Viele
Leistungen,
die das oft
bewunderte
historische
Lebenswerk
von König
Friedrich
dem Großen
ausmachen,
wurden
ermöglicht
durch eine
Vielzahl von
Helfern, die
ihm in den
verschiedenen
Bereichen
zur
Verfügung
standen.
Einer dieser
Helfer, die
nur hin und
wieder
beiläufig
erwähnt
werden, ist
der aus
einer
Schweizer
Familie
stammende
Offizier
Paul von
Gonzenbach,
dessen Name
mit dem
preußischen
Festungsbau
im 18.
Jahrhundert
untrennbar
verbunden
ist.
Die Familie
Gonzenbach
war
Inhaberin
der
Gerichtsherrschaft
Hauptwil in
der
schweizerischen
Landgrafschaft
(und dem
späteren
Kanton)
Thurgau. Der
Vater
betätigte
sich als
Textilkaufmann
und hatte
eine
vermögende
Hugenottin
aus Lyon
geheiratet.
Paul von
Gonzenbach
wurde als
viertes von
sechs
Kindern
geboren. Er
erhielt eine
gute
Grundausbildung,
verschmähte
aber den
Hochschulbesuch
und trat
1742 im
schlesischen
Neiße in den
preußischen
Militärdienst.
1747
Leutnant
geworden,
betätigte er
sich
vornehmlich
als
Werbeoffizier,
konnte sich
aber auch
auf
technischem
und
organisatorischem
Gebiet
auszeichnen,
so daß er im
Siebenjährigen
Krieg, als
Generalquartiermeister
im
Kapitänsrang,
Adjutant des
Generals
(und
Freundes
König
Friedrichs)
de la Motte
Fouqué
wurde. Er
kämpfte
tapfer an
dessen
Seite,
geriet 1760
bei
Landeshut in
Schlesien
verwundet in
österreichische
Gefangenschaft
und kam erst
nach dem
Friedensschluß
1763
zusammen mit
Fouqué
wieder frei.
König
Friedrich
übertrug dem
zum
“Capitain”
Beförderten
1764 die
Leitung des
Glatz-Silberberger
Festungsbaus,
bis ihm nach
dem Erwerb
Westpreußens
1772 infolge
der Ersten
polnischen
Teilung eine
neue und
größere
Aufgabe im
Nordosten
des Landes
zuteil
wurde.
Sogleich
nach der
Inbesitznahme
Westpreußens
hatte der
König den
Plan gefaßt,
an dem
Straßenknotenpunkt
und
Weichselübergang
Graudenz
eine Festung
anzulegen,
die der
Verteidigung
Ostpreußens
dienen
sollte.
Nachdem ein
Versuchsprojekt
25 Kilometer
weichselabwärts
gescheitert
war, erhielt
Gonzenbach
im November
1775 den
Auftrag, auf
der nördlich
bei Graudenz
gelegenen
Höhe mit den
Planungsarbeiten
für eine
Festung zu
beginnen.
Die
Schwierigkeiten
waren
erheblich;
es fehlte an
Ziegeleien,
Steinbrüchen
und
Arbeitern –
alles mußte
von
außerhalb
mit
teilweise
erheblichen
Mehrkosten
herangeschafft
werden. Der
König, der
in seiner
bekannten
kleinlichen
Art sich um
alles
kümmerte und
ständig auf
dem
laufenden
gehalten
werden mußte,
stellte die
finanziellen
Mittel in
ausreichendem
Maß bereit
und hielt
zumindest
dadurch
Gonzenbach
den Rücken
frei, so daß
es jetzt nur
an dessen
organisatorischem
Geschick und
seiner
Durchsetzungskraft
lag, das
Werk in dem
vom König
gewünschten
Tempo
voranzubringen.
Der Bau, der
beim Tode
Friedrichs
des Großen
1786
annähernd
vollendet
war (nur das
sogenannte
Hornwerk
fehlte
noch),
erforderte
in
Spitzenzeiten
rund 5000
Arbeiter,
600 Maurer,
180
Ziegelstreicher,
180
Bergleute
und Mineure
sowie 180
vierspännige
Wagen zum
Materialtransport.
Verbraucht
wurden rund
70000
Klafter
Feldsteine
und 113
Millionen
Ziegel, die
aus extra
angelegten
Ziegeleien
in der Nähe
stammten.
1783 ließ
der König
durchblicken,
daß ihm der
Bau zu
langsam
gehe; er
drängte
Gonzenbach
und schickte
Inspektoren
zur
Überprüfung,
die aber
keine
Nachlässigkeit
feststellten
und dem
“Ingenieur-Capitain”
eine
vorzügliche
Leistung
bescheinigten.
Gelegentlich
der im
folgenden
Jahr in
Mockrau, nur
wenige
Kilometer
von Graudenz
entfernt,
stattfindenden
Truppenschau
besichtigte
Friedrich
den
Festungsbau
eingehend
und gab
öffentlich
seine volle
Zufriedenheit
kund. Der
damals schon
60jährige
Gonzenbach
schrieb
darauf an
einen
Kollegen:
“Hierdurch
sind meine
Gemüts- und
Leibeskräfte
so sehr
gestärkt
worden, daß
alles
Vergangene
mich wie ein
Traum zu
sein deucht
und mein
ferneres
Bestreben
nur dahin
gehet, mit
aller Treue
und dem
größten
Fleiß den
ganzen Bau
zu
beendigen.”
Nach dem Tod
König
Friedrichs
gingen die
Arbeiten
weiter und
erreichten
1789 ihren
Abschluß.
König
Friedrich
Wilhelm II.,
den
Gonzenbach
von vielen
früheren
Begegnungen
kannte, kam
auf seiner
Huldigungsreise
nach
Ostpreußen
auch nach
Graudenz und
inspizierte
die Bauten
eingehend.
Nach seiner
Beförderung
zum Major
berief der
König
Gonzenbach
zum
Brigadier
und
Inspektor
der
pommerschen
Festungen.
Zu seinem
Dienstbereich
gehörten
neben
Graudenz die
Festungen
Pillau,
Friedrichsburg
bei
Königsberg,
Memel, Lyck,
Stettin und
Kolberg. Die
kriegerischen
Verwicklungen
jener Zeit
ließen es
ratsam
erscheinen,
den Zustand
der
Festungen
genau zu
prüfen und
gegebenenfalls
zu
verbessern.
Letzteres
wurde
besonders in
Pillau
nötig,
weshalb
Gonzenbach
1790 den
Auftrag
erhielt, die
Festung in
gehörigen
Verteidigungszustand
zu setzen,
besonders
nach der
Seeseite
hin. Es
begannen
umfangreiche
Arbeiten,
die wiederum
die ganze
Kraft des
Ingenieuroffiziers
erforderten,
der
inzwischen
seinen
Wohnsitz
nach Pillau
verlegt und
im Jahr 1792
das Patent
zum Oberst
erhalten
hatte. Bei
der Zweiten
Teilung
Polens 1793
fiel auch
Danzig an
Preußen,
wodurch die
dort und in
Neufahrwasser
anfallenden
Aufgaben
zusätzlich
zu
bewältigen
waren.
Arbeitseifer,
Integrität
und
Pflichtbewußtsein
waren die
hervorstechenden
Eigenschaften
dieses
Mannes, der
fast sein
ganzes Leben
gleichsam in
den Dienst
der
Verteidigung
Preußens
gestellt
hatte. Er
war
unverheiratet
geblieben
und lebte
persönlich
anspruchslos,
hielt jedoch
ständige
Verbindung
zu seinen
Verwandten
im Thurgau
und förderte
die
Ausbildung
seiner
Geschwisterkinder.
1793
gestattete
er sich den
zweiten
Urlaub
seiner
sechsundfünfzigjährigen
Dienstlaufbahn
und reiste
nach dem
Familiensitz
Hauptwil, wo
er (nach
seinen
eigenen
Worten) die
glücklichsten
drei Wochen
seines
Lebens
verbrachte.
In Pillau
ging er dann
weiter
seiner
gewohnten
Beschäftigung
nach, bis
ihn im 75.
Lebensjahr
ein sanfter
Tod ereilte.
Er wurde am
4. November
1799 mit
militärischen
Ehren und im
Beisein von
Vertretern
des Königs
in der
Pillauer
Garnisonkirche
beigesetzt.
“Seine”
Festung
Graudenz
bestand die
Bewährungsprobe
1807 beim
Feldzug
Napoleons
gegen
Preußen
glanzvoll
unter ihrem
tapferen
Verteidiger,
General
Courbière,
der neben
Gneisenau in
Kolberg zu
den
erfolgreichen
Festungskommandanten
zählte, die
bis zum
Tilsiter
Frieden
durchhielten.
Lit.:
Walter
Gonzenbach:
Ein
Thurgauer im
Dienste
Friedrichs
des Großen,
in:
Thurgauer
Jahrbuch Jg.
44/1969
(1968), S.
65–86 (dort
Porträt). –
Xaver
Froelich:
Geschichte
des
Graudenzer
Kreises, T.
1, Graudenz
1868. – Max
Bär:
Westpreußen
unter
Friedrich
dem Großen,
2 Bände,
Leipzig
1909. – Paul
Fischer:
Graudenz und
Feste
Courbière,
3. Aufl.
Graudenz
1912.
Peter
Letkemann