"Ein
Verdienst an
dem ruhigen
Verlauf der
Revolution
in Danzig
hatte auch
der Führer
der
Sozialdemokratischen
Partei,
Julius Gehl,
der durch
sein
besonnenes
Wesen von
Anfang an
die
Revolution
in ruhige
Bahnen
leitete. Er
hat in der
politischen
Entwicklung
Danzigs eine
hervorragende
und, wie ich
hinzufüge,
eine
verdienstvolle
Rolle
gespielt.
Ich bin
...ihm diese
Anerkennung
schuldig und
habe ihn
wegen seiner
Uneigennützigkeit,
Biederkeit
und
Gerechtigkeit
geschätzt."
Der Mann,
dem diese
Bewertung
des Danziger
Senatspräsidenten
Dr. Ernst
Ziehm galt,
war der
gebürtige
Bromberger
Julius Gehl,
ein zu
Unrecht
vergessener
Politiker in
schwerer
Zeit.
Gehl stammte
aus
bescheidenen
Verhältnissen,
vermochte
sich aber
autodidaktisch
emporzuarbeiten.
Der gelernte
Maurer wuchs
in den
dynamischen
Gründerjahren
auf, die ihn
zu
vielfältigen
geistigen
Interessen
anregten.
Vor allem
beschäftigten
ihn die
sozialen und
gesellschaftspolitischen
Fragen
seiner Zeit.
Sein
Handwerk
füllte ihn
nicht aus.
Seine
gewerkschaftliche
Berufsorganisation,
die "Freie
Vereinigung
der Maurer
Deutschlands",
wurde auf
ihn
aufmerksam
und übernahm
in 1900 als
Angestellten.
Acht Jahre
später war
er gewählter
Gauvorsitzender
des
Verbandes
für Ost- und
Westpreußen
mit Sitz in
Danzig. 1912
übernahm er
das
Parteisekretariat
der
westpreußischen
Sozialdemokraten,
deren
Vorsitzender
er von 1912
bis 1919
war.
Besonderes
Gewicht
legte er auf
die
Bildungsarbeit
und wurde
Verleger der
Danziger
Volkswacht
(1917-1919),
die er
nebenamtlich
redigierte,
wie auch
anschließend
die
Danziger
Volksstimme
(1919-1936?).
Es waren
schwere
Jahre des
Aufbaus der
Organisationen
der
Arbeitnehmer,
der
Gewerkschaften
wie seiner
Partei in
Westpreußen.
Die
Bevölkerung
in Danzig
und Elbing
war liberal
und die
Landbevölkerung
konservativ
eingestellt.
Die
Katholiken
wählten
Zentrum und
die
polnische
Bevölkerung
geschlossen
ihre
Kandidaten.
Erst in den
letzten
Jahren vor
Ausbruch des
Ersten
Weltkrieges
wurde eine
Steigerung
der
SPD-Stimmen
erzielt.
In den
kritischen
Monaten der
Revolutionswirren
vermochte
Gehl durch
seinen
persönlichen
Einfluß und
sein
maßvolles
Auftreten
mäßigend zu
wirken. Bei
der Wahl zur
Nationalversammlung
am 19.
Januar 1919
errang die
SPD mit Gehl
als
Spitzenkandidaten
vier
Mandate.
Als sich
nach
Bekanntwerden
des Entwurfs
des
Versailler
Friedensvertrages
die
Abtrennung
des
Hauptteils
Westpreußens
und des
Netzedistrikts
vom
Deutschen
Reich
abzeichnete
und sich
Empörung und
Unsicherheit
unter der
betroffenen
deutschen
Bevölkerung
ausbreiteten,
berief die
Reichsregierung
Julius Gehl
zum
Reichskommissar
für
Westpreußen
und den
Netzedistrikt.
Die Polen
versuchten
in jenem
unruhigen
Jahr 1919
ihre
Aufstandsbewegung
von der
Provinz
Posen auf
Westpreußen
auszudehnen.
Gehl hatte
insbesondere
die
deutschen
Grenzschutzverbände
vom
Eingreifen
abzuhalten
und auf die
Einhaltung
der von den
Siegermächten
festgelegten
Demarkationslinie
zu achten,
da die
Versailler
Friedenskonferenz
ihre
Verletzung
mit
Sanktionen
bedrohte.
Ihm oblag
es, auch für
Ruhe zu
sorgen und
die Übergabe
des Gebiets
an Polen
1920
sicherzustellen.
Dieser
Auftrag war
gerade
ausgeführt,
da begann
die
Vorbereitung
der
Volksabstimmung
in den
westpreußischen
Kreisen
Marienburg,
Marienwerder,
Rosenberg
und Stuhm.
Gehl stellte
sich für den
Abstimmungskampf
zur
Verfügung.
An dem
überwältigenden
Bekenntnis
für den
Verbleib bei
Deutschland
von 92,4 v.H.
hatte er
persönlichen
Anteil.
Inzwischen
begannen
sich in
Danzig die
Bevölkerung,
die Behörden
und die
Organisationen
auf die neue
Situation
der "Freien
Stadt"
einzustellen,
losgelöst
vom Reich
und unter
zugunsten
Polens
teilweise
eingeschränkter
Souveränität.
Auch hier
stand Gehl
an
vorderster
Stelle,
nicht nur
als
Vorsitzender
seiner
Partei,
sondern auch
als Mitglied
des
Staatsrates,
der
Verfassungsgebenden
Versammlung.
Nach der
Wahl zum
ersten
Volkstag
(16. Juni
1920) zog er
in dieses
Parlament
ein, dem er
bis
einschließlich
der 5.
Session (6.
April 1935)
ohne
Unterbrechung
angehörte.
Nach der
Überwindung
der
Revolution,
der Spaltung
der
Arbeiterbewegung
in
Sozialdemokraten,
Unabhängige
Sozialisten
und
Kommunisten
sowie nach
der
Inflation
fand die
Sozialdemokratie
in der
Freien Stadt
für ihre
staatstragende
Arbeit eine
solide
Basis. Im 2.
und 4.
Volkstag war
Gehl
Vizepräsident
und
Präsident
(1923 bis
1927 und
1930 bis
1933) und
von 1925 bis
1926 sowie
1930 Senator
und
stellvertretender
Senatspräsident.
In der
schwierigen
Lage der
Stadt
bestand nur
ein geringer
politischer
Spielraum.
Gehl bemühte
sich als
Regierungsmitglied
um eine
Verständigung
mit Polen
auf dem Wege
direkter
Verhandlungen.
Dennoch
kündigten
sich bereits
1929 neue
Spannungen
zwischen
Danzig und
Polen an,
vor allem im
Bereich der
wirtschaftlichen
Beziehungen.
Das Rückgrat
der Danziger
Wirtschaft
war der
Hafen, der
immer mehr
unter den
Konkurrenzdruck
des von
Polen stark
ausgebauten
Gdinger
Hafens
geriet. Für
die
sozialdemokratischen
Senatoren
war es
enttäuschend,
daß Polen
ihnen
gegenüber
nicht mehr
Entgegenkommen
zeigte als
den
rechtsgerichteten
Regierungen
zuvor. Die
in der
Auseinandersetzung
zwischen
Danzig und
Polen von
ihnen
erzielte
Entspannung
war nur
kurzfristig
und im
Grunde nur
eine
Vertagung
der Danziger
Frage.
1930 verlor
die
Sozialdemokratische
Partei
zahlreiche
Wähler. 1933
errang die
NSDAP 51
Prozent der
Stimmen und
bildete
allein den
Senat. Nach
diesem
Rückschlag
trat Gehl in
den
Hintergrund
und lebte
nach
Auflösung
seiner
Partei 1936
zurückgezogen
in Zoppot.
Beim
Untergang
Danzigs 1945
fand der
76jährige
den Tod.
Seiner
Heimat
Schicksal
bestimmte so
auch den
Lebensweg
dieses
geachteten
Politikers.
Quellen:
Nachlaß
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sozialen
Demokratie,
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Socjaldemokratyczna
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-
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Ziehm,
Ernst: Aus
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1960.
Bild:
Bildarchiv
des
Verfassers.
Hugo Rasmus