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Joseph Gottschalk wurde als ältestes von neun Kindern eines Lehrers und
Kantors geboren. Beide Eltern stammten aus der Grafschaft Glatz. Ab
Ostern 1915 besuchte er das katholische St. Matthias-Gymnasium in
Breslau, wohnte im Fürstbischöflichen Knabenkonvikt und legte dann 1923
das Abitur ab. Es folgten das Studium der Philosophie, Geschichte und
Theologie in Breslau und ein Semester in Wien, die von Adolf Kardinal
Bertram, dem Fürstbischof von Breslau, am 29. Januar 1928 erteilte
Priesterweihe und Tätigkeiten als stellvertretender Religionslehrer in
Hindenburg (Oberschlesien) und als Kaplan in Breslau. Bereits auf dem
Gymnasium zeigte sich deutlich Gottschalks Interesse
an
der Geschichte der Heimatprovinz. So wurde er als Primaner im Jahre 1922
Mitglied des „Vereins für Geschichte Schlesiens“ und veröffentlichte
seinen ersten Aufsatz, dem in den nächsten Jahren viele Publikationen,
primär über Stadt und Kreis Militsch, folgten. Im Februar 1930 erwarb er
aufgrund seiner
Beiträge zur Rechts-, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte des Kreises
Militsch bis zum Jahre 1648
und
der mündlichen Prüfung in Geschichte, Kunstgeschichte und Vorgeschichte
den Dr. phil.
Von
1930 bis Ostern 1934 wirkte Gottschalk - von einem halben Jahr
Seminarausbildung in Gleiwitz unterbrochen - als Religionslehrer an den
Lehranstalten der Armen Schulschwestern in Oppeln. Er legte die
wissenschaftliche Prüfung für das Höhere Lehramt (Kath. Religion,
Geschichte, Kunstgesch.) und die Pädagogische Prüfung ab, wurde 1932
Studienassessor und unterrichtete von 1934 bis 1935 am Breslauer König
Wilhelms-Gymnasium, verließ dann aber den Schuldienst, weil er - weder
der NSDAP noch einer der ihr nahestehenden Organisationen angehörend -
keine Aussicht auf eine Anstellung als Studienrat besaß. Als Pfarrer
arbeitete er nun in der Gemeindeseelsorge: von 1935 bis 1943 in Wirrwitz
(Konradserbe), Kreis Breslau, und danach in Kapsdorf, Kreis Trebnitz,
einer kleinen Pfarrei, nur 12 Kilometer von der Hauptstadt Schlesiens
mit ihren Archiven und Bibliotheken entfernt, wodurch ihm seine
wissenschaftliche Betätigung erleichtert wurde.
Schon damals konnte der noch nicht Vierzigjährige auf eine stattliche
wissenschaftliche Erfolgsbilanz zurückblicken, lagen doch etwa 70
Veröffentlichungen aus seiner Feder vor, unter anderem im
Deutschen Städtebuch,
in
der Monatsschrift
Der Oberschlesier
und
in der
Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens
erschienen, vor allem jedoch in den ersten sechs Bänden des
Archivs für schlesische
Kirchengeschichte,
dessen Schriftleitung Gottschalk seit der Begründung des Jahrbuches
(1936) angehörte.
In
der Karwoche des Jahres 1946 mußte Gottschalk seine Pfarrei Kapsdorf mit
leichtem Gepäck verlassen. In der Folgezeit wirkte er als
Studentenseelsorger und nebenamtlicher Dozent für katholische Religion
an der Pädagogischen Hochschule in Braunschweig und ab 1947 - 1950 zum
Studienrat ernannt - an der St. Winfriedschule in Fulda. Auf das 1959
von zuständiger Seite an ihn ergangene Angebot, sich um die Professur
für Pastoraltheologie an einer Hochschule zu bewerben, ging er nicht
ein, weil die Übernahme dieses Aufgabengebietes einen weitgehenden
Verzicht auf die ihm so sehr ans Herz gewachsene Erforschung der
schlesischen Geschichte und Kirchengeschichte mit sich gebracht hätte.
Sein
Wirken als Historiker war vielfältiger Art. Es gelang ihm, Fuldaer
Gymnasiasten zur Betätigung im „Bauorden“ anzuregen, und er begleitete
die erste Gruppe im Jahre 1956 nach Nordfrankreich. Historisches Wissen
und pädagogische Erfahrung verbanden sich in seiner für höhere Schulen
bestimmten
Kirchengeschichte,
die
1953 erstmals und 1968 in 7. Auflage erschien. Auch am
Lexikon für Theologie
und Kirche
arbeitete er mit.
Aufgrund einer Krankheit ließ Gottschalk sich 1962 vorzeitig
pensionieren. Der beruflichen Pflichten ledig, wandte er sich nun
„hauptamtlich“ seinen Forschungen zu und übernahm 1968 die - Herausgabe
des Archivs für
schlesische Kirchengeschichte,
das
unter seiner zehnjährigen Leitung trefflich gedieh, auch dank der
Gewinnung und Förderung jüngerer Autoren und der Betonung des 19. und
20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis seiner Publikationen aus dem Jahre
1978 enthält - ohne Einzelrezensionen zu berücksichtigen - insgesamt 245
Titel. Hervorhebung verdienen besonders {seine Forschungen über die
heilige Hedwig, kulminierend in dem Werk
St. Hedwig, Herzogin von
Schlesien
(1964). Seit Jahrzehnten steht Gottschalk in der ersten Reihe der über
Schlesien arbeitenden Geschichtsforscher. Er ist Mitglied der Hinsehen
Kommission für Schlesien und des Kuratoriums der Stiftung Kulturwerk
Schlesien. Die Universität zu Freiburg (Breisgau) verlieh ihm die Würde
eines Ehrendoktors der katholischen Theologie (1974), seine Kirche erhob
ihn zum Erzpriester und Monsignore, der Bundespräsident verlieh ihm das
Große Bundesverdienstkreuz (1987).
Weitere
Werke:
Die
Pfarrkirche zum hl. Kreuz in Oppeln, 1934. - Das Geschlecht Gottschalk
aus Bad Landeck in Schlesien, 1942. - Die Missionierung des Ostens und
der Schlesier St. Hyazinth, 1948. - Die Geschichte des
Benediktinerklosters St. Ägidien und seines Münsters zu Braunschweig,
1948. - (Hrsg.:) Die große Legende der heiligen Frau Sankt Hedwig, 2
Bde., 1963. - (Hrsg.:) Schlesische Priesterbilder, Bd. 5, 1967. - Vgl.:
Bibliographie Joseph Gottschalk. Zusammengestellt von Narzissa
Stasiewski. In: Arch. f. schles. Kirchengesch. 36, 1978, S. 241-266.
Lit.:
Bernhard Stasiewski: Zum 70. Geburtstag von Dr. Dr. h. c. Joseph
Gottschalk. In: Schlesien 19, 1974, S. 54-56. - Joachim Köhler: Zum 80.
Geburtstag von Monsignore Dr. Dr. Joseph Gottschalk. In: Arch. f. schles.
Kirchengesch. 42, 1984, S. 247-249.
Hans-Ludwig Abmeier
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