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Als
wandernder Buchdruckergeselle kam der am 10. Dez. 1810 in Wehrheim im
Taunus (nördlich von Frankfurt a. M.) geborene Johann Gött 1832 nach
Kronstadt. Als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der „Stadt im
Osten“ starb er im Jahre 1888. Zwischen seiner Niederlasung in Kronstadt
und seinem Tod spannt sich ein bewegtes und segensreiches Wirken als
Buchdrucker, Verleger, Publizist, als Vertreter in verschiedenen
öffentlichen, kirchlichen und wirtschaftlichen Gremien, auf dem
Höhepunkt seines Lebens sogar als Bürgermeister.
Johann Gött fand 1832 in der alten „Honterus“- nun von Schobelnschen
Druckerei, die durch den Tod ihres Leiters verwaist war, Anstellung.
Offenbar wurde er die Seele des Unternehmens, denn schon 1834 erwarb er
die Druckerei käuflich. In demselben Jahr heiratete er die Tochter des
Faßbinders Peter Arzt und erhielt 1835 das Bürgerrecht. Damit war seine
Bindung an die Stadt endgültig besiegelt.
Drei
Jahre lang druckte er in der nun eigenen Druckerei
Magistratsvorschriften, Schulbücher und Geschäftspapiere. Es drängte ihn
jedoch nach einem größeren, wirksameren Arbeitsfeld: „Ich halts nicht
mehr aus, ich muß was drucken.“ Das Ergebnis war die Herausgabe von drei
Zeitungen: je einer deutschen, rumänischen und ungarischen. Er leitete
damit in der siebenbürgischen Publizistik eine neue Epoche ein. Das seit
1837 unter seiner Schriftleitung erscheinende „Siebenbürger Wochenblatt“
(über dessen Bedeutung siehe „Ostdeutsche Gedenktage“ 1987, S. 285-289)
war neben dem 1784 in Hermannstadt gegründeten „Siebenbürger Boten“ die
einzige siebenbürgisch-deutsche Zeitung, und sie wurde zum Sprachorgan
der freisinnig-liberalistischen jungen Generation, die sich entsprechend
dem Zeitgeist für zeitgemäße Reformen in Siebenbürgen einsetzte. Gött
brachte damit Bewegung in die publizistische und literarische
Landschaft. Als „Kronstädter Zeitung“ erschien sein Blatt ab 1849 bis
1944.
Der
um Völkerverständigung bemühte Gött gab die erste rumänische Zeitung
Siebenbürgens heraus, wodurch er sich als Förderer des rumänischen
Kulturlebens bleibende Verdienste erworben hat. Der „Gazeta de
Transilvania“ (seit 1838), mit deren Redaktion der namhafte rumänische
Publizist und Historiker George Baritiu beauftragt wurde, war nicht nur
ein langes Leben beschieden, sondern sie gehört zu den wichtigsten
rumänischen Publikationen überhaupt.
Weniger Glück hatte Gött mit dem ungarischen Blatt „Erdelyi Hirlap“
(Siebenbürgische Zeitung, 1837). Es ging schon nach einem Jahr ein.
Nichtdestoweniger verdient sein Vorhaben gebührende Erwähnung, allen
drei Völkerschaften des von nationalen Gegensätzen aufgewühlten
Siebenbürgen Publikationsmöglichkeiten zu schaffen.
In
der Druckerei und im Verlag Götts erschienen neben mehreren Beiblättern
des „Siebenbürger Wochenblattes“ und der „Gazeta de Transvilvania“ noch
andere Zeitschriften, ferner Kalender und Bücher in deutscher,
rumänischer und ungarischer Sprache.
Frühzeitig beteiligte sich Gott am öffentlichen Leben seiner
Wahlheimatstadt. So gründete er einen „Geselligen Verein“, eröffnete
1839 ein Lesekabinett und war maßgebend an der Gründung des
Gewerbevereins (1844) beteiligt. Mit den Druckern seines Unternehmens
gründete er 1846 eine Kasse zur gegenseitigen Unterstützung im Falle von
Krankheit, Unfall oder Tod. Es war der erste Unterstützungsverein dieser
Art im Lande. Bei der Neukonstituierung der „Handels- und Gewerbekammer“
Kronstadts im Jahre 1851 wurde Gött zum Vizepräsidenten und 1865 zum
Vorsitzenden gewählt. Während dieser Zeit führte Kronstadt den Kampf um
den Anschluß an das Eisenbahnnetz, der dann 1879 erfolgte. Auch eine
Anpassung der Handels- und Gewerbeverhältnisse an das aufkommende
Industriezeitalter erwies sich als notwendig.
Seit
1851 gehörte Gött dem Stadtrat an, 1871 wurde er Orator der Kommunität
und 1876 zum Bürgermeister ernannt. Jahrzehntelang war er Presbyter,
Kirchenvater und schließlich Kurator (1871) der evangelisch-sächsischen
Kirche von Kronstadt. Er hatte somit in den siebziger Jahren die
höchsten Ämter inne, die das sächsische Kronstadt zu vergeben hatte.
1879
begab sich Gött in den Ruhestand und verstarb hochgeachtet am 17.
Oktober 1888. In dem Nachruf der „Kronstädter Zeitung“ heißt es:
„Kronstadt ist um eine Persönlichkeit ärmer geworden, welche das Leben
der abscheidenden Generation wesentlich kennzeichnete ... Gött hätte als
wohlhabender Mann sterben können, hätte er nicht in der Hauptperiode
seiner öffentlichen Tätigkeit fort und fort in mannigfacher Art Opfer
gebracht.“ Er selbst aber bekannte in seinem Testament: „Es drängte
mich, da ich es für meine Ehrenpflicht hielt, dem
siebenbürgisch-sächsischen Volke, das mich so liebreich als den Seinen
aufgenommen hat, dankbar dadurch zu sein, daß ich beschloß, der
Literatur dieses wackeren Volkes alle meine Kräfte zu weihen, wodurch
das Sammeln von Kapitalien für mich im Hintergrund blieb.“
Die
Druckerei und die „Kronstädter Zeitung“ verblieben bis l944 im Besitz
der Familie Gött.
Lit.: Hermann Tontsch: Die
Honteruspresse in 400 Jahren. Kronstadt, 1933. S. 69-113; Kronstädter
Zeitung. Festgabe zum hundertjährigen Bestehen. Sonntag, den 24. Mai
1936; Michael Kroner: Johann Gött – ein Förderer des
siebenbürgisch-sächsischen Schrifttums. In: „Neue Literatur“, Bukarest,
Nr. 1-2, 1967, S. 124-130.
Michael Kroner
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