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Als Schriftstellerin
tritt Traud Gravenhorst erst verhältnismäßig spät mit ihren Arbeiten
hervor. Das Erleben der Riesengebirgswelt hat sie vor allem veranlaßt,
literarisch tätig zu werden, wie sie selber sagt. Den ihr endlos
erscheinenden Schuljahren in Breslau folgen viele Jahre der Wanderung
durch das Ausland, von der französischen Schweiz über Schottland und
England bis nach Litauen und Rußland. Mit ihrem Gatten, einem hohen
deutschen Verwaltungsbeamten, läßt sie sich 1921 in Berlin nieder. Hier
kommt es zu den ersten großen Arbeiten, deren erste unter dem Titel
Reise nach Sagan, bei Wilhelm Gottlieb Korn in Breslau verlegt, elf
Jahre später veröffentlicht wird. Mit sicheren historischen Kenntnissen
und einer ausdrucksstarken Sprache zeichnet sie in diesem Novellenband
drei lebensvolle und bedeutende Gestalten, die sich jeweils im
Augenblick großer Ereignisse im Schnittpunkt europäischer Kraftlinien
mit Schlesien verbunden haben: Schaffgotsch zwischen Kaiser Ferdinand
und Wallenstein, Talleyrand zwischen Frankreich und Kurland und Yorck
zwischen Napoleon und Rußland.
Durch viele Reisen wird
der Schriftstellerin Italien zur zweiten Heimat. Diesem Erlebnis ist der
Roman Heimweh des Herzens zu verdanken, der 1935 bei S. Fischer
erscheint und später im Wunderlich-Verlag eine neue Auflage erfährt.
Eine Brücke zwischen Italien und Schlesien schlägt gleichfalls der Roman
von 1941 Juliana Heidebrandt, in dem die Zeit der Renaissance
wachgerufen wird. Das Hauptwerk von Traud Gravenhorst bringt 1938 der
Korn-Verlag heraus, Schlesien - Erlebnisse eines Landes.
Es wird von Gerhart Hauptmann anerkennend als Ruhmesblatt Schlesiens
gewürdigt. Mit großer dichterischer Kraft und fundierter Sachkenntnis
vermochte sie die wesensbestimmenden Erlebnisse des schlesischen Landes
im Laufe seiner wechselvollen Geschichte zu einem eindrucksvollen Ganzen
zusammenzufassen. Das bestätigt sogar der amtliche Pressedienst der
Bundesregierung: „Traud Gravenhorsts Prosa-Epos wird dazu beitragen, daß
der Verlust Schlesiens im deutschen Volk nicht vergessen wird.“ Ein auf
solche Weise vertieftes Geschichtsbewußtsein ist leider mehr und mehr
verlorengegangen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß
vornehmlich wir Deutschen dabei sind, in dieser Hinsicht unser
Gedächtnis zu verlieren. Der 1943 erschienene Roman Der Troubador
beruht auf dem Rußland-Erlebnis der Schriftstellerin. In der Mitte des
Geschehens steht Wilna. Trotz des Miterlebens der Berliner Bombennächte
vermag sie in dieser Zeit eine Hymne an Florenz
niederzuschreiben.
Nach dem Zusammenbruch
wird durch die Jahre der Not die Schaffenskraft von Traud Gravenhorst
sehr beeinträchtigt, und sie findet erst in Mannheim und später in
München eine Bleibe, wo sie sich zunächst der Überarbeitung und
Neuherausgabe ihrer wesentlich schlesischen Werke widmet. Es entstehen
die sechs Geschichten um Katrin, die sich zwischen Breslau und
dem Riesengebirge zutragen. Der Roman Geliebtes Tal erscheint
1955 und die Jugendgeschichten Amarant, Tage der Kindheit 1958 im
Bergstadt-Verlag
Wilhelm Gottlieb Korn in
München-Pasing, früher Breslau. Ihr letztes großes Werk ist der Roman
Ein Rittergut in Schlesien, Fremde Adler, Eros in Toscana, der 1966
im gleichen Verlag herauskommt. In der Einführung dazu schreibt August
Scholtis u.a.: „In seiner erzählenden Ichform erreicht der neue Roman
vom ersten bis zum letzten Satz nachgerade eine ungewöhnlich starke
Konzentration. Diese Ichform ist an die Hauptgestalt weitergegeben, an
Constanze, Tochter eines schlesischen Gutsbesitzers. Sie erzählt uns
ihre schwermütige Liebesgeschichte, es handelt sich um eine wunderbare
Liebesgeschichte, um eine der schönsten schlesischen Liebesgeschichten."
Und er schließt seine Ausführungen mit dem Satz: „Dieses neue Werk von
Traud Gravenhorst legitimiert den deutschen Kulturgedanken in Schlesien
aus dem Geiste Humboldts, sowie eine gewisse preußische Klassizistik,
die für ihre Sehnsucht in südlichen Regionen Erfüllung suchte."
Zahlreiche Würdigungen wurden Traud Gravenhorst zuteil. Achim Anders
schrieb zu ihrem Werk: „In den erzählerisch beglückenden Werken wird die
ganze, bunte Welt Schlesiens, das Antlitz einer unverlierbaren Heimat
sichtbar." Die Autorin starb vor 1968 unerwartet nach einem ganz kurzen
Krankenlager in einer Münchner Klinik.
Lit.:
August Scholtis: Der
neue Roman von Traud Gravenhorst, in: Vierteljahresschrift Schlesien
11/1966. - Karl Schodrok: Wir trauern um: Traud Gravenhorst, in
Vierteljahresschrift Schlesien III/1968.
Konrad Werner
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