Überblicken
wir die
Biographie
von Prof.
Dr. Ludwig
Graff von
Panscova (er
schrieb sich
auch L. von
Graff oder
L. B.
Graff), so
stellen wir
fest, daß
sein Leben
und
Werdegang
charakteristisch
für einen
Großteil der
akademischen,
insbesondere
der in den
Randgebieten
beheimateten
Jugend des
Vielvölkerstaates
Österreich-Ungarn
war. L. v.
Graff war
ein
Nachkomme
jener
Siedler aus
Mitteleuropa,
die nach der
Befreiung
des Banates
1716 durch
Prinz Eugen
von
Savoyen-Carignan
(1663–1736)
die in der
„Türkenzeit“
großflächig
devastierten
Gebiete neu
besiedelten.
L. von Graff
wurde am 2.
Januar 1851
im damals
österreichisch-ungarischen
Städtchen
Pantschowa
(ung.
Pancsova,
serb.
Pančevo) in
der heutigen
Provinz
Wojwodina
(Serbien)
geboren.
Sein Vater
Wilhelm
Hermann
Graff Edler
von Pancsova
(1813–1893),
Hauptmann
und
Apotheker,
wurde für
seine
Verdienste
um die
Wirtschaft
des Banates
von Kaiser
Franz Joseph
in den
erbländischen
ungarischen
Adelsstand
erhoben. Die
Mutter
stammte aus
dem
Adelsgeschlecht
derer von
Zoldy de
Zold. Die
Elementar-
und
Oberrealschule
durchlief er
1857–1865 in
seiner
Vaterstadt,
um
anschließend
das
Piaristengymnasium
in
Temeschburg
(Temeschwar,
ung.
Temesvár,
rum.
Timişoara,
heute in
Rumänien) –
dem
kulturellen
und
wirtschaftlichen
Mittelpunkt
des Banates
und damals
Zentrum der
Banater
Schwaben –
zu besuchen.
Nach
bestandenem
Abitur
studierte v.
Graff
Medizin an
der
Universität
Wien
1868–1871,
anschließend
in Graz
1871–1873
bei Prof. O.
Schmidt
Zoologie.
Nachdem
Prof.
Schmidt 1872
an die
Universität
Straßburg
berufen
wurde,
folgte ihm
v. Graff –
nach einer
hervorragend
bestandenen
Staatsprüfung
– im Jahre
1873 als
Assistent an
die
altehrwürdige,
1621
gegründete
und damals
international
renommierte
akademische
Lehranstalt.
Hier
promovierte
er im selben
Jahr zum Dr.
phil. und
wurde dank
seiner
aufsehenerregenden
Dissertation
Assistent
bei dem
Mediziner
und Zoologen
Prof. Karl
Theodor
Ernst von
Siebold
(1804–1885)
in München.
Bei diesem
weltbekannten
Wissenschaftler,
dem
Begründer
der
wissenschaftlichen
Parthenogenesis,
entfaltete
sich v.
Graff zum
führenden
Experten auf
einem zu
dieser Zeit
wenig
bekannten
Gebiet des
Tierreiches,
den
Turbellarien
(Strudelwürmer,
heute über
16.000
bekannte
Arten
umfassend).
Hier
habilitierte
er 1874 mit
der damals
bahnbrechenden
Arbeit „Zur
Kenntnis der
Turbellarien“
und wurde
Privatdozent
an der 1459
gegründeten
Ludwig-Maximilians-Universität.
Zwei Jahre
später wurde
er zum
Professor an
die
Königlich
Bayerische
Forstlehranstalt
(Forstakademie)
Aschaffenburg
berufen, wo
er bis 1884
Forstliche
Zoologie
lehrte. Zu
seinen
Studenten
zählten
später so
bekannte
Persönlichkeiten
und Pioniere
des
Forstwesens
wie Dr. N.
Aristomenes
Chloros
(Generalinspektor
der Wälder
Griechenlands),
Nikolaus Th.
Bulgaris
(Oberforstinspektor
Griechenlands),
Graf
Nikolaus von
Esterhazy
(Ungarn),
Lorenz
Scherg
(Begründer
des
„Ungarischen
Spessarts“),
Dr.
Eustachius
Grasmann
(Wegbereiter
der modernen
japanischen
Forstwirtschaft,
Prof. der
Forstwissenschaften
in Tokio,
Gutachter
für Waldbau
in Tsingtau
und
Kiautschou/
China) sowie
Prof. Dr.
Karl
Freiherr von
Tubeuf
(Inhaber des
Lehrstuhls
für
Anatomie,
Physiologie
und
Pathologie
der Pflanzen
an der
Universität
München). L.
v. Graff
begeisterte
seine Hörer
nicht nur
für die
Zoologie,
sondern
vermittelte
ihnen auch
die
Verbindung
zwischen
Tierreich
und
Humanmedizin.
Ihm ist es
wohl zu
verdanken,
daß in der
relativ
kurzen
Zeitspanne
seiner acht
Jahre
währenden
Lehrstuhltätigkeit
in
Aschaffenburg
mehrere
Forstleute
nachträglich
Medizin
studierten,
darunter
Julius
Schwesinger,
Josef
Freymadl
(Ärzte im
ehemaligen
Schutzgebiet
Deutsch-Ostafrika,
heute
Tansania),
Rudolf von
Gender, Carl
Mantel und
Karl
Schmidt.
L. v. Graff
folgte 1884
dem Ruf an
die 1586
gegründete
Karl-Franzens-Universität
in Graz als
Ordinarius
für
Zoologie, wo
er bis 1920
als
Lehrstuhlinhaber
wirkte. Er
war es auch,
der das
Institut für
Zoologie ins
Leben rief.
Hier
vertiefte er
die
Grundlagen
zur Kenntnis
der
Tiergruppe
der
Turbellarien
und ist auch
heute noch
bekannt als
„Vater der
Turbellarien“.
Um das
Wissen über
die Tausende
von
unbekannten
Turbellarienarten
zu
erweitern,
unternahm er
in der
Grazer Zeit
zahlreiche
Studienreisen:
1871 nach
Istrien und
Venedig,
1873 nach
Neapel und
Messina,
1893 nach
Ceylon und
Java. Es
folgten dann
1902
Norwegen,
1903
Sewastopol
auf der Krim
am Schwarzen
Meer und
1907
Nordamerika.
Die
Forschungsreisen
führten zu
bis dahin
ungelüfteten
Geheimnissen
über diese
Lebewesen,
welche v.
Graff in
seinen
voluminösen
Werken, z.B.
in der
zweibändigen
„Monographie
der
Turbellarien“
(Wien 1882,
1889),
festhielt.
Es folgten
dann neben
den
zahlreichen
Beiträgen in
Fachzeitschriften
die Werke:
„Die
Turbellarien
als
Parasiten
und Wirte“
(Graz 1903)
und „Das
Schmarotzertum
im Tierreich
und seine
Bedeutung
für die
Artbildung“
(Graz 1907).
Zwischen
1859 und
1862 gab der
Heidelberger
Professor
Heinrich
Georg Bronn
drei Bände
der „Klassen
und
Ordnungen
des
Tierreiches“
heraus. Der
vierte Band
(„Turbellarien“)
wurde
1904–1908
bzw.
1912–1917
von Prof. L.
v. Graff
verfaßt und
herausgegeben.
Dieses Werk
ist ein bis
in die
Gegenwart
fortgesetztes
Nachschlagewerk
geblieben.
Seine
akademische
Kompetenz
und sein
organisatorisches
Talent
führten zur
Ernennung v.
Graffs zum
Dekan der
Grazer
Philosophischen
Fakultät
(1888) bzw.
zum Rektor
der
Universität
(1896).
Darüber
hinaus wurde
er für seine
grenzüberschreitenden
Verdienste
mit dem
Titel eines
„Geheimen
Rates“
gewürdigt
und zum
Träger
mehrerer
österreichischer
Orden
erkoren.
Sein
umfangreiches
Werk wurde
von der
gesamten
Fachwelt
gewürdigt.
So wurde er
zum Mitglied
der Wiener
Akademie der
Wissenschaften,
zum Mitglied
der
Wissenschaftlichen
Gesellschaften
Wien,
Berlin,
Prag,
Triest,
Moskau,
Frankfurt a.
M.,
Aschaffenburg
und
Philadelphia
gewählt,
sowie zum
Ehrendoktor
der
schottischen
Universität
St. Andrews
und der
Universität
Cambridge
ernannt.
Dieser
verdienstvolle
Wissenschaftler,
Forscher und
begabte
Pädagoge
starb im
Alter von 73
Jahren im
Februar 1924
in geistiger
Umnachtung
in Graz.
Seine
geliebte
Banater
Heimat wurde
schon 1919
in drei
Teile
zerrissen
und dem
vergrößerten
Königreich
Rumänien
sowie dem
Königreich
der Serben,
Kroaten und
Slowenen
zugesprochen.
Rund 50
Jahre nach
seinem Tod
sollte
erneut ein
Rumäniendeutscher,
Prof. Dr.
Wilhelm
Zwölfer
(1897–1967),
als
geistiger
Nachfolger
von L. v.
Graff das
Lehrfach
Forstzoologie
an deutschen
Universitäten
vortragen
(so in
Freiburg
i.Br.
1936–1941,
bzw. München
1941–1964).
Lit.:
Anonymus:
Symposium
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