Nach
anfänglichem
Unterricht
durch
Hauslehrer
besuchte
Hugo Carl
Theodor
Ludwig
Gering die
Gymnasien in
Thorn
(1859-66)
und in Kulm
(1866-67).
Nach dem
Abitur
studierte er
ab Herbst
1867 fünf
Semester
lang
klassische
und
germanische
Philologie
an der
Universität
Leipzig. Ab
Frühjahr
1870 setzte
er sein
Studium an
der
Universität
Bonn fort
und beendete
es – nachdem
er als
Kriegsfreiwilliger
am Krieg von
1870/71
teilgenommen
hatte – an
der
Universität
Halle, wo er
am 18.
Dezember
1873 mit der
Arbeit
Über den
syntaktischen
Gebrauch der
Partizipien
im Gotischen
zum Dr. phil.
promoviert
wurde.
War Gering
während des
Studiums
zunächst
besonders
mit dem
klassischen
und
deutschen
Altertum in
Berührung
gekommen, so
wandte er
sich nach
der
Teilnahme am
Krieg von
1870/71
verstärkt
dem Studium
der
Germanistik
zu und
beschäftigte
sich auch
mit
vergleichender
Sprachwissenschaft,
besonders
Sanskrit,
und später
zusätzlich
mit
vergleichender
Grammatik
der
germanischen
Sprachen.
Schon in
seiner
Dissertation
kam ihm die
Beschäftigung
mit
klassischer
und
germanischer
Philologie
zugute, da
er den
griechischen
Urtext der
gotischen
Bibelübertragungen
berücksichtigen
konnte. Am
11. März
1876
habilitierte
sich Gering
an der
Universität
Halle für
deutsche
Philologie
mit der
Abhandlung
Die
Kausalsätze
und ihre
Partikeln
bei den
althochdeutschen
Übersetzern
des 8. und
9.
Jahrhunderts.
Aus
unbekannten
Gründen
entschloß
sich Gering
im Jahre
1877, die
Nordistik
zum
Mittelpunkt
seiner
wissenschaftlichen
Arbeit zu
machen. Zu
dieser
Entscheidung
mögen
familiäre
Gründe
beigetragen
haben: Die
Familie
Gering
stammte aus
Schweden;
der in
Stockholm
geborene
Urgroßvater
hatte sich
um 1750 als
Stadtuhrmacher
in
Greifswald
niedergelassen.
Hatten
Gering in
Halle bisher
die
Professoren
Friedrich
Zarncke
(1825-91)
und Julius
Zacher
(1816-87)
besonders
beeinflußt,
so wurden
für die
Nordistik
der Münchner
Rechtshistoriker
Konrad
Maurer
(1823-1902)
und der
Kieler
Ordinarius
für
nordische
Philologie,
Theodor
Möbius
(1821-90),
wichtig.
Im Sommer
1877
unternahm
Gering seine
erste Reise
nach
Skandinavien,
um die
bisher im
Selbststudium
erlernte
dänische
Sprache
sprechen zu
lernen und
sich mit dem
Lesen der
altnordischen
Handschriften
vertraut zu
machen. Vor
dieser Reise
wandte sich
Gering an
Möbius, um
ihm seine
Arbeitspläne
vorzustellen
und Rat zu
erbitten.
Auf dem Weg
nach Norden
besuchte er
Möbius in
Kiel, woraus
sich eine
dauernde
Bekanntschaft
mit regem
Briefwechsel
bis zu
Möbius' Tod
entwickelte.
Auf dieser
Reise
begegnete
Gering in
Kopenhagen
Gustaf
Cederschiöld
(1845-1923),
mit dem ihn
eine
lebenslange
enge
Freundschaft
verbinden
sollte. In
Halle wurde
Gering 1883
zum
außerordentlichen
Professor
ernannt und
am 9. Januar
1889 als
Nachfolger
von Möbius
zum
ordentlichen
Professor
für
nordische
Sprachen und
Literatur an
der
Universität
Kiel
gewählt.
Dort lehrte
er bis zu
seiner
Emeritierung
zum 1. April
1921 und war
im
akademischen
Jahr 1902/03
Rektor der
Universität.
Während er
als
Privatdozent
in Halle
hauptsächlich
Gotisch
gelehrt
hatte, hielt
er später
auch
Vorlesungen
und Übungen
zu Sprache
und
Literatur
des Alt- und
Mittelhochdeutschen,
Altsächsischen
und
Angelsächsischen.
Neu waren in
Kiel
Veranstaltungen
zur neueren
dänischen
Sprache und
Literatur;
dazu kamen
noch
Vorlesungen
über
deutsche
Mythologie
und
Geschichte
der
deutschen
Heldensage,
und er
erklärte
wiederholt
die
lateinische
Germania
des Tacitus
aus der
Sicht der
germanischen
Altertümer.
Neben seinen
Verpflichtungen
als
Universitätslehrer
gab Gering
zahlreiche
Werke der
altnordischen
Literatur in
der
Originalsprache
oder in
deutscher
Übersetzung
heraus, wozu
er sich im
Laufe der
Jahre eine
große
Materialsammlung
aufbaute.
Bei seinen
Editionen
war er mehr
Texterklärer
als
Textkritiker.
Über lange
Jahre
widmete er
der Edda,
der Sammlung
altisländischer
Lieder aus
Mythologie
und
Heldensage,
seine
besondere
Aufmerksamkeit.
Besonders zu
erwähnen
sind das
Glossar zu
den Liedern
der Edda (Saemundar
Edda)
(1887, 5.
Aufl. 1923)
und das für
Fachleute
wichtige
Vollständiges
Wörterbuch
zu den
Liedern der
Edda
(1903). Von
seinen
Übersetzungen
seien
besonders
genannt
Die Lieder
der älteren
Edda (Saemundar
Edda)
(1904, 3.
Aufl. 1922)
und das
altenglische
Epos
Beowulf
(1906, 3.
Aufl. 1929),
wobei zu
bemerken
ist, daß es
Gering
gelang,
durch seine
Nachdichtung
den Stabreim
in der
deutschen
Literatur
wieder zu
beleben. In
seinem
Nachlaß fand
man einen
vollständigen
Kommentar
zur Edda.
Ferner wurde
er auf
Wunsch
seines
väterlichen
Freundes
Zacher im
Jahre 1888
Mitherausgeber
der
Zeitschrift
für deutsche
Philologie
und blieb es
bis zu
seinem Tode.
Ebenfalls
als
Mitherausgeber
hat er seit
1902 16
Bände der
Altnordischen
Sagabibliothek
betreut.
Gering in
Kiel war der
einzige
ordentliche
Professor
für
Nordistik,
den es zu
jener Zeit
im Deutschen
Reich gab.
Er bettete
seine
nordischen
Spezialstudien
in die
gesamte
Germanistik
ein und sah
seine
besondere
Aufgabe
darin, die
neuesten
Forschungen
und
Veröffentlichungen
seiner
skandinavischen
Kollegen in
Deutschland
bekannt zu
machen.
Immer wieder
reiste er
nach
Skandinavien,
um
wissenschaftliche
Kontakte zu
pflegen und
um
altnordische
Handschriften
für geplante
Veröffentlichungen
abzuschreiben,
wie er auch
immer wieder
seine
skandinavischen
Kollegen um
Textabschriften
bat. Schon
im Jahre
1894 machte
ihn Det Kgl.
Nordiske
Oldeskrifteselskab
zu ihrem
Mitglied,
wodurch
nicht nur
Gerings
Arbeiten auf
dem Gebiet
der
nordischen
Philologie
anerkannt
wurden,
sondern er
gewissermaßen
zum
Botschafter
der
Nordistik in
Deutschland
erklärt
wurde.
Deshalb
verletzte es
ihn, daß im
Ersten
Weltkrieg
einige
skandinavische
Kollegen die
Verbindung
zu ihm
abbrachen.
Gering wurde
in diesem
Krieg durch
den
Soldatentod
eines Sohnes
besonders
getroffen.
Auch
belasteten
ihn die
Niederlage
Deutschlands
und der
Verlust
seiner
westpreußischen
Heimat an
Polen sehr,
so daß er in
intensiver
Arbeit
Ablenkung
suchte.
Während
Gering in
Kiel
arbeitete,
genoß die
nordische
Philologie
besonderes
Ansehen, und
es war ein
Glücksfall,
daß zu
dieser Zeit
auch der
Germanist
Friedrich
Kauffmann
(1863-1941)
dort tätig
war, so daß
man von
einem
Höhepunkt
der Kieler
Germanistik
sprechen
kann.
Nachlaß:
Universitätsbibliothek
Kiel.
Lit.:
Olaf Klose:
Die
nordische
Professur in
Kiel in der
2. Hälfte
des 19.
Jahrhunderts,
in: De
libris.
Bibliofile
breve til
Eynar
Munksgaard
paa
50-Aarsdagen
28. Februar,
Kopenhagen
1940, S.
56-74. –
Nachrufe in:
Arkiv för
nordisk
filologi 41,
1925, S.
339-345 (Barend
Sijmons);
Zs. für dt.
Philologie
50, 1926, S.
339-361
(Schriftenverzeichnis;
Friedrich
Kauffmann).
– Maal og
Minne.
Norske
Studier
(Oslo) 1926,
S. 65-70 (Finnur
Jonsson). –
Weitere Lit.
in:
Altpreußische
Biographie
IV,2 (1989),
S. 1216
(Klaus
Bürger).
Bild:
Universitätsbibliothek
Kiel Cod. MS
KB 478, Bl.
18
Klaus
Bürger