In Kreitzig,
kaum 15 km nördlich
der alten
Kreisstadt
Schivelbein,
kam Karl
Eduard
Joachim
Rüdiger
Freiherr von
der Goltz
als einziges
Kind des
Landrats und
Landesdirektors
der Neumark
Karl Frhr.
von der
Goltz zur
Welt; seine
Mutter war
eine
geborene von
Arnim. Wer
nun
Schivelbeins
geographische
Lage in der
Mitte
Pommerns
weiß und die
Tätigkeit
des Vaters
als
Landesdirektor
der Neumark
bedenkt, mag
sich
erinnern,
daß der
ganze Kreis
bis 1816 zu
Brandenburg
gehörte und
erst in
einer großen
Verwaltungs-
und
Gebietsreform
zum Land
Pommern
zurückkehrte,
das bereits
nach
Erlöschen
des
pommerschen
Herzogshauses
1637
rechtlich
ein Teil
Brandenburg/Preußens
geworden
war.
Der
zukünftige
Großgrundbesitzer
promovierte
1859 in
Berlin mit
einer
juristischen
Arbeit „De
damno ferino
eiusque
restitutione“
(Über
Wildschaden
und Pflicht
zur
Beseitigung),
die er
lateinisch
öffentlich
zu
verteidigen
hatte. Vom
Militär
wegen seiner
stets
schwachen
Gesundheit
abgelehnt,
galt er
dennoch als
guter Reiter
und Schütze.
– Auf
Auslandsreisen
konnte er
seine
landwirtschaftlichen
und
Verwaltungskenntnisse
vergleichen
und
erweitern.
Dabei
gelangte er
auch zu
politisch
liberalen
Einsichten,
die ihm
später
nützlich
wurden.
Hatte er
sich schon
zu Lebzeiten
des Vaters
landwirtschaftlich
intensiv und
fortschrittliche
betätigen
dürfen,
so mußte er
nach dessen
Tod 1865 die
Beamtenlaufbahn
unterbrechen
und den
Besitz
vollverantwortlich
leiten, dazu
trat schnell
die
Nachfolge in
der Führung
des Kreises.
Zielstrebig,
aufgeschlossen
und
weitsichtig,
für sich
selbst außer
ordentlich
bedürfnislos,
hat er
sowohl dem
eigenen wie
dem
öffentlichen
Besitz
gegenüber
treu und
sozialdenkend
seine
Pflicht
erfüllt, die
körperliche
Leistungsgrenze
kaum
achtend.
Erst 1868,
nach dem
Tode seiner
Frau Marie
geb. von
Bassewitz
die ihm ihn
sehr glücklicher,
doch nur
dreijähriger
Ehe 2 Söhne
geboren
hatte, trat
er aus der
ihm eigenen
Zurückhaltung
heraus. Sein
wacher Geist
und das
Gefühl
eigener
Verpflichtung
suchten nun
in
parlamentarischer
Tätigkeit
Erfüllung.
1870 wurde
er
Landtags-,
schon 1871
Reichtstags-Abgeordneter
und 1898
Mitglied de
Herrenhauses.
Stand er
zunächst im
konservativen
Lager, so
brachten ihn
seine
liberalen
Ansichten zu
den
Freikonservativen.
Er folgte
damit als
konstitutioneller
Monarchist
der
Weitsicht
Bismarcks
sowie seinem
hochverehrten
Kaiser. Wenn
auch scharf
Kritik und
manch
sachliche
Differenz
ihn vom
Kanzler
entfernte
und eine
vorgesehene
Berufung als
Landwirtschaftsminister
verhinderten,
hat er doch
stets
positiv und
loyal an der
Entwicklung
des jungen
deutschen
Staatswesens
mitgearbeitet
und
Bismarcks
überlegene
Führungsgabe
anerkannt.
Die Wahl zum
Landesdirektor
der Provinz
Pommern
(1881 bis
1893) nahm
er im
Pflichtgefühl
eigener
Verantwortung
für die
Heimat, doch
mit großem
Bedenken an,
denn es
würde nicht
ausbleiben,
den eigenen
Besitz um
der größeren
Aufgabe
willen
vernachlässigen
zu müssen. –
Die
sprunghafte
Entwicklung
und
Technisierung
im Lande
erforderten
entsprechende
organisatorische
Maßnahmen,
eine
Erweiterung
und
Anpassung
der
Verwaltung;
er darf als
der Schöpfer
dieser
fortschrittlichen
Auffassung
in der
pommerischen
Provinzial-Verwaltung
gelten. Als
Stichworte
mögen hier
Feuersozietät,
Irrenanstalt
in
Lauenburg,
Hebammenlehranstalt,
Sozialversicherung,
Eisenbahnbau,
allgemeine
Elektrifizierung
u.a. genannt
sein. Auch
als
Vorsitzender
des
Provinzialausschusses
hat er bis
zu seinem
Tod trotz
mancher
trüber
Erfahrungen
eine Fülle
richtungsweisender
Anregungen
gegeben, die
der
wirtschaftlichen
Entwicklung
seiner
Heimatprovinz
dienten.
Unmittelbar
nach einer
von ihm
geleiteten
Sitzung am
29.6.1910
traf ihn der
Schlag; ein
verantwortungsfrohes
und
arbeitsreiches
Leben für
König und
Vaterland
war zu Ende.
Er darf zu
den
führenden
Männern
Pommerns
nach 1870
gezählt
werden.
Lit.:
Pommersche
Lebensbilder,
1. Bd.
Stettin
1934:
Pommern des
19. und 20.
Jahrhunderts.
August
Stanislaus
Graf v. d.
Goltz
(1725-1795),
in:
Friedrich
Frhr. v. d.
Golltz
(Bearb.):
Nachrichten
über die
Familie der
Grafen und
Freiherrn
von der
Goltz.
Straßburg
1885.
Friedrich
Birkholz