bilder aus
dem
sächsischen
Bauernleben
in
Siebenbürgen,
ein Beitrag
zur
deutschen
Kulturgeschichte“
(Wien 1879,
294 S.). In
Arkeden
verfaßte er
auch seine
„Beiträge
zur
Entwicklungsgeschichte
der
evangelisch-sächsischen
Gemeinde
Arkeden“
(1866).
1868 wurde
Fronius als
Pfarrer nach
Agnetheln
gewählt
und setzte
nun hier
seine
fruchtbare
Tätigkeit
fort.
Zunächst
führte er
den von G.
D. Teutsch
begonnenen
Schulbau zu
Ende,
rüstete die
Schule mit
besten
Lehrmitteln
aus und
erwirkte,
daß eine der
von der
sächsischen
Nationsuniversität
errichteten
Gewerbeschulen
nach
Agnetheln
verlegt
wurde.
Schließlich
legte
Fronius hier
den damals
schönsten
Schulgarten
Siebenbürgens
an, wobei
ihm seine
botanischen
und
gartenbaulichen
Kenntnisse
und
Erfahrungen
wertvolle
Dienste
leisteten.
Seine
außergewöhnlichen
Verdienste
für die
Agnethler
Schule
würdigend,
setzten ihm
die Bürger
dieser
Stadt, auf
Anregung des
Lehrerkollegiums,
einen
Gedenkstein
in diesen
Schulgarten.
Fronius war
Mitglied des
Siebenbürgischen
Vereins für
Naturwissenschaften,
Ausschußmitglied
des Vereins
für
Siebenbürgische
Landeskunde
und des
siebenbürgisch-sächsischen
Landwirtschaftsvereins
und
unterhielt
rege
Beziehungen
zu der k. k.
zoologisch-botanischen
Gesellschaft
in Wien
sowie zu
mehreren in-
und
ausländischen
Botanikern.
– Er war
längere Zeit
Dechant des
Schenker
Kapitels,
wiederholte
Male
Abgeordneter
der
Landeskirchenversammlung,
Vertreter
des Schenker
Stuhls im
Konflux ( =
Ordentliche
Sitzung) der
sächsischen
Nationsuniversität
(1874) und
im gleichen
Jahr
Abgeordneter
des
siebenbürgischen
Gustav-Adolf-Vereins
bei der
Hauptversammlung
in
Stuttgart.
Fronius
starb am
14.2.1886 im
Alter von 57
Jahren an
einem
schweren
Nierenleiden.
– Wenn auch
ein Teil
seiner
Verdienste
heute in
Vergessenheit
geraten ist,
so halten
doch seine
botanischen
und
volkskundlichen
Arbeiten
sein
Andenken an
ihn in uns
wach.
Heinz
Heltmann