Wer sich
gerade seine
nach Rezept
zubereiteten
marinierten
Pilze in
Parmaschinken
oder einen
Lammrücken
auf Tomaten-Bohnen-Ragout
schmecken
läßt, wird
weit davon
entfernt
sein, einen
Zusammenhang
zwischen
diesen
kulinarischen
Köstlichkeiten
und Heinrich
Eduard Gräfe
herzustellen.
Was auch
vice versa
gilt: Daß
der Name des
Mannes, der
in seiner
Buchhandlung
z. B. noch
die im Hause
Unzer
verlegten
Werke
Immanuel
Kants
verkaufte,
einmal
beinahe
ausschließlich
mit
Kochbüchern
und
Gesundheitsratgebern
in
Verbindung
gebracht
werden
könnte, wie
das heute
tatsächlich
der Fall
ist, hätte
seinem
Träger
vermutlich
einiges
Kopfschütteln
abgenötigt.
Der
Buchhändler
Heinrich
Eduard Gräfe
trat 1827 in
das Geschäft
seines
zukünftigen
Schwiegervaters
August
Wilhelm
Unzer ein.
Gemeinsam
mit dessen
Sohn Johann
Otto führte
er ab 1.
Januar 1832
das
Königsberger
Unternehmen,
das sich von
nun an Gräfe
& Unzer
nannte,
unter
welchem
Namen es in
die deutsche
Buchgeschichte
nicht nur
als die
dereinst
(1932)
größte
europäische
Sortimentsbuchhandlung,
sondern auch
als eines
der
renommiertesten
deutschen
Verlagshäuser
eingehen
sollte.
Die
Vorgeschichte
der
Buchhandlung
wie des
Verlagshauses
Gräfe &
Unzer ist
äußerst
verwickelt
und kann, da
nicht
unmittelbar
zur
thematisierten
Person
gehörig,
hier
weitgehend
vernachlässigt
werden. Wir
beginnen mit
dem Jahre
1797, als
Johann
Philipp
Göbbels und
August
Wilhelm
Unzer in
Königsberg
die durch
starken
Konkurrenzdruck
in
wirtschaftliche
Schwierigkeiten
geratene
Hartungsche
Buchhandlung
übernehmen.
Göbbels
scheidet
1808 aus dem
Unternehmen
aus, wodurch
August
Wilhelm
Unzer bis
zur
Überschreibung
an seinen
Sohn und
seinen
Schwiegersohn
zum
Alleininhaber
der Firma
wird.
Heinrich
Eduard Gräfe
tritt 1813
in
Braunschweig
in die
Campe’sche
Schulbuchhandlung
als Lehrling
ein. In den
folgenden
sechs
Braunschweiger
Jahren
entstehen
lebenslange
Freundschaften
mit seinen
Kollegen
Eduard
Vieweg und
Heinrich
Brockhaus.
1819
wechselt
Gräfe zu
Unzer nach
Königsberg
und bleibt
hier
zunächst bis
zum Jahre
1823. Von
Königsberg
führt ihn
sein Weg
weiter nach
Leipzig, wo
er mit
Unterstützung
aller
Buchhändler,
bei denen er
bislang
tätig
gewesen war,
im Jahre
1825 eine
Kommissionsbuchhandlung
gründet.
Zuvor hatte
er freilich
in
Königsberg
Minna Unzer
kennen- und
liebengelernt,
mit der er
sich 1826 in
Leipzig
verlobt, um
mit ihr noch
im selben
Jahr den
Bund fürs
Leben
einzugehen.
Auf
ausdrücklichen
Wunsch
August
Wilhelm
Unzers, der
sich früher
ein Bild von
der
Tüchtigkeit
Gräfes hatte
machen
können,
übersiedelt
dieser im
Jahre 1827
wieder nach
Königsberg,
um erneut in
die
“Sortiments-Buch-
und
Musikalien-Handlung”
seines
Schwiegervaters,
der das
Verlagsgeschäft
zunächst
noch allein
weiter
betreibt,
einzutreten.
In Leipzig
hinterläßt
Gräfe seinen
Freunden
Friedrich
und Heinrich
Brockhaus
ein
blühendes
Unternehmen,
was man zu
jener Zeit
vom Hause
Unzer in
Königsberg
nicht
unbedingt
sagen kann.
Es kann kein
Zweifel
daran
bestehen,
daß Gräfe
ohne die
freundschaftlichen
Verbindungen
zum Hause
Brockhaus
kaum über
die
folgenden
schweren
Jahre
hinweggekommen
wäre: Die
Freunde
helfen
–
oftmals Jahr
für Jahr
–
nicht nur
mit Krediten
und
mancherlei
Ratschlägen,
sondern auch
mit der
Übernahme
von
Druckaufträgen,
die
anzunehmen
die
Druckerei
Hartung in
Königsberg
sich nicht
selten
außerstande
sieht.
Die
gemeinsame
Geschäftsübernahme
Gräfes und
des
Unzer-Sohnes
Johann Otto
ist kein
Glücksgriff.
Letzterer
ist in
geschäftlichen
Belangen
wenig
begabt, so
daß Gräfe
ihn schon
bald als
Hemmschuh
empfindet.
Die
Situation
bessert sich
erst, als
nach dem
Tode August
Wilhelm
Unzers am 1.
Januar 1847
Unzer jr.
aus dem
Sortiment
ausscheidet
und allein
das
väterliche
Erbe, den
Verlag,
übernimmt,
während die
Führung der
Buchhandlung
Gräfe &
Unzer in den
Händen
Heinrich
Eduard
Gräfes
verbleibt.
Allerdings
kommt “es
auch unter
seiner
Leitung
nicht zu
nennenswerten
Neuerungen
in der
Firmenpolitik.”
(“Gräfe und
Unzer
schreibt...”
1997, S. 70)
Eine
schwierige
Zeit zieht
noch einmal
mit dem
Revolutionsjahr
1848 herauf:
“Die
politischen
Ereignisse,
die von
Gräfe mit
lebhafter
Teilnahme
und
konservativer
Besorgnis
verfolgt
wurden,
erschütterten
den Kredit
und ließen
die
Zahlungen
stocken.” (Forstreuter
1932, S. 99)
Es spricht
wiederum für
Gräfes
Tüchtigkeit,
daß er sich
noch im
selben Jahr
all seiner
Verbindlichkeiten
zu
entledigen
vermag.
1861 wird
Gräfe in die
bis 1866
amtierende
Prüfungskommission
für
Buchhändler
gewählt.
Dies sind
aber auch
die Jahre,
in denen er
schwer von
der Gicht
heimgesucht
wird, die
ihm manche
kostspielige
Badereise
aufzwingt.
Er stirbt
68jährig.
Sein
Nachfolger
in der
Buchhandlung
wird der
Sohn
Heinrich
Wilhelm, der
1846 als
Lehrling in
das
väterliche
Geschäft
eingetreten
war. Unter
ihm bezieht
die
Buchhandlung
1873 ein
neues
Ladengeschäft
gegenüber
der
Universität,
am
Königsberger
Paradeplatz,
und bereitet
damit noch,
bevor die
Familie
Gräfe 1878
durch
Verkauf aus
der Firma
ausscheidet,
die künftige
Größe des
Hauses Gräfe
und Unzer
vor.
Lit.: Kurt
Forstreuter:
Gräfe und
Unzer. Zwei
Jahrhunderte
Königsberger
Buchhandel.
Königsberg
Pr. 1932.
–
Kurt
Forstreuter:
Heinrich
Eduard Gräfe,
in:
Altpreußische
Biographie,
hrsg. v.
Christian
Krollmann,
Bd. 1,
Marburg/L.
1974, S.
227.
–
Gräfe und
Unzer
schreibt
Geschichte,
Red.:
Susanne
Fink,
München
1997.
– 250
Jahre Gräfe
und Unzer
1722-1972,
hrsg. v.
Joachim
Schondorff
u. Kurt
Prelinger,
München
1972.
Friedemann
Kluge