Die reich
verzweigte
Familie von
Gersdorff
zählt zum
Oberlausitzer
Uradel. Der
im Raum
Marienburg-Danzig
ansässige
westpreußische
Zweig war in
mehreren
Generationen
Baumeister,
so Vater,
Sohn und
Enkel von
Friedrich
August
Gersdorff.
Der Vater,
ebenfalls
Friedrich
August mit
Namen, war
Deich- und
Bau-Inspektor
in
Marienburg.
Er nahm als
königlich
preußischer
Major an den
Befreiungskriegen
gegen
Napoleon
teil und
starb an den
Folgen einer
schweren
Verwundung
am 31.
Oktober
1813.
Friedrich
August
übernahm als
illegitimer
Sohn zwar
den Namen
des Vaters,
nicht aber
das
Adelsprädikat,
das seinem
Enkel Karl
Robert 1889
neu
verliehen
wurde.
Friedrich
August
Gersdorff
wählte den
Beruf seines
Vaters und
studierte
von 1804 bis
1806
Baukunst an
der
Kunstschule
in Danzig
unter
Breysig.
Dann zog es
ihn als
jungen Mann,
der
Abenteuer
suchte, zum
Militär. Er
trat in die
Dienste des
in Danzig
stationierten
französischen
Generals van
der Meid und
wurde
Sekretär im
topographischen
Büro. Als
der General
mit seiner
Truppe kurz
darauf nach
Belgien und
1808 nach
Spanien
verlegt
wurde,
begleitete
er ihn. Hier
erlebte er
1809 die
Schlacht bei
Consuegra.
Nach Meids
Gefangennahme
im Juli 1809
wurde er
Sekretär des
Divisionsgenerals
Vallence.
Von diesem
im Stich
gelassen,
fand er eine
Anschlußverwendung
im
Generalstab
des 4.
französischen
Korps. Hier
wurde er als
Zeichner,
Feldmesser,
Architekt
und
Wegebaumeister
beschäftigt.
1811/12
machte er
Aufnahmen
von der
Alhambra in
Granada.
Nach der
Schlacht bei
Salamanca
(23. Juni
1812) machte
er den
fluchtartigen
Rückzug der
Franzosen
nach
Frankreich
mit. Im
September
ging er zur
französischen
Armee nach
Rußland bis
Smolensk.
Nach der
Schlacht an
der Beresina
1813
flüchtete er
nach Danzig,
wo er
verblieb und
die
Unstetigkeit
seines
Lebens
beendete.
Als die
Stadt 1814
wieder
preußisch
wurde, trat
er sofort in
preußische
Dienste. Nun
wurde er als
Feldmesser
und
Conducteur
beim
Hafenbau in
Neufahrwasser
beschäftigt.
Am 10. Juli
1819 erhielt
er als
Bauconducteur
die örtliche
Bauleitung
der
Wiederherstellung
der
Marienburg,
bis 1825
unter der
Oberleitung
von
Hartmann,
übertragen.
Diese
wichtige und
damals
neuartige
Aufgabe
beschäftigte
ihn viele
Jahre, so
daß er sich
in derselben
zum
Spezialisten
entwickelte.
Für
Oberpräsident
Theodor von
Schön, der
die Anregung
zur
Wiederherstellung
der
Marienburg
gegeben
hatte und
bis an sein
Lebensende
1856
unermüdlicher
Förderer,
Werber und
Sammler von
Baugeldern
war, mußte
Gersdorff
nach Maßgabe
der
verfügbaren
Mittel jedes
Jahr einen
Arbeitsplan
aufstellen,
der immer
nur einige
Räume und
Bauteile
umfaßte.
Gersdorff
fertigte die
Entwürfe und
veranschlagte
für Schön
die Kosten
der
einzelnen
Bauabschnitte.
Gersdorff
machte
Versuche
hinsichtlich
der
Farbtönung
benötigter
bestimmter
Bausteine.
Außerdem
entdeckte er
nach
längeren
Laboratoriumsversuchen
die Kunst
wieder,
farbige
Gläser zu
brennen, was
damals
großes
Aufsehen
erregte.
1821
richtete er
in Berlin
einen
Brennofen
ein, worauf
unter
Schinkels
Leitung die
Herstellung
der
Glasgemälde
für den
Sommerremter
der
Marienburg
begann.
Gersdorff
hatte bis
Ende 1823
die
hauptamtliche
Bauleitung
am Schloß
inne. Dann
reichten die
Mittel nicht
mehr aus.
Nun erhielt
er als
Chausseebauconducteur
die
Bauleitung
der
Staatschaussee
Berlin-Königsberg
im Kreis
Marienburg.
1831 wurde
er als
Wegebaumeister
etatmäßig
angestellt
und 1834
zugleich zum
Deich- und
Wasserbauinspektor
ernannt. So
hatte
Gersdorff
eine
Doppelstellung
sowohl im
Hoch- als
auch im
Strombau in
seinem
Bezirk
wahrzunehmen.
Auch die
Doppeltätigkeit
als
Architekt
und
Ingenieur
war damals
allgemein
üblich.
Mithin hatte
Gersdorff
mehrfach
eine
doppelte
Belastung zu
tragen. Eine
Trennung
nach
Fachrichtungen
war nämlich
in der
Staatsverwaltung
damals noch
nicht
vorhanden.
In all
diesen
Funktionen
war die
Marienburg
Gersdorffs
dienstlicher
Wohnsitz. So
konnte er
die Arbeiten
am Schloß
weiterhin
nebenamtlich
leiten und
erwarb
hierbei das
besondere
Vertrauen
Schöns.
Eine
wissenschaftliche
Archäologie
der
deutschen
Kunst war
damals noch
nicht
möglich. Um
die
Erforschung
der
Ordensbaukunst
bemühten
sich jedoch
der
Königsberger
Historiker
Johannes
Voigt und
der
geschichtsbegeisterte
Marienburger
Pfarrer
Wilhelm
Ludwig
Haebler, die
Gersdorff
bei seinen
Entwürfen
unterstützten.
Seine
scharfe
Beobachtungsgabe
hinsichtlich
des Befundes
führte
Gersdorff
zumeist auf
den
richtigen
Weg, und
dadurch
erhielt sein
Werk
bleibenden
Wert.
Am 1. Juli
1843 hatte
König
Friedrich
Wilhelm IV.
das Amt des
Kurators der
Kunstdenkmäler
geschaffen
und dem
Baurat
Ferdinand
von Quast
übertragen.
Vom 24.
Januar 1844
datiert die
Instruktion
für den
Konservator
der
Kunstdenkmäler
als
Grundlage
der
Denkmalpflege.
Noch im
selben Jahr
bereiste
Quast die
Provinz
Preußen und
übte an
einigen
ausgeführten
Bauten in
archäologischer
Hinsicht
Kritik. Die
Entwürfe von
Gersdorff
mußten
fortan
sowohl Quast
als auch dem
König
vorgelegt
werden.
Letzter
beabsichtigte
die
Wiederherstellung
des gesamten
Hochschlosses
und nicht
nur
einzelner
Räume und
Gebäudeteile,
so daß
Einzelpläne
in das
entsprechende
Gesamtkonzept
passen
mußten.
1845 wurde
Gersdorff
Oberbauinspektor.
Sein Fleiß
und sein
beachtliches
vielseitiges
Talent
stellte er
unter
anderem mit
dem Bau der
evangelischen
Kirche zu
Neukirch im
Kreis
Marienburg
(1838) unter
Beweis.
Außerdem
leitete er
die
Wiederherstellung
der
Johanniskirche
und des
Rathauses zu
Marienburg
(1844). Auch
die
Einwölbung
des weißen
Saales im
Rathaus zu
Danzig
erfolgte
nach seinem
Entwurf
(1841/42).
Gersdorffs
Tätigkeit
als
Wasserbauer
galt der
Nogat und
der Montauer
Spitze. In
der
Marienburg
war die
Wiederherstellung
des
Hochmeisterpalastes
im
wesentlichen
sein Werk.
Lit.:
Altpreußische
Biographie
S. 210-211.
– Gersdorffs
Kriegstagebuch
1809-12. –
N. Nekrol.
d. D. 28, S.
991. –
Bernhard
Schmidt:
Oberpräsident
von Schön
und die
Marienburg.
Schriftenreihe
der
Königsberger
Gelehrten
Gesellschaft.
Geisteswissenschaftliche
Klasse.
15./16.
Jahr, Heft
4, Halle
(Saale)
1940. –
Hartmut
Boockmann:
Die
Marienburg
in neuerer
Zeit. In:
Rainer
Zacharias
(Hrsg.):
Neues
Marienburger
Heimatbuch.
Herford
1967, S.
285-293. –
Gothaisches
Genealogisches
Taschenbuch
für
Briefadlige
Häuser.
1917, S.
267.