Als Georg
Wilhelm im
Dezember
1619 im
Alter von 24
Jahren die
Regierung
antrat - der
Vater,
Kurfürst
Johann
Sigismund,
hatte 1616
einen
schweren
Schlaganfall
erlitten und
starb vier
Jahre später
-, besaß er
trotz einer
fünfjährigen
Statthalterschaft
in
Jülich-Kleve
kaum
politische
Erfahrung.
In den
Rheinlanden
hatte der
Katholik
Adam Graf
Schwartzenberg
hohen
Einfluß auf
den
calvinistisch
erzogenen
Kurprinzen
gewonnen,
der den
Grafen
später nicht
nur zum
Präsidenten
des Geheimen
Rats
ernannte,
sondern ihm
schließlich
auch
zentrale
Staatsgeschäfte
eigenverantwortlich
überließ.
Während
Schwarzenberg
immer
unverhüllter
auf eine
aktive
Parteinahme
Brandenburgs
zugunsten
der
katholischen
Reichsstände
und des
kaiserlichen
Hofes
drängte,
versuchte
Georg
Wilhelms
Mutter Anna,
Tochter
Herzog
Albrecht
Friedrichs
in Preußen,
den
Schulterschluß
mit dem
lutherischen
Schweden zu
erzwingen.
Nicht nur
gegen den
ausdrücklichen
Willen,
sondern auch
ohne Wissen
des
Kurfürsten
verheiratete
sie dessen
Schwester,
Marie
Eleonore, im
Jahre 1620
mit König
Gustav Adolf
von
Schweden, um
Georg
Wilhelm auf
diese Weise
an die Seite
der
protestantischen
Union und
deren
politische
Linie zu
binden. In
dieselbe
Richtung
drängte
seine
Gemahlin
Elisabeth
Charlotte,
eine
Schwester
Kurfürst
Friedrichs
V. von der
Pfalz, der
unmittelbar
vor dem
Regierungsantritt
Georg
Wilhelms zum
König von
Böhmen
gewählt
worden war
und den
Mittelpunkt
der
antihabsburgischen
Koalition
bildete.
Georg
Wilhelm, der
sich von
seiner
nächsten
Umgebung
stark
beeinflussen
ließ,
fürchtete
sowohl die
schwedische
als auch die
kaiserliche
Dominanz.
Sein
Schwanken
zwischen
beiden
Lagern und
die
Unfähigkeit,
einen
eigenen
politischen
Kurs zu
steuern,
zeigten sich
nach der
Niederlage
der
böhmischen
Stände am
Weißen Berg
bei Prag
1620 in
aller
Deutlichkeit.
Als
Friedrich V.
die Flucht
ergreifen
mußte und
dem aus der
brandenburgischen
Kurlinie
stammenden
Markgrafen
Johann
Georg,
Herzog von
Jägerndorf,
durch
Reichsacht
das
schlesische
Fürstentum
entzogen
wurde, fügte
sich Georg
Wilhelm
widerstandslos
dem
kaiserlichen
Verbot, die
flüchtigen
Glaubensgenossen
in seinen
Landen
aufzunehmen.
Andererseits
ließ sich
Georg
Wilhelm, aus
Furcht, vom
scharfen
Vorgehen
Kaiser
Ferdinands
II. gegen
die
protestantischen
Reichsstände
bald selbst
betroffen zu
sein, von
seinen
reformierten
Geheimen
Räten zu
einer
gewagten
Frontstellung
hinreißen.
Er
widersetzte
sich nicht
nur der
Übertragung
der
pfälzischen
Kurwürde an
den Herzog
von Bayern,
sondern
unterstützte
auch alle
Ansätze,
nach dem
Zusammenbruch
der
protestantischen
Union einen
neuen, um
Dänemark,
Schweden und
seinen
Schwager
Gabriel
Bethlen,
Fürst von
Siebenbürgen,
erweiterten
Bund
aufzurichten.
Als sich im
Jahre 1625
daraufhin
der
Reichskrieg
nach
Norddeutschland
verlagerte,
wurden die
kurfürstlichen
Territorien
zum
Durchgangsland
und
Kriegsschauplatz
und hatten
so unter den
Söldnerheeren
beider
Parteien
schwer zu
leiden. Als
Folge dieser
riskanten
Neutralitätspolitik
wurden die
rheinischen
Gebiete
Kurbrandenburgs
von
kaiserlichen
Truppen
besetzt, und
fünf Jahre
nach dem
Entzug des
Fürstentums
Jägerndorf
gingen auch
Magdeburg
und
Halberstadt
verloren.
Gustav Adolf
nahm zur
selben Zeit
den Kampf
mit Polen
wieder auf.
Die
Tatsache,
daß er dabei
im Juli 1626
die
Ostseehäfen
des
herzoglichen
Preußens
besetzen
ließ, wußte
der in den
letzten
Jahren im
Hintergrund
die Fäden
spinnende
Graf
Schwartzenberg
zu nutzen,
um den
Kurfürsten
aufs Neue
gegen den
Schwedenkönig
aufzubringen
und ihn Zug
um Zug auf
die
kaiserliche
Seite zu
ziehen.
Während sich
der infolge
unmäßigen
Essens und
Trinkens
schon früh
körperlich
gebrechliche
Georg
Wilhelm, der
nur noch in
einer Sänfte
zu reisen
vermochte,
1627 nach
Preußen
begab,
rechnete
Schwartzenberg
unterdessen
in
Brandenburg
mit seinen
politischen
und
religiösen
Gegnern ab.
In einer
Reihe von
Hochverratsprozessen
gelang es
ihm,
namhafte
Mitglieder
des Geheimen
Rats
reformierter
Konfession
unschädlich
zu machen
oder
zumindest
einzuschüchtern.
Das
unablässige
Drängen
Schwartzenbergs
und seine
rigorose
Personalpolitik
blieben
nicht ohne
Erfolg: Im
Mai 1627
erkannte
Georg
Wilhelm
offiziell
die
Übertragung
der Kurwürde
von der
pfälzischen
auf die
bayerische
Linie der
Wittelsbacher
an und
gestattete
die
Einquartierung
kaiserlicher
Truppen in
der Mark.
Zu einer
geradezu
entgegengesetzten
Politik sah
sich Georg
Wilhelm im
herzoglichen
Preußen
gezwungen.
Hier
stellten
sich die
Stände unter
der Führung
Königsbergs
ganz auf die
Seite Gustav
Adolfs und
schlossen im
Juli 1626
ein für sie
vorteilhaftes
Neutralitätsabkommen.
Erst drei
Jahre später
kam es auch
für Georg
Wilhelm, der
diese
Vereinbarung
zwar nicht
anerkannte,
sich
militärisch
aber nicht
gegen Gustav
Adolf
durchsetzen
konnte, mit
dem
Waffenstillstand
von Altmark
zwischen dem
polnischen
König,
Ladislaus
IV. Wasa,
und dem
König von
Schweden -
er wurde
1635 in
Stuhmsdorf
um weitere
26 Jahre
verlängert -
zu einer
spürbaren
Entspannung.
Litt das
brandenburgische
Kernland in
dieser Phase
des
Dreißigjährigen
Krieges in
besonderem
Maße an den
Durchmärschen
und
Einquartierungen
kaiserlicher
Truppen, so
entspannte
sich
umgekehrt
die Lage in
Preußen von
Jahr zu Jahr
mehr.
Seit dem
Jahre 1630,
als Graf
Schwartzenberg
sich nach
Preußen
abgesetzt
hatte und
die
calvinistischen
Kräfte ihren
Einfluß auf
den
Kurfürsten
zum Teil
zurückgewannen,
wandte sich
Georg
Wilhelm
entschiedener
den
protestantischen
Reichsständen
zu und
unterstützte
stärker als
zuvor das
Vorgehen
Gustav
Adolfs und
des
schwedischen
Kanzlers
Axel
Oxenstierna.
Erst der
vernichtende
Zusammenbruch
der
schwedischen
Truppen und
ihrer
deutschen
Verbündeten
1634 bei
Nördlingen
ließ ihn
abermals
schwanken.
Entgegen dem
Gewicht
zahlreicher
politischer
Ratgeber,
der
Autorität
Oxenstiernas
und nicht
zuletzt der
Sympathie
der
lutherischen
Stände und
der
Landbevölkerung
Brandenburgs
für die
schwedische
Seite setzte
sich
schließlich
Schwartzenberg,
der 1632
nach dem
Tode Gustav
Adolfs in
die Mark
zurückgekehrt
war, mit
Hilfe von
auf den
Kurfürsten
berechneten
Warnungen,
Drohungen
und
Versprechungen
durch. Georg
Wilhelm trat
dem zwischen
Kursachsen
und dem
Kaiser im
Mai 1635
ausgehandelten
Prager
Frieden bei,
unterstellte
die
brandenburgischen
Truppen
sächsischem
Oberbefehl
und erklärte
wenige
Monate
später
Schweden den
Krieg.
Schwartzenberg
wurde zum
kaiserlichen
Generallissimus
ernannt.
Georg
Wilhelms mit
nur
schwachen
militärischen
und
finanziellen
Kräften
geführter
Kampf gegen
Schweden,
das
Brandenburg
nach dem
Tode des
letzten
Pommernherzogs,
Bogislaws
XIV., 1637
das
Herzogtum
Pommern
entgegen dem
Erbrecht
vorenthielt,
hatte
katastrophale
Folgen. Die
Plünderung
Perlebergs
in der
Prignitz im
Oktober 1638
beispielsweise
überlebten
nur etwa 50
Personen,
und allein
in der
Grafschaft
Ruppin
wurden in
jenem Monat
28
Ortschaften
von den
kaiserlich-brandenburgischen
Truppen
niedergebrannt.
Es paßt zu
der
kraftlosen
und
schwankenden
Politik
Georg
Wilhelms,
daß er sich
1638 ganz in
das vom
Großen Krieg
weitgehend
verschonte
Preußen
zurückzog.
Die
brandenburgischen
Regierungsgeschäfte
übertrug er
endgültig
seinem
jahrelangen
Günstling,
Graf
Schwartzenberg,
der in der
Mark eine
autoritäre
und
rücksichtslose
Gewaltherrschaft
ausübte.
Georg
Wilhelm
starb im
Alter von 45
Jahren an
der
Wassersucht.
Seinem
Nachfolger
hinterließ
der
brandenburgische
Kurfürst ein
trauriges
Erbe, das
ein
Zeitgenosse
treffend mit
den Worten
kennzeichnete:
"Pommern ist
dahin,
Jülich ist
dahin,
Preußen
haben wir
wie einen
Aal beim
Schwanz und
die Marken
wollen wir
auch
vermarquetendieren".
Lit.:
B.
Erdmannsdörffer:
Urkunden und
Actenstücke
zur
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Wilhelm von
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Bd. 1:
Berlin 1864
(Einleitung).
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Georg
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Biographie 8
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Kurfürst
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A.
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Graz/Köln
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Instituts
für
Österreichische
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Bd. 17). -
H.
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Die
ostpreußischen
Stände im
letzten
Jahrzehnt
vor dem
Regierungsantritt
des Großen
Kurfürsten,
Göttingen/Berlin/Frankfurt
am Main 1958
(= Göttinger
Bausteine
zur
Geschichtswissenschaft,
Bd. 29). -
O.
Zimmermann:
Das
Defensionswerk
im Herzogtum
Preußen
unter dem
Kurfürsten
Georg
Wilhelm,
phil. Diss.
Königsberg
1933.
Bild:
Kurfürst
Georg
Wilhelm von
Brandenburg
vor 1619;
gefaßte
Münze,
Berlin,
Münzkabinett.
Joachim
Bahlcke