Als Gerda
Maria
Glückselig
kam die
spätere
Schauspielerin
in einem
musisch
geprägten
Elternhause
zur Welt.
Ihr Vater,
Karl Max
Glückselig,
war
Dirigent,
Musikpädagoge
und
Chorleiter,
die Mutter
hatte in
Berlin
Gesang
studiert und
gab
Gesangsunterricht.
Auch der
zehn Jahre
ältere
Bruder Karl
war Musiker
und starb
1991 als
Generalmusikdirektor
in Hannover.
Nach dem
Abitur am
Evangelischen
Mädchengymnasium
in
Hermannstadt
ging Gerda
Maria
Glückselig
1938 nach
Berlin und
lernte bei
Gustaf
Gründgens an
der
Schauspielschule
der
Preußischen
Staatstheater.
Noch während
der
Ausbildung
nahm sie auf
Anraten von
Gründgens
den
Künstlernamen
Gorwin, dann
Gorvin, an,
um
eventuellen
antisemitischen
Diskriminierungen,
zu denen ihr
Name Anlaß
geben
konnte, aus
dem Weg zu
gehen. Den
Vornamen
Joana legte
sie sich um
1940 zu und
trat seither
unter dem
Künstlernamen
Joana Maria
Gorvin auf.
Sie
debütierte
1939,
erhielt 1940
ihr erstes
Engagement
am
Schauspielhaus
in Potsdam
und wirkte
sodann als
Mitglied des
Staatstheaters
am
Gendarmenmarkt.
In diese
Zeit fällt
ihre
Begegnung
mit Jürgen
Fehling,
dessen
Proben sie
unermüdlich
besuchte. Es
wurde daraus
eine der
erfolgreichsten
Künstler-
und
Lebensgemeinschaften
der
deutschen
Theatergeschichte,
die bis zum
Tode des
berühmten
und
schwierigen
Regisseurs
1968 währte.
Sie wurde
begleitet
von einem
Rollenpanorama,
das die
Fähigkeiten
und die
Eigenart von
Joana Maria
Gorvin auf
das
anschaulichste
vor Augen
und Ohren
führte. Im
Jürgen-Fehling-Theater
in
Berlin-Zehlendorf
feierte sie
als Gretchen
im
Urfaust
einen großen
Triumph,
doch bereits
nach einer
Spielzeit
mußte das
Theater 1946
schließen.
Die Gorvin
wechselte
ans
Hebbel-Theater,
wo ihr der
erste große
Erfolg in
der Rolle
der Sabrina
in Thornton
Wilders
Wir sind
noch einmal
davongekommen
beschieden
war, war
dann für
drei Jahre
am
Bayerischen
Staatsschauspiel
in München
und ging
schließlich
wieder nach
Berlin, wo
sie am
Schloßpark-
und am
Schiller-Theater
wirkte.
In den
ersten
Nachkriegsjahren
lernte das
Theaterpublikum
manche
später
berühmte
Bühnengestalt
neuer Stücke
aus Amerika,
Frankreich
oder Spanien
zuerst durch
die Gorvin
kennen. Sie
war die
Elektra in
Jean Paul
Sartres
Fliegen,
die Johanna
in Paul
Claudels und
Arthur
Honeggers
Johanna auf
dem
Scheiterhaufen,
die Helena
in Der
trojanische
Krieg findet
nicht statt
von Jean
Giraudoux
und trat
später noch
in Stücken
von Albee,
Faulkner
oder O'Neil
auf. Was von
allem Anfang
an auffiel,
war ihre
gepflegte
Sprache, die
Sprechmelodie,
ja die
Wandlungsfähigkeit
der Stimme
und die
Geschmeidigkeit
ihres
Körpers. Von
Jürgen
Fehling
stammt der
Ausspruch:
”Die Gorvin
hat ein
geheimnisvolles
Etwas in
ihrer hohen
Kehle. Sie
ist eine
erotische
Nachtigall.
Die Gorvin
ist eine der
seltsamsten
Sprecherinnen.
Sie
verwaltet
seltsame
Geigentöne.
Sie
verwaltet
gleichzeitig
einen
geschmeidigen
Körper. Ihre
Gesten
entwachsen
dem Herzen.”
Ihr hoher
Stimmton
wurde mit
dem einer
Stradivari
verglichen,
der in
dramatischen
Augenblicken
auch als
sehr scharf
und präzise
konturiert
erschien.
Hatte Joana
Maria Gorvin
schon hin
und wieder
in Wien
kurze
Gastspiele
gegeben, so
war es Ernst
Haeussermann,
der sie 1955
zu den
Wiener
Festwochen
holte. Auf
ihn gehen
auch die
späteren
Verpflichtungen
am
Burgtheater
oder am
Theater in
der
Josefstadt
zurück. Auf
diese
Aufenthalte
Frau Gorvins
in Wien ist
ihre
Entscheidung
zurückzuführen,
um die
österreichische
Staatsbürgerschaft
anzusuchen,
die sie 1955
erhielt. So
wurde sie
schließlich
am Rande
Wiens, in
Klosterneuburg
ansässig.
Seit 1971
war sie mit
Dr.
Maximilian
Bauer
verheiratet.
Ein
Zusammentreffen
Joana Maria
Gorvins mit
Gustaf
Gründgens
1960 am
Deutschen
Schauspielhaus
in Hamburg
führte zu
einer
Erneuerung
der
Zusammenarbeit
zwischen
beiden. Was
sie auch
spielte – es
bewies
gereifte
Meisterschaft.
Nach dem
Tode von
Gründgens
zog sie sich
immer mehr
von
längerfristigen
Engagements
zurück und
maß Verträge
und Rollen
an ihren
eigenen
künstlerischen
Maßstäben.
Diese
Maßstäbe
hatte sie in
den 25
gemeinsamen
Jahren mit
Jürgen
Fehling
gewonnen und
mit
Intelligenz,
Stilsicherheit
und Askese
zu befolgen
gelernt.
Nach
Fehlings Tod
verwaltete
sie dessen
Archiv,
woraus 1985
eine
umfangreiche
Text- und
Fotodokumentation
Das
Theater des
deutschen
Regisseurs
Jürgen
Fehling
erwuchs.
Seit 1978
hatte sie
während
mehrerer
Jahre bei
den
Salzburger
Festspielen
ihren
Auftritt als
Glaube in
Hugo von
Hofmannsthals
Jedermann.
Ihre letzte
große Rolle
spielte sie
ab Herbst
1992 in
Berlin in
Botho
Strauß'
Stück
Schlußchor
in der
Inszenierung
von Luc
Bondy. Am
20. März
1993 stand
sie zum
letzten Male
auf der
Bühne. Nach
einer
Gehirnblutung
starb sie
kurz vor
ihrem 71.
Geburtstag.
Ihrem Wunsch
gemäß wurde
sie in
Berlin
beigesetzt,
dem Ort, wo
ihre
vielbewunderte
Karriere
begonnen
hatte.
An Ehrungen
hat es Joana
Maria Gorvin
nicht
gemangelt,
schrieb doch
bereits 1947
Der
Spiegel:
”Wenn nicht
alles
täuscht,
sagen
Kenner, wird
Joana Maria
Gorvin 'die'
moderne
Schauspielerin
von morgen.”
Die Kenner
sollten
recht
behalten.
1957 erhielt
sie den
Berliner
Kunstpreis
für
darstellende
Kunst, im
Jahre 1974
wurde sie
gleich
dreimal
Ehrenmitglied,
und zwar der
Freien
Akademie der
Künste
Hamburg, der
Deutschen
Akademie der
Darstellenden
Künste
Frankfurt/Main
und der
Deutschen
Akademie der
Darstellenden
Künste
Hamburg. Von
ihren
Landsleuten
wurde sie
1992 mit dem
Kulturpreis
der
Landsmannschaft
der
Siebenbürger
Sachsen
geehrt. Zu
ihrem Tode
schrieb ein
Kritiker,
jetzt sei es
Zeit, Joana
Maria Gorvin
ein Denkmal
zu setzen.
Denn sie sei
eine der
großen
Schauspielerinnen
dieses
Jahrhunderts
gewesen.
Lit.:
Edda Fuhrich/Dagmar
Wünsche:
Joana Maria
Gorvin. Eine
Dokumentation.
München
1995. – C.
Bernd
Sucher: Die
erotische
Nachtigall.
Zum Tod von
Joana Maria
Gorvin. In:
Süddeutsche
Ztg.,
7.9.1993. –
Gerhard
Rohde: Feine
Risse im
Klang. In:
Frankfurter
Allg. Ztg.,
7.9.1993. –
Elisabeth
Effenberger:
Zu Hause bei
Rosen und
Weingärten.
In:
Salzburger
Nachrichten,
18.11.1977.
Bild:
Rosemarie
Clausen,
Hamburg
Udo W.
Acker