Der
erste Roman von Hanns Gottschalk, Der
Fremde im Dorf, im Jahre 1940
erschienen, konnte gewiß keine bessere
Einschätzung erfahren als die, welche
aus einer Äußerung Gerhart Hauptmanns
gegenüber dem Schauspieler Friedrich
Kayßler hervorgeht: “Wenn man doch
diesen ‘Fremden’ des jungen Gottschalks
dramatisieren könnte!” Über diesen Roman
äußert sich Wolfgang Schwarz in einer
Laudatio, die er anläßlich der
Verleihung des “Andreas-Gryphius-Preis”
an den Dichter hielt, so: “...Es geht in
diesem Roman wie in einer Ballade und
Parabel zugleich zu. Vision von einer
Zukunft, in welcher eine
technologisierte Menschheit, wahnsinnig
vor Leere, den Stein des Weisen findet
und ihm dem Künstler bringt, daß er das
alte Menschenbild aus ihm heraushau’.”
Hanns
Gottschalk nahm nach seiner Schulzeit in
Wien und Breslau ein Studium der
Germanistik und der Geschichte auf,
wurde zum Doktor der Philosophie
promoviert und nach seiner Habilitation
zum Professor ernannt. Schon bald hatte
er sich entschlossen, das Leben eines
freien Schriftstellers zu führen. Nach
der Vertreibung aus der Heimat siedelte
er sich in Linz an der Donau an. 1946
erschien sein Meister Dominus,
Roman eines Bildschnitzers, 1947 Band II
unter dem Titel Fährmann Gottes.
Mit der Novelle Die Reifeprüfung
kam Gottschalk 1949 heraus.
Über
sein “Schreiben” hinaus widmete er sich
Gemeinschaftsaufgaben, gab für die
“vergessenen Schriftsteller” eine
Schriftenreihe heraus und Anthologien
wie Erbe und Auftrag und Ziel
und Bleibe. Der
“Andreas-Gryphius-Preis” wurde von ihm
begründet. Er war Initiator von
Veranstaltungen der “Künstlergilde”, so
auch der “Pontischen Seminare”.
Gottschalks Roman Es rauscht ein
Strom kam 1952 heraus und erreichte
inzwischen vier Auflagen. Es folgten
1953 mit den Bad Haller Impressionen
Dichtungen in Prosa und im selben
Jahre Gedichte unter dem Titel Am
Herzen der Schöpfung, welche 1964
eine Neuauflage erfuhren. In dichter
Folge erschienen Novellen wie Der
Sohn 1954, Die Weiche 1956,
Der Weg nach Petropowka 1959 und
Urlaub in die Ewigkeit 1961.
Immer wieder trat Hanns Gottschalk mit
Gedichtbänden hervor wie 1960 mit
Horizonte, Dein der Zauber und
Glanz dieser Welt 1965, Zeit für
einen Vers 1972, Bildwechsel
1978, Kontrapunkte 1980, Unser
das Wort 1984, Guten Morgen –
Abendland 1989 und Die
Jahrhundertfeder 1993. Mit dem
Schauspiel Einer muß bleiben
stellte sich der Dichter 1964 vor sowie
mit Zeit ohne Zifferblatt und mit
dem Hörspiel Holüber 1969.
Gesammelte Novellen erschienen 1970
unter dem Titel Welt in der
Windlaterne, und unter dem Titel
Eulen vor dem Spiegel kam 1973 eine
Reihe heiterer Erzählungen heraus.
Über
den Lyriker Hanns Gottschalk äußerte
sich Adalbert Schmidt einmal so:
“Gottschalks Gedichtbände zeigen einen
Dichter, der zwischen Tradition und
Neuerung Maß und Mitte zu halten weiß...
Landschaften der Natur und der Seele
offenbaren das östliche Schicksalserbe
mit den Furchen der Felder und den
Stimmen des Stroms, mit der Mentalität
jener Menschen, die, wie es Hermann
Stehr einmal ausgedrückt hat, an den
Grundwassern des Lebens wohnen. Da spürt
man die Sehnsucht nach einer Heimstatt
jenseits des Hier und Heute, nach einer
Einkehr bei Menschen und
Menschlichkeit... Dort und weit darüber
hinaus versteht man seine Stimme und
läßt sie dankbar in sich nachklingen:
‘Was aber bleibt,/ ist das runde,/
lebendige Wort/ und nicht/ das an die
Tafeln/ des Tages/ Geschriebene.”
Die
mitunter aphoristisch verknappten Texte
machen dem Leser bewußt, daß Gottschalk
darauf bedacht ist, mehr anzusprechen
als auszusprechen, um ihn mit dem
Unausgesprochenen “zwischen den Zeilen”
nachdenklich zu machen. Das
verdeutlichen etwa Zeilen des Gedichtes
“Worte” in dem Gedichtband Guten
Morgen, Abendland: “Aber der
Stummheit/ entrissen und langsam/
gewachsen ins Sagen,/ lehren am Ende sie
dich/ die Weisheit des Schweigens.”
Unter den aphoristischen Texten kann man
folgende nachlesen: “Nicht einmal Leute,
die im Bilde sind, können ruhig aus dem
Rahmen fallen.” – “Vorstellbar ist
alles, unvorstellbar nichts.” –
“Publizistische Macht oder permanente
Irreführung.” – “Die Zeit der Götter ist
um, die der Abgötter geht um.” – “Die
einen beten um Frieden, die anderen
marschieren in die Schlagzeilen.” –
“Wäre die Wurzel nicht, es wüßte der
Wipfel nicht von sich zu träumen.”
Nicht
unerwähnt sollten Gottschalks
Anthologien bleiben: Und die Welt
hebt an zu singen, eine Sammlung
schlesischer Lyrik, und Das
schlesische Balladenbuch, von
Strachwitz bis zur Gegenwart. Außerdem
hat Hanns Gottschalk 25 Jahre als
Herausgeber des Volkskalenders für
Schlesier gewirkt.
Gottschalks unermüdliches und erfolgreiches literarisches Schaffen
wurde außer mit dem bereits erwähnten
“Andreas-Gryphius-Preis” schon vordem
mit dem “Ostdeutschen Erzählerpreis”,
dem “Dramatikerpreis” 1965, dem
“Funkerzählerpreis” 1973, dem
“Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst”
1976, der “Pro-Arte-Medaille” der
Künstlergilde und anderen Auszeichnungen
gewürdigt.
Lit.: K. Vancsa: Hanns Gottschalk
(Monatshefte f. Weltliteratur). –
Gilbert Socard; Hanns Gottschalk
(Dokuments 4, 1956). – A.
Fischer-Colbrie: Hanns Gottschalk (Zeitgenöss.
Schrift.). – Arno Lubos: Linien und
Deutungen, München 1963. – Hanns
Gottschalk, in: Persönlichkeiten
Europas, Luzern 1975.
Konrad Werner