Riga hat
nicht nur
deshalb als
Wagner-Stadt
Bedeutung,
weil Richard
Wagner von
1837 bis
1839 1.
Kapellmeister
am Rigaer
Stadt-Theater
gewesen ist;
Riga wird in
der
Geschichte
der
Wagnerrezeption
stets
genannt
werden, da
der
klassische
und
umfassendste
Wagner-Biograph
Karl
Friedrich
Glasenapp
ein Kind der
Stadt war.
Er wurde als
Sohn des
Kreisschulinspektors
Friedrich
Glasenapp
und seiner
Ehefrau
Emilie geb.
Kuhlmann
geboren.
Nach dem
Besuch des
Gouvernement-Gymnasiums
seiner
Heimatstadt
studierte er
von 1867 bis
1872 an der
Universität
Dorpat
klassische
Philologie,
Kunstgeschichte
und
vergleichende
Sprachwissenschaft.
1873 wurde
er als
Gymnasiallehrer
in Pernau
angestellt,
wo er 1874
Henriette
Rambach, die
Tochter des
dortigen
Justizbürgermeisters
Friedrich
Rambach
heiratete.
1875 kam er
als
Oberlehrer
der
deutschen
Sprache und
Literatur an
die
Städtische
Töchterschule
in Riga.
Dieses Amt
hatte er bis
1904 inne.
Außerdem war
er von 1898
bis 1912
Dozent der
deutschen
Sprache und
Literatur am
Polytechnikum
seiner
Vaterstadt.
Nach seiner
Ernennung
zum
Staatsrat
konnte er
bei der
damit
verbundenen
wirtschaftlichen
Unabhängigkeit
die letzten
drei
Lebensjahre
allein
seiner
schriftstellerischen
Arbeit
leben.
Bereits als
16jähriger
begann sich
Glasenapp
mit Richard
Wagner zu
beschäftigen,
nachdem er
seine ersten
Wagner-Opern
in dem 1863
neuerbauten
Stadttheater
gehört
hatte, und
noch als
Gymnasiast
begann er
seine
Sammelarbeit
für sein
biographisches
Werk über
Richard
Wagner.
Glasenapp
fuhr zur
Eröffnung
der
Bayreuther
Festspiele
im Jahre
1876 und
überreichte
Wagner den
ersten Band
seiner
umfassenden,
rechtzeitig
fertiggestellten
Biographie.
Wagner las
das Buch,
ohne
Glasenapp
persönlich
zu kennen.
Er
vermeinte,
daß dem
Verfasser
Quellen
bekannt sein
müßten,
welche nur
ihm selbst
bekannt sein
könnten,
wenn es
solche gäbe,
und Cosima
Wagner
schrieb in
ihrem
Tagebuch von
einer
”erstaunlichen
Quellenaufsuchung”
(13.7.1876).
Glasenapp
wurde ein
geschätztes
Glied des
Wagnerkreises,
und es wurde
ihm, auch
von Cosimas
Seite,
manche
Information
zuteil und
der Zugang
zu
zahlreichen
Materialien
eröffnet.
Glasenapp
reiste nun
häufig nach
Bayreuth, wo
er umfassend
für seine
anderen
Werke, die
Wagner-Enzyklopädie
und das
Wagner-Lexikon,
forschte.
Desweiteren
verfaßte er
zahlreiche
Aufsätze in
den
Bayreuther
Blättern.
Die
Bindungen
wurden
enger, und
für 1883 war
geplant, daß
Glasenapp
die
Erziehung
des Sohnes
Siegfried
übernehmen
sollte.
Dieser Plan
konnte dann
durch den
Tod von
Richard
Wagner im
selben Jahre
nicht mehr
verwirklicht
werden.
1894
erschien der
erste Band
der
erweiterten
3. Auflage
des
Glasenapp'schen
Buches unter
dem Titel
Das Leben
Richard
Wagners,
dem bis zum
Abschluß des
Werkes 1911
noch fünf
weitere
Bände folgen
sollten. Die
Erweiterung
ergab sich
für diese
Auflage aus
dem
inzwischen
veröffentlichten
Briefwechsel.
Übrigens
konnte
Glasenapp
auch die
Tagebücher
Cosimas
benutzen,
die bis 1972
durch eine
testamentarische
Verfügung
von Eva
Wagner-Chamberlain
nicht
zugänglich
waren und
erst 1976
und 1977 in
zwei Bänden
erschienen
(München).
Glasenapps
Leben
Richard
Wagners
ist wohl das
Standardwerk
über Wagner,
und es ”wird
wegen seiner
Ausführlichkeit
und
Gründlichkeit
als Quelle
[immer]
seinen Wert
behalten ...
Obwohl
Glasenapp
treu zu
Wagner
steht, hat
er sich
nicht
verleiten
lassen,
Tatsachen
tendenziös
darzustellen”
(Joachim
Bergfeld).
Glasenapp
hatte sich
als Biograph
mit einem
Spiegel
verglichen,
welcher nur
das Objekt
zeigt, nie
sich selber,
es sei denn
an den
”schadhaften
Stellen”.
Das zusammen
mit Heinrich
von Stein
1883
herausgegebene
Wagnerlexikon,
in dem
”Hauptbegriffe
der Kunst-
und
Weltanschauung
Richard
Wagners in
wörtlichen
Anführungen
aus seinen
Schriften”
zusammengestellt
sind, hätte
zum
siebzigsten
Geburtstag
des Meisters
dargebracht
werden
sollen, doch
Wagner war
wenige
Monate vor
diesem Tag
verstorben.
Nach dem
Abschluß
seiner
Schriften
über Richard
Wagner hat
Glasenapp
sich dem
Sohn
Siegfried
Wagner
zugewandt.
Er beging
dabei ”den
Fehler,
seine
persönliche
Begeisterung
überströmen
zu lassen
und gegen
Widersacher
zu
polemisieren”,
und aus
diesem
Grunde
dürfte er
”Siegfried
Wagner eher
geschadet
als genützt
haben”
(Joachim
Bergfeld).
In seiner
Heimatstadt
Riga
gründete
Glasenapp
einen
tätigen
”Richard-Wagner-Verein”,
welchem er
meist als
Präses bzw.
Präsident
vorstand.
Der Verein
leistete für
das Rigaer
Musikleben
Beachtliches
und
betätigte
sich auch
musikausübend.
Von 1891 bis
zum Ende des
Vereins im
1. Weltkrieg
war Carl
Waack dessen
musikalischer
Leiter.
Angemerkt
sei, daß der
Verein auch
die
Verbreitung
von Wagners
Werk im
Russischen
Reich
beförderte.
Schriften:
Richard
Wagners
Leben und
Wirken, 2
Bde., Kassel
und Leipzig
1876 und
1877 –
erweiterte
3. Auflage
„Das Leben
Richard
Wagners“, 6.
Bd.
1894-1911
Leipzig,
engl.
Übersetzung
W. A. Wllis
6 Bd. London
1900 ff. -
Wagner-Lexikon,
Hauptbegriffe
der Kunst-
und
Weltanschauung
Richard
Wagners in
wörtlichen
Anführungen
aus seinen
Schriften,
Stuttgart
1883 (mit
Heinrich v.
Stein). -
Wagner-Encyklopädie:
Haupterscheinungen
der Kunst-
und
Kulturgeschichte
im Lichte
der
Anschauung
Richard
Wagners,
Leipzig
1891. -
Siegfried
Wagner,
Berlin 1906.
- Siegfried
Wagner und
seine Kunst
(Leipzig
1911),
Neuauflage
1913 Titel
„Schwanenreich“
und 1919
„Sonnenflammen“.
-
zahlreiche
Aufsätze in
den
Bayreuther
Blättern
sowie
Edition der
Gedichte von
R. Wagner
(1905), der
Bayreuther
Briefe R.
Wagners
1871-1883
(1907), der
Familienbriefe
v. R. Wagner
1832-1873
(1907).
Lit.:
MGG (Joachim
Bergfeld). -
Riemann-Musiklexikon.
- The New
Grove. -
Deutschbaltisches
biographisches
Lexikon
1710-1960.
hg. von W.
Lenz, Köln,
Wien 1970. -
Nekrolog in:
Deutsche
Monatsschrift
für Rußland
H. 4, Riga
1915. -
H.
Scheunchen:
Die
Musikgeschichte
der
Deutschen in
den balt.
Landen. In:
W. Schwarz,
F. Kessler,
H.
Scheunchen:
Musikgeschichte
Pommerns,
Westpreußens,
Ostpreußens
und der balt.
Lande,
Dülmen 1990
S. 159. –
Bild:
Herder-Institut
Marburg.
Helmut
Scheunchen