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Kulturstiftung
der deutschen
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Gellhorn

Alfred

Architekt

* 26.5.1885, Ohlau (Schlesien)

† 7.5.1972, London

 

 

Alfred Gellhorn studierte von 1903 bis 1908 in Breslau, München, Berlin und Stuttgart, wo er später (1923) mit einer Arbeit über die Friedhofsanlagen Schlesiens den akademischen Grad eines Dr. ing. erwarb. Nach dem Abschluß seiner Studien war er als Regierungsbaumeister tätig. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Leutnant der Reserve teilnahm, arbeitete er als freiberuflicher Architekt vorwiegend in Berlin. Er baute Geschäfts-, Büro-, Land- und Wohnhäuser, u.a. das Scala-Kasino (1920), die Tanzschule Trümpy (1927), ein Wohnhaus in Berlin-Zehlendorf und eine Kleinstwohnungsgruppe in Berlin-Lichtenrade. In Arbeitsgemeinschaft mit dem Architekten Martin Knauthe in Halle erarbeitete er in die Zukunft weisende Entwürfe für moderne Zweckbauten, wie das Bürohaus Sernau in Halle (1921/22) und die später nur teilweise verwirklichten Pläne für eine Silberhütte der Mansfeld AG im Südharz. Im Jahre 1924 nahm er an der Berliner Kunstausstellung mit den Arbeiten „Prototyp einer Tankstelle“ und „Haus im Viertelkreis“ teil. Er gehörte der Künstlergemeinschaft „Novembergruppe“ an und war Mitglied des Deutschen Werkbundes, des Bundes Deutscher Architekten und des Reichswirtschaftsverbandes Bildender Künstler Deutschlands. Diese erfolgreiche Tätigkeit wurde durch den Machtantritt der Nationalsozialisten jäh unterbrochen: aufgrund seiner jüdischen Herkunft sah sich Gellhorn zum Verlassen Deutschlands gezwungen. Er emigrierte im Sommer 1933 nach Spanien, wo er in Palma (Mallorca) und Barcelona lebte. Von 1935 bis 1939 war er in Bogota beratender Architekt der kolumbianischen Regierung. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er in verschiedenen südamerikanischen Ländern. 1954 kehrte er für einige Jahre nach Berlin zurück, dann ließ er sich in Wiesbaden nieder. Alfred Gellhorn war zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe stammt der Dirigent und Pianist Peter Gellhorn (geboren 1912 in Breslau).

Werke: Die Friedhofsanlagen Schlesiens unter besonderer Berücksichtigung ihrer Situierung und Gestaltung. Straßburg 1918; Sehnen. Gedichte. Berlin 1922; Städtebau durch gemeinnützige Wohnungsunternehmen und Heimstätten. Hamburg 1959.

Lit.: Helga Kliemann: Die Novembergruppe. Berlin 1969; Tendenzen der Zwanziger Jahre. (Ausstellungskatalog.) Berlin 1977, passim; Josef Münzberg, Gerhard Richter, Peter Findeisen. Architekturführer DDR. Bezirk Halle. Berlin (Ost) 1977, S. 44; International Biographical Dictionaiyof Central European Emigres 1933-1945:11/1. München, New York, London, Paris 1983, S. 365.

Harro Kieser

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