Vor 50
Jahren
verstarb in
Paderborn
der
ehemalige
Arbeitersekretär,
Sozialpolitiker,
preußische
Abgeordnete
und
Oberpräsident
Johannes
Franz
Gronowski.
Seine Wiege
stand jedoch
nicht in
Westfalen,
sondern in
Westpreußen,
genauer
gesagt in
Graudenz an
der
Weichsel.
Aus Johannes
Gronowskis
Kindheit,
die er in
Westpreußen
verbrachte,
sind nur
sehr wenige
Einzelheiten
bekannt.
Auch die
persönlichen
Unterlagen,
die sich
noch im
Stadtarchiv
Paderborn
befinden,
geben hier
nur sehr
lückenhaft
Auskunft.
Fest steht
aber soviel:
Gronowskis
Vorfahren
stammten aus
dem Kreis
Graudenz –
die Familie
war schon
seit
mehreren
Generationen
in
Rittershausen
ansässig.
Die Familie
seiner
Mutter kam
aus Tarpen
und Okonin.
Johannes
Gronowski
wurde am 4.
Februar 1874
als zweites
Kind des
Arbeiters
August Franz
Gronowski
und dessen
Ehefrau
Maria, einer
geborenen
Peplinska,
in der
Kreisstadt
Graudenz
geboren und
vier Tage
später in
der
katholischen
Pfarrkirche
St. Nikolaus
getauft.
Sein Vater
sollte dies
jedoch nicht
mehr
erleben:
August
Gronowski
war ein
halbes Jahr
vorher im
Alter von 35
Jahren
gestorben.
Die
hierdurch
eingetretene
dramatische
wirtschaftliche
Lage der
kleinen
Familie
zwang auch
den jungen
Gronowski
dazu, schon
früh seinen
Anteil zum
Lebensunterhalt
zu leisten –
der gerade
einmal
schulpflichtige
Johannes war
gezwungen,
Brennholz zu
sammeln und
während der
Schulferien
täglich bei
einem Bauern
zu arbeiten.
Die Kleidung
für seine
Erstkommunion
konnte er
sich nur
erarbeiten,
weil ihm ein
ganzes
Schuljahr
geschenkt
wurde.
Diese
Kindheits-
und
Jugenderfahrungen
prägten
Gronowski
nachhaltig.
Zum einen
entwickelte
er durch
diese Zeit
schon früh
ein Gefühl
für soziale
und
ökonomische
Probleme,
zum anderen
war seine
persönliche
und
familiäre
Lebensführung
zeitlebens
von
Bescheidenheit
geprägt.
Im Jahre
1889 verließ
der
15-jährige
Gronowski
dann sein
Elternhaus.
Seine Heimat
Westpreußen
scheint er
nie wieder
gesehen zu
haben – auch
nicht zum
Tod der
Mutter im
Jahre 1938,
als es
Gronowski
selbst
allerdings
wirtschaftlich
nicht
besonders
gut gegangen
sein dürfte.
Von Graudenz
aus zog es
ihn nach
Westen und
er begann
bei der
Firma
Zimmermann
in Steglitz
bei Berlin
eine Lehre
zum
Maschinen-
und
Bauschlosser.
Im Alter von
17 Jahren
erlebte der
junge
Gronowski
dort seine
erste
Maifeier –
zwar lehnte
er die
Klassenkampfideologie
der
Sozialisten
ab, aber das
Gespür für
soziale
Probleme war
schon
deutlich
ausgeprägt:
„Mein
Meister und
die Gesellen
lehnten die
Maifeier ab,
aber aus der
Unterhaltung
der Gesellen
hörte ich
heraus, dass
es doch wohl
die höchste
Zeit sei,
den Armen
und
Schwachen zu
helfen. Als
17jähriger,
der in ‚der
Fremde‘
lernte,
zählte ich
mich auch
dazu. Warum?
Eine
zwölfstündige
Arbeitszeit
war für uns
‚Stifte‘
eine
Selbstverständlichkeit!
Oft mussten
wir
Ueberstunden
und
Nachtarbeit
verrichten,
und am
Sonntag
vormittag
wurde die
Werkstatt
aufgeräumt.
Regelmässiger
Kirchgang
war etwas
Fremdes.
Karfreitag,
Buss- und
Bettag ja,
dann aber
Schluss!“
In der
damaligen
Zeit fehlte
schlicht das
Verständnis
für
derartige
Aktivitäten,
einen
Jugendschutz
gab es
nicht, die
Unterkünfte
der
Lehrlinge
waren
„bedenklich“
und
abgesehen
von
ausreichender
Verpflegung
gab es –
sofern
Überstunden
oder gar
Nachtarbeit
geleistet
worden waren
– pro Woche
50 Pfennig
Taschengeld:
„Das war
die soziale
Atmosphäre,
in der ich
die erste
Maifeier
erlebte.“
Jeden
zweiten
Sonntag
durfte er
dann aber
doch seine
Arbeitsstelle
für zwei
Stunden
verlassen,
um die Messe
besuchen zu
können. Vom
Staat
erwartete
Gronowski
keine
Besserung
der sozialen
Probleme:
„... es soll
nicht
verschwiegen
werden, dass
auch Wilhelm
II. die gute
Absicht
hatte, den
Notleidenden
zu helfen.
Er berief
Vertreter
aller
Regierungen
zu einer
‚Sozialen
Konferenz‘
nach Berlin,
von der
heute
niemand mehr
etwas weiss.
Es war ein
ziel- und
planloses
Gerede.“
Von den
Sozialisten
und ihrer
Klassenkampfideologie
wandte er
sich früh
ab, da deren
Vertreter
sich
kategorisch
gegen eine
Zusammenarbeit
mit den
Kirchen auf
sozialem
Gebiet
wandten. In
dieser Zeit
machte er
auch die
erste
Bekanntschaft
mit dem von
Adolf
Kolping
bereits in
den
vierziger
Jahren
gegründeten
Katholischen
Gesellenverein.
Nach
bestandener
Gesellenprüfung
begannen
seine
Wanderjahre,
die ihn quer
durch
Deutschland
und
schließlich
nach
Dortmund
führten. In
der
Großstadt am
Hellweg fand
er eine
Anstellung
als
Maschinenschlosser
in der
dortigen
Eisenbahnhauptwerkstatt
in der
Sedanstraße
und
qualifizierte
sich daneben
noch in
Abendkursen
zum
Werkführer
einer
Abteilung
von 52
Handwerkern
und
Arbeitern –
und er wurde
auf die
damals noch
in den
„Kinderschuhen“
steckende
katholische
Arbeiterbewegung
aufmerksam,
in der der
tief
religiöse
Gronowski
sein
künftiges
Betätigungsfeld
finden
sollte.
In diesem
Zusammenhang
spielte der
1890 in
Mönchengladbach
gegründete
Volksverein
für das
katholische
Deutschland
eine
wichtige
Rolle, der
in der
damaligen
Zeit als
eine Art
„Volksuniversität“
galt.
Gegründet
worden war
der
Volksverein
vor allem
von
führenden
Politikern
der
Zentrumspartei
– da waren
der
Mönchengladbacher
Industrielle
Franz
Brandts, der
Vorsitzende
der
Zentrumspartei
und
parlamentarische
Gegenspieler
Bismarcks,
Ludwig
Windthorst
und der
oberschlesische
Industrielle
Franz Graf
von
Ballestrem
sowie der
aus Olpe
stammende
Theologe
Franz Hitze,
der als
erster
Professor
für
christliche
Gesellschaftslehre
im
deutschsprachigen
Raum an der
Universität
in Münster
tätig war
und als
„Vater der
katholischen
Arbeitervereine“
und
Wegbereiter
des
Caritasverbandes
gilt. In
späteren
Jahren
(1903/1904)
absolvierte
Gronowski
mehrere
Kurse in
Mönchengladbach,
unter
anderem
einen
zehnwöchigen
„Großen
Kursus“,
der von dem
späteren
Reicharbeitsminister
Dr. Heinrich
Brauns
geleitet
wurde.
Aber zuerst
widmete der
junge
Gronowski
sich einer
anderen sehr
praktischen
Aufgabe:
Innerhalb
von elf
Jahren
etablierten
er und seine
Mitstreiter
den
katholischen
Volksverein
im „roten“
Dortmund.
Das erste so
genannte
Volksbüro
öffnete 1895
seine
Pforten und
beriet die
Arbeiter in
Fragen der
Sozialversicherung,
des
Arbeitsschutzes
sowie in
Schul-,
Steuer- und
Militärsachen.
Genauso oder
noch
wichtiger
waren
dagegen die
Bildungsabende,
auf denen
katholischen
Arbeitern
und ihren
Familien ein
religiös-weltanschauliches
Fundament
vermittelt
wurde.
Diese neuen
Aufgaben
nahmen ihn
so stark in
Anspruch,
dass er 1902
die
Lokomotivfabrik
verließ, um
sich
hauptberuflich
dem Auf- und
Ausbau des
Christlichen
Arbeitersekretariats
zu
widmen. Die
organisatorische
und
entbehrungsreiche
Arbeit
Gronowskis
in Dortmund
wurde 1906
mit der
Gründung des
ersten
katholischen
Arbeitervereins
gekrönt.
Zwei Jahre
zuvor hatte
der
mittlerweile
33-jährige
Gronowski
die aus
Iserlohn
stammende
Sophie
Pott-Eckardt
geheiratet.
Aus der Ehe
gingen fünf
Kinder
hervor.
Seine
politische
Karriere
begann 1905,
als er für
die
Zentrumspartei
Abgeordneter
in der
Dortmunder
Stadtverordnetenversammlung
wurde –
diesen Sitz
behielt er
trotz
weiterer
Ämter bis
1921.
Schnell
erwarb er
sich einen
guten Ruf
als Experte
für
Sozialpolitik
und
Arbeitsrecht,
übernahm
Ämter
innerhalb
der Partei
und wurde
1908 zum
Mitglied des
Preußischen
Abgeordnetenhauses
für den
Landkreis
Dortmund
gewählt – in
der
Stichwahl
hatte er
sich mit
Hilfe der
Sozialdemokraten
gegen den
Kandidaten
der
Nationalliberalen
durchgesetzt.Sein
Amt als
Arbeitersekretär
gab er zwar
auf, aber in
den
Folgejahren
war er in
Personalunion
Abgeordneter
im
Preußischen
Abgeordnetenhaus,
Stadtverordneter
und
Parteisekretär
des Zentrums
in Dortmund.
Seine bei
der
Eisenbahn
gesammelten
Erfahrungen
brachte er
später bei
der Beratung
des
Eisenbahnetats
im
Preußischen
Landtag so
fundiert
ein, dass
ihm ein
Kollege aus
der
National-Liberalen-Fraktion
freundlich
zurief:
„Nehmen Sie
sich in
Acht, Sie
steuern auf
den
Ministersessel
zu!“ Im
Abgeordnetenhaus
gehörte er
daneben zu
den
regelmäßigen
Sprechern
seiner
Fraktion,
wenn es um
sozialpolitische,
kultur-,
schul- und
kirchenpolitische
Themen ging.
Auch in der
verfassunggebenden
deutschen
Nationalversammlung
und zur
preußischen
Landesversammlung
1919 war er
vertreten.
Gronowski,
der sich nie
nach Ämtern
gedrängt
hatte, wurde
hier ein
Ministerposten
angetragen.
Er selbst
äußerte sich
später dazu,
dass „ich
nur durch
mein
eindeutiges
‚Nein‘ an
dem
gefürchteten
Ministersessel
vorbei“
kam.
Gronowski
war beileibe
kein Gegner
der
Monarchie
gewesen –
die
Novemberrevolution
von 1918/19
sah er als
„Hochverrat“
an und er
verlangte
ein
rücksichtloses
Vorgehen
gegen
linksradikale
Vereine und
Parteien –
entwickelte
sich aber
nach dem
Ersten
Weltkrieg zu
einem
überzeugten
und
konsequenten
Verfechter
der neuen
und von
vielen so
ungeliebten
republikanischen
Staatsordnung
– höchst
zuwider war
ihm dabei
politischer
Radikalismus,
egal welcher
Richtung:
„Wenn man
die von
rechts und
die von
links in
einen Sack
tut und
durcheinanderschüttelt
und den Sack
öffnet,
kommt
Deutschlands
Unglück
immer zuerst
heraus.“
Als es um
eine Reform
des
Beamtenwesens
ging, hielt
er den
Blockierern
entgegen,
dass sie
grundsätzlich
gegen die
Republik und
die
Demokratie
seien und
sich nach
Zeiten
sehnen
würden,
„wo der
Mensch noch
nach Stand,
Rang,
Vermögen,
nach
Kleidung,
Titel und
Ordenszeichen
unterschieden
wurde.“
Drei Jahre
später
sollte dann
aber seine
große Stunde
schlagen. Im
Frühjahr
1922 war der
damalige
Oberpräsident
der Provinz
Westfalen,
der
Zentrumspolitiker
Bernhard
Wuermeling,
in den
Ruhestand
gegangen.
Gronowski,
der schon
seit 1919
dem
Westfälischen
Provinziallandtag
in Münster
angehört
hatte, wurde
von der
Zentrumsfraktion
des
preußischen
Landtags als
dessen
Nachfolger
vorgeschlagen,
ohne diese
Nominierung
mit den
Parteifreunden
in Westfalen
abzustimmen.
Kurz zuvor
hatte er es
abgelehnt,
Nachfolger
des
preußischen
Wohlfahrtsministers
Stegerwald
zu werden.
Nun war man
in der
Zentrumsfraktion
des
Abgeordnetenhauses
nicht länger
gewillt,
Gronowski
„davon
kommen“
zu lassen –
„im
Interesse
der Sache
der Partei
und des
Vaterlandes“
legte
man Wert
darauf, dass
er ein
Staatsamt
annehmen
solle. Was
folgte, war
ein in
seinem
Ausmaß
ungewöhnlich
heftiger
Widerstand
in Münster
gegen die
anstehende
Berufung des
„Arbeiters“
und
„Nicht-Westfalen“
Gronowski
zum
Oberpräsidenten
der Provinz
Westfalen!
Alt
eingesessene
westfälische
Adelsfamilien
und
agrarische
Standesorganisationen
sprachen
sich am
entschiedensten
gegen den
Kandidaten
aus. Ein
solcher Mann
als höchster
Repräsentant
der Provinz
Westfalen
schien im
konservativen
Münster
undenkbar,
hatten doch
alle
Oberpräsidenten
seit 1815
dem
westfälischen
Altadel oder
dem
gehobenen
Bürgertum
angehört.
Der
Westfälische
Bauernverein
urteilte
klipp und
klar:
„Die
westfälischen
Bauern sind
nicht
gewillt,
sich einen
Arbeitersekretär
als
Oberpräsidenten
gefallen zu
lassen.“
Gleichwohl
wurde er am
8. April
1922 vom
Provinzialausschuss
in Münster
zum neuen
Oberpräsidenten
gewählt und
mit
Beschluss
vom 28.
April vom
preußischen
Staatsministerium
ernannt. Das
publizistische
Echo in
Münster auf
die
„unglaubliche
Wahl“
Gronowskis
fiel dann
auch
dementsprechend
aus. Die
Westfälische
Tageszeitung
urteilte:
„Nun wird
[...] ein
Mann an die
Spitze der
Provinzialregierung
kommen, der
ihr hilflos
gegenüberstehen
wird. Von
Parteignaden
erhoben, von
Parteignaden
erhalten,
werden wir
in Gronowski
den Mann
sehen, der
ohne eigene
Initiative,
ohne
Kenntnis und
Erfahrung
der
staatskundlichen
Größe,
allein nach
parteilicher
Anweisung
der
Provinzialregierung
seine
Stellung
aufzudrücken
versuchen
wird.
[...] ...
wir müssen
erklären,
daß wir mit
großer
Besorgnis
einen Mann
an der
Spitze
unserer
Provinzialregierung
sehen, von
dessen
Tätigkeit
wir nicht
den
geringsten
Vorteil zu
erwarten
vermögen.“
Im
Ruhrgebiet
dagegen
hatte der
Name
Gronowski
einen guten
Klang. Die
Gelsenkirchener
Zeitung war
überzeugt,
„daß die
Gegner der
Kandidatur
Gronowskis
sehr bald
einsehen
werden, daß
sie auf das
falsche
Pferd
gesetzt
hatten; sie
werden durch
die
Persönlichkeit
und die
Amtsführung
Gronowskis
als
Oberpräsident
bald
angenehm
enttäuscht
sein.“
Gronowski
selbst
wertete
seine
Berufung als
eine
Anerkennung
der
katholischen
Arbeiterbewegung
in Westfalen
– eine
Ablehnung
der Berufung
hätte seinem
Pflichtbewusstsein
widersprochen.
Die alten
Eliten
Münsters
machten nur
widerstrebend
ihren
Frieden mit
Gronowski,
der nunmehr
ins Schloss
einzog. Ein
erstes
einschneidendes
Ereignis für
den neuen
Oberpräsidenten
Gronowski
war der
Besuch des
Reichspräsidenten
Friedrich
Ebert in
Münster am
11. August
1924, dem
Verfassungstag.
Das
konservative
Bürgertum
Münsters
lehnte den
„Sattlergesellen“
Ebert als
„Vaterlandsverräter“
und
„Novemberverbrecher“
ab, während
Gronowski
sich immer
dagegen
ausgesprochen
hatte, die
Repräsentanten
der Weimarer
Republik für
das Ende der
Monarchie
und die von
vielen als
Schmach
empfundenen
Folgen des
Versailler
Vertrages
von 1919
verantwortlich
zu machen.
Der Besuch
Eberts
verlief
letztendlich
in einem
würdigen
Rahmen, aber
die erhoffte
Signalwirkung
zu Gunsten
der Republik
wollte sich
nicht
einstellen.
Ein Jahr
später –
1925 –
begrüßte der
Oberpräsident
den gerade
erst
gewählten
Reichspräsidenten
Paul von
Hindenburg
im
Ruhrgebiet.
In weiten
Teilen der
Provinz fand
Gronowskis
Wirken mit
der Zeit
hohe
Anerkennung,
was auch mit
seinem
enormen
Arbeitspensum
zu tun
hatte. Sein
Reisetagebuch
verzeichnet
für die Zeit
von 1922 bis
1933 allein
650 Reisen
innerhalb
Westfalens:
da waren
Stadtjubiläen,
Besichtigungen
von
Arbeiterkolonien
oder
Glückwünsche
für
Jubilare,
Zechenbesuche
und vieles
mehr.
Daneben
behielt er
die ganze
Zeit über
sein
Abgeordnetenmandat
im
Preußischen
Landtag bei,
was ihn
ständig
zwischen
Münster und
Berlin
pendeln ließ
– ein
Privatleben
gab es für
ihn lange
Zeit
praktisch
nicht.
Ein
besonderes
Großereignis
fand 1930 in
Münster
statt: der
69.
Katholikentag.
Gronowski
betonte in
seinem
Grußwort die
Freiheiten,
die die
katholische
Kirche und
die
Gläubigen im
„neuen
Volksstaat“
besäßen und
appellierte
an die
katholische
Arbeiterschaft,
sich nach
Kräften zu
engagieren.
Aus Sicht
der
Westpreußen
bedeutsam
ist die Rede
Gronowskis
auf der
Ostmarkenkundgebung
des
Rheinisch
Westfälischen
Hauptverbandes
der
heimattreuen
Ost- und
Westpreußen
in Hagen
am 23.
Februar
1931.
Hierbei
versicherte
Gronowski
den
versammelten
Delegierten
die
Solidarität
aller
Deutschen
angesichts
der durch
den
Versailler
Vertrag
verursachten
Abtrennung
Ostpreußens:
„Aber
nicht durch
Worte allein
wollen wir
helfen.
Nein, wir
stärken den
deutschen
Gedanken im
Osten durch
Zuwanderung
und
Seßhaftmachung
westfälischer
Landwirte,
und wir
unterstützen
im Reichs-
und Landtag
im Rahmen
des
Möglichen
die Wünsche
des Ostens;
wir fühlen
uns als eine
Schicksalsgemeinschaft!
Auch in
unserem
Herzen
brennt das
Verlangen
nach
Beseitigung
der
unnatürlichen
Trennung
Ostpreußens
vom übrigen
Deutschland.
Diese
Abschnürung
kann nicht
verewigt
bleiben.
(Beifall)
Die
Diplomatie
Europas und
der
Völkerbund
können
dieses
Unrecht
beseitigen.
Wir wollen
nicht, daß
der Osten
seine
Lebenskraft
verliert,
und darum
rufen wir in
die ganze
Welt hinein:
Beseitigt
das Unrecht
an den
beiden Ufern
der
Weichsel!
(Beifall)
Je weiter
wir uns von
dem
Weltkrieg
entfernen,
umso mehr
wird die
außenpolitische
Atmosphäre
entgiftet,
und darum
hoffen wir,
daß die
Stunde bald
schlagen
wird, in der
die
trennende
Schranke an
der Weichsel
fällt.“
(Beifall)
Dem Ende der
zwanziger
Jahre
aufkommenden
Nationalsozialismus
stellte
Gronowski
sich
entschieden
entgegen. Er
verbot
antirepublikanische
Kundgebungen
sowie
Zeitungen,
die
Hetzartikel
gegen den
Staat
veröffentlichten.
Neben der
Arbeit der
Zentrumspartei
war auch die
Zusammenarbeit
mit den
Sozialdemokraten
– vor allem
dem aus
Königsberg/Pr.
stammenden
preußischen
Ministerpräsidenten
Otto Braun
und dessen
Innenminister
Carl
Severing –
von hoher
Bedeutung.
Gronowski
sah durchaus
die
Notwendigkeiten,
etwas zur
Änderung von
Missständen
tun zu
müssen, aber
er trat den
Radikalen
entgegen.
Auf dem
Verfassungstag
am 11.
August 1932
in Münster
appellierte
er an eine
gesunde
politische
Kultur, da
die
politischen
Auseinandersetzungen
in unserem
Land Formen
angenommen
hätten,
„die
geeignet
sind, uns in
den Augen
anderer
Kulturvölker
zu
Halbwilden
zu
degradieren
...“
Diese Phase
endete am
20. Juli
1932, als
die
preußische
Staatsregierung
durch
Reichskanzler
Franz von
Papen
abgesetzt
wurde. Nach
der
Ernennung
Hitlers zum
Reichskanzler
am 30.
Januar 1933
setzten
schon bald
Hetze und
Schikanen
gegen die
sozialdemokratische
und
Zentrumspresse
ein.
Gronowski
weigerte
sich, ein
Zeitungsverbot
durchzusetzen
und wurde
daher mit
Wirkung vom
22. Februar
1933 in den
einstweiligen
Ruhestand
versetzt, am
6. Oktober
1933 dann
endgültig
entlassen.
Am
schwersten
dürfte ihn
wohl der
Vorwurf
gekränkt
haben,
„für den
nationalen
Staat
unzuverlässig“
zu sein.
Es folgten
zwölf
beschwerliche
Jahre. Von
der
NS-Presse
verleumdet
und von
Rollkommandos
der SA
bedroht
verließ
Gronowski
Münster und
zog nach
Köln. Aus
Sorge um
seine
Familie und
Freunde
enthielt er
sich
jeglicher
politischer
Tätigkeit.
Um sich und
die Familie
zu ernähren,
nahm er eine
Stelle als
Handelsvertreter
einer
Weingroßhandlung
an. Später
legte er
Wert darauf,
sich in
diesen
schwierigen
Zeiten
„ehrlich
durchgeschlagen“
zu haben.
Durch den
Bombenkrieg
1944
wohnungslos
geworden,
siedelte die
Familie –
seine Frau
war bereits
1943
gestorben –
von Köln
nach
Paderborn
über. Doch
auch seine
neue Bleibe
wurde bei
einem
Fliegerangriff
zerstört,
Gronowski
selbst
verschüttet
– seit
diesem
Ereignis
litt er
unter
schweren
Hörschäden.
Angesichts
dieses
Schicksals
verwundert
es nicht,
wenn
Gronowski
1948
sichtlich
verärgert
auf einen
zum
wiederholten
Mal an ihn
gesandten
Fragebogen
zu seiner
politischen
Vergangenheit
reagierte:
„Sechsundzwanzig
Fragebögen
habe ich in
den letzten
drei Jahren
ausgefüllt
und den
zuständigen
Behörden
eingeschickt.
Das reicht
für mich
aus. Ich bin
sogar
Vorsitzender
eines
Entnazifizierungs-Ausschusses,
Oberpräsident
a. D.,
Abgeordneter,
Landesvorsitzender
der CDU von
Westfalen u.
manches
andere. Es
ist demnach
hinreichend
bekannt,
dass ich
weder der
NSDAP noch
ihren
Gliederungen
angehört
habe. Ich
habe keine
Nazizeitung
gehalten und
in meiner
Wohnung kein
Nazibuch
geduldet.
Niemals
wurde meine
Wohnung
durch ein
Hitlerbild
oder eine
Hakenkreuzfahne
entehrt. Die
Menschen
grüßte ich,
wie es unter
Kulturvölkern
üblich ist,
aber nicht
mit ‚Heil
Hitler‘. In
die
tausendfach
geschwenkte
Sammelbüchse
legte ich
keinen
Beitrag
hinein.
[...] Mit
dieser
Gesinnung
passte ich
in die
Nazizeit
nicht hinein
und wurde
1933
fortgejagt.
In Köln und
Paderborn
wurde ich
ausgebombt
und vor drei
Jahren wurde
ich bei
einem
Bombenangriff
lebendig
begraben.
[...] So, nun bitte ich, mich mit weiteren Fragen zu verschonen.“
In einem
Zeitungsartikel
unter dem
Titel
Woher kam
unsere
Not?
rechnete
Gronowski
schonungslos
mit den
Jahren 1933
bis 1945 ab.
Aus diesen
Zeilen
sprach zum
einen seine
Verbitterung,
vor allem
aber seine
Religiosität
und sein
Glaube an
eine gute
Zukunft. Er
verurteilte
darin die
Abkehr des
deutschen
Volkes von
Gott, die
planmäßige
Christenverfolgung
und die
„Vergiftung“
der Jugend,
richtete
aber den
Blick auch
nach vorn:
„...
mutige Werke
werden von
uns
unerbittlich
verlangt:
unbeugsamer
Lebenswille,
die alte
deutsche
Arbeitsfreude,
Opferbereitschaft,
Menschengüte,
das Walten
der
politischen
Vernunft und
die Rückkehr
zu Gott!“
Bereits 1945
rückte
Gronowski
wieder in
den
politischen
Fokus
Westfalens.
Aus Alters-
und
Krankheitsgründen
– Gronowski
war
mittlerweile
71 Jahre alt
und
laborierte
an seinen
Kriegsschäden
– lehnte er
das ihm
angebotene
Amt des
Oberpräsidenten
ab.
Stattdessen
schloss er
sich in
Paderborn
einer
örtlichen
christlich-demokratischen
Partei an –
auf dem
Gründungsparteitag
der CDU in
Bochum am 2.
September
1945 wurde
er in den
Vorstand der
neuen Partei
gewählt.
Ganz bewusst
lehnte er
die
Mitarbeit in
der
Westfälischen
Zentrumspartei
ab, um einen
wirklichen
Neuanfang
machen zu
können. Sein
Ziel war
„... die
Vereinigung
der
evangelischen
und
katholischen
Christen auf
politischem,
sozialem,
wirtschaftlichem
und
kulturellem
Gebiet“.
Im März 1946
wurde er
sogar
Vorsitzender
des
Landesverbandes
Westfalen
der CDU und
ließ sich
1948 noch zu
einer
zweiten
Amtsperiode
überreden,
bevor er
sich 1951
von allen
Parteiämtern
zurückzog.
Von 1946 bis
1953 gehörte
er auch dem
Landtag des
Landes
Nordrhein-Westfalen
an. Als
Abgeordneter
machte er
sich für
einen
Fortbestand
der
regionalen
Selbstverwaltung
in Westfalen
stark –
diese
Selbstverwaltung
wurde 1953
in Gestalt
der
Landschaftsverbände
Rheinland
und
Westfalen-Lippe
gesetzlich
verankert.
Bis zu
seinem Tod
am 27.
August 1958
genoss
Gronowski in
der CDU
hohes
Ansehen.
Noch zu
seinem 80.
Geburtstag
im Jahre
1954 gab
sich die
Politik-Prominenz
in Paderborn
ein
Stelldichein.
Im
Bundestagswahlkampf
1957 hatte
er einen
seiner
letzten
öffentlichen
Auftritte an
der Seite
von
Bundeskanzler
Konrad
Adenauer in
der
Dortmunder
Westfalenhalle.
Seine letzte
Ruhestätte
fand
Johannes
Franz
Gronowski in
Paderborn.
Lit.:
Nachlass
Gronowski im
Stadtarchiv
Paderborn. –
Jörg-Dieter
Gauger,
Johannes
Gronowski
(1874-1958).
Vorsitzender
der CDU in
Westfalen,
in:
Christliche
Demokraten
gegen
Hitler,
hrsg. von G.
Buchstab u.a.,
Freiburg
2004, S.
232-239. –
Detlef
Grothmann,
Johannes
Gronowski,
in:
Westfälische
Lebensbilder,
hrsg. von
Friedrich
Gerhard
Hohmann, Bd.
17, Münster
2005, S.
7-21. –
Joseph Joos,
Der
Volksverein
für das
katholische
Deutschland,
Mönchengladbach
1918. –
Joseph Joos,
So sah ich
sie.
Menschen und
Geschehnisse,
Augsburg
1958. – Karl
Teppe,
Johannes
Gronowski,
in: Aus
dreißig
Jahren.
Rheinisch-Westfälische
Politiker-Porträts,
hrsg. von
Walter Först,
Köln/ Berlin
1979, S.
20-37. –
Karl Teppe,
Forum West.
Ein
Oberpräsident
gegen die
Tradition.
Erinnerung
an Johannes
Gronowski.
Sendung des
Westdeutschen
Rundfunks
vom 26.
August 1978.
Manuskript.
– Karl Teppe,
Johannes
Gronowski
(1874-1958).
Westfalens
Oberpräsident
aus
Westpreußen,
in:
Westpreußen-Jahrbuch
36/1986, S.
24-30.
Bild:
Kulturstiftung.
Martin
Steinkühler